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Uneigentliche Integrale

Kann eine unendlich lange Fläche einen endlichen Inhalt haben?

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Unbegrenzt nach rechts

Eine Fläche, die bis ins Unendliche reicht, lässt sich nicht in endlich viele Streifen zerlegen — aber man kann ihr beim Wachsen zusehen.

  • Problem:das Intervall \([1;\infty[\) hat kein rechtes Ende — \(\infty\) ist keine Zahl, die man einsetzen kann.
  • Idee:erst bis zu einer festen Grenze \(b\) integrieren, dann \(b\) immer größer werden lassen.
  • Konvergent:nähert sich \(\int_1^b f(x)\,\mathrm dx\) für \(b\to\infty\) einer Zahl, hat die unendlich lange Fläche diesen endlichen Inhalt.
  • Divergent:wächst das Integral über alle Grenzen, existiert das uneigentliche Integral nicht.
  • Überraschung:\(\tfrac1{x^2}\) konvergiert, \(\tfrac1x\) divergiert — obwohl beide Graphen gegen 0 gehen.

Ziehe die Grenze \(b\) nach rechts oder lass sie mit ▶ davonlaufen — unten siehst du beide Integrale über \(\lg b\). Wechsle dann zu „An der Polstelle“: Dort wandert die untere Grenze \(a\) auf die 0 zu.

Die Grenze läuft weg

Halte fest: Ein uneigentliches Integral ist ein Grenzwert von gewöhnlichen Integralen — ob er existiert, entscheidet, wie schnell der Graph gegen 0 geht, nicht nur dass er es tut.

Herleitung:

\(\displaystyle\int_1^b x^{-2}\,\mathrm dx=\Big[-\tfrac1x\Big]_1^b\)
Stammfunktion
Potenzregel mit \(n=-2\): \(\tfrac1{-1}\,x^{-1}=-\tfrac1x\).
\(=-\tfrac1b-\Big(-\tfrac11\Big)=1-\tfrac1b\)
einsetzen
Das Integral hängt nur noch von \(b\) ab.
\(\displaystyle\lim_{b\to\infty}\Big(1-\tfrac1b\Big)=1\)
Ergebnis
\(\tfrac1b\to0\): Die unendlich lange Fläche unter \(\tfrac1{x^2}\) ab 1 hat den Inhalt 1. Bei \(\tfrac1x\) dagegen \(\ln b\to\infty\).
Merke

Unbegrenztes Intervall: \(\displaystyle\int_a^{\infty} f(x)\,\mathrm dx=\lim_{b\to\infty}\int_a^b f(x)\,\mathrm dx\)

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Unbegrenzt nach oben

Auch ein Graph, der an einer Grenze ins Unendliche steigt, kann eine endliche Fläche einschließen.

  • Problem:\(f(x)=\tfrac1{\sqrt x}\) ist bei 0 nicht definiert und wächst dort über alle Grenzen.
  • Idee:mit einer Grenze \(a>0\) integrieren und \(a\) von rechts gegen 0 laufen lassen.
  • Konvergent:\(\displaystyle\int_a^1 x^{-\frac12}\,\mathrm dx=\big[2\sqrt x\big]_a^1=2-2\sqrt a\to2\).
  • Divergent:\(\displaystyle\int_a^1\tfrac1x\,\mathrm dx=-\ln a\to\infty\) — \(\tfrac1x\) divergiert in beide Richtungen.
  • Bestand:klingt eine Zuflussrate schnell genug ab, wächst der Bestand nur bis zu einem Grenzwert: \(\int_0^{\infty}50\,e^{-0{,}5t}\,\mathrm dt=100\).
Merke

Polstelle bei 0: \(\displaystyle\int_0^{b} f(x)\,\mathrm dx=\lim_{a\to0^+}\int_a^b f(x)\,\mathrm dx\)

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Allgemeine Hinweise

Erst b, dann Grenzwert

Nie \(\infty\) in die Stammfunktion „einsetzen“. Sauber aufschreiben: Integral bis \(b\) berechnen, dann \(\lim_{b\to\infty}\) bilden.

f → 0 reicht nicht

Dass der Graph gegen 0 geht, garantiert keine endliche Fläche: \(\tfrac1x\) geht gegen 0, die Fläche wächst trotzdem ohne Ende.

Rechner

fx-CG50 (OPTN → F4 → F4 ∫dx) rechnet nur mit festen Grenzen: \(b=10;100;1000\) einsetzen und den Trend deuten. TI-Nspire CAS: Integral mit \(b\) liefert \(1-\tfrac1b\), dann menu → Analysis → Limes.

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