Aufgabenblock — AFB III
Begründen, beurteilen, nachweisen: Hier zählt das Argument. Versuche jede Aufgabe erst selbst, bevor du die Musterlösung aufklappst.
Begründe, dass für eine stetige Zufallsgröße P(X = a) = 0 gilt, obwohl der Wert a vorkommen kann.
Hinweis: Denke an Wahrscheinlichkeit als Fläche.
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Musterlösung: Bei stetigen Zufallsgrößen ist eine Wahrscheinlichkeit die Fläche unter der Dichte über einem Intervall. Über dem „Intervall“ [a; a] hat die Fläche die Breite 0, also ist P(X = a) = ∫ₐᵃ f(x) dx = 0. „Möglich“ und „Wahrscheinlichkeit größer als 0“ fallen hier auseinander: Nur Intervalle positiver Länge haben positive Wahrscheinlichkeit.
Beurteile die Aussage: „Verdoppelt man den Stichprobenumfang, wird die 95 %-Umgebung für den Anteil halb so breit.“
Hinweis: Untersuche, wie n in der Formel steht.
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Musterlösung: Die halbe Breite ist 1,96 · √(p(1 − p) : n). Bei 2n wird sie mit 1 : √2 ≈ 0,71 multipliziert — sie sinkt nur um etwa 29 %. Halbiert wird die Breite erst bei vierfachem Umfang. Die Aussage ist falsch.
Weise nach, dass die Dichte der Normalverteilung ihre Wendestellen bei μ − σ und μ + σ hat.
Hinweis: Leite f zweimal ab (Kettenregel), der Vorfaktor spielt keine Rolle.
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Musterlösung: Mit c = 1 : (σ√(2π)) gilt f′(x) = −c · (x − μ) : σ² · e^(−(x−μ)²/(2σ²)) und f″(x) = c · e^(−(x−μ)²/(2σ²)) · ((x − μ)² : σ⁴ − 1 : σ²). Da die e-Funktion nie 0 ist, gilt f″(x) = 0 ⇔ (x − μ)² = σ² ⇔ x = μ ± σ. An beiden Stellen wechselt der Klammerterm das Vorzeichen, also liegen Wendestellen vor.
Begründe die Stetigkeitskorrektur P(X ≤ k) ≈ Φ(k + 0,5) anhand des Histogramms.
Hinweis: Wo endet die Säule zu k?
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Musterlösung: Im Histogramm steht die Säule zu k über dem Intervall [k − 0,5; k + 0,5], ihre Fläche ist P(X = k). P(X ≤ k) ist die Summe aller Säulen bis einschließlich k, also die Fläche bis k + 0,5. Die Glockenkurve ersetzt die Säulen, deshalb integriert man bis k + 0,5. Ohne Korrektur fehlt die halbe Säule k.
Beurteile die Aussage: „Das 95 %-Konfidenzintervall ist [0,42; 0,48]. Also liegt p mit 95 % Wahrscheinlichkeit zwischen 0,42 und 0,48.“
Hinweis: Was ist zufällig, was ist fest?
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Musterlösung: Die Aussage ist ungenau. Der Anteil p ist eine feste Zahl; das konkrete Intervall enthält p oder nicht. Die 95 % beziehen sich auf das Verfahren: Zieht man sehr viele Stichproben und bildet jeweils das Intervall, enthalten etwa 95 % dieser Intervalle den wahren Anteil.
Vergleiche Prognoseintervall und Konfidenzintervall hinsichtlich gegebener Größe, gesuchter Größe und Deutung.
Hinweis: Welche Größe ist jeweils bekannt?
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Musterlösung: Beim Prognoseintervall ist p gegeben; gesucht ist der Bereich, in dem die Trefferzahl bzw. h einer künftigen Stichprobe mit 95 % liegt. Beim Konfidenzintervall ist h aus einer Stichprobe gegeben; gesucht sind alle p, mit denen h verträglich ist. Beide beruhen auf derselben Ungleichung |h − p| ≤ 1,96 · √(p(1 − p) : n), nur wird sie einmal nach h, einmal nach p aufgelöst.
Beurteile, ob man für n = 500 und p = 0,01 mit den σ-Regeln ein Prognoseintervall bilden darf, und nenne eine Alternative.
Hinweis: Laplace-Bedingung prüfen.
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Musterlösung: σ = √4,95 ≈ 2,22 < 3: Die Laplace-Bedingung ist verletzt, das Histogramm ist deutlich rechtsschief (μ = 5 liegt nahe 0). Die σ-Regeln sind hier nicht angemessen. Stattdessen bestimmt man das Intervall mit der Binomialverteilung (Bcd bzw. binomCdf), indem man symmetrisch um μ erweitert, bis 95 % erreicht sind.
Untersuche, für welchen Anteil p die 95 %-Umgebung für h bei festem n am breitesten ist.
Hinweis: Betrachte g(p) = p(1 − p).
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Musterlösung: Die halbe Breite 1,96 · √(p(1 − p) : n) wird maximal, wenn g(p) = p − p² maximal ist. g′(p) = 1 − 2p = 0 ⇔ p = 0,5, g″ = −2 < 0. Am breitesten ist die Umgebung also für p = 0,5 mit g = 0,25 — deshalb rechnet man bei unbekanntem p mit 0,25.
Begründe ohne Rechnung, warum die Glocke bei doppeltem σ halb so hoch sein muss.
Hinweis: Was muss für jede Dichtefunktion gelten?
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Musterlösung: Verdoppelt man σ, wird die Kurve in x-Richtung auf das Doppelte gestreckt. Dadurch würde sich die Fläche verdoppeln. Da die Gesamtfläche einer Dichte immer 1 ist, muss die Kurve in y-Richtung mit dem Faktor ½ gestaucht werden — passend zu f(μ) = 1 : (σ√(2π)).
Entwickle eine Empfehlung: Wie viele Personen muss ein Institut befragen, um einen unbekannten Anteil mit 95 % bzw. 99 % Sicherheit auf ± 2 Prozentpunkte genau anzugeben? Beurteile den Aufwand.
Hinweis: Ungünstigsten Fall p = 0,5 annehmen.
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Musterlösung: Mit p(1 − p) ≤ 0,25 muss c · 0,5 : √n ≤ 0,02 gelten, also n ≥ (25c)². Für 95 % (c = 1,96): n ≥ 2401. Für 99 % (c = 2,58): n ≥ 4160,25, also 4161. Die höhere Sicherheit kostet fast 75 % mehr Befragte — für eine Wahlumfrage sind rund 2400 Befragte ein üblicher Kompromiss.
