MINT lernen

TextaufgabenBiologische Wirkung

Fünf Sachaufgaben mit Teilaufgaben und vollständigem Erwartungshorizont — vom Weg eines einzelnen Treffers über Radon im Keller bis zum begründeten Urteil über zwei Schutzkonzepte im Labor.

1

Ein Treffer im Unterarm

AFB I

Bei einer medizinischen Untersuchung durchdringt Strahlung den Unterarm einer Patientin. Ein einzelnes Teilchen trifft dort ein Atom und schlägt ihm ein Elektron aus der Hülle. Material M1 zeigt den Weg, den ein solcher Treffer nehmen kann: Auf jeder der drei Ebenen gibt es einen Ausgang ohne Folgen (grün) und einen Ausgang, bei dem die Störung an die nächste Ebene weitergereicht wird (rot).

M1Die drei Ebenen der Strahlenwirkung
Strahlungstreffer1 · PHYSIKALISCHE EBENEAtom wird ionisiert2 · CHEMISCHE EBENEMolekül wird beschädigt3 · BIOLOGISCHE EBENEZelle wird geschädigtOHNE FOLGENDas Atom findet ein anderes Elektron.OHNE FOLGENDas Molekül wird repariert.OHNE FOLGENDie Zelle wird ersetzt oder ausgeschieden.bleibt ionisiertnicht repariert

Nur wenn ein Treffer auf allen drei Ebenen den roten Weg nimmt, entsteht eine Folge für den Menschen.

  1. Benennen Sie die drei Ebenen der Strahlenwirkung und geben Sie zu jeder Ebene an, was die Strahlung dort verändert.
  2. Beschreiben Sie den Weg des Treffers aus dem Einleitungstext bis zu dem Punkt, an dem die Patientin selbst eine Folge bemerken würde.
  3. Erklären Sie mit Hilfe von M1, warum die natürliche Strahlung jede Sekunde Atome im Körper ionisiert und trotzdem fast nie ein Schaden entsteht.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Namen der Ebenen stehen in M1 in den blauen Kästen. Achten Sie darauf, dass auf jeder Ebene ein anderes Objekt getroffen wird: erst ein Atom, dann ein Molekül, dann eine Zelle.„Geben Sie an“ verlangt nur die Aufzählung, keine Begründung.
Hinweis zu Aufgabe b)
Folgen Sie in M1 dem roten Weg von oben nach unten und formulieren Sie jeden Schritt in einem eigenen Satz. Der letzte Schritt betrifft nicht mehr eine einzelne Zelle, sondern den Menschen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Zählen Sie, wie viele grüne Ausgänge ein Treffer passieren muss, ohne genommen zu werden. Überlegen Sie, welcher der beiden Wege auf jeder Ebene der häufigere ist.„Erklären“ heißt: den Sachverhalt auf eine Ursache zurückführen — hier auf die Ausgleichsmöglichkeiten des Körpers.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Physikalische Ebene: Die Strahlung trifft ein Atom und schlägt ihm ein Elektron aus der Hülle — das Atom wird ionisiert.

Chemische Ebene: Die Strahlung wirkt auf ein Molekül; fehlt einem seiner Atome ein Elektron, passt es nicht mehr in die chemische Bindung, das Molekül wird beschädigt.

Biologische Ebene: Betroffen sind ganze Zellen — Körperzellen oder Keimzellen —, die geschädigt werden und absterben können.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Das Teilchen schlägt einem Atom im Unterarm ein Elektron heraus; das Atom ist ionisiert. Es findet kein anderes Elektron und bleibt ionisiert.

Da das Atom Teil eines Moleküls ist, passt es nun nicht mehr in seine Bindung: Das Molekül wird beschädigt. Die Reparaturmechanismen des Körpers greifen nicht; es entstehen schädliche Stoffe, DNS-Schäden und Chromosomenbrüche.

Die betroffene Zelle wird geschädigt und nicht ersetzt. Erst wenn viele Zellen gleichzeitig ausfallen, bemerkt die Patientin eine Folge — als Frühschaden kurz danach oder als Spätschaden nach Jahren.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Ein Treffer muss drei Ausgänge ohne Folgen hintereinander verfehlen, damit ein Schaden entsteht.

Auf jeder Ebene ist der grüne Ausgang der häufigere: Im Körper sind sehr viele Elektronen unterwegs, sodass ein ionisiertes Atom meist sofort wieder neutral wird; beschädigte Moleküle werden durch Reparaturmechanismen wiederhergestellt; geschädigte Zellen werden ersetzt oder ausgeschieden, weil der Körper ohnehin ständig Zellen austauscht.

Deshalb endet die überwiegende Mehrheit aller Treffer schon auf der ersten oder zweiten Ebene, und die natürliche Strahlung bleibt in aller Regel folgenlos.

2

Radon im Keller

AFB II

Radon-222 ist ein radioaktives Edelgas, das aus dem Boden aufsteigt und sich in schlecht gelüfteten Kellern sammelt. Es ist ein reiner α-Strahler. Ein Hausbesitzer sagt: „α-Strahlung wird schon von einem Blatt Papier aufgehalten. In meinem Keller kann mir also nichts passieren.“

Material M2 fasst zusammen, wie weit die drei Strahlungsarten kommen.

M2Reichweite der Strahlungsarten
StrahlungsartReichweite in LuftReichweite in Gewebewird aufgehalten von
α-Strahlungeinige Zentimeterca. 0,04 mmBlatt Papier, oberste Hautschicht
β-Strahlungeinige Metereinige MillimeterAluminiumblech
γ-Strahlungsehr weitdurchdringt den Körpernur teilweise: dicke Bleiwand

Die oberste Hautschicht des Menschen ist etwa 0,05 mm bis 0,1 mm dick und besteht aus abgestorbenen Zellen.

  1. Erläutern Sie mit Hilfe von M2, warum die Aussage des Hausbesitzers für eine Radonquelle außerhalb des Körpers zutrifft.
  2. Erklären Sie, was sich physikalisch ändert, sobald der Hausbesitzer die Kellerluft einatmet. Verwenden Sie dabei den Fachbegriff Inkorporation.
  3. Beurteilen Sie die Aussage des Hausbesitzers insgesamt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Vergleichen Sie die Reichweite von α-Strahlung im Gewebe mit der Dicke der obersten Hautschicht. Welche Zellen werden überhaupt erreicht — lebende oder abgestorbene?
Hinweis zu Aufgabe b)
Nach dem Einatmen liegt die Quelle in der Lunge. Dort gibt es keine schützende Schicht aus abgestorbenen Zellen mehr. Überlegen Sie, wo die gesamte Energie des α-Teilchens jetzt abgegeben wird.
Hinweis zu Aufgabe c)
Ein Urteil braucht beide Seiten: Was ist an der Aussage richtig, was fehlt ihr? Formulieren Sie am Ende einen eindeutigen Satz.„Beurteilen“ verlangt ein eigenes, begründetes Urteil — nicht nur eine Wiedergabe der Fakten.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

α-Strahlung hat im Gewebe eine Reichweite von etwa 0,04 mm. Die oberste Hautschicht ist mit 0,05 mm bis 0,1 mm dicker als diese Reichweite.

Ein α-Teilchen aus der Kellerluft gibt seine Energie daher vollständig in dieser Schicht ab und erreicht die darunterliegenden lebenden Zellen nicht. Von außen ist α-Strahlung deshalb die harmloseste der drei Strahlungsarten.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Beim Einatmen gelangen Radon und seine Zerfallsprodukte in die Lunge: Die Quelle wird in den Körper aufgenommen — das nennt man Inkorporation.

Damit entfällt die abschirmende Hautschicht. Zerfällt ein Kern im Lungengewebe, wird die gesamte Energie des α-Teilchens innerhalb weniger hundertstel Millimeter abgegeben, also unmittelbar in lebenden Zellen. Auf dieser kurzen Strecke entstehen sehr viele Ionisationen dicht nebeneinander.

Aus der harmlosesten Strahlungsart von außen wird damit die gefährlichste im Inneren.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Aussage ist nur zur Hälfte richtig. Der physikalische Kern stimmt: α-Strahlung wird tatsächlich von einem Blatt Papier und ebenso von der Haut vollständig aufgehalten.

Der Schluss ist jedoch falsch, weil der Hausbesitzer nur an eine Quelle außerhalb des Körpers denkt. Radon ist ein Gas und wird eingeatmet; die Quelle liegt dann im Gewebe, wo keine Abschirmung mehr wirkt.

Fazit: Der Keller ist nicht ungefährlich. Die entscheidende Frage ist nicht, wie weit die Strahlung kommt, sondern wo die Quelle liegt. Sinnvolle Maßnahme ist regelmäßiges Lüften, nicht eine Abschirmung.

3

Wie viele Atome trifft ein einziges α-Teilchen?

AFB II

Ein α-Teilchen aus dem Zerfall von Polonium-210 besitzt die Energie 5,3 MeV. Auf seinem Weg durch Gewebe ionisiert es ein Atom nach dem anderen und verliert dabei jedes Mal einen Teil seiner Energie. Für jede Ionisation werden im Mittel 34 eV benötigt.

Das Teilchen kommt im Gewebe etwa 0,04 mm weit. Eine menschliche Zelle hat einen Durchmesser von rund 0,02 mm.

Es gilt: 1 MeV = 106 eV.

  1. Berechnen Sie, wie viele Atome ein einziges α-Teilchen ionisiert, bis seine Energie aufgebraucht ist.
  2. Bestimmen Sie, durch wie viele Zellen das Teilchen dabei ungefähr hindurchfliegt, und berechnen Sie die mittlere Anzahl Ionisationen je Zelle.
  3. Erklären Sie mit Ihrem Ergebnis, warum ein inkorporierter α-Strahler für eine Zelle gefährlicher ist als ein γ-Strahler, der dieselbe Energie durch den ganzen Körper verteilt abgibt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Rechnen Sie die Energie zuerst von MeV in eV um. Teilen Sie dann die Gesamtenergie durch die Energie, die eine einzelne Ionisation kostet.
Hinweis zu Aufgabe b)
Teilen Sie die Reichweite durch den Zelldurchmesser. Verteilen Sie anschließend die Anzahl aus a) gleichmäßig auf diese Zellen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Denken Sie an die drei Ebenen: Je mehr Ionisationen in einer Zelle stattfinden, desto mehr Moleküle werden dort gleichzeitig beschädigt. Wie wahrscheinlich ist es dann noch, dass die Reparatur alle Schäden erwischt?
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Energie in eV: \(E = 5{,}3\ \text{MeV} = 5{,}3 \cdot 10^{6}\ \text{eV}\)

Anzahl der Ionisationen: \(N = \dfrac{5{,}3 \cdot 10^{6}\ \text{eV}}{34\ \text{eV}} \approx 1{,}6 \cdot 10^{5}\)

Ein einziges α-Teilchen ionisiert also etwa 156 000 Atome.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Anzahl der Zellen: \(\dfrac{0{,}04\ \text{mm}}{0{,}02\ \text{mm}} = 2\)

Ionisationen je Zelle: \(\dfrac{1{,}6 \cdot 10^{5}}{2} = 8 \cdot 10^{4}\)

Das Teilchen durchquert etwa zwei Zellen und verursacht in jeder davon rund 80 000 Ionisationen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die gesamte Energie des α-Teilchens wird in nur zwei Zellen abgegeben. Dort werden zehntausende Atome ionisiert und entsprechend viele Moleküle beschädigt — auf der chemischen Ebene also sehr viele Schäden gleichzeitig, darunter mit hoher Wahrscheinlichkeit auch DNS-Schäden und Chromosomenbrüche.

Die Reparaturmechanismen können einzelne Schäden gut ausgleichen, aber nicht tausende in derselben Zelle. Der grüne Ausgang der chemischen Ebene wird damit sehr unwahrscheinlich, und der Treffer erreicht die biologische Ebene.

Ein γ-Strahler mit gleicher Gesamtenergie verteilt dieselbe Energie auf sehr viele Zellen im ganzen Körper. Jede einzelne Zelle erhält dann nur wenige Ionisationen, die sie in der Regel repariert. Entscheidend ist also nicht allein die Energie, sondern wie dicht sie abgegeben wird.

4

Warum der Schaden vom Zufall abhängt

AFB II

Ob ein Treffer auf einer Ebene den schädlichen Weg nimmt, lässt sich nicht vorhersagen — man kann nur eine Wahrscheinlichkeit angeben. Material M3 zeigt das als Baumdiagramm für eine Bestrahlung, bei der auf jeder Ebene der schädliche Ausgang mit der Wahrscheinlichkeit \(p = 0{,}25\) eintritt.

M3Baumdiagramm für einen einzelnen Treffer
Treffer0,750,25ohne FolgenEbene 20,750,25ohne FolgenEbene 30,750,25ohne FolgenSCHADENRoter Weg = die Störung wird an die nächste Ebene weitergereicht.Grüner Weg = der Körper gleicht die Störung aus, der Weg endet.Ebene 1 = physikalisch, Ebene 2 = chemisch, Ebene 3 = biologisch.

Der Wert \(p\) ist auf allen drei Ebenen gleich groß angenommen und wächst mit der Dosis.

  1. Berechnen Sie mit M3 die Wahrscheinlichkeit dafür, dass aus einem einzelnen Treffer ein Schaden entsteht, und geben Sie sie in Prozent an.
  2. Bei doppelter Dosis steigt \(p\) auf 0,5. Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit für diesen Fall und vergleichen Sie beide Ergebnisse.
  3. Erläutern Sie am Baumdiagramm, was der Satz bedeutet: „Der Strahlenschaden tritt stochastisch auf.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Ein Schaden entsteht nur, wenn alle drei Ebenen den roten Weg nehmen. Entlang eines Pfades im Baumdiagramm werden die Wahrscheinlichkeiten multipliziert.
Hinweis zu Aufgabe b)
Gleicher Ansatz, nur mit \(p=0{,}5\). Für den Vergleich bilden Sie den Quotienten aus beiden Wahrscheinlichkeiten — nicht die Differenz.
Hinweis zu Aufgabe c)
Überlegen Sie: Können Sie im Voraus sagen, welchen Ast ein bestimmter Treffer nimmt? Und was können Sie stattdessen über sehr viele Treffer aussagen?
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(P(\text{Schaden}) = 0{,}25 \cdot 0{,}25 \cdot 0{,}25 = 0{,}25^{3} = 0{,}015625\)

Das entspricht etwa 1,6 %. Von 1000 Treffern führen also rund 16 zu einem Schaden, 984 werden vom Körper aufgefangen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(P(\text{Schaden}) = 0{,}5^{3} = 0{,}125 = 12{,}5\,\%\)

Vergleich: \(\dfrac{0{,}125}{0{,}015625} = 8\)

Die Verdopplung der Wahrscheinlichkeit je Ebene führt zur achtfachen Schadenswahrscheinlichkeit, weil der Faktor dreimal eingeht: \(2^{3}=8\). Die Gefahr wächst also deutlich schneller als die Dosis.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

An jedem Knoten des Baumdiagramms stehen zwei Äste offen. Welchen Ast ein bestimmter Treffer nimmt, ist nicht vorherbestimmt und lässt sich nicht berechnen — genau wie beim Zerfall eines einzelnen Atomkerns.

Berechenbar ist nur die Wahrscheinlichkeit: Bei sehr vielen Treffern führen etwa 1,6 % zu einem Schaden. „Stochastisch“ heißt also nicht „man weiß nichts“, sondern: Aussagen sind nur über die Häufigkeit möglich, nicht über den Einzelfall.

5

Zwei Schutzkonzepte im Labor

AFB III

In einem Forschungslabor wird mit zwei Präparaten gearbeitet:

Präparat A ist ein reiner α-Strahler in Pulverform, der beim Umfüllen aufwirbeln kann. Präparat B ist ein γ-Strahler in einer fest verschlossenen Metallkapsel, die nicht geöffnet wird.

Zwei Vorschläge für die Schutzausrüstung stehen zur Diskussion:

Vorschlag 1: Für beide Präparate eine schwere Bleischürze.
Vorschlag 2: Für beide Präparate Atemschutzmaske und Handschuhe.

  1. Analysieren Sie für jedes der beiden Präparate, wo die Quelle liegen kann und welcher Weg in den Körper überhaupt möglich ist.
  2. Beurteilen Sie beide Vorschläge und entwickeln Sie eine Schutzausrüstung, die zu den beiden Präparaten passt.
  3. Eine Mitarbeiterin schlägt vor, alle Präparate grundsätzlich hinter Blei zu lagern und im Übrigen keine weiteren Maßnahmen zu treffen. Nehmen Sie dazu Stellung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Fragen Sie für jedes Präparat: Kann der Stoff selbst in den Körper gelangen? Ein Pulver kann eingeatmet werden, eine verschlossene Kapsel nicht.
Hinweis zu Aufgabe b)
Eine Abschirmung wirkt nur gegen Strahlung von außen. Prüfen Sie für jeden Vorschlag getrennt, ob er beim jeweiligen Präparat den tatsächlich vorhandenen Weg blockiert.
Hinweis zu Aufgabe c)
Überlegen Sie, gegen welche der beiden Gefahren die Bleilagerung schützt und gegen welche nicht. Beziehen Sie den Zustand des Präparats (Pulver oder Kapsel) ausdrücklich mit ein.Eine Stellungnahme braucht eine klare eigene Position und mindestens ein Argument aus der Fachsache.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Präparat A (α, Pulver): Von außen ist die Gefahr sehr gering, weil α-Strahlung schon von der Haut abgeschirmt wird. Da der Stoff jedoch als Pulver vorliegt und aufwirbeln kann, ist eine Inkorporation durch Einatmen oder Verschlucken möglich. Dann liegt die Quelle im Gewebe und gibt ihre gesamte Energie dort ab — das ist der gefährliche Fall.

Präparat B (γ, verschlossene Kapsel): Der Stoff kann nicht in den Körper gelangen, eine Inkorporation ist ausgeschlossen. γ-Strahlung durchdringt jedoch die Kapsel und den Körper und wirkt aus jeder Entfernung — die Gefahr besteht ausschließlich von außen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Vorschlag 1 (nur Bleischürze): Für Präparat B sinnvoll, denn gegen γ-Strahlung von außen hilft nur Abschirmung. Für Präparat A dagegen nahezu wirkungslos: Die α-Strahlung wird ohnehin von der Haut aufgehalten, und gegen eingeatmetes Pulver schützt eine Schürze überhaupt nicht.

Vorschlag 2 (nur Atemschutz und Handschuhe): Für Präparat A genau richtig, weil er den einzigen gefährlichen Weg — die Inkorporation — verschließt. Für Präparat B wirkungslos, denn γ-Strahlung durchdringt Maske und Handschuhe ungehindert.

Eigener Vorschlag: Die Ausrüstung muss zum jeweiligen Präparat passen. Beim Umgang mit A: Atemschutz, Handschuhe und Arbeit unter einem Abzug, damit kein Staub eingeatmet wird. Beim Umgang mit B: Bleiabschirmung, möglichst großer Abstand und kurze Aufenthaltsdauer. Beides zugleich ist nur nötig, wenn beide Präparate gleichzeitig offen gehandhabt werden.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Der Vorschlag greift zu kurz. Er behandelt alle Präparate gleich, obwohl sich die Gefahr grundsätzlich unterscheidet.

Für den γ-Strahler in der Kapsel ist die Bleilagerung tatsächlich die richtige und ausreichende Maßnahme, weil die Gefahr nur von außen kommt.

Für den α-Strahler in Pulverform bleibt die Hauptgefahr dagegen bestehen: Sie entsteht nicht bei der Lagerung, sondern beim Arbeiten mit dem offenen Pulver. Blei um den Behälter verhindert kein Einatmen. Genau dann liegt die Quelle im Körper, und dort nützt keine Abschirmung mehr.

Meine Position: Die Lagerung hinter Blei ist ein sinnvoller Baustein, ersetzt aber keine Schutzmaßnahme gegen Inkorporation. Sie muss um Atemschutz, Handschuhe und einen Abzug für den Umgang mit offenen Stoffen ergänzt werden. Die entscheidende Frage bleibt immer: Kann die Quelle in den Körper gelangen?