Aufgabenblock — AFB III
Hier geht es nicht mehr ums bloße Einsetzen — du sollst begründen, rückwärts arbeiten und beurteilen. Mehrere Aufgaben haben keine fertige Zahl als Lösung, sondern verlangen einen Begründungssatz. Bei diesen gilt: erst selbst denken, dann die Musterlösung öffnen — das Aufklappen zählt als erledigt. Es gilt durchgehend g = 9,81 m/s²; Reibung wird — wo nicht anders gesagt — vernachlässigt.
Erkläre in 3–4 Sätzen, warum die Masse eines fallenden Körpers am Ergebnis für die Aufprallgeschwindigkeit nichts ändert — obwohl in Epot = m · g · h und in Ekin = ½ · m · v² beide Male ein m steht.
Hinweis: Setze die beiden Energien gleich und kürze.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Ohne Reibung wird die gesamte Lageenergie in Bewegungsenergie umgewandelt, es gilt also m · g · h = ½ · m · v². Da auf beiden Seiten derselbe Faktor m steht, lässt er sich kürzen; übrig bleibt v = √(2 · g · h). Die Aufprallgeschwindigkeit hängt damit nur von der Fallhöhe ab. Ursache: Eine größere Masse speichert zwar mehr Lageenergie, benötigt aber für dieselbe Geschwindigkeit auch genau im selben Verhältnis mehr kinetische Energie — beide Effekte heben sich auf. Die Energien unterscheiden sich dagegen sehr wohl: Springer ① (40 kg aus 10 m) und Springer ② (80 kg aus 5 m) haben beide 3924 J, treffen aber mit 14,007 m/s bzw. 9,905 m/s auf.
Max schießt eine 2 g schwere Gummikugel mit einer Federpistole 4,5 m senkrecht nach oben. Dazu musste er die Feder um 5 cm zusammendrücken.
a) Berechne die potenzielle Energie der Kugel im höchsten Punkt. b) Berechne daraus die Federkonstante.
Musterlösung anzeigen
a) m = 2 g = 0,002 kg; Epot = 0,002 kg · 9,81 m/s² · 4,5 m ≈ 0,088 J.
b) Da ESpann = Epot = 0,088 29 J gilt und s = 5 cm = 0,05 m ist, folgt D = (2 · 0,088 29) : 0,05² = 0,176 58 : 0,0025 ≈ 70,6 N/m. Antwortsatz: Die Federkonstante beträgt etwa 70,6 N/m.
Der Achterbahnwagen (600 kg) besitzt die Gesamtenergie 147 720 J. Geplant ist ein Looping, dessen Spitze in 22 m Höhe liegt.
a) Berechne die dafür nötige Lageenergie. b) Berechne die dort verbleibende kinetische Energie. c) Beurteile anschließend, ob der Wagen diesen Looping durchfahren könnte.
Musterlösung anzeigen
a) Epot = 600 · 9,81 · 22 = 129 492 J. b) Ekin = 147 720 − 129 492 = 18 228 J, das entspricht v = √((2 · 18 228) : 600) ≈ 7,8 m/s.
c) Beurteilung: Rein energetisch könnte der Wagen die Höhe erreichen, denn seine Gesamtenergie reicht aus und es bliebe sogar noch Bewegungsenergie übrig. Einschränkung: Die Rechnung setzt voraus, dass gar keine Reibung auftritt. In Wirklichkeit geht auf dem Weg dorthin Energie in thermische Energie über, sodass der Spielraum deutlich kleiner ist. Ein Looping in 22 m Höhe wäre also allenfalls knapp möglich und in der Praxis nicht sicher zu betreiben.
Bei „Hau den Lukas“ wird eine 2 kg schwere Scheibe senkrecht nach oben beschleunigt. Die Skala reicht von 0 bis 1000 Punkte auf einer Höhe von 8 m. Ayca erreicht 875 Punkte.
a) Welcher Höhe entspricht das? b) Berechne die Geschwindigkeit der Scheibe kurz nach dem Schlag (eine Nachkommastelle).
Musterlösung anzeigen
a) 875 Punkte entsprechen h = (875 : 1000) · 8 m = 7 m.
b) Epot = 2 · 9,81 · 7 = 137,34 J. Da diese Energie unten als kinetische Energie vorlag, gilt v = √((2 · 137,34) : 2) = √137,34 ≈ 11,7 m/s.
Bei Johans Schlag verlässt die Scheibe (2 kg) den Startpunkt mit 45 km/h. Berechne in vier Schritten seine Punktzahl.
Musterlösung anzeigen
45 km/h : 3,6 = 12,5 m/s. Ekin = ½ · 2 · 12,5² = 156,25 J.
Diese Energie wird vollständig in Lageenergie umgewandelt: h = E : (m · g) = 156,25 : (2 · 9,81) ≈ 7,963 m. Punktzahl = (7,963 : 8) · 1000 ≈ 995 Punkte.
Johans Scheibe (2 kg) startet mit der Gesamtenergie 156,25 J. Bestimme ihre Geschwindigkeit beim Passieren der 500-Punkte-Marke (eine Nachkommastelle).
Musterlösung anzeigen
Die 500-Punkte-Marke liegt bei h = 4 m. Dort ist Epot = 2 · 9,81 · 4 = 78,48 J, also Ekin = 156,25 − 78,48 = 77,77 J und damit v = √((2 · 77,77) : 2) = √77,77 ≈ 8,8 m/s (rund 32 km/h).
Beachte den Unterschied zu A4: Dort war der höchste Punkt gemeint (Ekin = 0, also Ekin,unten = Epot,oben), hier ein Zwischenpunkt — da gilt Ekin = Eges − Epot.
Ayca sagt zu Johan: „Das Spiel ist unfair, du bist nicht stärker, du hältst einfach den Hammer 40 cm höher als ich.“ Der Hammer wiegt 5 kg.
a) Berechne, wie viel zusätzliche Energie 40 cm mehr Hammerhöhe bedeuten. b) Überprüfe damit Aycas Aussage (Energien der Scheiben: 137,34 J und 156,25 J).
Musterlösung anzeigen
Energieunterschied der beiden Schüsse: 156,25 J − 137,34 J = 18,91 J. Zusätzliche Energie durch 40 cm mehr Hammerhöhe: ΔE = 5 · 9,81 · 0,40 = 19,62 J.
Die beiden Beträge stimmen fast überein. Die größere Ausholhöhe erklärt den Unterschied also praktisch vollständig — Aycas Aussage ist bestätigt. Einschränkungen: Die Rechnung setzt voraus, dass beide Schläge gleich gut treffen und dass keine Energie durch Reibung verloren geht; die kleine Differenz von 0,71 J liegt im Rahmen dieser Ungenauigkeiten. Streng genommen zeigt die Rechnung nur, dass die Höhendifferenz ausreicht, um den Unterschied zu erklären — nicht, dass Johan gar keine größere Kraft aufgewendet hat.
Begründe, warum man die Umformungen von Ekin = ½ · m · v² nicht getrennt von denen der Spannenergie ESpann = ½ · D · s² lernen muss.
Erkläre außerdem, warum sich die kinetische Energie halbiert, wenn die Masse verdoppelt und die Geschwindigkeit halbiert wird.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Teil 1: Beide Formeln haben denselben Bau: ein Halb, eine Konstante des Körpers (m bzw. D) und eine Größe im Quadrat (v bzw. s). Deshalb laufen auch die Umformungen identisch ab: erst mal 2, dann durch die Störgröße teilen — und nur beim Weg zur quadrierten Größe kommt am Ende die Wurzel dazu. Aus m = (2 · E) : v² wird eins zu eins D = (2 · E) : s², aus v = √((2 · E) : m) wird s = √((2 · E) : D). Wer eine der beiden Umformungen beherrscht, beherrscht automatisch auch die andere.
Teil 2: Die Masse geht einfach in die Formel ein, die Geschwindigkeit im Quadrat. Verdoppelte Masse ergibt daher den Faktor 2, halbierte Geschwindigkeit den Faktor (½)² = ¼. Bei zwei gleichzeitigen Änderungen werden die Faktoren multipliziert: 2 · ¼ = ½. Die kinetische Energie halbiert sich also.
Ein Schüler bearbeitet die Achterbahnaufgabe (600 kg, Start bei 20 m mit 10 m/s, Loopingspitze bei 12 m) und notiert:
(1) „Am Start gilt Epot = 600 · 9,81 · 20 = 117 720 J.“ · (2) „Die Gesamtenergie beträgt also 117 720 J.“ · (3) „Bei 12 m ist Epot = 70 632 J.“ · (4) „Also ist dort Ekin = 70 632 J.“ · (5) „Aus Ekin = ½ · m · v² folgt v = √((2 · Ekin) : m).“ · (6) „v ≈ 16 m/s, also rund 16 km/h.“
Benenne die drei falschen Zeilen und begründe jeweils, was richtig wäre.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Zeile (2) ist falsch. Der Wagen startet bereits mit 10 m/s. Dazu gehören ½ · 600 · 10² = 30 000 J Bewegungsenergie; die Gesamtenergie beträgt Eges = 147 720 J.
Zeile (4) ist falsch. An der Loopingspitze gilt nicht Ekin = Epot, sondern Ekin = Eges − Epot = 147 720 − 70 632 = 77 088 J.
Zeile (6) ist falsch. 16,03 m/s sind nicht 16 km/h. Mit dem Faktor 3,6 ergibt sich 16,03 · 3,6 ≈ 57,7 km/h.
Die Zeilen (1), (3) und (5) sind dagegen korrekt. Diese drei Fehlertypen — vergessene Startenergie, verwechselte Energieformen und fehlende Einheitenumrechnung — kosten in Klausuren am häufigsten Punkte.
Erläutere, welche Rolle die Annahme „Reibungsverluste werden vernachlässigt“ für den Lösungsweg bei der Federpistole aus A2 spielt — und in welche Richtung der berechnete Wert für D vom wahren Wert abweicht.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Ohne die Annahme dürfte man ESpann und Epot nicht gleichsetzen — genau diese Gleichsetzung ist aber der Kern des Lösungswegs. In Wirklichkeit geht ein Teil der Spannenergie durch Luftwiderstand und Reibung im Lauf verloren und wird in thermische Energie umgewandelt; außerdem bleibt in der Feder selbst etwas Energie. Die Feder müsste also mehr Energie gespeichert haben als 0,088 J, und die tatsächliche Federkonstante wäre größer als der berechnete Wert von 70,6 N/m. Die Annahme macht die Aufgabe lösbar, liefert aber nur eine untere Abschätzung für D. Dieselbe Überlegung gilt für alle Aufgaben dieses Kapitels: Der Energieerhaltungssatz der Mechanik in der Form Eges = konstant setzt Reibungsfreiheit voraus.
Reflexion — was hast du mitgenommen?
AFB III bedeutet: nicht nur rechnen, sondern begründen, warum. Du hast geübt:
- Verallgemeinern — aus m · g · h = ½ · m · v² folgt durch Kürzen v = √(2 · g · h); die Masse spielt für die Aufprallgeschwindigkeit keine Rolle.
- Rückwärtsrechnen — von der erreichten Höhe zurück auf Federkonstante, Geschwindigkeit oder Punktzahl.
- Strukturen erkennen — Ekin und ESpann haben denselben Bauplan, also dieselben Umformungen; Faktoren bei Änderungen werden multipliziert.
- Beurteilen — reicht die Energie für 22 m? Rechnerisch ja, in der Praxis nur knapp, weil Reibung auftritt.
- Modellannahmen bewerten — „ohne Reibung“ macht Aufgaben lösbar, liefert aber nur eine Abschätzung in eine bekannte Richtung.
In der Klausur zählt eine saubere Begründung oft genauso viel wie das richtige Ergebnis. Schreibe immer einen Antwortsatz mit Einheit — und nenne die Voraussetzung, unter der du gerechnet hast.
