Blutspende
AFB I–IIIn Deutschland ist etwa 15 % der Bevölkerung Rhesus-negativ (rh−). Blut von Rhesus-negativen Spendern wird in Kliniken besonders dringend gebraucht. An einem Blutspendetermin kommen die Spenderinnen und Spender unabhängig voneinander; es wird jeweils festgestellt, ob die Person Rhesus-negativ ist.
- Begründen Sie, dass die Untersuchung der ersten drei Spender als Bernoulli-Kette modelliert werden kann, und geben Sie dabei Treffer, \(n\) und \(p\) an.
- Zeichnen Sie das Baumdiagramm für die ersten drei Spender und beschriften Sie alle Äste.
- Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass keiner der ersten drei Spender Rhesus-negativ ist, sowie die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer von ihnen Rhesus-negativ ist.
- Interpretieren Sie den Term \(0{,}85^2\cdot0{,}15\) im Sachzusammenhang.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Jede Person ist entweder Rhesus-negativ (Treffer \(T\)) oder nicht (Niete \(N\)) — genau zwei Ergebnisse. Betrachtet werden \(n=3\) Personen. Da die Spender unabhängig voneinander kommen und aus einer sehr großen Bevölkerung stammen, bleibt \(p=0{,}15\) für jede Person gleich. Also liegt eine Bernoulli-Kette mit \(n=3\) und \(p=0{,}15\) vor.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Drei Stufen, an jedem Knoten ein \(T\)-Ast mit \(0{,}15\) und ein \(N\)-Ast mit \(0{,}85\); insgesamt \(2^3=8\) Pfade.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
\(P(NNN)=0{,}85^3\approx0{,}6141\).
\(P(\text{mindestens einer rh−})=1-0{,}85^3\approx0{,}3859\).
Mit etwa 61 % ist keiner der ersten drei Spender Rhesus-negativ, mit etwa 39 % mindestens einer.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Der Term gehört zum Pfad \(NNT\): Die ersten beiden Spender sind nicht Rhesus-negativ, erst der dritte ist Rhesus-negativ. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt \(0{,}85^2\cdot0{,}15\approx0{,}108\). Andere Reihenfolgen (z. B. \(TNN\)) sind in diesem Term nicht enthalten.
Schatztruhen im Handyspiel
AFB II–IIIIn einem Handyspiel findet man am Ende jedes Levels eine Schatztruhe. In Variante A enthält jede Truhe unabhängig von den vorherigen mit der Wahrscheinlichkeit \(0{,}3\) ein seltenes Item (\(I\)), sonst ist sie leer (\(L\)).
Weil sich Spieler über lange Pechsträhnen beschweren, testet das Entwicklerteam eine Variante B mit „Pechschutz“: Die erste Truhe enthält wie bisher mit \(0{,}3\) ein Item. War die vorherige Truhe leer, steigt die Wahrscheinlichkeit für die nächste Truhe auf \(0{,}5\); enthielt sie ein Item, gilt wieder \(0{,}3\).
- Bestimmen Sie für Variante A die Wahrscheinlichkeit, dass die ersten beiden Truhen leer sind und die dritte ein Item enthält, sowie die Wahrscheinlichkeit, dass unter den ersten vier Truhen mindestens ein Item ist.
- Erläutern Sie anhand der Abbildung, warum Variante B keine Bernoulli-Kette ist.
- Vergleichen Sie die Varianten A und B hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit, in den ersten beiden Truhen mindestens ein Item zu finden.
- Ein Spieler hat in Variante A viermal hintereinander eine leere Truhe geöffnet und sagt: „Jetzt muss ja endlich etwas kommen — die nächste Truhe ist fast sicher gefüllt.“ Beurteilen Sie diese Aussage und auch die Frage, ob vier leere Truhen hintereinander in Variante A ein seltenes Pech sind.
Hinweise
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(P(LLI)=0{,}7^2\cdot0{,}3=0{,}147\).
\(P(\text{mindestens ein Item in vier Truhen})=1-P(LLLL)=1-0{,}7^4=1-0{,}2401=0{,}7599\).
Mit knapp 15 % sind die ersten beiden Truhen leer und die dritte gefüllt; mit etwa 76 % enthält mindestens eine der ersten vier Truhen ein Item.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
In der zweiten Stufe hängt die Wahrscheinlichkeit für ein Item vom Ergebnis der ersten Truhe ab: nach \(I\) ist sie \(0{,}3\), nach \(L\) aber \(0{,}5\). Die Trefferwahrscheinlichkeit bleibt also nicht gleich, und die Stufen sind nicht unabhängig. Damit ist eine Bedingung der Bernoulli-Kette verletzt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Variante A: \(P(LL)=0{,}7^2=0{,}49\), also \(P(\text{mind. ein Item})=0{,}51\).
Variante B: \(P(LL)=0{,}7\cdot0{,}5=0{,}35\), also \(P(\text{mind. ein Item})=0{,}65\).
Der Pechschutz erhöht die Wahrscheinlichkeit für mindestens ein Item in den ersten beiden Truhen um 14 Prozentpunkte.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Die Aussage ist falsch. In Variante A sind die Truhen unabhängig: Auch nach vier leeren Truhen enthält die nächste nur mit \(0{,}3\) ein Item — das Spiel „merkt“ sich die Pechsträhne nicht (Spielerfehlschluss). Genau diese Erwartung erfüllt erst Variante B.
Vier leere Truhen hintereinander sind auch kein seltenes Pech: \(0{,}7^4\approx0{,}24\), also passiert das bei etwa jedem vierten Versuch. Die Beschwerden der Spieler sind daher verständlich, aber nicht durch einen Fehler im Spiel erklärbar.
