Der umgekehrte Weg: Aus Betrag und Winkel die beiden Koordinaten berechnen. Damit werden auch schräge Kräfte rechenbar.
Jetzt drehen wir die Aufgabe des letzten Kapitels um.
Das Bild dazu: Zwei Schüler tragen gemeinsam eine schwere Tasche.
Man legt an den Kraftpfeil ein rechtwinkliges Dreieck, in dem der Pfeil selbst die Hypotenuse ist.
Der Kraftpfeil ist die Hypotenuse; die waagerechte und die senkrechte Kathete sind die Koordinaten.
Welche Funktion zu welcher Koordinate gehört, entscheidet die Lage des Winkels.
Komponentenweise addieren (2.2.3), Betrag bilden (2.2.4), Winkel über den Tangens.
Im rechtwinkligen Dreieck \(ABC\) mit dem rechten Winkel bei \(C\) gelten die drei Winkelfunktionen — reine Seitenverhältnisse, die nur vom Winkel \( \alpha \) abhängen, nicht von der Größe des Dreiecks.
Liegt dem Winkel gegenüber und gehört zum Sinus.
Liegt am Winkel an und gehört zum Cosinus.
Die längste Seite, sie liegt dem rechten Winkel gegenüber.
Jetzt übertragen wir das auf den Vektor.
Wird hier von der Senkrechten aus gemessen, so wie im Bild.
Waagerechte Koordinate — hier die Gegenkathete.
Senkrechte Koordinate — hier die Ankathete.
Ein Auto fährt mit \( 80\,\frac{\mathrm{km}}{\mathrm{h}} \) in Richtung O35°N — der Winkel von 35° liegt damit an der senkrechten Achse.
Lies das Ergebnis Zeile für Zeile:
Das Zerlegen ist selten der letzte Schritt: Wirken mehrere Kräfte, addiert man die zerlegten Vektoren komponentenweise und bildet vom Ergebnis den Betrag.
Neu ist der letzte Schritt: Aus beiden Koordinaten liefert der Tangens den Winkel des Ergebnisvektors — Gegenkathete durch Ankathete, dann auf dem Taschenrechner die Taste \( \tan^{-1} \).
| Funktion | Definition | Nach der Kathete umgestellt | Wofür in diesem Kapitel |
|---|---|---|---|
| \( \sin(\alpha) \) | \( \frac{\text{Gegenkathete}}{\text{Hypotenuse}} = \frac{a}{c} \) | \( a = \sin(\alpha)\cdot c \) | Kathete gegenüber dem Winkel — bei Kursangaben die waagerechte Koordinate |
| \( \cos(\alpha) \) | \( \frac{\text{Ankathete}}{\text{Hypotenuse}} = \frac{b}{c} \) | \( b = \cos(\alpha)\cdot c \) | Kathete am Winkel — bei Kursangaben die senkrechte Koordinate |
| \( \tan(\alpha) \) | \( \frac{\text{Gegenkathete}}{\text{Ankathete}} = \frac{a}{b} \) | \( \alpha = \tan^{-1}\!\left(\frac{a}{b}\right) \) | Winkel des Ergebnisvektors aus seinen beiden Koordinaten |
Das Dreieck wird live an den Pfeil gelegt und der Rechenweg mitgeschrieben. Der zweite Vektor zeigt die komponentenweise Addition.
Achte auf die Grenzfälle: Bei \( \alpha = 0^\circ \) ist die waagerechte Koordinate null \(( \sin(0^\circ) = 0 )\), bei \( \alpha = 90^\circ \) die senkrechte \(( \cos(90^\circ) = 0 )\). Dazwischen wandert „Gewicht“ von der einen Koordinate zur anderen, der Betrag bleibt gleich.
Drei häufige Stolperstellen:
„Waagerecht rechnet man immer mit dem Cosinus.“ Nein — bei Kursangaben wie O35°N liegt der Winkel an der Nordrichtung, dann gehört die waagerechte Koordinate zum Sinus. Zeichne erst das Dreieck, dann wähle die Funktion.
„Die Vorzeichen ergeben sich von selbst.“ Nein: Sinus und Cosinus liefern zwischen 0° und 90° nur positive Längen — das Minus kommt allein aus der Richtung (links negatives \(x\), unten negatives \(y\)), etwa \( \vec{F}_1 = \begin{pmatrix} -141{,}42 \\ 141{,}42 \end{pmatrix}\mathrm{N} \).
„Der Betrag der Summe ist die Summe der Beträge.“ Nein — erst zerlegen, dann komponentenweise addieren, dann den Betrag bilden. Zwei Kräfte von je 200 N mit 90° dazwischen ergeben nur \( 282{,}84\,\mathrm{N} \), weil sich die waagerechten Anteile aufheben.