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Textaufgaben: Argumentieren

Perpetuum mobile und zwei Rodelbahnen — mit gestuften Hinweisen und Erwartungshorizont.

Zum NachschlagenZurück zur ErklärungArgumentationsschema, die vier Standardargumente und der Energie-Prüfstand zum Nachlesen.
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Zwei Sachaufgaben mit Erwartungshorizont

1

Die Erfindung des Herrn B.

AFB III

Ein Erfinder stellt eine Maschine vor: Ein Wasserrad treibt eine Pumpe an, die das Wasser wieder nach oben in den Behälter befördert, aus dem es auf das Rad fließt. Nach seinen Angaben läuft die Anlage nach einem einmaligen Anstoß dauerhaft weiter und treibt zusätzlich einen kleinen Generator an (M1).

M1Der Kreislauf der Maschine
Behälter Wasserrad Pumpe Generator liefert Strom
  1. Beschreiben Sie die Energieumwandlungen, die in der Anlage nacheinander stattfinden.
  2. Begründen Sie mit dem Energieerhaltungssatz, dass die Anlage nicht so funktionieren kann, wie der Erfinder behauptet.
  3. Überprüfen Sie die Entgegnung des Erfinders: „Meine Lager sind so gut geschmiert, dass praktisch keine Reibung auftritt. Damit funktioniert es.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Verfolgen Sie das Wasser einmal im Kreis herum und notieren Sie bei jedem Bauteil, welche Energieform in welche übergeht.„Beschreiben“: strukturiert und fachsprachlich, am besten als Kette mit Pfeilen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Betrachten Sie einen vollständigen Umlauf. In welchem Zustand ist die Anlage danach — und was würde das für die Energiebilanz bedeuten, wenn zusätzlich Strom abgegeben wird?„Begründen“ verlangt den Rückgriff auf eine Gesetzmäßigkeit, hier den Energieerhaltungssatz.
Hinweis zu Aufgabe c)
Unterscheiden Sie zwischen „die Anlage läuft länger“ und „die Anlage gibt dauerhaft Energie ab“.„Überprüfen“: die Aussage an der Gesetzmäßigkeit messen und ein klares Ergebnis formulieren.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Im Behälter liegt Lageenergie vor. Beim Herabfallen wird sie in Bewegungsenergie des Wassers umgewandelt. Diese treibt das Wasserrad an, das die Energie mechanisch an Pumpe und Generator weitergibt.

Die Pumpe wandelt die zugeführte mechanische Energie wieder in Lageenergie des hochgeförderten Wassers um, der Generator in elektrische Energie. An allen Lagern, im Wasser und in der Pumpe geht außerdem laufend ein Teil in thermische Energie über.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Nach einem vollständigen Umlauf befindet sich dieselbe Wassermenge wieder im Behälter: Die Anlage ist im Ausgangszustand und besitzt damit dieselbe Energie wie zuvor.

Nach dem Energieerhaltungssatz kann die abgegebene Energie höchstens so groß sein wie die zugeführte. Zugeführt wird nach Angabe des Erfinders aber nichts — außer dem einmaligen Anstoß. Gibt die Anlage dennoch dauerhaft elektrische Energie an den Generator ab, müsste diese Energie aus dem Nichts entstehen. Das widerspricht dem Energieerhaltungssatz.

Hinzu kommt: Schon um das Wasser vollständig zurück nach oben zu befördern, bräuchte die Pumpe genau die Lageenergie, die das Wasser beim Herabfallen abgegeben hat. Für den Generator bliebe selbst im reibungsfreien Idealfall nichts übrig. Die Anlage ist ein Perpetuum mobile und kann nicht existieren.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Entgegnung geht am Kern des Arguments vorbei.

Richtig ist: Weniger Reibung bedeutet weniger Umwandlung in thermische Energie. Eine einmal angestoßene, perfekt geschmierte Anlage würde deshalb tatsächlich länger laufen als eine schlecht geschmierte.

Falsch ist die Folgerung. Das Argument aus b) benutzt Reibung überhaupt nicht: Es gilt bereits im reibungsfreien Idealfall. Selbst ohne jede Reibung reicht die zurückgewonnene Energie exakt aus, um das Wasser wieder hochzupumpen — und keinen Joule mehr. Sobald der Generator etwas entnimmt, sinkt der Wasserstand im Behälter, und die Anlage kommt zum Stillstand.

Ergebnis: Bessere Schmierung verlängert die Laufzeit, hebt den Widerspruch aber nicht auf. Die Behauptung des Erfinders bleibt unhaltbar.

2

Zwei Rodelbahnen

AFB II

Zwei Rodelbahnen führen vom selben Startpunkt zum selben Ziel und überwinden denselben Höhenunterschied von 30 m. Bahn A ist kurz und steil (Weg 60 m), Bahn B lang und flach (Weg 210 m). Zwei gleich schwere Rodler starten gleichzeitig aus dem Stand.

  1. Erklären Sie zunächst unter Vernachlässigung der Reibung, warum beide unten mit derselben Geschwindigkeit ankommen.
  2. Berechnen Sie diese Geschwindigkeit.
  3. Beurteilen Sie, wie sich das Ergebnis ändert, wenn man die Reibung berücksichtigt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Stellen Sie die Energiebilanz zwischen Start und Ziel auf und schauen Sie, welche Größen darin vorkommen — und welche nicht.„Erklären“: Die Ursache liegt darin, was in der Bilanz fehlt.
Hinweis zu Aufgabe b)
Aus m · g · h = ½ · m · v² folgt nach Kürzen v = √(2 · g · h).Die Masse wird nicht gebraucht — das ist ein Teil der Antwort auf a).
Hinweis zu Aufgabe c)
Reibung wirkt entlang des zurückgelegten Weges. Welche Bahn ist davon stärker betroffen?„Beurteilen“ verlangt ein begründetes Urteil, hier mit Angabe der Richtung des Effekts.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Zwischen Start und Ziel wird Lageenergie vollständig in Bewegungsenergie umgewandelt: m · g · h = ½ · m · v². Kürzt man die Masse, bleibt v = √(2 · g · h).

In diesem Ausdruck kommen nur g und h vor — weder die Länge des Weges noch dessen Steilheit noch die Masse. Da beide Bahnen denselben Höhenunterschied überwinden, ist die Endgeschwindigkeit gleich. Unterschiedlich ist nur die Fahrzeit: Auf der steilen Bahn A wird die Geschwindigkeit viel schneller erreicht.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

v = √(2 · 9,81 m/s² · 30 m) = √588,6 ≈ 24,3 m/s, das sind rund 87 km/h.

Antwortsatz: Ohne Reibung kämen beide Rodler mit etwa 24 m/s unten an.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Mit Reibung gilt die Gleichheit nicht mehr. Reibungskräfte verrichten Arbeit entlang des zurückgelegten Weges; je länger der Weg, desto mehr mechanische Energie wird in thermische Energie umgewandelt.

Bahn B ist mit 210 m mehr als dreimal so lang wie Bahn A. Der Rodler auf Bahn B verliert deshalb deutlich mehr Energie und kommt langsamer unten an — obwohl der Höhenunterschied derselbe ist. Auch die tatsächlich erreichten Geschwindigkeiten liegen auf beiden Bahnen unter den berechneten 24 m/s.

Urteil: Die Aussage aus a) ist eine Idealisierung. Sie ist trotzdem nützlich, weil sie eine Obergrenze liefert: Schneller als 24 m/s kann keiner der beiden werden. Und sie macht deutlich, dass ein eventueller Unterschied allein auf die Reibung zurückgeht — nicht auf die Steilheit als solche.