Die Entdeckerin des Radiums – und die Arbeiterinnen, die an seiner Leuchtfarbe starben.
1 Kernwaffen, Unfälle und Schicksale
Das Wichtigste auf einen Blick
Zwei Geschichten vom Anfang des Strahlenzeitalters: Ruhm und Opfer.
Marie Curie:Geboren als Maria Skłodowska am 7. November 1867 in Warschau; ab 1891 Sorbonne, 1895 Heirat mit Pierre Curie.
Begriff:1896 entdeckt Henri Becquerel die Uranstrahlung; Marie Curie prägt 1898 den Begriff „Radioaktivität“.
Entdeckungen 1898:Polonium (Juli, benannt nach Polen) und Radium (Dezember) aus tonnenweise Pechblende.
Nobelpreise:1903 Physik mit Pierre Curie und Becquerel als erste Frau, 1911 Chemie; bis heute einzige Person in zwei Naturwissenschaften.
Nach 1906:Pierre Curie stirbt bei einem Kutschenunfall; Marie wird erste Professorin der Sorbonne, im Ersten Weltkrieg „Petites Curies“-Röntgenwagen.
Tod:4. Juli 1934 an aplastischer Anämie (Strahlenfolge); ihre Notizbücher sind bis heute radioaktiv, seit 1995 im Panthéon.
Tochter:Irène Joliot-Curie erhält 1935 den Nobelpreis für Chemie.
Radium Girls:Ab 1917 bemalten junge Arbeiterinnen Zifferblätter mit Radium-Leuchtfarbe und spitzten die Pinsel mit den Lippen an („lip, dip, paint“).
Fabriken:Orange (New Jersey), Ottawa (Illinois) und Waterbury (Connecticut) in den USA.
Schäden:Radium-226 (Alphastrahler, Halbwertszeit 1600 a) lagert sich wie Calcium in den Knochen ein → Kiefernekrose („Radium-Kiefer“), Anämie, Knochenkrebs; Dutzende Tote.
Prozesse:1927 verklagen fünf Arbeiterinnen die US Radium Corporation, Vergleich 1928; Prozess Catherine Donohue 1938 → Arbeitsschutz- und Berufskrankheitenrecht.
Zeitgeist:Radiumprodukte („Radithor“-Trinkwasser, Zahnpasta, Kosmetik) galten bis in die 1930er als gesund.