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Übung — AFB III (Verallgemeinern und Reflektieren)

Zehn Aufgaben zum Begründen, Beurteilen und Entwickeln — hier zählt das Argument, nicht nur die Zahl.

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Aufgabenblock — AFB III

Begründen, beurteilen, Verfahren entwickeln: Formuliere deine Antwort zuerst selbst, bevor du die Musterlösung aufklappst.

A1
Warum n in der Gleichung steht
AFB III

Begründe: In \(n_1x_1+n_2x_2+n_3x_3=d\) ist \((n_1|n_2|n_3)\) ein Normalenvektor der Ebene.

Hinweis: Nimm zwei Punkte \(X\), \(Y\) der Ebene.

Strategie: Beide Punkte in die Gleichung einsetzen und die Gleichungen subtrahieren.Warum so? Jeder Vektor in der Ebene ist Differenz zweier Ebenenpunkte.
Lösungsskizze: \(\vec n\cdot\vec x=d\) und \(\vec n\cdot\vec y=d\) ergeben \(\vec n\cdot(\vec y-\vec x)=0\).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Für zwei Punkte \(X,Y\in E\) gilt \(\vec n\cdot\vec x=d\) und \(\vec n\cdot\vec y=d\). Subtrahieren liefert \(\vec n\cdot(\vec y-\vec x)=0\). Da jeder Vektor, der in \(E\) liegt, als \(\overrightarrow{XY}\) geschrieben werden kann, steht \(\vec n\) senkrecht auf allen Richtungen der Ebene.

A2
Abstand paralleler Ebenen
AFB III

Zeige: Die Ebenen \(E\colon\vec n\cdot\vec x=d_1\) und \(F\colon\vec n\cdot\vec x=d_2\) mit \(d_1\ne d_2\) haben den Abstand \(\dfrac{|d_1-d_2|}{|\vec n|}\).

Hinweis: Wähle einen beliebigen Punkt \(P\) in \(F\).

Strategie: Abstand paralleler Ebenen auf Abstand Punkt–Ebene zurückführen.Warum so? Alle Punkte von F sind gleich weit von E entfernt.
Lösungsskizze: \(\vec n\cdot\vec p=d_2\) in die Abstandsformel einsetzen.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Beide Ebenen haben denselben Normalenvektor, sind also parallel; wegen \(d_1\ne d_2\) sind sie verschieden. Für \(P\in F\) gilt \(\vec n\cdot\vec p=d_2\), also \(d(P,E)=\dfrac{|\vec n\cdot\vec p-d_1|}{|\vec n|}=\dfrac{|d_2-d_1|}{|\vec n|}\) — unabhängig von der Wahl von \(P\).

A3
Stützpunkt-Abstand?
AFB III

Ein Schüler behauptet: „Der Abstand von \(Q\) zur Geraden \(g\colon\vec x=\vec p+t\vec u\) ist \(|\overrightarrow{PQ}|\).“ Beurteile die Aussage.

Hinweis: Wann ist \(P\) selbst der Lotfußpunkt?

Strategie: Ein Gegenbeispiel suchen und den Sonderfall benennen.Warum so? Eine Allaussage ist mit einem einzigen Gegenbeispiel widerlegt.
Lösungsskizze: \(g\colon\vec x=t\,(1|0|0)\), \(Q(3|4|0)\): \(|\overrightarrow{PQ}|=5\), Abstand aber 4.
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Musterlösung: Die Aussage ist falsch. Gegenbeispiel: \(g\) ist die \(x_1\)-Achse mit Stützpunkt \(O\), \(Q(3|4|0)\). Dann ist \(|\overrightarrow{OQ}|=5\), der Lotfußpunkt ist aber \((3|0|0)\) und der Abstand 4. Richtig ist die Aussage nur, wenn \(\overrightarrow{PQ}\cdot\vec u=0\) gilt, \(P\) also zufällig der Lotfußpunkt ist; sonst ist \(|\overrightarrow{PQ}|\) nur eine obere Schranke.

A4
Spiegeln an einer Ebene
AFB III

Entwickle ein Verfahren, mit dem man einen Punkt \(Q\) an einer Ebene \(E\colon\vec n\cdot\vec x=d\) spiegelt, und gib eine Formel für \(\vec q^{\prime}\) an.

Hinweis: Der Lotfußpunkt ist der Mittelpunkt von \(Q\) und \(Q^{\prime}\).

Strategie: Lotgerade aufstellen, Lotfußpunkt bestimmen, den Weg verdoppeln.Warum so? Beim Spiegeln bleibt die Verbindungsstrecke senkrecht zur Ebene und wird halbiert.
Lösungsskizze: \(t_F=\dfrac{d-\vec n\cdot\vec q}{|\vec n|^2}\), dann \(\vec q^{\prime}=\vec q+2t_F\,\vec n\).
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Musterlösung: 1. Lotgerade \(\ell\colon\vec x=\vec q+t\,\vec n\). 2. Einsetzen in \(E\) liefert \(t_F=\dfrac{d-\vec n\cdot\vec q}{|\vec n|^2}\), Lotfußpunkt \(F\). 3. \(F\) ist Mittelpunkt von \(QQ^{\prime}\), also \(\vec q^{\prime}=\vec q+2t_F\,\vec n\). Probe: \(\vec n\cdot\vec q^{\prime}=\vec n\cdot\vec q+2(d-\vec n\cdot\vec q)=2d-\vec n\cdot\vec q\) — der Mittelpunkt liegt in \(E\).

A5
Projektion nicht umkehrbar
AFB III

Begründe, dass die Schrägbild-Projektion \(M=\begin{pmatrix}-0{,}5&1&0\\-0{,}5&0&1\end{pmatrix}\) nicht umkehrbar ist, und gib alle Raumpunkte an, die auf den Ursprung abgebildet werden.

Hinweis: Löse \(M\cdot\vec p=\vec 0\).

Strategie: Das homogene Gleichungssystem lösen.Warum so? Nicht umkehrbar heißt: zwei verschiedene Punkte haben dasselbe Bild.
Lösungsskizze: \(-0{,}5p_1+p_2=0\), \(-0{,}5p_1+p_3=0\Rightarrow p_2=p_3=0{,}5p_1\).
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Musterlösung: Aus \(M\cdot\vec p=\vec 0\) folgt \(p_2=p_3=\tfrac12p_1\), also alle Punkte \(t\cdot(2|1|1)\). Weil z. B. \(O\) und \((2|1|1)\) dasselbe Bild haben, lässt sich aus dem Bild nicht auf den Raumpunkt zurückschließen. Allgemein bilden 3 Koordinaten auf 2 ab — eine Richtung geht immer verloren.

A6
Normalenwinkel oder Supplement
AFB III

Erläutere, warum man für den Schnittwinkel zweier Ebenen den Betrag \(|\vec n_1\cdot\vec n_2|\) verwendet.

Hinweis: Ersetze \(\vec n_2\) durch \(-\vec n_2\).

Strategie: Zeigen, dass die Wahl des Normalenvektors das Vorzeichen ändert.Warum so? Ein Schnittwinkel ist per Definition nie stumpf.
Lösungsskizze: \(\vec n_1\cdot(-\vec n_2)=-\vec n_1\cdot\vec n_2\) — Winkel \(\alpha\) wird zu \(180^\circ-\alpha\).
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Musterlösung: Zu jeder Ebene gibt es die Normalenvektoren \(\vec n\) und \(-\vec n\). Je nach Wahl schließen die Normalen \(\alpha\) oder \(180^\circ-\alpha\) ein, das Skalarprodukt wechselt dabei das Vorzeichen. Der Schnittwinkel ist der kleinere der beiden Winkel; \(\cos\varphi=\dfrac{|\vec n_1\cdot\vec n_2|}{|\vec n_1||\vec n_2|}\ge0\) liefert automatisch \(0^\circ\le\varphi\le90^\circ\).

A7
Ebenenschar
AFB III

Untersuche die Ebenen \(E_a\colon x_1+a\,x_2+x_3=2\) (\(a\in\mathbb R\)). Zeige, dass alle eine gemeinsame Gerade enthalten.

Hinweis: Welche Punkte erfüllen die Gleichung unabhängig von \(a\)?

Strategie: Den Term mit \(a\) zum Verschwinden bringen.Warum so? Eine gemeinsame Gerade muss für jedes a die Gleichung erfüllen.
Lösungsskizze: \(x_2=0\) und \(x_1+x_3=2\).
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Musterlösung: Für \(x_2=0\) fällt \(a\) weg, es bleibt \(x_1+x_3=2\). Alle Punkte \(\vec x=(2|0|0)+t\,(-1|0|1)\) erfüllen das. Probe: \((2-t)+a\cdot0+t=2\) für alle \(a\) und \(t\). Also enthält jede Ebene der Schar diese Gerade (Trägergerade); die Ebenen drehen sich um sie.

A8
Aussage zu u·n = 0
AFB III

„Ist \(\vec u\cdot\vec n=0\), so liegt die Gerade \(g\) in der Ebene \(E\).“ Nimm Stellung.

Hinweis: Denke an eine Gerade oberhalb eines Tisches.

Strategie: Bedeutung von \(\vec u\perp\vec n\) klären und beide Möglichkeiten nennen.Warum so? Die Bedingung betrifft nur die Richtung, nicht die Lage.
Lösungsskizze: \(\vec u\perp\vec n\) heißt: Richtung parallel zu \(E\). Punktprobe entscheidet.
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Musterlösung: Die Aussage ist unvollständig. \(\vec u\cdot\vec n=0\) bedeutet nur, dass die Richtung von \(g\) parallel zu \(E\) ist. Liegt der Stützpunkt in \(E\), liegt \(g\) ganz in \(E\); sonst ist \(g\) echt parallel. Beispiel: \(E\colon x_3=0\), \(g\colon\vec x=(0|0|1)+t\,(1|0|0)\) — \(\vec u\cdot\vec n=0\), aber \(g\) liegt eine Einheit über \(E\).

A9
Hilfsebene bei windschiefen Geraden
AFB III

Begründe, warum der Abstand windschiefer Geraden \(g\), \(h\) gleich dem Abstand eines beliebigen Punkts \(Q\in h\) zur Hilfsebene \(H\) ist, die \(g\) enthält und parallel zu \(h\) ist.

Hinweis: Wie liegt \(h\) zu \(H\)?

Strategie: Lage von \(h\) zu \(H\) klären und die kürzeste Verbindung betrachten.Warum so? Abstände paralleler Objekte sind von der Punktwahl unabhängig.
Lösungsskizze: \(h\parallel H\) ⇒ jeder Punkt von \(h\) hat denselben Abstand zu \(H\).
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Musterlösung: \(H\) enthält \(g\), und ihr Normalenvektor steht senkrecht auf \(\vec u\) und \(\vec v\). Also ist \(h\) parallel zu \(H\), und alle Punkte von \(h\) haben denselben Abstand \(\delta\) zu \(H\). Keine Verbindung von \(h\) zu \(g\subset H\) kann kürzer als \(\delta\) sein. Das gemeinsame Lot erreicht genau \(\delta\) — also ist \(d(g,h)=d(Q,H)\).

A10
Pythagoras mit Vektoren
AFB III

Zeige: \(|\vec a+\vec b|^2=|\vec a|^2+|\vec b|^2\) gilt genau dann, wenn \(\vec a\perp\vec b\) (für \(\vec a,\vec b\ne\vec 0\)).

Hinweis: \(|\vec v|^2=\vec v\cdot\vec v\).

Strategie: Linke Seite als Skalarprodukt ausmultiplizieren.Warum so? Das Skalarprodukt verbindet Längen und rechte Winkel.
Lösungsskizze: \((\vec a+\vec b)\cdot(\vec a+\vec b)=|\vec a|^2+2\,\vec a\cdot\vec b+|\vec b|^2\).
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Musterlösung: \(|\vec a+\vec b|^2=(\vec a+\vec b)\cdot(\vec a+\vec b)=|\vec a|^2+2\,\vec a\cdot\vec b+|\vec b|^2\). Die Gleichung \(|\vec a+\vec b|^2=|\vec a|^2+|\vec b|^2\) gilt also genau dann, wenn \(2\,\vec a\cdot\vec b=0\), d. h. \(\vec a\perp\vec b\). Das ist der Satz des Pythagoras samt Umkehrung im Parallelogramm.