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Linearfaktoren: Textaufgaben

Fünf Aufgaben im Abiturformat mit Hinweisen und Erwartungshorizont — vom Zerlegen in Linearfaktoren bis zum Steckbrief mit vorgegebenem Funktionswert.

1

Erst zerlegen, dann ablesen

AFB I

Gegeben sind \(f(x)=(x^{2}-9)(x^{2}+9)\), \(g(x)=x^{5}-x^{3}\) und \(h(x)=x^{3}+3x^{2}+2x\).

  1. Bestimmen Sie alle Nullstellen von \(f\) und den Grad von \(f\).
  2. Klammern Sie bei \(g\) so weit wie möglich aus und geben Sie alle Nullstellen sowie den Grad an.
  3. Zerlegen Sie \(h\) vollständig in Linearfaktoren und geben Sie alle Nullstellen sowie den Grad an.
Hinweis 1 — Ansatz
Klammern Sie zuerst die höchste Potenz von \(x\) aus, die in allen Summanden steckt. Bei \(g\) ist das \(x^{3}\), bei \(h\) nur \(x\).
Hinweis 2 — Durchführung
Bleibt eine quadratische Klammer übrig, hilft entweder die dritte binomische Formel (\(x^{2}-1\)) oder der Satz von Vieta: Gesucht sind zwei Zahlen mit Summe 3 und Produkt 2.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Beide Faktoren einzeln null setzen.

\(x^{2}-9=0\Rightarrow x^{2}=9\Rightarrow x=3\) oder \(x=-3\)

\(x^{2}+9=0\Rightarrow x^{2}=-9\) — kein reelles \(x\) erfüllt das, denn ein Quadrat ist nie negativ. Dieser Faktor liefert keine Nullstelle.

Die Nullstellen sind 3 und \(-3\). Multipliziert man aus, entsteht \(x^{4}-81\); der Grad ist also 4, obwohl es nur zwei Nullstellen gibt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(g(x)=x^{5}-x^{3}=x^{3}\,(x^{2}-1)=x^{3}\,(x-1)(x+1)\)

Nullstellen: \(x^{3}=0\Rightarrow x=0\); \(\;x-1=0\Rightarrow x=1\); \(\;x+1=0\Rightarrow x=-1\)

Die Nullstellen sind 0, 1 und \(-1\). Der Grad ist 5, denn \(x^{3}\) steht für drei gleiche Linearfaktoren \((x-0)\); bei \(x=0\) liegt eine dreifache Nullstelle.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Zuerst \(x\) ausklammern: \(h(x)=x\,(x^{2}+3x+2)\).

Gesucht sind zwei Zahlen mit Summe 3 und Produkt 2 — das sind 1 und 2. Also \(x^{2}+3x+2=(x+1)(x+2)\).

\(h(x)=x\,(x+1)(x+2)\), Nullstellen 0, \(-1\) und \(-2\), Grad 3.

2

Vom Produkt in die Standardform

AFB II

Gegeben ist \(f(x)=2\,(x+3)(x-1)(x-4)\).

  1. Geben Sie Nullstellen, Grad und Leitkoeffizient von \(f\) an, ohne auszumultiplizieren.
  2. Multiplizieren Sie den Term vollständig aus und geben Sie die Standardform an.
  3. Berechnen Sie \(f(0)\) auf beiden Wegen und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Absolutglied.
Hinweis 1 — Ansatz
Der Zahlfaktor 2 wird nie null; er liefert deshalb keine Nullstelle. Nach dem Ausmultiplizieren steht er als Leitkoeffizient vor \(x^{3}\).
Hinweis 2 — Durchführung
Nehmen Sie sich zuerst nur zwei Klammern vor, fassen Sie zusammen und multiplizieren Sie erst danach mit der dritten. Ganz zum Schluss kommt die 2 dazu.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Jeder Linearfaktor liefert seine Nullstelle mit umgekehrtem Vorzeichen: \(x_{1}=-3\), \(x_{2}=1\), \(x_{3}=4\).

Es stehen drei Linearfaktoren im Produkt, also ist der Grad 3. Der Leitkoeffizient ist \(a=2\); er verändert keine Nullstelle, sondern streckt den Graphen nur in \(y\)-Richtung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Zuerst die ersten beiden Klammern:

\((x+3)(x-1)=x^{2}-x+3x-3=x^{2}+2x-3\)

Nun mit \((x-4)\) multiplizieren:

\((x^{2}+2x-3)(x-4)=x^{3}-4x^{2}+2x^{2}-8x-3x+12=x^{3}-2x^{2}-11x+12\)

Zuletzt der Faktor 2:

\(f(x)=2x^{3}-4x^{2}-22x+24\)

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Über die Produktform: \(f(0)=2\cdot 3\cdot(-1)\cdot(-4)=24\).

Über die Standardform: \(f(0)=2\cdot 0^{3}-4\cdot 0^{2}-22\cdot 0+24=24\).

Beide Wege liefern 24, und das ist genau das Absolutglied \(a_{0}=24\). Das ist kein Zufall: Für \(x=0\) fallen alle Summanden mit \(x\) weg, übrig bleibt der konstante Summand. Die Rechnung eignet sich deshalb hervorragend als Kontrolle nach dem Ausmultiplizieren.

3

Der versteckte Leitkoeffizient

AFB II

Gegeben ist \(f(x)=(2x-10)\,(x^{2}+3x)\). Beide Faktoren sind noch keine Linearfaktoren der Form \((x-x_{i})\).

  1. Bringen Sie \(f\) in die vollständige Produktdarstellung \(a\,(x-x_{1})(x-x_{2})(x-x_{3})\).
  2. Geben Sie alle Nullstellen und den Grad von \(f\) an.
  3. Berechnen Sie die Standardform und prüfen Sie Ihr Ergebnis mit \(f(1)\).
Hinweis 1 — Ansatz
Behandeln Sie jeden Faktor einzeln: Aus \(2x-10\) lässt sich die 2 ausklammern, aus \(x^{2}+3x\) das \(x\). Der herausgezogene Zahlfaktor wandert nach vorn und wird zum Leitkoeffizienten \(a\).
Hinweis 2 — Durchführung
Der häufigste Fehler ist, die 2 einfach wegzulassen. Machen Sie die Probe mit einem Wert, der keine Nullstelle ist — etwa \(x=1\): Produktform und Standardform müssen denselben Wert liefern.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Erster Faktor: \(2x-10=2\,(x-5)\).

Zweiter Faktor: \(x^{2}+3x=x\,(x+3)\).

Zusammengesetzt und den Zahlfaktor nach vorn gezogen:

\(f(x)=2\,(x-5)\cdot x\cdot(x+3)=2\,x\,(x-5)(x+3)\)

Der Leitkoeffizient ist \(a=2\). Er darf keinesfalls verschwinden — sonst beschreibt der Term eine andere Funktion, auch wenn die Nullstellen zufällig dieselben bleiben.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die drei Linearfaktoren \(x\), \((x-5)\) und \((x+3)\) liefern die Nullstellen 0, 5 und \(-3\). Der Grad ist 3; der Zahlfaktor 2 zählt beim Grad nicht mit.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Zuerst die beiden Klammern:

\((x-5)(x+3)=x^{2}+3x-5x-15=x^{2}-2x-15\)

Mit \(x\) multiplizieren: \(x\,(x^{2}-2x-15)=x^{3}-2x^{2}-15x\)

Mit 2 multiplizieren: \(f(x)=2x^{3}-4x^{2}-30x\)

Probe mit \(x=1\). Produktform: \(f(1)=2\cdot 1\cdot(1-5)\cdot(1+3)=2\cdot 1\cdot(-4)\cdot 4=-32\).

Standardform: \(f(1)=2-4-30=-32\). Beide Werte stimmen überein.

Hätte man die 2 weggelassen, so würde die Probe \(-16\) statt \(-32\) ergeben — der Fehler fällt sofort auf.

4

Steckbrief: Funktionsterm aus Nullstellen

AFB III

Eine ganzrationale Funktion \(f\) hat genau die Nullstellen \(-2\), 1 und 3. Außerdem schneidet ihr Graph die \(y\)-Achse im Punkt \(S_{y}(0\mid 12)\).

  1. Stellen Sie die Produktdarstellung mit unbekanntem Leitkoeffizienten \(a\) auf und bestimmen Sie \(a\) aus der Bedingung \(f(0)=12\).
  2. Geben Sie den Term in Standardform an und bestätigen Sie das Ergebnis durch die Probe \(f(0)=12\).
  3. Begründen Sie, warum die drei Nullstellen allein den Funktionsterm noch nicht festlegen, und beschreiben Sie, was sich ändert, wenn stattdessen \(f(0)=-12\) gefordert wird.
Hinweis 1 — Ansatz
Schreiben Sie zuerst \(f(x)=a\,(x+2)(x-1)(x-3)\) hin. Setzen Sie dann \(x=0\) ein; übrig bleibt eine einfache Gleichung für \(a\).
Hinweis 2 — Durchführung
Achten Sie beim Einsetzen auf die Vorzeichen: \((0+2)(0-1)(0-3)=2\cdot(-1)\cdot(-3)\). Zwei Minuszeichen heben sich gegenseitig auf.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Zu jeder Nullstelle gehört ein Linearfaktor mit umgekehrtem Vorzeichen:

\(f(x)=a\,(x+2)(x-1)(x-3)\)

Einsetzen von \(x=0\):

\(f(0)=a\,(0+2)(0-1)(0-3)=a\cdot 2\cdot(-1)\cdot(-3)=6a\)

Aus \(6a=12\) folgt \(a=2\). Damit lautet die Produktdarstellung

\(f(x)=2\,(x+2)(x-1)(x-3)\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Zuerst die ersten beiden Klammern:

\((x+2)(x-1)=x^{2}-x+2x-2=x^{2}+x-2\)

Mit \((x-3)\) multiplizieren:

\((x^{2}+x-2)(x-3)=x^{3}-3x^{2}+x^{2}-3x-2x+6=x^{3}-2x^{2}-5x+6\)

Mit 2 multiplizieren:

\(f(x)=2x^{3}-4x^{2}-10x+12\)

Probe: \(f(0)=12\) — das Absolutglied stimmt mit dem geforderten \(y\)-Achsenabschnitt überein.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die drei Nullstellen legen nur die Linearfaktoren fest, nicht aber den Faktor davor. Jede Funktion \(f(x)=a\,(x+2)(x-1)(x-3)\) mit \(a\neq 0\) hat genau diese drei Nullstellen — das sind unendlich viele verschiedene Funktionen. Erst eine zusätzliche Bedingung, hier der Punkt \(S_{y}(0\mid 12)\), macht die Aufgabe eindeutig.

Fordert man stattdessen \(f(0)=-12\), so ergibt \(6a=-12\) den Wert \(a=-2\). Die Nullstellen bleiben unverändert bei \(-2\), 1 und 3; der Graph wird lediglich an der \(x\)-Achse gespiegelt. In Standardform lautet der Term dann \(f(x)=-2x^{3}+4x^{2}+10x-12\).

5

Wenn ein Faktor keine Nullstelle liefert

AFB III

Gegeben ist \(f(x)=(x^{2}+4)\,(x^{2}-5x+6)\).

  1. Zeigen Sie, dass der Faktor \(x^{2}+4\) für kein reelles \(x\) null wird.
  2. Zerlegen Sie den zweiten Faktor in Linearfaktoren und geben Sie alle Nullstellen von \(f\) an.
  3. Bestimmen Sie den Grad von \(f\) und erklären Sie, warum eine Funktion vom Grad 4 hier nur zwei Nullstellen besitzt.
Hinweis 1 — Ansatz
Überlegen Sie, welchen kleinsten Wert \(x^{2}\) annehmen kann. Addiert man dazu 4, wie klein kann der ganze Term dann noch werden?
Hinweis 2 — Durchführung
Für \(x^{2}-5x+6\) suchen Sie zwei Zahlen mit Summe 5 und Produkt 6. Den Grad von \(f\) erhält man, ohne auszumultiplizieren: Die Grade der Faktoren addieren sich.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Für jedes reelle \(x\) gilt \(x^{2}\geq 0\), denn ein Quadrat ist nie negativ. Addiert man 4, so folgt

\(x^{2}+4\geq 0+4=4>0\).

Der Term ist also für jedes \(x\) mindestens 4 und damit niemals null. Rechnerisch führt der Ansatz \(x^{2}+4=0\) auf \(x^{2}=-4\), und diese Gleichung hat in \(\mathbb{R}\) keine Lösung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Gesucht sind zwei Zahlen mit Summe 5 und Produkt 6 — das sind 2 und 3. Damit gilt

\(x^{2}-5x+6=(x-2)(x-3)\).

Insgesamt lässt sich \(f\) also so weit wie möglich zerlegen zu

\(f(x)=(x^{2}+4)\,(x-2)(x-3)\).

Nach dem Satz vom Nullprodukt liefert nur der zweite und dritte Faktor Nullstellen: \(x_{1}=2\) und \(x_{2}=3\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Grade der Faktoren addieren sich: \(2+2=4\). Multipliziert man aus, steht vorn tatsächlich \(x^{2}\cdot x^{2}=x^{4}\). Also hat \(f\) den Grad 4.

Trotzdem gibt es nur zwei Nullstellen, weil sich \(f\) über den reellen Zahlen nicht vollständig in Linearfaktoren zerlegen lässt: Der Faktor \(x^{2}+4\) bleibt als quadratischer Block stehen. Der Grad gibt deshalb nur eine Obergrenze an — eine Funktion vom Grad \(n\) hat höchstens \(n\) Nullstellen, aber nicht notwendig genau \(n\).

Zur Kontrolle: \(f(0)=(0+4)\cdot(0-2)\cdot(0-3)=4\cdot(-2)\cdot(-3)=24\). Der Graph schneidet die \(y\)-Achse also bei 24 und liegt dort deutlich oberhalb der \(x\)-Achse.