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Übung AFB III

Warum e hoch x am Ende jede Potenz schlägt — zehn Aufgaben, bei denen Rechnen allein nicht reicht.

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Aufgabenblock — AFB III

Begründen statt nur rechnen: Behauptungen widerlegen, Modelle beurteilen, Fehler finden und allgemein zeigen. Formuliere deine Antwort in ganzen Sätzen, bevor du die Musterlösung aufklappst.

A1
Eine falsche Ableitungsregel
AFB III

Lena behauptet: „\((2^{x})'=x\cdot2^{x-1}\), das ist doch die Potenzregel.“ Widerlegen Sie die Behauptung.

Hinweis: Ein einziges Gegenbeispiel reicht.

Strategie: Einen Wert einsetzen, an dem die rechte Seite offensichtlich falsch ist.Warum so? Eine allgemeine Aussage ist widerlegt, sobald sie an einer Stelle nicht stimmt.
Lösungsskizze: Bei \(x=0\): rechts \(0\cdot2^{-1}=0\), aber der Graph von \(2^{x}\) steigt überall · richtige Regel \((2^{x})'=\ln2\cdot2^{x}\).
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Musterlösung: Nach Lenas Regel wäre die Steigung bei \(x=0\) gleich \(0\cdot2^{-1}=0\), der Graph hätte dort eine waagerechte Tangente. \(2^{x}\) ist aber streng monoton steigend; tatsächlich gilt \((2^{x})'=\ln2\cdot2^{x}\), also \(\ln2\approx0{,}69\) bei \(x=0\). Die Potenzregel gilt nur, wenn die Variable in der Basis steht (\(x^{n}\)), nicht im Exponenten.

A2
Lösung der logistischen Gleichung
AFB III

Zeigen Sie, dass \(f(t)=\dfrac{S}{1+c\,e^{-kSt}}\) für jede Konstante \(c\) die Differentialgleichung \(f'(t)=k\cdot f(t)\cdot\bigl(S-f(t)\bigr)\) erfüllt.

Hinweis: Schreibe \(f(t)=S\cdot\left(1+c\,e^{-kSt}\right)^{-1}\) und rechne beide Seiten getrennt aus.

Strategie: Linke Seite mit der Kettenregel (äußere Funktion \(S\cdot z^{-1}\)), rechte Seite: \(S-f(t)\) auf einen Bruch bringen.Warum so? Zwei gleiche Terme für jedes \(t\) beweisen, dass \(f\) Lösung ist.
Lösungsskizze: \(f'=\frac{kS^{2}c\,e^{-kSt}}{(1+c\,e^{-kSt})^{2}}\) · \(S-f=\frac{S\,c\,e^{-kSt}}{1+c\,e^{-kSt}}\) · Produkt vergleichen.
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Musterlösung: Mit \(N(t)=1+c\,e^{-kSt}\) gilt \(N'(t)=-kSc\,e^{-kSt}\). Links: \(f'(t)=S\cdot(-1)\cdot N^{-2}\cdot N'=\frac{kS^{2}c\,e^{-kSt}}{N^{2}}\). Rechts: \(S-f=\frac{S\,N-S}{N}=\frac{S\,c\,e^{-kSt}}{N}\), also \(k\cdot f\cdot(S-f)=k\cdot\frac{S}{N}\cdot\frac{S\,c\,e^{-kSt}}{N}=\frac{kS^{2}c\,e^{-kSt}}{N^{2}}\). Beide Seiten stimmen für alle \(t\) überein, unabhängig von \(c\). \(c\) legt den Anfangswert fest: \(c=\frac{S}{f(0)}-1\).

A3
Potenz gegen e-Funktion
AFB III

Tom meint: „Bei \(f(x)=e^{x}-x^{10}\) gewinnt für große \(x\) die Potenz, denn schon \(f(10)\) ist riesig negativ.“ Beurteilen Sie Toms Aussage.

Hinweis: Rechne auch einmal \(f(40)\) mit dem GTR.

Strategie: Den Wert bei \(x=10\) prüfen und dann den Grenzprozess für \(x\to\infty\) betrachten.Warum so? Einzelne Werte zeigen kein Grenzverhalten — die Dominanz der e-Funktion schon.
Lösungsskizze: \(f(10)\approx-10^{10}\) stimmt · \(e^{40}\approx2{,}4\cdot10^{17}\) gegen \(40^{10}\approx1{,}0\cdot10^{16}\) · \(f(x)\to+\infty\).
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Musterlösung: Toms Beobachtung stimmt: \(f(10)=e^{10}-10^{10}\approx-10^{10}\). Sein Schluss ist falsch: \(e^{x}\) wächst schneller als jede Potenz. Schon bei \(x=40\) ist \(e^{40}\approx2{,}4\cdot10^{17}\) größer als \(40^{10}\approx1{,}0\cdot10^{16}\), also \(f(40)>0\). Für \(x\to\infty\) gilt \(f(x)\to+\infty\). Aus endlich vielen Werten darf man kein Grenzverhalten ablesen.

A4
Keine Nullstelle
AFB III

Begründen Sie ohne Rechnung, dass \(f(x)=(x^{2}+1)\cdot e^{-x}\) keine Nullstelle besitzt.

Hinweis: Betrachte die Vorzeichen der beiden Faktoren.

Strategie: Für jeden Faktor einzeln zeigen, dass er nie null wird.Warum so? Ein Produkt ist genau dann null, wenn ein Faktor null ist.
Lösungsskizze: \(x^{2}+1\ge1\) · \(e^{-x}>0\) · Produkt \(>0\).
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Musterlösung: Nach dem Satz vom Nullprodukt müsste ein Faktor null sein. Es gilt aber \(x^{2}+1\ge1>0\) für alle \(x\) und \(e^{-x}>0\) für alle \(x\). Also ist \(f(x)>0\) für alle \(x\) — der Graph verläuft vollständig oberhalb der \(x\)-Achse.

A5
Parameter aus Wert und Steigung
AFB III

Von einer Funktion \(f(x)=a\cdot e^{kx}\) ist bekannt: \(f(2)=10\) und \(f'(2)=3\). Entwickeln Sie ein Verfahren, mit dem Sie \(a\) und \(k\) bestimmen, und führen Sie es aus.

Hinweis: Nutze die besondere Eigenschaft \(f'=k\cdot f\).

Strategie: Erst \(k\) aus dem Quotienten \(f'(2):f(2)\), dann \(a\) aus \(f(2)=10\).Warum so? Beim Quotienten kürzt sich \(a\cdot e^{2k}\) heraus — eine Gleichung mit nur einer Unbekannten.
Lösungsskizze: \(k=\frac{3}{10}=0{,}3\) · \(a\,e^{0{,}6}=10\) · \(a=10e^{-0{,}6}\approx5{,}49\).
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Musterlösung: Da \(f'(x)=k\cdot f(x)\), folgt \(k=\frac{f'(2)}{f(2)}=\frac{3}{10}=0{,}3\). Einsetzen in \(f(2)=10\): \(a\cdot e^{0{,}6}=10\iff a=10e^{-0{,}6}\approx5{,}49\). Also \(f(x)\approx5{,}49\,e^{0{,}3x}\). Das Verfahren funktioniert für jede Stelle, an der Wert und Steigung bekannt sind.

A6
Weltbevölkerung
AFB III

Eine Zeitung rechnet: „Die Weltbevölkerung wuchs zuletzt um etwa 0,9 % pro Jahr. Mit \(N(t)=8\cdot e^{0{,}009t}\) (in Milliarden, \(t\) in Jahren ab 2023) leben 2100 rund 16 Milliarden Menschen auf der Erde.“ Nehmen Sie Stellung.

Hinweis: Rechne die Prognose nach und frage nach den Annahmen des Modells.

Strategie: Wert berechnen, dann Modellannahme „konstante Rate“ kritisch prüfen.Warum so? Ein Modell ist nur so gut wie seine Annahmen.
Lösungsskizze: \(N(77)=8e^{0{,}693}\approx16\) · Rate sinkt seit Jahrzehnten · begrenztes Modell plausibler.
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Musterlösung: Rechnerisch stimmt es: \(N(77)=8\cdot e^{0{,}009\cdot77}\approx8\cdot2{,}0=16\) Milliarden. Das Modell setzt aber voraus, dass die Wachstumsrate 77 Jahre lang konstant bleibt. Tatsächlich sinkt sie seit Jahrzehnten; Ressourcen und Geburtenrückgang bremsen. Ein begrenztes oder ein Modell mit abnehmender Rate ist plausibler. Die Aussage ist als Schätzung „wenn alles so bleibt“ vertretbar, als Prognose zu sicher formuliert.

A7
Welches Modell für die Limonade?
AFB III

Eine Flasche Limonade (6 °C) steht im Garten (26 °C). Die Werte nach 0, 10 und 20 Minuten sind 6 °C, 14 °C und 18,8 °C. Diskutieren Sie, ob ein lineares, ein exponentielles oder ein begrenztes Modell passt.

Hinweis: Differenzen, Quotienten und Abstände zu 26 °C vergleichen.

Strategie: Jedes Modell an den Daten und am Sachkontext prüfen.Warum so? Die Daten allein können mehrdeutig sein; der Kontext liefert die Schranke.
Lösungsskizze: Differenzen 8; 4,8 · Quotienten 2,33; 1,34 · Abstände 20; 12; 7,2 mit Quotient 0,6 · begrenzt.
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Musterlösung: Linear scheidet aus: Die Zuwächse \(8\) und \(4{,}8\) sind nicht gleich. Exponentiell scheidet aus: \(\frac{14}{6}\approx2{,}33\) und \(\frac{18{,}8}{14}\approx1{,}34\) sind verschieden, außerdem würde die Temperatur über alle Grenzen steigen. Begrenzt passt: Die Abstände zu 26 °C sind \(20;\,12;\,7{,}2\), ihr Quotient ist jeweils \(0{,}6\). Mit \(e^{-10k}=0{,}6\) folgt \(k\approx0{,}051\) und \(T(t)=26-20e^{-0{,}051t}\). Auch sachlich ist klar: Die Limo erwärmt sich nicht über die Lufttemperatur.

A8
Zwei Schüler, zwei Modelle
AFB III

Aus der Messreihe \((0\,|\,50)\), \((2\,|\,74)\), \((4\,|\,108)\), \((6\,|\,165)\) bestimmt Ali \(k\) aus den ersten beiden Punkten, Bea aus dem ersten und letzten. Bewerten Sie beide Vorgehensweisen.

Hinweis: Berechne beide \(k\)-Werte und prüfe, wie gut die Modelle die übrigen Punkte treffen.

Strategie: Beide Modelle an allen Punkten testen, dann Kriterium formulieren.Warum so? Weit auseinanderliegende Punkte verringern den Einfluss kleiner Messfehler.
Lösungsskizze: Ali: \(k=\frac{\ln1{,}48}{2}\approx0{,}196\), \(f(6)\approx162\) · Bea: \(k=\frac{\ln3{,}3}{6}\approx0{,}199\), \(f(2)\approx74{,}4\), \(f(4)\approx111\) · beide gut, Bea robuster.
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Musterlösung: Ali: \(k=\frac{\ln(74/50)}{2}\approx0{,}196\); sein Modell liefert \(f(4)\approx110\) und \(f(6)\approx162\). Bea: \(k=\frac{\ln(165/50)}{6}\approx0{,}199\); ihr Modell liefert \(f(2)\approx74{,}4\) und \(f(4)\approx111\). Beide Modelle passen hier gut. Beas Vorgehen ist grundsätzlich besser: Bei weit auseinanderliegenden Punkten wirkt sich ein Messfehler weniger stark auf \(k\) aus. Noch besser wäre eine Regression über alle vier Punkte.

A9
Eine allgemeine Regel
AFB III

Untersuchen Sie \(f_k(x)=x\cdot e^{-kx}\) für \(k>0\) auf Extremstellen und formulieren Sie eine allgemeine Regel für die Lage des Hochpunkts.

Hinweis: Rechne mit \(k\) wie mit einer Zahl.

Strategie: Produkt- und Kettenregel, \(e^{-kx}\) ausklammern, null setzen.Warum so? Ein Parameter im Term liefert eine Aussage für eine ganze Funktionenschar.
Lösungsskizze: \(f_k'(x)=(1-kx)\,e^{-kx}\) · \(x=\frac1k\) · \(H\bigl(\frac1k\,|\,\frac{1}{ke}\bigr)\).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: \(f_k'(x)=e^{-kx}-kx\,e^{-kx}=(1-kx)\,e^{-kx}=0\iff x=\frac1k\). Der Faktor \(1-kx\) wechselt dort von \(+\) nach \(-\): Hochpunkt. \(f_k\left(\frac1k\right)=\frac1k\,e^{-1}=\frac{1}{ke}\). Regel: Je größer \(k\), desto weiter links und desto niedriger liegt der Hochpunkt \(H\left(\frac1k\,\middle|\,\frac{1}{ke}\right)\).

A10
Fehlersuche
AFB III

Jonas rechnet: \(\left(x\cdot e^{2x}\right)'=1\cdot2e^{2x}=2e^{2x}\), also hat \(f(x)=x\cdot e^{2x}\) keine Extremstelle. Überprüfen Sie seine Rechnung und seine Folgerung.

Hinweis: Welche Ableitungsregel hat Jonas benutzt?

Strategie: Fehler benennen, richtig ableiten, Folgerung neu ziehen.Warum so? Ein falscher Rechenweg kann zu einer falschen Aussage über den Graphen führen.
Lösungsskizze: Jonas: \((uv)'=u'v'\) · richtig \((1+2x)\,e^{2x}\) · Tiefpunkt bei \(x=-0{,}5\).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Jonas hat die Faktoren einzeln abgeleitet und multipliziert, als ob \((u\cdot v)'=u'\cdot v'\) gälte. Richtig: \(f'(x)=1\cdot e^{2x}+x\cdot2e^{2x}=(1+2x)\,e^{2x}\). Das ist null für \(x=-0{,}5\) mit Vorzeichenwechsel von \(-\) nach \(+\): Tiefpunkt \(T\bigl(-0{,}5\,|\,-0{,}5e^{-1}\bigr)\approx(-0{,}5\,|\,-0{,}18)\). Seine Folgerung ist falsch.