Aufgabenblock — AFB III
Zehn offene Aufgaben: begründen, beurteilen, Stellung nehmen, ein Spiel entwerfen. Die Musterlösung zeigt eine vollständige Argumentation.
Begründe: Gilt \(P_A(B)=P_{\overline A}(B)\), dann ist \(P_A(B)=P(B)\).
Hinweis: Schreibe \(P(B)\) mit dem Satz der totalen Wahrscheinlichkeit (beide Pfade zu \(B\)).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Sei \(q=P_A(B)=P_{\overline A}(B)\). Dann ist \(P(B)=P(A)\cdot q+P(\overline A)\cdot q=q\cdot\big(P(A)+P(\overline A)\big)=q\cdot1=q\). Also \(P_A(B)=P(B)\) — das Eintreten von \(A\) ändert die Wahrscheinlichkeit von \(B\) nicht.
Beurteile die Aussage: „Der Test erkennt 99 % der Erkrankten. Wer positiv getestet wird, ist also zu 99 % krank.“
Nimm an: 1 % der Bevölkerung ist erkrankt, 2 % der Gesunden werden fälschlich positiv getestet.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Die Aussage verwechselt \(P_K(+)\) mit \(P_+(K)\). Von 10 000 Personen sind 100 krank (99 positiv) und 9 900 gesund (198 positiv). Von 297 Positiven sind nur 99 krank: \(P_+(K)=\tfrac{99}{297}\approx33\,\%\). Die Aussage ist falsch; bei seltenen Krankheiten ist ein positives Ergebnis viel unsicherer als die Trefferquote.
Zeige: Zwei unvereinbare Ereignisse \(A\), \(B\) mit \(P(A)>0\) und \(P(B)>0\) sind stochastisch abhängig.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Unvereinbar heißt \(A\cap B=\emptyset\), also \(P(A\cap B)=0\). Wegen \(P(A)>0\) und \(P(B)>0\) ist \(P(A)\cdot P(B)>0\). Damit gilt \(P(A\cap B)\ne P(A)\cdot P(B)\) — die Ereignisse sind abhängig. Anschaulich: Tritt \(A\) ein, ist \(B\) sicher ausgeschlossen, \(P_A(B)=0\ne P(B)\).
Entwickle ein faires Spiel mit einem Würfel und dem Einsatz 2 €, bei dem es genau zwei verschiedene positive Auszahlungen gibt.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Beispiel: Bei einer 6 gibt es 6 €, bei einer 4 oder 5 jeweils 3 €, sonst nichts. \(E(A)=6\cdot\tfrac16+3\cdot\tfrac26=1+1=2\) €, gleich dem Einsatz, also \(E(G)=0\). Jede Wahl mit \(a+2b=12\) und \(a\ne b\), \(a,b>0\) ist ebenfalls fair.
Der Reingewinn eines Loskäufers hat den Erwartungswert \(-0{,}25\) €. Deute diesen Wert für den Veranstalter, der 2 000 Lose verkauft.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Pro Los verliert ein Spieler im Mittel 25 Cent; dieser Betrag bleibt beim Veranstalter. Bei 2 000 Losen erwartet er einen Überschuss von etwa \(2000\cdot0{,}25=500\) €. Das ist ein Mittelwert: Der tatsächliche Überschuss schwankt, weil nicht exakt 15 % bzw. 5 % Gewinnlose gezogen werden.
Spiel A zahlt sicher 2 €. Spiel B zahlt mit Wahrscheinlichkeit 0,1 genau 20 €, sonst nichts. Vergleiche beide Spiele mithilfe von \(\mu\) und \(\sigma\) und nimm Stellung, welches man wählen sollte.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Beide Spiele haben \(\mu=2\) €. Spiel A hat \(\sigma=0\), Spiel B \(\sigma=\sqrt{32{,}4+3{,}6}=6\) €. Auf lange Sicht sind sie gleich gut; B schwankt aber stark — in 9 von 10 Fällen gibt es nichts. Wer Sicherheit will, wählt A; wer die Chance auf 20 € sucht und Verluste in Kauf nimmt, B. Eine begründete Wahl nennt beide Kenngrößen.
Bei einem Spiel werden alle Auszahlungen um 1 € erhöht. Erläutere, wie sich \(\mu\) und \(\sigma\) ändern.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: \(E(X+1)=\sum(x_i+1)\cdot p_i=\sum x_i p_i+\sum p_i=\mu+1\): Der Erwartungswert steigt um 1 €. Die Abweichungen vom neuen Erwartungswert bleiben \(x_i-\mu\), also ändern sich \(V(X)\) und \(\sigma\) nicht. Anschaulich: Das Histogramm wird nur verschoben, nicht breiter.
Ein Glücksrad hat ein Gewinnfeld, das 4 € auszahlt; der Rest zahlt nichts. Der Einsatz ist 1 €. Ermittle den Anteil \(p\) des Gewinnfelds, für den das Spiel fair ist, und beurteile ein Rad mit \(p=0{,}2\).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: \(E(G)=3\cdot p-1\cdot(1-p)=4p-1=0\Rightarrow p=0{,}25\). Das Gewinnfeld muss ein Viertel des Rades einnehmen. Bei \(p=0{,}2\) ist \(E(G)=4\cdot0{,}2-1=-0{,}2\) €: Der Spieler verliert im Mittel 20 Cent pro Spiel, das Spiel ist ungünstig.
Beim Roulette kam fünfmal hintereinander Rot. Jemand setzt jetzt auf Schwarz, „weil Schwarz jetzt fällig ist“. Beurteile diese Überlegung.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Die Drehungen sind stochastisch unabhängig; das Rad „weiß“ nichts von den vorigen Ergebnissen. Die Wahrscheinlichkeit für Schwarz bleibt \(\tfrac{18}{37}\approx0{,}49\). Das Gesetz der großen Zahlen gleicht die relativen Häufigkeiten auf lange Sicht an, nicht einzelne Serien. Die Überlegung ist ein Fehlschluss (Spielerfehlschluss).
Aus 5 000 Losen, von denen 500 Gewinne sind, werden zwei Lose ohne Zurücklegen gezogen. Begründe rechnerisch, dass man hier näherungsweise wie mit Zurücklegen rechnen darf.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
Musterlösung: Mit Zurücklegen: \(0{,}1\cdot0{,}1=0{,}01\). Ohne Zurücklegen: \(0{,}1\cdot\tfrac{499}{4999}\approx0{,}009982\). Der Unterschied beträgt etwa \(0{,}00002\), also weniger als 0,2 % des Wertes. Weil ein gezogenes Los den Anteil in der großen Menge kaum verändert, darf man mit Zurücklegen rechnen — die Grundlage für die Binomialverteilung im nächsten Kapitel.
