Wasserstand im Tidehafen
AFB I–IIIn einem Tidehafen an der Nordsee wird der Wasserstand über dem Hafengrund gemessen. Die momentane Änderungsrate des Wasserstands wird für einen Zeitraum von zwölf Stunden modellhaft beschrieben durch
\(r(t)=\dfrac{\pi}{3}\cos\!\Big(\dfrac{\pi}{6}\,t\Big),\quad 0\le t\le12,\)
mit \(t\) in Stunden nach 6:00 Uhr und \(r(t)\) in Metern pro Stunde. Um 6:00 Uhr beträgt der Wasserstand \(3\,\mathrm m\). Material M1 zeigt den Graphen von \(r\).
- ohne HilfsmittelWeisen Sie nach, dass \(H(t)=2\sin\big(\tfrac\pi6t\big)\) eine Stammfunktion von \(r\) ist. 2 BE
- ohne HilfsmittelBestimmen Sie einen Term für den Wasserstand \(h(t)\) sowie den höchsten und den niedrigsten Wasserstand mit den zugehörigen Uhrzeiten. 5 BE
- GTR/CASEin Frachtschiff benötigt einen Wasserstand von mindestens \(2\,\mathrm m\). Ermitteln Sie den Zeitraum, in dem es den Hafen nicht anlaufen kann. 4 BE
- Deuten Sie das Vorzeichen von \(r(t)\) im Intervall \(3<t<9\) sowie den Wert \(r(6)\) im Sachzusammenhang. 2 BE
Insgesamt 13 BE.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
3+2sin(πX/6), Y2 2, Schnittpunkte — Casio fx-CG50: SHIFT F5 (G-Solv), F5 (ISCT).Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(H'(t)=2\cos\big(\tfrac\pi6t\big)\cdot\tfrac\pi6=\tfrac\pi3\cos\big(\tfrac\pi6t\big)=r(t)\). Also ist \(H\) eine Stammfunktion von \(r\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Alle Stammfunktionen haben die Form \(H(t)+C\). Aus \(h(0)=2\sin0+C=C=3\) folgt \(h(t)=3+2\sin\big(\tfrac\pi6t\big)\).
Maximum: \(\sin\big(\tfrac\pi6t\big)=1\) für \(\tfrac\pi6t=\tfrac\pi2\), also \(t=3\): Hochwasser \(h(3)=5\,\mathrm m\) um 9:00 Uhr. Minimum: \(\sin\big(\tfrac\pi6t\big)=-1\) für \(\tfrac\pi6t=\tfrac{3\pi}2\), also \(t=9\): Niedrigwasser \(h(9)=1\,\mathrm m\) um 15:00 Uhr.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
\(3+2\sin\big(\tfrac\pi6t\big)<2\Leftrightarrow\sin\big(\tfrac\pi6t\big)<-\tfrac12\). Schnittstellen mit \(y=2\) in \([0;12]\): \(\tfrac\pi6t=\tfrac{7\pi}6\Rightarrow t_1=7\) und \(\tfrac\pi6t=\tfrac{11\pi}6\Rightarrow t_2=11\) (GTR: \(t_1=7\), \(t_2=11\)).
Dazwischen liegt der Wasserstand unter \(2\,\mathrm m\) (z. B. \(h(9)=1\,\mathrm m\)). Das Schiff kann von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr nicht einlaufen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Für \(3<t<9\) ist \(r(t)<0\): Der Wasserstand sinkt — zwischen 9:00 und 15:00 Uhr läuft das Wasser ab (Ebbe).
\(r(6)=\tfrac\pi3\cos\pi=-\tfrac\pi3\approx-1{,}05\): Um 12:00 Uhr fällt das Wasser am schnellsten, um gut einen Meter pro Stunde.
Wirkstoffpflaster
AFB II–IIIEin Schmerzpflaster gibt nach dem Aufkleben einen Wirkstoff an die Haut ab. Die Abgaberate wird beschrieben durch
\(r(t)=12\,e^{-0{,}2t},\quad t\ge0,\)
mit \(t\) in Stunden seit dem Aufkleben und \(r(t)\) in Milligramm pro Stunde (Material M1). Laut Packungsbeilage enthält ein Pflaster \(70\,\mathrm{mg}\) Wirkstoff; es soll nach 24 Stunden gewechselt werden.
- Beschreiben Sie den Verlauf des Graphen von \(r\) im Sachzusammenhang. 2 BE
- ohne HilfsmittelZeigen Sie, dass \(W(t)=60-60\,e^{-0{,}2t}\) die bis zum Zeitpunkt \(t\) insgesamt abgegebene Wirkstoffmenge in mg beschreibt. 4 BE
- Eine Patientin sagt: „Nach 24 Stunden ist das Pflaster leer — deshalb muss es gewechselt werden.“ Beurteilen Sie diese Aussage. 4 BE
- GTR/CASFür Kinder soll ein Pflaster derselben Bauart mit \(r_k(t)=k\,e^{-0{,}2t}\) entwickelt werden, das in den ersten 8 Stunden genau \(45\,\mathrm{mg}\) abgibt. Berechnen Sie \(k\). 3 BE
Insgesamt 13 BE.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Die Rate beginnt bei \(r(0)=12\,\mathrm{mg/h}\) und nimmt streng monoton ab, weil \(e^{-0{,}2t}\) fällt: \(r(5)\approx4{,}4\), \(r(10)\approx1{,}6\,\mathrm{mg/h}\). Nach gut 3,5 Stunden hat sie sich halbiert. Für große \(t\) nähert sie sich 0, ohne sie zu erreichen: Das Pflaster gibt anfangs viel, später immer weniger Wirkstoff ab.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
\(W'(t)=-60\cdot e^{-0{,}2t}\cdot(-0{,}2)=12\,e^{-0{,}2t}=r(t)\), also ist \(W\) eine Stammfunktion von \(r\). \(W(0)=60-60e^0=0\): Zu Beginn ist noch nichts abgegeben.
Damit ist \(W\) der aus der Rate rekonstruierte Bestand der abgegebenen Menge mit Anfangsbestand 0. (Alternativ hergeleitet: \(12\cdot\tfrac1{-0{,}2}e^{-0{,}2t}=-60e^{-0{,}2t}+C\) mit \(C=60\).)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
\(W(24)=60-60e^{-4{,}8}\approx59{,}5\,\mathrm{mg}\); im Pflaster bleiben etwa \(70-59{,}5=10{,}5\,\mathrm{mg}\). Auch für \(t\to\infty\) gilt nur \(W(t)\to60\,\mathrm{mg}\) — das Pflaster wird nie leer, mindestens \(10\,\mathrm{mg}\) bleiben zurück. Die Aussage ist falsch.
Gewechselt wird, weil die Rate nach 24 h nur noch \(r(24)=12e^{-4{,}8}\approx0{,}1\,\mathrm{mg/h}\) beträgt — zu wenig für eine Wirkung. Der Restwirkstoff ist nötig, damit überhaupt ein Konzentrationsgefälle besteht.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
\(W_k(8)=5k\,\big(1-e^{-1{,}6}\big)=45\Rightarrow k=\dfrac{9}{1-e^{-1{,}6}}\approx11{,}28\).
Das Kinderpflaster muss mit einer Anfangsrate von etwa \(11{,}3\,\mathrm{mg/h}\) starten.
