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Übung — AFB III (Verallgemeinern und Reflektieren)

Zehn Aufgaben zum Begründen, Beweisen und Beurteilen — hier zählt das Argument, nicht nur die Zahl.

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Aufgabenblock — AFB III

Begründen statt nur rechnen: Aussagen über Symmetrie, Nahtstellen und Scharen prüfen, beweisen und Modelle beurteilen. Formuliere deine Antwort erst selbst in ganzen Sätzen, bevor du die Musterlösung aufklappst.

A1
Gerade Exponenten
AFB III

Beurteile die Aussage: „Eine ganzrationale Funktion ist genau dann achsensymmetrisch zur y-Achse, wenn ihr Term nur gerade Exponenten enthält.“

Hinweis: „genau dann“ verlangt zwei Richtungen.

Beide Richtungen einzeln prüfen: gerade Exponenten ⇒ symmetrisch und symmetrisch ⇒ gerade Exponenten.Warum so? Eine Äquivalenz ist erst gezeigt, wenn beide Richtungen stimmen.
f(−x) = f(x) für alle x; die ungeraden Anteile u(x) erfüllen u(−x) = −u(x), also muss 2u(x) = 0 gelten.Warum so? Ein Polynom, das überall 0 ist, hat nur Nullkoeffizienten.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Richtung 1: Bei nur geraden Exponenten gilt (−x)2n = x2n, also f(−x) = f(x). Richtung 2: Zerlege f = g + u in geraden und ungeraden Anteil. Aus f(−x) = f(x) folgt g(x) − u(x) = g(x) + u(x), also u(x) = 0 für alle x — alle ungeraden Koeffizienten sind null. Die Aussage ist richtig.

A2
Periodisch und ganzrational?
AFB III

Begründe, dass eine nicht konstante ganzrationale Funktion nicht periodisch sein kann.

Hinweis: Was passiert mit f(x) für |x| → ∞?

Das Verhalten im Unendlichen mit f(x + p) = f(x) vergleichen.Warum so? Eine periodische Funktion wiederholt ihre Werte und bleibt daher beschränkt, wenn sie stetig ist.
Periodisch + stetig ⇒ beschränkt auf [0; p] und damit überall; ganzrational vom Grad ≥ 1 ⇒ |f(x)| → ∞.Warum so? Ein Widerspruch zeigt, dass die Annahme falsch ist.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Wäre f periodisch mit Periode p, nähme f auf ganz ℝ nur die Werte an, die es auf [0; p] annimmt. Dort ist f stetig, also beschränkt — damit wäre f überall beschränkt. Eine ganzrationale Funktion vom Grad n ≥ 1 verhält sich für |x| → ∞ wie aₙxⁿ und wächst betragsmäßig über alle Grenzen. Widerspruch: Nur konstante ganzrationale Funktionen sind periodisch.

A3
Drei Bedingungen, eine Parabel?
AFB III

Beurteile: „Drei Bedingungen legen immer genau eine Parabel f(x) = ax² + bx + c fest.“

Hinweis: Suche Bedingungen, die sich widersprechen oder wiederholen.

Ein Gegenbeispiel mit widersprüchlichen und eines mit abhängigen Bedingungen suchen.Warum so? Eine Allaussage fällt durch ein einziges Gegenbeispiel.
f′(0) = 0, f′(1) = 0 → 2a = 0; dazu f(0) = 1: a = 0, b = 0 — keine Parabel. Oder f(0) = 1, f(0) = 2 → Widerspruch.Warum so? Das LGS entscheidet: Stufenform mit 0 = 0 oder 0 = c.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Aussage ist falsch. „Waagerechte Tangente bei 0 und bei 1“ liefert b = 0 und 2a + b = 0, also a = 0 — mit f(0) = 1 entsteht die Gerade y = 1, keine Parabel. Widersprüchliche Bedingungen wie f(1) = 2 und f(1) = 3 ergeben eine Zeile 0 = 1: keine Lösung. Richtig ist: Drei voneinander unabhängige, widerspruchsfreie Bedingungen legen die Koeffizienten eindeutig fest.

A4
Krümmungsruckfreier Übergang
AFB III

Zwei parallele Gleise (y = 0 für x ≤ 0 und y = 1 für x ≥ 2) sollen krümmungsruckfrei verbunden werden. Begründe, welcher Grad mindestens nötig ist, und gib die Bedingungen an.

Hinweis: An jedem Ende zählen Wert, Steigung und Krümmung.

Bedingungen an beiden Nahtstellen zählen, dann Grad = Anzahl − 1.Warum so? Grad n hat n + 1 Koeffizienten.
f(0) = 0, f′(0) = 0, f″(0) = 0, f(2) = 1, f′(2) = 0, f″(2) = 0 — sechs Bedingungen.Warum so? Gerade Gleise haben Steigung und Krümmung 0.
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Musterlösung: Beide Gleise haben Steigung 0 und Krümmung 0. Krümmungsruckfrei heißt: an jeder Nahtstelle stimmen Funktionswert, erste und zweite Ableitung überein — zusammen sechs Bedingungen. Dafür braucht man sechs Koeffizienten, also mindestens Grad 5. Mit Grad 3 lässt sich nur knickfrei, aber nicht krümmungsruckfrei verbinden.

A5
Stetig, aber nicht differenzierbar
AFB III

Zeige an f(x) = |x − 1|, dass aus Stetigkeit nicht Differenzierbarkeit folgt, und erläutere, warum die Umkehrung gilt.

Hinweis: Schreibe f abschnittsweise.

f(x) = −x + 1 für x < 1, x − 1 für x ≥ 1; Werte und Steigungen bei 1 vergleichen.Warum so? An der Nahtstelle entscheidet der Vergleich links/rechts.
Werte 0 = 0 (stetig); Steigungen −1 ≠ 1 (Knick). Umkehrung: Eine Tangente in x₀ setzt voraus, dass der Graph dort nicht springt.Warum so? Bei einem Sprung wachsen die Differenzenquotienten über alle Grenzen.
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Musterlösung: Links gilt f(x) = −x + 1, rechts f(x) = x − 1; beide liefern bei x = 1 den Wert 0 — f ist stetig. Die Steigungen sind −1 und 1 — der Graph hat einen Knick, f ist bei 1 nicht differenzierbar. Umgekehrt: Springt der Graph bei x₀ um h ≠ 0, dann gehen die Differenzenquotienten (f(x₀ + t) − f(x₀))/t für t → 0 gegen ±∞; eine Ableitung existiert nicht. Also gilt: differenzierbar ⇒ stetig.

A6
Zweimal differenzierbar
AFB III

f(x) = eˣ für x < 0 und f(x) = ax² + x + 1 für x ≥ 0. Untersuche, für welches a der Übergang sogar krümmungsruckfrei ist.

Hinweis: Prüfe f, f′ und f″ bei x = 0.

Werte, erste und zweite Ableitung beider Stücke bei 0 vergleichen.Warum so? Krümmungsruckfrei = auch f″ stimmt überein.
e⁰ = 1 = 1; (eˣ)′ = 1 = 1 für jedes a; (eˣ)″ = 1 und 2a → a = 0,5.Warum so? Die ersten beiden Bedingungen gelten unabhängig von a.
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Musterlösung: Bei x = 0: e⁰ = 1 und a · 0 + 0 + 1 = 1 — stetig für jedes a. Steigungen: eˣ → 1, 2ax + 1 → 1 — differenzierbar für jedes a. Krümmung: eˣ → 1, (ax² + x + 1)″ = 2a. Gleichheit verlangt 2a = 1, also a = 0,5. Dann ist ax² + x + 1 genau das Taylorpolynom 2. Grades von eˣ bei 0.

A7
Ein Wendepunkt für alle
AFB III

Beweise: Alle Graphen von fk(x) = x³ − 3kx + 1 haben denselben Wendepunkt. Vergleiche die Wendetangenten.

Hinweis: Die zweite Ableitung enthält kein k mehr.

fk″ berechnen, Wendestelle bestimmen, Steigung dort vergleichen.Warum so? Hängt die Stelle nicht von k ab, ist sie für alle gleich.
fk″(x) = 6x = 0 → x = 0; fk(0) = 1; fk′(0) = −3k.Warum so? Vorzeichenwechsel von f″ bei 0 sichert die Wendestelle.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: fk′(x) = 3x² − 3k, fk″(x) = 6x. f″ wechselt bei x = 0 das Vorzeichen, W(0 | 1) ist für jedes k der Wendepunkt — ein gemeinsamer Punkt aller Graphen. Die Wendetangenten y = −3kx + 1 haben aber verschiedene Steigungen: Alle Graphen gehen durch W, schneiden sich dort unter verschiedenen Winkeln.

A8
Ist die Ortskurve eine Scharkurve?
AFB III

Die Tiefpunkte von fk(x) = x³ − 3kx liegen auf y = −2x³ (x > 0). Beurteile: „Die Ortskurve ist selbst ein Graph der Schar.“

Hinweis: Welche Form hat jeder Scharterm?

Vergleiche −2x³ mit der Form x³ − 3kx.Warum so? Ein Graph der Schar muss für ein festes k genau diesen Term haben.
Leitkoeffizient −2 statt 1 — kein k passt.Warum so? Zwei ganzrationale Terme sind gleich, wenn alle Koeffizienten übereinstimmen.
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Musterlösung: Jeder Graph der Schar hat den Term x³ − 3kx mit Leitkoeffizient 1. Die Ortskurve y = −2x³ hat den Leitkoeffizienten −2; kein k macht beide Terme gleich. Die Aussage ist falsch: Die Ortskurve schneidet jeden Graphen der Schar in dessen Tiefpunkt, gehört aber nicht zur Schar.

A9
Anzahl der Nullstellen
AFB III

Untersuche, wie viele Nullstellen fk(x) = x³ − 3kx + 2 in Abhängigkeit von k > 0 hat.

Hinweis: Nutze Hoch- und Tiefpunkt und das Verhalten im Unendlichen.

Extrempunkte bestimmen; die Lage des Tiefpunkts zur x-Achse entscheidet.Warum so? Ein Grad-3-Graph mit Hochpunkt oberhalb hat so viele Nullstellen, wie der Tiefpunkt es zulässt.
T(√k | 2 − 2k√k), H(−√k | 2 + 2k√k) liegt immer oberhalb; 2 − 2k√k < 0 ⇔ k > 1.Warum so? Fallunterscheidung an der Grenze k = 1.
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Musterlösung: H(−√k | 2 + 2k√k) liegt für k > 0 stets oberhalb der x-Achse, der Graph kommt von −∞. Der Tiefpunkt T(√k | 2 − 2k√k) entscheidet: k > 1 → T unterhalb, drei Nullstellen; k = 1 → T(1 | 0) berührt, zwei Nullstellen; 0 < k < 1 → T oberhalb, eine Nullstelle.

A10
Regression mit hohem Grad
AFB III

Zu sechs Messpunkten wird eine Regression fünften Grades mit r² = 1 berechnet. Beurteile dieses Modell.

Hinweis: Wie viele Koeffizienten hat Grad 5?

Koeffizienten und Punkte zählen, dann an Prognosen denken.Warum so? Gleich viele Koeffizienten wie Punkte bedeutet: Die Kurve interpoliert.
Grad 5 = 6 Koeffizienten → Kurve durch alle 6 Punkte, S = 0; zwischen und außerhalb der Punkte starke Schwingungen möglich.Warum so? Messfehler werden mitmodelliert.
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Musterlösung: Grad 5 hat sechs Koeffizienten — die Kurve geht exakt durch alle sechs Punkte, daher r² = 1. Das ist Kurvenanpassung, keine Ausgleichsrechnung: Messfehler werden mit modelliert, zwischen und vor allem außerhalb der Messpunkte schwingt die Kurve oft stark. Ein niedriger Grad, der zum Sachzusammenhang passt, ist meist das bessere Modell, auch wenn r² kleiner ist.