MINT lernen

TextaufgabenLineare Gleichungssysteme

Neun Sachaufgaben mit gestuften Hilfen und vollständigem Erwartungshorizont — im Mittelpunkt stehen der Ansatz, also das Aufstellen des Gleichungssystems, und die Deutung der Anzahl seiner Lösungen.

1

Zwei Buchungen in der Kletterhalle

AFB I

Eine Kletterhalle verkauft Tageskarten zu zwei Preisen: einen Preis für Erwachsene und einen ermäßigten Preis für Jugendliche. Die Preise stehen nicht am Eingang, aber zwei Rechnungen aus der vergangenen Woche sind erhalten geblieben (Material M1). Es bezeichne \(x\) den Preis einer Tageskarte für Erwachsene in Euro und \(y\) den Preis einer Tageskarte für Jugendliche in Euro. Damit gehört zu den beiden Rechnungen das Gleichungssystem \(\text{I: } x+4y=47\) und \(\text{II: } 3x+2y=66\).

M1Zwei Rechnungen der Kletterhalle
BuchungErwachseneJugendlicheRechnungsbetrag
Buchung I1447,00 €
Buchung II3266,00 €

Innerhalb einer Buchung zahlt jede Person derselben Gruppe denselben Preis; Zusatzkosten fallen nicht an.

  1. Geben Sie an, welches der drei Verfahren hier ohne Brüche zum Ziel führt und welche Gleichung dafür nach welcher Variablen aufgelöst wird, und geben Sie den aufgelösten Ausdruck an.
  2. Berechnen Sie die beiden Kartenpreise.
  3. Zeigen Sie durch die Probe, dass Ihr Zahlenpaar beide Gleichungen erfüllt, und berechnen Sie anschließend den Rechnungsbetrag für eine Gruppe aus 2 Erwachsenen und 9 Jugendlichen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Suchen Sie eine Variable, vor der als Faktor eine 1 steht. Nur dann liefert das Auflösen einen Ausdruck ohne Nenner — und genau diese Form ruft nach einem bestimmten der drei Verfahren.„Geben Sie an“ verlangt nur das Ergebnis, hier also die Gleichung und den umgeformten Ausdruck.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Vor \(x\) steht in Gleichung I eine \(1\). Damit lässt sich I bruchfrei nach \(x\) auflösen, und das Einsetzungsverfahren ist hier der kürzeste Weg:

\(x+4y=47 \quad\Longrightarrow\quad x=47-4y\)

Jede andere Wahl (etwa II nach \(y\)) führt auf einen Bruch, weil dort vor jeder Variablen eine Zahl ungleich 1 steht.

Hinweis zu Aufgabe b)
Setzen Sie den aufgelösten Ausdruck in der anderen Gleichung an die Stelle der Variablen und lösen Sie die Klammer zuerst auf. Vergessen Sie nach der Berechnung des einen Wertes nicht, ihn in die aufgelöste Gleichung zurückzusetzen.„Berechnen“ verlangt den Ansatz und die Rechnung, nicht nur die beiden Zahlen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Einsetzen von \(x=47-4y\) in Gleichung II:

\(3\cdot(47-4y)+2y=66\)

\(141-12y+2y=66\)

\(141-10y=66 \quad\big|\ -141\)

\(-10y=-75 \quad\big|\ :(-10)\)

\(y=7{,}5\)

Zurücksetzen in die aufgelöste Gleichung: \(x=47-4\cdot 7{,}5=47-30=17\).

\(L=\{(17\,|\,7{,}5)\}\). Eine Tageskarte für Erwachsene kostet also 17,00 €, eine Tageskarte für Jugendliche 7,50 €.

Hinweis zu Aufgabe c)
Setzen Sie beide gefundenen Zahlen in die ursprünglichen Gleichungen I und II ein — nicht in die umgeformten. Für den letzten Teil brauchen Sie nur noch die Anzahlen mit den passenden Preisen zu multiplizieren.„Zeigen“ verlangt eine lückenlose Rechnung für beide Gleichungen, nicht nur für eine.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Probe in I: \(17+4\cdot 7{,}5=17+30=47\) — richtig.

Probe in II: \(3\cdot 17+2\cdot 7{,}5=51+15=66\) — richtig. Beide Rechnungsbeträge werden getroffen.

Gruppe aus 2 Erwachsenen und 9 Jugendlichen: \(2\cdot 17{,}00\ \text{€}+9\cdot 7{,}50\ \text{€}=34{,}00\ \text{€}+67{,}50\ \text{€}=101{,}50\ \text{€}\).

Die Gruppe zahlt 101,50 €.

2

Drei Preise am Kanuverleih

AFB I

Ein Kanuverleih am Stausee bietet drei Tarife an. Beim Tarif Sonnendeck zahlt man 9 € für jede angefangene Stunde. Beim Tarif Clubkarte kommen zu einer einmaligen Gebühr von 16 € noch 5 € je Stunde hinzu, beim Tarif Ferienpass zu einer Gebühr von 28 € ebenfalls 5 € je Stunde.

Material M2 zeigt die drei Preisgeraden. Dabei steht \(x\) für die Mietdauer in Stunden und \(y\) für den Preis in Euro.

M2Die drei Tarife als Geraden
01234567801020304050607080Mietdauer in StundenPreis in EuroSTarif Sonnendeck: 9 € je StundeTarif Clubkarte: 16 € + 5 € je StundeTarif Ferienpass: 28 € + 5 € je Stunde

Der Punkt S ist der einzige gemeinsame Punkt der blauen und der grünen Geraden.

  1. Geben Sie die Koordinaten des Punktes S an und erläutern Sie, was die beiden Zahlen für einen Kunden bedeuten.
  2. Geben Sie an, wie viele Lösungen das Gleichungssystem aus den Gleichungen \(y=9x\) und \(y=5x+16\) hat, und nennen Sie die Lage der beiden Geraden zueinander.
  3. Geben Sie an, wie viele gemeinsame Punkte die Geraden der Tarife Clubkarte und Ferienpass haben, und begründen Sie Ihre Antwort mit den beiden Geradengleichungen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Lesen Sie erst waagerecht (Mietdauer), dann senkrecht (Preis) ab. Der Punkt S liegt auf beiden Geraden, seine Zahlen gelten also für beide Tarife gleichzeitig.„Erläutern“ verlangt, die abgelesenen Zahlen im Sachzusammenhang verständlich zu machen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(S(4\,|\,36)\).

Wer das Kanu genau 4 Stunden mietet, zahlt in beiden Tarifen denselben Preis, nämlich 36 €. Bei kürzerer Mietdauer ist Sonnendeck günstiger, bei längerer die Clubkarte.

Hinweis zu Aufgabe b)
Die Lösungen eines Gleichungssystems sind genau die Punkte, die auf beiden Geraden liegen. Zählen Sie im Bild, wie viele das sind.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Das Gleichungssystem hat genau eine Lösung, nämlich \(x=4\) und \(y=36\).

Die beiden Geraden haben die Steigungen \(9\) und \(5\). Weil die Steigungen verschieden sind, schneiden sie sich in genau einem Punkt; sie sind schneidende Geraden.

Hinweis zu Aufgabe c)
Vergleichen Sie in \(y=5x+16\) und \(y=5x+28\) zuerst die Steigungen, danach die y-Achsenabschnitte. Erst wenn beide Zahlen übereinstimmen, liegen die Geraden aufeinander.„Begründen“ heißt: die Antwort auf die Zahlen in den Gleichungen zurückführen, nicht nur auf das Bild.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die beiden Geraden haben keinen gemeinsamen Punkt.

Es ist \(y=5x+16\) und \(y=5x+28\). Beide Geraden haben dieselbe Steigung \(5\), aber verschiedene y-Achsenabschnitte \(16\neq 28\); sie sind also parallel und verschieden. Das zugehörige Gleichungssystem hat keine Lösung: Der Ferienpass ist bei jeder Mietdauer genau 12 € teurer als die Clubkarte, die beiden Tarife werden nie gleich teuer.

3

Drei Kassenbons aus der Mensa

AFB II

In der Mensa einer Hochschule kosten alle Portionen Nudelauflauf gleich viel, ebenso alle Portionen Salat. Die Einzelpreise stehen nicht auf den Bons, nur die Stückzahlen und der Endbetrag (Material M3). Eine Studentin möchte aus den Bons die beiden Einzelpreise zurückrechnen.

Dabei bezeichnet \(x\) den Preis einer Portion Nudelauflauf in Euro und \(y\) den Preis einer Portion Salat in Euro.

M3Angaben auf den drei Kassenbons
KassenbonPortionen NudelauflaufPortionen SalatEndbetrag
Bon 13216,50 €
Bon 26430,00 €
Bon 34114,50 €

Alle drei Bons stammen aus derselben Woche; die Preise haben sich in dieser Zeit nicht geändert.

  1. Stellen Sie aus Bon 1 und Bon 2 ein lineares Gleichungssystem auf.
  2. Zeigen Sie, dass dieses Gleichungssystem keine Lösung besitzt, und interpretieren Sie dieses Ergebnis im Sachzusammenhang.
  3. Ermitteln Sie aus Bon 1 und Bon 3 die beiden Einzelpreise und begründen Sie, warum dieses Gleichungssystem genau eine Lösung hat.
Hinweis zu Aufgabe a)
Jeder Bon liefert eine Gleichung: Stückzahl mal Einzelpreis, addiert ergibt den Endbetrag. Achten Sie darauf, dass in beiden Gleichungen dieselbe Variable für denselben Preis steht.„Aufstellen“ verlangt die fertig notierten Gleichungen, noch keine Lösung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Bon 1: \(3x+2y=16{,}5\)

Bon 2: \(6x+4y=30\)

Dabei ist \(x\) der Preis einer Portion Nudelauflauf und \(y\) der Preis einer Portion Salat, jeweils in Euro.

Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleichen Sie die linken Seiten der beiden Gleichungen: Ist die eine ein Vielfaches der anderen? Multiplizieren Sie dann die erste Gleichung mit diesem Faktor und schauen Sie, was auf den rechten Seiten passiert.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die linke Seite der zweiten Gleichung ist das Doppelte der ersten. Verdoppelt man Gleichung I, so ergibt sich

\(2\cdot(3x+2y)=2\cdot 16{,}5\quad\Rightarrow\quad 6x+4y=33\)

Subtrahiert man davon Gleichung II, so fallen beide Variablen weg und es bleibt \(0=3\) — eine falsche Aussage. Also ist \(L=\{\ \}\); das Gleichungssystem hat keine Lösung. Nach \(y\) aufgelöst lauten die Gleichungen \(y=-1{,}5x+8{,}25\) und \(y=-1{,}5x+7{,}5\): gleiche Steigung, verschiedener y-Achsenabschnitt, die Geraden sind parallel.

Im Sachzusammenhang bedeutet das: Es gibt kein Preispaar, das zu beiden Bons passt. Bon 2 müsste bei doppelter Bestellung genau 33,00 € ausweisen, tatsächlich stehen dort 30,00 €. Einer der beiden Bons ist also fehlerhaft — etwa durch einen Rabatt, eine Stornierung oder einen Tippfehler.

Hinweis zu Aufgabe c)
Lösen Sie die Gleichung aus Bon 3 nach einer Variablen auf und setzen Sie ein. Für die Begründung genügt der Vergleich der beiden Geradensteigungen bzw. der Vielfachheit der Terme.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Bon 1: \(3x+2y=16{,}5\), Bon 3: \(4x+y=14{,}5\).

Aus Bon 3 folgt \(y=14{,}5-4x\). Einsetzen in Bon 1:

\(3x+2\cdot(14{,}5-4x)=16{,}5\quad\Rightarrow\quad 3x+29-8x=16{,}5\quad\Rightarrow\quad -5x=-12{,}5\quad\Rightarrow\quad x=2{,}5\)

Damit ist \(y=14{,}5-4\cdot 2{,}5=4{,}5\). Eine Portion Nudelauflauf kostet 2,50 €, eine Portion Salat 4,50 €.

Es bleibt eine Gleichung mit einer Variablen übrig, also gibt es genau eine Lösung. Der Grund: \(4x+y\) ist kein Vielfaches von \(3x+2y\). Nach \(y\) aufgelöst haben die Geraden die Steigungen \(-1{,}5\) und \(-4\); verschiedene Steigungen bedeuten genau einen Schnittpunkt.

4

Das Ausflugsschiff auf der Weser

AFB II

Ein Ausflugsschiff pendelt zwischen zwei Anlegestellen, die 36 km auseinanderliegen. Flussabwärts schiebt die Strömung das Schiff, flussaufwärts bremst sie es. Der Fahrplan nennt für beide Richtungen die reine Fahrzeit ohne Aufenthalt (Material M4).

Die Maschine läuft auf beiden Fahrten gleich stark, und die Strömung ist auf der ganzen Strecke gleich schnell.

M4Fahrplandaten der beiden Richtungen
FahrtRichtungStreckereine Fahrzeit
Talfahrtmit der Strömung36 km2 h
Bergfahrtgegen die Strömung36 km3 h

Die Geschwindigkeit über Grund ist bei der Talfahrt die Summe, bei der Bergfahrt die Differenz aus Eigengeschwindigkeit und Strömungsgeschwindigkeit.

  1. Stellen Sie ein lineares Gleichungssystem für die Eigengeschwindigkeit \(x\) des Schiffes und die Strömungsgeschwindigkeit \(y\) (jeweils in Kilometern pro Stunde) auf.
  2. Lösen Sie das System mit einem Verfahren Ihrer Wahl und interpretieren Sie die beiden Werte im Sachzusammenhang.
  3. Berechnen Sie, wie lange das Schiff für eine 45 km lange Bergfahrt und die anschließende Talfahrt zurück benötigt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Berechnen Sie zuerst aus Strecke und Zeit die Geschwindigkeit über Grund für jede Richtung. Erst danach überlegen Sie, wie sich diese Geschwindigkeit aus Eigengeschwindigkeit und Strömung zusammensetzt.„Aufstellen“ verlangt die fertig notierten Gleichungen samt Bedeutung der Variablen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Geschwindigkeit über Grund bei der Talfahrt: \(\frac{36\ \text{km}}{2\ \text{h}}=18\ \frac{\text{km}}{\text{h}}\); bei der Bergfahrt: \(\frac{36\ \text{km}}{3\ \text{h}}=12\ \frac{\text{km}}{\text{h}}\).

Mit \(x\) als Eigengeschwindigkeit und \(y\) als Strömungsgeschwindigkeit (in km/h) gilt:

\(\text{I: } x+y=18\)

\(\text{II: } x-y=12\)

Hinweis zu Aufgabe b)
Sehen Sie sich die Vorzeichen vor \(y\) in beiden Gleichungen an. Hier ist ausnahmsweise kein Faktor nötig — die beiden Gleichungen lassen sich sofort addieren.„Lösen“ verlangt die Lösungsmenge; das Interpretieren ordnet die Zahlen dem Sachverhalt zu.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die Koeffizienten vor \(y\) sind bereits Gegenzahlen, das System kann unverändert addiert werden:

\((x+x)+(y-y)=18+12\)

\(2x=30 \quad\big|\ :2\)

\(x=15\)

Einsetzen in I: \(15+y=18\), also \(y=3\). Damit ist \(L=\{(15\,|\,3)\}\).

Das Schiff fährt aus eigener Kraft 15 km/h; die Strömung der Weser trägt 3 km/h bei. Flussabwärts addieren sich beide zu 18 km/h, flussaufwärts bleiben 12 km/h übrig.

Hinweis zu Aufgabe c)
Die Geschwindigkeiten über Grund haben Sie bereits berechnet. Rechnen Sie die beiden Zeiten getrennt aus und wandeln Sie den Dezimalanteil am Ende in Minuten um.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Bergfahrt: \(\frac{45\ \text{km}}{12\ \frac{\text{km}}{\text{h}}}=3{,}75\ \text{h}=3\ \text{h}\ 45\ \text{min}\).

Talfahrt: \(\frac{45\ \text{km}}{18\ \frac{\text{km}}{\text{h}}}=2{,}5\ \text{h}=2\ \text{h}\ 30\ \text{min}\).

Zusammen sind das \(6{,}25\ \text{h}\), also 6 Stunden und 15 Minuten reine Fahrzeit für Hin- und Rückweg.

5

Begegnung auf der Nebenstrecke

AFB II

Zwischen den Bahnhöfen Altstadt und Neuhafen liegen 120 km eingleisige Strecke. Um 8:00 Uhr fährt in Altstadt ein Güterzug mit gleichbleibend 60 km/h in Richtung Neuhafen los. Zur selben Zeit startet in Neuhafen ein Personenzug mit gleichbleibend 90 km/h in Richtung Altstadt. Beide Züge müssen sich in einer Ausweichstelle begegnen.

Für beide Züge wird die Entfernung \(y\) von Altstadt in Kilometern in Abhängigkeit von der Zeit \(t\) in Stunden nach 8:00 Uhr beschrieben (Material M5).

M5Weg-Zeit-Diagramm der beiden Züge
00,20,40,60,811,21,4020406080100120Zeit nach 8:00 Uhr in StundenEntfernung von Altstadt in kmGüterzugPersonenzugBegegnung

Beide Entfernungen werden vom selben Bahnhof aus gemessen, nämlich von Altstadt.

  1. Stellen Sie für beide Züge je eine Gleichung auf und berechnen Sie, wann und wo sich die Züge begegnen.
  2. Erläutern Sie, woran man im Diagramm M5 erkennt, dass das Gleichungssystem genau eine Lösung besitzt.
  3. Ein zweiter Güterzug verlässt Altstadt um 8:20 Uhr, ebenfalls mit 60 km/h in Richtung Neuhafen. Untersuchen Sie, wie viele Lösungen das Gleichungssystem aus den Gleichungen der beiden Güterzüge hat, und interpretieren Sie das Ergebnis.
Hinweis zu Aufgabe a)
Der Güterzug startet bei 0 km und entfernt sich, der Personenzug startet bei 120 km und nähert sich Altstadt. Achten Sie deshalb auf das Vorzeichen der Steigung. Begegnung heißt: beide Züge sind gleich weit von Altstadt entfernt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Güterzug: \(y=60t\). Personenzug: \(y=120-90t\).

Gleichsetzen: \(60t=120-90t\quad\Rightarrow\quad 150t=120\quad\Rightarrow\quad t=0{,}8\)

Einsetzen: \(y=60\cdot 0{,}8=48\).

\(0{,}8\ \text{h}=48\ \text{min}\). Die Züge begegnen sich um 8:48 Uhr, und zwar 48 km von Altstadt entfernt (also 72 km vor Neuhafen).

Hinweis zu Aufgabe b)
Denken Sie daran, was die Punkte einer Geraden im Diagramm bedeuten und welche Punkte zu beiden Zügen gleichzeitig gehören.„Erläutern“ verlangt eine verständliche Begründung am Bild, keine erneute Rechnung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Jeder Punkt einer Geraden gibt an, wo sich der zugehörige Zug zu einer bestimmten Zeit befindet. Eine Lösung des Gleichungssystems ist ein Punkt, der auf beiden Geraden liegt — dort sind beide Züge zur selben Zeit gleich weit von Altstadt entfernt.

Im Diagramm haben die beiden Geraden genau einen gemeinsamen Punkt, den Schnittpunkt \(S(0{,}8\,|\,48)\). Die Steigungen \(60\) und \(-90\) sind verschieden, deshalb schneiden sich die Geraden genau einmal. Das Gleichungssystem hat also genau eine Lösung.

Hinweis zu Aufgabe c)
Der zweite Güterzug hat um 8:20 Uhr erst 0 km zurückgelegt, um 9:00 Uhr also weniger als der erste. Stellen Sie seine Gleichung auf und vergleichen Sie die beiden Steigungen, bevor Sie rechnen.„Untersuchen“ verlangt eine Analyse mit anschließend formuliertem Ergebnis.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Der zweite Güterzug startet \(20\ \text{min}=\frac{1}{3}\ \text{h}\) später und legt in dieser Zeit \(60\cdot\frac{1}{3}=20\) km weniger zurück. Seine Gleichung lautet \(y=60\left(t-\frac{1}{3}\right)=60t-20\).

Gleichsetzen mit \(y=60t\) ergibt \(60t=60t-20\), also \(0=-20\) — eine falsche Aussage. Das Gleichungssystem hat keine Lösung.

Beide Geraden haben dieselbe Steigung 60, aber verschiedene y-Achsenabschnitte (\(0\) und \(-20\)); sie verlaufen parallel und schneiden sich nie. Im Sachzusammenhang: Weil beide Güterzüge gleich schnell fahren, bleibt der Abstand dauerhaft 20 km. Der zweite Zug holt den ersten nie ein — es gibt keinen Zeitpunkt, zu dem beide gleich weit von Altstadt entfernt sind.

6

Der Prüfbogen im Bauplanungsbüro

AFB III

Ein Bauplanungsbüro bestellt Beton in Fuhren von zwei Werken. Dabei ist \(x\) die Anzahl der Fuhren von Werk A und \(y\) die Anzahl der Fuhren von Werk B. Zu jedem Auftrag werden zwei Bedingungen notiert (Material M6). Bevor gerechnet wird, prüft das Büro, ob die beiden Bedingungen überhaupt zusammenpassen.

In jedem Kubikmeter Beton stecken genau 2 Tonnen Zuschlagstoff. Eine Bedingung über den Zuschlagstoff ist deshalb stets das Doppelte der zugehörigen Bedingung über die Betonmenge.

M6Die drei Aufträge auf dem Prüfbogen
AuftragBedingung I (Beton in Kubikmetern)Bedingung II
1\(2x+3y=24\)\(4x+6y=48\) (Zuschlagstoff in Tonnen)
2\(5x+2y=31\)\(10x+4y=50\) (Zuschlagstoff in Tonnen)
3\(4x+3y=26\)\(2x+5y=20\) (Fahrzeit in Stunden)

Die Bedingungen stammen aus verschiedenen Quellen: Bauleitung, Lieferschein und Fahrtenbuch.

  1. Bestimmen Sie für jeden der drei Aufträge die Anzahl der Lösungen, ohne die Gleichungssysteme vollständig zu lösen.
  2. Ein Praktikant notiert: „Wenn die linken Seiten der beiden Gleichungen Vielfache voneinander sind, hat das System immer unendlich viele Lösungen.“ Widerlegen Sie diese Behauptung mit einem Beispiel aus Material M6.
  3. Beurteilen Sie die Aussage der Büroleiterin: „Ein solches Gleichungssystem kann niemals genau zwei Lösungen haben.“
  4. Ermitteln Sie die Lösung für Auftrag 3 und interpretieren Sie sie im Sachzusammenhang.
Hinweis zu Aufgabe a)
Prüfen Sie zuerst, ob ein einziger Faktor die linke Seite von Bedingung I in die linke Seite von Bedingung II überführt. Erst wenn das gelingt, entscheidet die Zahl auf der rechten Seite.„Bestimmen“ verlangt, das Verfahren erkennbar zu machen und das Ergebnis zu formulieren.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Auftrag 1: Es ist \(2\cdot(2x+3y)=4x+6y\) und \(2\cdot 24=48\). Die gesamte zweite Gleichung ist das Doppelte der ersten, die Geraden sind identisch. Das System hat unendlich viele Lösungen; die zweite Bedingung enthält keine neue Information.

Auftrag 2: Die linken Seiten passen mit dem Faktor 2 zusammen, denn \(2\cdot(5x+2y)=10x+4y\). Rechts müsste dann aber \(2\cdot 31=62\) stehen, notiert sind 50. Die Geraden sind parallel und verschieden, das System hat keine Lösung.

Auftrag 3: Aus \(4x\) wird \(2x\) mit dem Faktor \(\frac{1}{2}\); damit wäre \(\frac{1}{2}\cdot 3y=1{,}5y\), in Bedingung II steht aber \(5y\). Die linken Seiten sind keine Vielfachen voneinander, die Geraden haben verschiedene Steigungen. Das System hat genau eine Lösung.

Hinweis zu Aufgabe b)
Suchen Sie unter den drei Aufträgen einen, bei dem die linken Seiten zwar Vielfache voneinander sind, das System aber trotzdem nicht unendlich viele Lösungen hat.„Widerlegen“ verlangt ein Gegenbeispiel oder eine Argumentation, die die Aussage kippt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Auftrag 2 ist ein Gegenbeispiel: Dort ist \(10x+4y\) genau das Doppelte von \(5x+2y\), die linken Seiten sind also Vielfache voneinander. Trotzdem hat das System keine einzige Lösung, denn aus \(2\cdot\text{I}\) folgt \(10x+4y=62\), während Bedingung II \(10x+4y=50\) fordert. Derselbe Term kann nicht gleichzeitig 62 und 50 sein; beim Subtrahieren bleibt \(0=12\) stehen.

Die Behauptung ist damit widerlegt. Richtig wäre: Sind die linken Seiten Vielfache voneinander, so gibt es entweder unendlich viele Lösungen (wenn die rechte Seite mit demselben Faktor mitgeht) oder gar keine (wenn nicht). Der Fall „genau eine Lösung“ ist dann ausgeschlossen.

Hinweis zu Aufgabe c)
Übersetzen Sie die Aussage in die Sprache der Geraden: Wie viele gemeinsame Punkte können zwei Geraden überhaupt haben? Zählen Sie alle möglichen Fälle auf.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Aussage der Büroleiterin ist zutreffend.

Jede der beiden Gleichungen beschreibt eine Gerade, und die Lösungen sind genau die gemeinsamen Punkte dieser Geraden. Für zwei Geraden gibt es nur drei Möglichkeiten: Sie schneiden sich in genau einem Punkt, sie sind parallel und verschieden und haben gar keinen gemeinsamen Punkt, oder sie sind identisch und haben unendlich viele gemeinsame Punkte.

Hätten zwei Geraden zwei verschiedene Punkte gemeinsam, so wären sie durch diese beiden Punkte bereits vollständig festgelegt und damit identisch — dann hätten sie sofort unendlich viele Punkte gemeinsam. Genau zwei Lösungen können also nicht auftreten; möglich sind nur 0, 1 oder unendlich viele.

Hinweis zu Aufgabe d)
Hier passen die Bedingungen zusammen. Rechnen Sie mit dem Additions- oder dem Einsetzungsverfahren und denken Sie daran, dass \(x\) und \(y\) Anzahlen von Fuhren sind.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

\(\text{I: } 4x+3y=26\) und \(\text{II: } 2x+5y=20\). Verdoppeln von II ergibt \(4x+10y=40\).

\((4x+10y)-(4x+3y)=40-26\quad\Rightarrow\quad 7y=14\quad\Rightarrow\quad y=2\)

Einsetzen in I: \(4x+3\cdot 2=26\quad\Rightarrow\quad 4x=20\quad\Rightarrow\quad x=5\)

Probe in II: \(2\cdot 5+5\cdot 2=20\) — stimmt.

Für Auftrag 3 werden 5 Fuhren von Werk A und 2 Fuhren von Werk B bestellt. Damit sind die 26 Kubikmeter Beton geliefert und die 20 Stunden Fahrzeit genau eingehalten. Weil beide Werte ganze, nicht negative Zahlen sind, ist die Lösung im Sachzusammenhang auch umsetzbar.

7

Der verrechnete Werkstattzettel

AFB III

Eine Fahrradwerkstatt notiert für zwei Arbeitstage die Anzahl der durchgesehenen Räder und die dafür benötigte reine Arbeitszeit. Am Montag wurden 4 Rennräder und 3 Trekkingräder in 205 Minuten geprüft, am Dienstag 6 Rennräder und 2 Trekkingräder in 230 Minuten. Mit \(x\) für die Prüfzeit eines Rennrades und \(y\) für die Prüfzeit eines Trekkingrades in Minuten gehört dazu das System \(\text{I: } 4x+3y=205\) und \(\text{II: } 6x+2y=230\).

Eine Auszubildende löst das System mit dem Additionsverfahren und erhält das in Material M7 festgehaltene Ergebnis. Sie behauptet: „Die Rechnung stimmt, die Prüfzeiten sind eben sehr unterschiedlich.“

M7Rechenweg der Auszubildenden
SchrittNotiz aus dem Heft
1Gleichung I mit 3 multiplizieren: \(12x+9y=615\)
2Gleichung II mit \(-2\) multiplizieren: \(-12x-4y=230\)
3beide Gleichungen addieren: \(5y=845\)
4nach \(y\) auflösen: \(y=169\)
5\(y\) in I einsetzen: \(4x+507=205\), also \(x=-75{,}5\)
6Lösungsmenge: \(L=\{(-75{,}5\,|\,169)\}\)

Die Prüfzeit je Rad ist an beiden Tagen gleich; jede Zeit ist eine positive Anzahl von Minuten.

  1. Überprüfen Sie den Rechenweg in Material M7 und geben Sie an, in welchem Schritt der Fehler steckt.
  2. Widerlegen Sie die Behauptung der Auszubildenden mit einer Probe und begründen Sie, welche Regel des Additionsverfahrens verletzt wurde.
  3. Berechnen Sie die tatsächlichen Prüfzeiten für ein Rennrad und ein Trekkingrad.
  4. Beurteilen Sie die Aussage des Werkstattmeisters: „Mit dem Einsetzungsverfahren wäre die Auszubildende hier schneller ans Ziel gekommen, weil man dabei gar nicht multiplizieren muss.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Gehen Sie jede Zeile einzeln durch und rechnen Sie die angegebene Multiplikation selbst nach. Achten Sie besonders darauf, was rechts vom Gleichheitszeichen passiert.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Schritte 1, 3, 4 und 5 sind in sich richtig gerechnet. Der Fehler steckt in Schritt 2: Gleichung II lautet \(6x+2y=230\). Wird sie mit \(-2\) multipliziert, so muss auch die rechte Seite mit \(-2\) multipliziert werden. Richtig wäre \(-12x-4y=-460\); im Heft steht dort weiterhin \(230\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Setzen Sie das Zahlenpaar aus Schritt 6 in die ursprüngliche Gleichung II ein. Ein zweites Argument liefert der Sachzusammenhang: Prüfzeiten können nicht negativ sein.„Widerlegen“ verlangt den Nachweis der Unrichtigkeit, hier durch eine konkrete Gegenrechnung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Probe des Paares \((-75{,}5\,|\,169)\) in Gleichung II: \(6\cdot(-75{,}5)+2\cdot 169=-453+338=-115\). Verlangt sind aber 230 Minuten, also ist Gleichung II nicht erfüllt und das Paar keine Lösung des Systems.

Zusätzlich ist das Ergebnis im Sachzusammenhang unmöglich: \(x=-75{,}5\) hieße, dass die Prüfung eines Rennrades gut 75 Minuten Arbeitszeit zurückgibt.

Verletzt wurde die Regel, dass beim Multiplizieren einer Gleichung jeder Summand und auch die Zahl rechts vom Gleichheitszeichen mit dem Faktor multipliziert werden muss. Nur dann bleibt die Gleichung äquivalent; andernfalls beschreibt die neue Zeile einen anderen Sachverhalt als die ursprüngliche.

Hinweis zu Aufgabe c)
Wählen Sie die Faktoren so, dass die Koeffizienten vor \(x\) Gegenzahlen werden — und multiplizieren Sie jede Gleichung vollständig durch.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(\text{I}\cdot 3:\quad 12x+9y=615\)

\(\text{II}\cdot(-2):\quad -12x-4y=-460\)

Addition: \(5y=155 \quad\big|\ :5\)

\(y=31\)

Einsetzen in I: \(4x+3\cdot 31=205\), also \(4x=205-93=112\) und \(x=28\).

Probe in II: \(6\cdot 28+2\cdot 31=168+62=230\) — richtig. Es ist \(L=\{(28\,|\,31)\}\).

Die Prüfung eines Rennrades dauert 28 Minuten, die eines Trekkingrades 31 Minuten.

Hinweis zu Aufgabe d)
Prüfen Sie, ob in diesem System überhaupt eine Variable mit dem Faktor 1 vorkommt, und schreiben Sie einmal auf, welcher Ausdruck beim Auflösen von I nach \(x\) entsteht.„Beurteilen“ verlangt ein eigenes, fachlich begründetes Urteil über die Aussage.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Die Aussage ist nur zur Hälfte richtig. Zwar wird beim Einsetzungsverfahren keine ganze Gleichung mit einem Faktor durchmultipliziert, sodass der Fehler aus Schritt 2 dort nicht auftreten kann. Schneller ist es hier aber nicht: In diesem System steht vor keiner der vier Variablen eine 1. Löst man I nach \(x\) auf, so entsteht \(x=\frac{205-3y}{4}\), und dieser Bruch muss anschließend in II eingesetzt und mit 6 multipliziert werden. Das erzeugt Brüche im gesamten weiteren Rechenweg und damit mehr Fehlerquellen, nicht weniger. Das Additionsverfahren ist bei diesem System der günstigere Weg — der Fehler lag nicht am Verfahren, sondern an seiner unsauberen Anwendung.

8

Zwei Legierungen im Werkstoff-Labor

AFB III

Ein Werkstoff-Labor soll 20 kg einer Schmelze mit einem Silberanteil von 55 % herstellen. Zur Verfügung stehen zwei Legierungen mit unterschiedlichem Silberanteil (Material M8); beim Zusammenschmelzen geht kein Material verloren. Es bezeichne \(x\) die eingesetzte Masse der Legierung P und \(y\) die eingesetzte Masse der Legierung Q, jeweils in Kilogramm.

Ein Praktikant behauptet: „Das Gleichsetzungsverfahren kann man hier nicht verwenden, weil in der zweiten Gleichung Kommazahlen stehen. Dafür sind nur das Einsetzungs- und das Additionsverfahren gemacht.“

M8Vorräte und Zielvorgabe des Labors
LegierungSilberanteilVorrat im Labor
Legierung P40 %18 kg
Legierung Q90 %15 kg
gewünschte Schmelze55 %20 kg

Die Masse des reinen Silbers in der Schmelze ist die Summe der Silbermassen beider eingesetzter Legierungen.

  1. Stellen Sie ein lineares Gleichungssystem für \(x\) und \(y\) auf und erläutern Sie, was die beiden Gleichungen jeweils bilanzieren.
  2. Lösen Sie das System mit dem Einsetzungsverfahren und überprüfen Sie, ob die Vorräte des Labors ausreichen.
  3. Vergleichen Sie Ihren Rechenweg mit dem Additionsverfahren, indem Sie dasselbe System auch damit lösen.
  4. Nehmen Sie zur Behauptung des Praktikanten Stellung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die erste Gleichung betrifft die Gesamtmasse, die zweite die darin enthaltene Silbermasse. Rechnen Sie die Prozentangaben vorher in Dezimalzahlen um.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(\text{I: } x+y=20\)

\(\text{II: } 0{,}4x+0{,}9y=11\)

Gleichung I bilanziert die Gesamtmasse: Die eingesetzten Massen beider Legierungen müssen zusammen die 20 kg der gewünschten Schmelze ergeben. Gleichung II bilanziert das reine Silber: In \(x\) Kilogramm der Legierung P stecken \(0{,}4x\) kg Silber, in \(y\) Kilogramm der Legierung Q stecken \(0{,}9y\) kg Silber. Zusammen müssen das \(0{,}55\cdot 20\ \text{kg}=11\ \text{kg}\) sein.

Hinweis zu Aufgabe b)
In der Massenbilanz steht vor beiden Variablen eine 1 — lösen Sie diese Gleichung nach einer Variablen auf und setzen Sie den Ausdruck in die Silberbilanz ein. Für den zweiten Teil genügt der Vergleich der beiden Ergebnisse mit den Vorratsangaben aus M8.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Gleichung I nach \(x\) auflösen: \(x=20-y\). Einsetzen in II:

\(0{,}4\cdot(20-y)+0{,}9y=11\)

\(8-0{,}4y+0{,}9y=11\)

\(8+0{,}5y=11 \quad\big|\ -8\)

\(0{,}5y=3 \quad\big|\ :0{,}5\)

\(y=6\)

Zurücksetzen: \(x=20-6=14\). Es ist \(L=\{(14\,|\,6)\}\).

Probe in II: \(0{,}4\cdot 14+0{,}9\cdot 6=5{,}6+5{,}4=11\) — richtig.

Benötigt werden 14 kg der Legierung P und 6 kg der Legierung Q. Vom Vorrat sind 18 kg von P und 15 kg von Q vorhanden, beides reicht also aus; nach dem Schmelzen bleiben 4 kg von P und 9 kg von Q übrig.

Hinweis zu Aufgabe c)
Multiplizieren Sie die Massenbilanz mit einem Faktor, der den Koeffizienten vor \(x\) zur Gegenzahl von \(0{,}4\) macht, und addieren Sie anschließend.„Vergleichen“ verlangt, Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Wege ausdrücklich zu benennen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Additionsverfahren: Gleichung I wird mit \(-0{,}4\) multipliziert, damit vor \(x\) die Gegenzahl von \(0{,}4\) steht.

\(\text{I}\cdot(-0{,}4):\quad -0{,}4x-0{,}4y=-8\)

Addition mit II: \((-0{,}4x+0{,}4x)+(-0{,}4y+0{,}9y)=-8+11\), also \(0{,}5y=3\) und damit wieder \(y=6\) und \(x=14\).

Vergleich: Beide Wege führen auf dieselbe Zwischengleichung \(0{,}5y=3\) und damit auf dieselbe Lösungsmenge — das ist kein Zufall, denn beide Verfahren formen dasselbe System äquivalent um. Unterschiedlich ist nur der Aufwand: Beim Einsetzungsverfahren muss eine Klammer ausmultipliziert werden, beim Additionsverfahren muss zuerst der passende Faktor gefunden werden. Da in Gleichung I vor beiden Variablen eine 1 steht, ist hier das Einsetzungsverfahren minimal kürzer; ein grundsätzlicher Vorteil ist das nicht.

Hinweis zu Aufgabe d)
Führen Sie das Gleichsetzungsverfahren einmal probeweise durch und sehen Sie nach, ob dabei irgendein Schritt unmöglich wird. Überlegen Sie außerdem, ob Kommazahlen ein Problem des Verfahrens oder nur der Bequemlichkeit sind.„Stellung nehmen“ verlangt eine eigene begründete Position, gestützt auf eine Rechnung oder ein Gegenbeispiel.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Die Behauptung ist falsch. Kommazahlen sind für kein Verfahren ein Hindernis, denn alle drei Verfahren benutzen ausschließlich Äquivalenzumformungen, die für beliebige Zahlen gelten. Das Gleichsetzungsverfahren lässt sich hier vollständig durchführen:

I nach \(x\): \(x=20-y\).

II nach \(x\): \(0{,}4x=11-0{,}9y\), also \(x=\frac{11-0{,}9y}{0{,}4}=27{,}5-2{,}25y\).

Gleichsetzen: \(20-y=27{,}5-2{,}25y \quad\big|\ +2{,}25y\)

\(20+1{,}25y=27{,}5 \quad\big|\ -20\)

\(1{,}25y=7{,}5 \quad\big|\ :1{,}25\)

\(y=6\), und damit \(x=20-6=14\) — dieselbe Lösung wie zuvor.

Damit ist die Behauptung durch die Rechnung widerlegt. Richtig ist nur der Kern des Gedankens: Das Gleichsetzungsverfahren verlangt, beide Gleichungen nach derselben Variablen aufzulösen, und dabei entsteht hier durch die Division durch \(0{,}4\) ein etwas unhandlicher Ausdruck. Das ist eine Frage der Bequemlichkeit bei der Wahl des Verfahrens, nicht seiner Anwendbarkeit.

9

Zwei Stromtarife im Vergleich

AFB III

Ein Haushalt vergleicht zwei Stromtarife. Tarif A kostet 12 € Grundpreis im Monat und zusätzlich 0,32 € für jede verbrauchte Kilowattstunde. Tarif B kostet 20 € Grundpreis im Monat und zusätzlich \(k\) Euro je Kilowattstunde; der Arbeitspreis \(k\) hängt beim Anbieter von der gewählten Vertragslaufzeit ab.

Mit \(x\) für den Monatsverbrauch in Kilowattstunden und \(y\) für die Monatskosten in Euro gilt \(\text{I: } y=0{,}32x+12\) und \(\text{II: } y=kx+20\). Material M9 zeigt Tarif A sowie Tarif B für zwei Werte von \(k\).

M9Tarif A und zwei Varianten von Tarif B
050100150200250300020406080100120Verbrauch in kWh je MonatKosten in EuroTarif A: 12 € + 0,32 € je kWhTarif B mit k = 0,22Tarif B mit k = 0,32gleiche Kosten

Der Grundpreis ist der Wert bei \(x=0\), der Arbeitspreis die Steigung der jeweiligen Geraden.

  1. Berechnen Sie für \(k=0{,}22\) den Verbrauch, bei dem beide Tarife gleich viel kosten, sowie die zugehörigen Monatskosten.
  2. Bestimmen Sie, für welche Werte von \(k\) das Gleichungssystem genau eine Lösung und für welche es keine Lösung hat, und begründen Sie, warum es niemals unendlich viele Lösungen besitzt.
  3. Der Haushalt verbraucht im Mittel 250 kWh im Monat und erwägt Tarif B mit \(k=0{,}28\). Entscheiden Sie begründet, welchen Tarif der Haushalt wählen sollte.
  4. Nehmen Sie zu der Aussage eines Vergleichsportals Stellung: „Zu zwei Stromtarifen gibt es immer einen Verbrauch, bei dem beide gleich teuer sind.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Gleiche Kosten bedeutet: Beide Gleichungen liefern denselben Wert \(y\). Setzen Sie die beiden Terme gleich und lösen Sie nach \(x\) auf. Kontrollieren Sie Ihr Ergebnis am Schnittpunkt in Material M9.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(0{,}32x+12=0{,}22x+20\)

\(0{,}32x-0{,}22x=20-12\quad\Rightarrow\quad 0{,}1x=8\quad\Rightarrow\quad x=80\)

Einsetzen in I: \(y=0{,}32\cdot 80+12=25{,}6+12=37{,}6\).

Bei einem Verbrauch von 80 kWh im Monat kosten beide Tarife gleich viel, nämlich 37,60 €. Das Gleichungssystem hat genau eine Lösung, im Bild ist es der Schnittpunkt \(S(80\,|\,37{,}6)\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Über die Anzahl der Lösungen entscheidet zuerst die Steigung, also der Arbeitspreis. Erst bei gleicher Steigung kommt es auf den Grundpreis an — und der ist hier bei beiden Tarifen fest vorgegeben.„Begründen“ heißt hier: die Antwort auf die Bedingungen für parallele bzw. identische Geraden zurückführen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die beiden Geraden haben die Steigungen \(0{,}32\) und \(k\).

Für \(k\neq 0{,}32\) sind die Steigungen verschieden, die Geraden schneiden sich in genau einem Punkt: genau eine Lösung. Gleichsetzen liefert \((0{,}32-k)\,x=8\), also \(x=\frac{8}{0{,}32-k}\) — ein eindeutiger Wert, solange der Nenner nicht null ist.

Für \(k=0{,}32\) sind die Steigungen gleich, die Grundpreise mit 12 € und 20 € aber verschieden. Die Geraden sind parallel und verschieden: keine Lösung. Beim Gleichsetzen bleibt \(12=20\) stehen, eine falsche Aussage.

Unendlich viele Lösungen kann es nicht geben: Dafür müssten die Geraden identisch sein, also in Steigung und y-Achsenabschnitt übereinstimmen. Die y-Achsenabschnitte sind hier die festen Grundpreise 12 und 20, und \(12\neq 20\) gilt unabhängig von \(k\).

Hinweis zu Aufgabe c)
Berechnen Sie zunächst, ab welchem Verbrauch Tarif B günstiger wird, und vergleichen Sie diesen Wert mit 250 kWh. Rechnen Sie anschließend die tatsächliche Ersparnis für einen Monat aus und bedenken Sie, dass der Verbrauch schwankt.„Entscheiden“ verlangt eine eindeutige Festlegung mit Begründung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Für \(k=0{,}28\) gilt \(0{,}32x+12=0{,}28x+20\), also \(0{,}04x=8\) und damit \(x=200\). Ab 200 kWh im Monat ist Tarif B günstiger, darunter Tarif A.

Kosten bei 250 kWh: Tarif A: \(0{,}32\cdot 250+12=92\) €. Tarif B: \(0{,}28\cdot 250+20=90\) €.

Tarif B ist bei 250 kWh also nur 2 € im Monat günstiger, das sind rund 2 % der Rechnung. Der Verbrauch liegt zudem mit 250 kWh nicht weit über der Grenze von 200 kWh: Schon in einem verbrauchsarmen Monat unter 200 kWh — etwa im Urlaub — wäre Tarif A billiger.

Der Haushalt sollte deshalb bei Tarif A bleiben, solange der Verbrauch nicht dauerhaft deutlich über 200 kWh liegt. Der mögliche Gewinn ist klein, das Risiko einer Fehlentscheidung bei schwankendem Verbrauch dagegen real. Wer sicher jeden Monat mehr als 200 kWh verbraucht, kann dagegen zu Tarif B wechseln.

Hinweis zu Aufgabe d)
Prüfen Sie die Aussage an dem Fall, den Sie in Teilaufgabe b) gefunden haben. Ein einziges Gegenbeispiel genügt, um eine Behauptung mit „immer“ zu kippen.„Stellung nehmen“ verlangt eine eigene, fachlich begründete Position.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Die Aussage ist in dieser Allgemeinheit falsch.

Ein Gegenbeispiel liefert Teilaufgabe b): Für \(k=0{,}32\) lauten die Gleichungen \(y=0{,}32x+12\) und \(y=0{,}32x+20\). Gleichsetzen führt auf \(12=20\), eine falsche Aussage; das Gleichungssystem hat keine Lösung. Die beiden Preisgeraden sind parallel — Tarif B ist bei jedem Verbrauch genau 8 € teurer als Tarif A und wird nie gleich teuer.

Richtig ist die Aussage nur, wenn sich die Arbeitspreise der beiden Tarife unterscheiden. Dann haben die Geraden verschiedene Steigungen und schneiden sich in genau einem Punkt. Zu ergänzen ist außerdem: Dieser Schnittpunkt muss im Sachzusammenhang nicht sinnvoll liegen. Ergibt sich ein negativer Verbrauch oder ein Wert von mehreren tausend Kilowattstunden, so existiert er zwar rechnerisch, für den Haushalt ist er aber ohne Bedeutung.