MINT lernen

Übung — AFB III (Verallgemeinern und Reflektieren)

Zehn Aufgaben zum Begründen, Beurteilen und Verallgemeinern — hier zählt das Argument, nicht nur die Zahl.

Dein Fortschritt:
0 / 0 Aufgaben
3

Aufgabenblock — AFB III

Begründen statt nur rechnen: Aussagen beurteilen, Formeln allgemein untersuchen und Modelle kritisch prüfen, bevor du die Musterlösung aufklappst.

A1
Treffer oder Nieten zählen
AFB III

Begründe, dass P(X = k) = P(Y = n − k) gilt, wenn X die Treffer und Y die Nieten einer Bernoulli-Kette zählt.

Hinweis: Vergleiche die Ereignisse, nicht die Formeln.

Strategie: Ein Ergebnis mit k Treffern hat genau n − k Nieten.Warum so? Es ist dasselbe Ereignis, nur anders gezählt.
Lösungsskizze: X = k ⇔ Y = n − k; Formel: (n über k) = (n über n − k), Potenzen vertauschen die Rolle von p und 1 − p.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Jeder Pfad mit genau k Treffern hat genau n − k Nieten und umgekehrt. Die Ereignisse „X = k“ und „Y = n − k“ bestehen also aus denselben Pfaden und haben dieselbe Wahrscheinlichkeit. In Formeln: (n über k) · pᵏ · (1 − p)ⁿ⁻ᵏ = (n über n − k) · (1 − p)ⁿ⁻ᵏ · pᵏ, denn (n über k) = (n über n − k).

A2
Sicher fünfmal Kopf?
AFB III

Beurteile die Aussage: „Wirft man eine faire Münze 10-mal, kommt genau 5-mal Kopf, weil der Erwartungswert 5 ist.“

Hinweis: Berechne P(X = 5).

Strategie: Den Erwartungswert von einem sicheren Ergebnis unterscheiden.Warum so? μ beschreibt den Mittelwert vieler Serien.
Lösungsskizze: P(X = 5) ≈ 0,246.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Aussage ist falsch. Der Erwartungswert μ = 10 · 0,5 = 5 ist der Mittelwert der Trefferzahl über sehr viele Serien. Genau 5-mal Kopf tritt nur mit P(X = 5) = (10 über 5) · 0,5¹⁰ ≈ 0,246 ein — in etwa drei von vier Serien kommt eine andere Zahl.

A3
Viermal so viele Versuche
AFB III

Untersuche, wie sich μ, σ und die relative Streuung σ : n ändern, wenn n vervierfacht wird (p bleibt gleich).

Hinweis: Setze 4n in die Formeln ein.

Strategie: Terme vergleichen statt Beispiele rechnen.Warum so? Eine allgemeine Aussage braucht allgemeine Terme.
Lösungsskizze: μ' = 4μ; σ' = √(4n p(1 − p)) = 2σ; σ' : (4n) = ½ · σ : n.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: μ = n · p wird zu 4n · p, vervierfacht sich also. σ = √(n p(1 − p)) wird zu √(4 n p(1 − p)) = 2σ, verdoppelt sich nur. Die relative Streuung σ : n halbiert sich: 2σ : (4n) = ½ · σ : n. Deshalb werden relative Häufigkeiten bei großen Stichproben verlässlicher.

A4
Losen in der Klasse
AFB III

Beurteile, ob die Anzahl der Mädchen unter 4 aus 28 Schülerinnen und Schülern (14 Mädchen) ausgelosten Personen binomialverteilt ist.

Hinweis: Prüfe die drei Bedingungen der Bernoulli-Kette.

Strategie: Ohne Zurücklegen ändert sich p.Warum so? Die Gesamtheit ist klein.
Lösungsskizze: p ändert sich von 14/28 auf 13/27 bzw. 14/27 — also keine Bernoulli-Kette, nur grobe Näherung.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Zwei Ergebnisse (Mädchen/Junge) und n = 4 sind gegeben. Es wird aber ohne Zurücklegen gelost: Nach einem Mädchen ist p = 13/27 ≈ 0,481, nach einem Jungen 14/27 ≈ 0,519. Die Stufen sind nicht unabhängig und p ist nicht konstant. Da 4 von 28 kein kleiner Anteil ist, ist das Modell der Bernoulli-Kette hier nur eine grobe Näherung.

A5
Symmetrie bei p = 0,5
AFB III

Begründe, dass das Histogramm einer Binomialverteilung mit p = 0,5 symmetrisch zu k = n/2 ist.

Hinweis: Vergleiche P(X = k) und P(X = n − k).

Strategie: Bei p = 0,5 sind Treffer und Niete gleich wahrscheinlich.Warum so? Die Spiegelung k ↦ n − k tauscht Treffer und Nieten.
Lösungsskizze: P(X = k) = (n über k) · 0,5ⁿ = (n über n − k) · 0,5ⁿ = P(X = n − k).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Für p = 0,5 gilt P(X = k) = (n über k) · 0,5ᵏ · 0,5ⁿ⁻ᵏ = (n über k) · 0,5ⁿ. Da (n über k) = (n über n − k), ist P(X = k) = P(X = n − k). Die Säulen bei k und n − k sind gleich hoch; diese Stellen liegen symmetrisch zu n/2.

A6
Wann streut es am meisten?
AFB III

Zeige, dass σ bei festem n für p = 0,5 am größten ist.

Hinweis: Untersuche den Term p · (1 − p).

Strategie: σ wächst mit p(1 − p).Warum so? Die Wurzel ist monoton.
Lösungsskizze: p(1 − p) = −p² + p, Parabel nach unten, Scheitel bei p = 0,5.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: σ = √(n · p(1 − p)) ist am größten, wenn p(1 − p) am größten ist. f(p) = p − p² ist eine nach unten geöffnete Parabel mit Nullstellen 0 und 1, ihr Scheitel liegt in der Mitte bei p = 0,5 mit f(0,5) = 0,25. Also ist σ bei p = 0,5 maximal: σ = √(0,25 n) = ½√n.

A7
Prognose richtig formulieren
AFB III

Beurteile die Aussage: „Das 95 %-Prognoseintervall [34; 56] für n = 150 und p = 0,3 bedeutet, dass p mit 95 % Wahrscheinlichkeit zwischen 34 und 56 liegt.“

Hinweis: Worüber macht ein Prognoseintervall eine Aussage?

Strategie: Unterscheide Parameter p und Zufallsgröße X.Warum so? p ist fest und bekannt, X ist zufällig.
Lösungsskizze: Aussage über X (Trefferzahl), nicht über p; außerdem sind 34 und 56 Anzahlen, keine Anteile.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Aussage ist falsch. Beim Prognoseintervall ist p = 0,3 bekannt. Das Intervall sagt voraus, dass die Anzahl X der Treffer unter 150 mit mindestens 95 % Wahrscheinlichkeit zwischen 34 und 56 liegt. Außerdem kann p als Wahrscheinlichkeit gar nicht zwischen 34 und 56 liegen — das sind absolute Häufigkeiten.

A8
Mindestens ein Treffer
AFB III

Ermittle, wie viele Freiwürfe eine Spielerin mit Trefferquote 70 % mindestens werfen muss, damit sie mit mindestens 99 % Wahrscheinlichkeit wenigstens einmal trifft.

Hinweis: Nutze das Gegenereignis.

Strategie: „Mindestens einmal“ ist 1 − „keinmal“.Warum so? Das Gegenereignis hat nur einen Pfad.
Lösungsskizze: 1 − 0,3ⁿ ≥ 0,99 ⇔ 0,3ⁿ ≤ 0,01; 0,3³ = 0,027, 0,3⁴ = 0,0081.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: P(mindestens ein Treffer) = 1 − 0,3ⁿ. Gefordert ist 1 − 0,3ⁿ ≥ 0,99, also 0,3ⁿ ≤ 0,01. Für n = 3 ist 0,3³ = 0,027 zu groß, für n = 4 ist 0,3⁴ = 0,0081 ≤ 0,01. Sie muss mindestens 4-mal werfen.

A9
Gleicher Erwartungswert
AFB III

Vergleiche die Binomialverteilungen mit n = 12, p = 0,5 und n = 60, p = 0,1 hinsichtlich Lage und Breite des Histogramms.

Hinweis: Berechne μ und σ für beide.

Strategie: Gleiches μ heißt nicht gleiche Form.Warum so? σ entscheidet über die Breite.
Lösungsskizze: Beide μ = 6; σ ≈ 1,73 bzw. 2,32.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Beide haben μ = 6, die höchsten Säulen liegen also bei 6. Die Standardabweichungen unterscheiden sich: σ = √3 ≈ 1,73 bzw. σ = √5,4 ≈ 2,32. Das zweite Histogramm ist breiter und flacher; das erste ist symmetrisch (p = 0,5), das zweite leicht rechtsschief (p = 0,1).

A10
Simulation bewerten
AFB III

Beurteile die Schlussfolgerung: „Wir haben 20 Serien simuliert, 5 Treffer kamen nie vor. Also ist P(X = 5) = 0.“ (n = 10, p = 0,3)

Hinweis: Berechne P(X = 5) und schätze, wie oft 5 in 20 Serien zu erwarten ist.

Strategie: Kleine Simulationen streuen stark.Warum so? Relative Häufigkeiten nähern sich erst bei vielen Wiederholungen an.
Lösungsskizze: P(X = 5) ≈ 0,103; erwartet etwa 2 von 20 Serien; P(nie) = 0,897²⁰ ≈ 0,11.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Schlussfolgerung ist falsch. P(X = 5) = (10 über 5) · 0,3⁵ · 0,7⁵ ≈ 0,103, in 20 Serien wären etwa 2 Fälle zu erwarten. Dass 5 gar nicht vorkommt, hat trotzdem eine Wahrscheinlichkeit von 0,897²⁰ ≈ 0,11. Eine relative Häufigkeit von 0 in wenigen Versuchen beweist keine Wahrscheinlichkeit 0.