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Übung — AFB IIIFunktionen

Zehn Aufgaben zum Begründen, Beweisen und Beurteilen: Symmetrieregeln herleiten, den trigonometrischen Pythagoras zeigen, Wachstumsmodelle bewerten und die Logarithmusgesetze selbst entwickeln.

Kapitel 2Zurück zur KapitelübersichtAlle Unterkapitel zu Potenz-, Winkel-, Exponential- und Logarithmusfunktionen.
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Potenzfunktionen — Regeln beweisen statt anwenden

Hier geht es nicht mehr ums Rechnen allein: Du sollst verallgemeinern und reflektieren — Regeln beweisen statt anwenden, Aussagen mit Gegenbeispielen widerlegen, Modelle beurteilen und ihre Grenzen benennen. Zehn Aufgaben quer durch Kapitel 2, fünf interaktiv, fünf im Klausurformat mit Hinweis und Erwartungshorizont.

A1Allgemeine Aussagen über PotenzfunktionenAFB III

Betrachtet wird \(f(x)=x^{n}\) für beliebiges \(n\in\mathbb{Z}\setminus\{0\}\) — der Exponent ist also nicht festgelegt.

Markiere alle Aussagen, die für jedes zulässige \(n\) gelten.

Mehrere Antworten sind richtig. Markiere alle zutreffenden.
Richtig sind vier Aussagen. \(1^{n}=1\) gilt für jedes \(n\), deshalb liegt \(P(1\,|\,1)\) immer auf dem Graphen — das ist der einzige Punkt, den alle Potenzfunktionen teilen. Die Symmetrie folgt sauber aus \((-1)^{n}\). Für \(x>0\) ist \(x^{n}\) stets positiv, also liegt immer ein Ast im I. Quadranten — der Graph kann nie vollständig unterhalb der \(x\)-Achse liegen. Und \(x^{-k}=\frac{1}{x^{k}}\) ist ein Bruch mit Zähler 1, der nie null wird. Falsch sind dagegen die Aussagen über \(x=0\): Für \(n<0\) ist die Stelle gar nicht definiert (Polstelle), also weder Nullstelle noch Teil des Definitionsbereichs, und der Ursprung gehört dann nicht zum Graphen.
A2Symmetrie allgemein nachweisenAFB III

Auf der Erklärseite steht die Symmetrieregel als Merksatz. In dieser Aufgabe wird sie bewiesen. Grundlage ist die Rechenregel $$(-x)^{n}=(-1)^{n}\cdot x^{n}\qquad\text{für alle } n\in\mathbb{N}.$$ Zur Erinnerung: Ein Graph heißt achsensymmetrisch zur \(y\)-Achse, wenn \(f(-x)=f(x)\) für alle \(x\in D_{f}\) gilt, und punktsymmetrisch zum Ursprung, wenn \(f(-x)=-f(x)\) gilt.

  1. Zeige allgemein, dass der Graph von \(f(x)=x^{n}\) für gerades \(n\) achsensymmetrisch zur \(y\)-Achse ist.
  2. Begründe warum aus derselben Rechenregel für ungerades \(n\) die Punktsymmetrie zum Ursprung folgt.
  3. Beurteile die Aussage einer Mitschülerin: „Der Graph von \(g(x)=x^{4}+x^{3}\) ist achsensymmetrisch, weil beide Summanden Potenzen von \(x\) sind.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Schreibe \(n=2k\) mit \(k\in\mathbb{N}\) und rechne \(f(-x)\) aus. Nutze dabei \((-1)^{2k}=\left((-1)^{2}\right)^{k}=1^{k}=1\).„Zeige“ verlangt eine vollständige, allgemeine Rechnung — nicht das Nachrechnen an einem Beispiel.
Hinweis zu Aufgabe b)
Schreibe jetzt \(n=2k+1\) und bestimme \((-1)^{2k+1}\). Vergleiche das Ergebnis mit der Definition der Punktsymmetrie.„Begründe“ verlangt ein fachliches Argument, hier gestützt auf dieselbe Rechenregel.
Hinweis zu Aufgabe c)
Prüfe die Behauptung an einer konkreten Stelle, etwa \(x=1\) und \(x=-1\). Eine Symmetrieaussage muss für alle \(x\) gelten.„Beurteile“ verlangt ein eigenes, begründetes Urteil — ein Gegenbeispiel genügt zur Widerlegung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Sei \(n=2k\) mit \(k\in\mathbb{N}\), also \(n\) gerade. Dann gilt für jedes \(x\in\mathbb{R}\):

$$f(-x)=(-x)^{n}=(-1)^{n}\cdot x^{n}=(-1)^{2k}\cdot x^{n}=\left((-1)^{2}\right)^{k}\cdot x^{n}=1^{k}\cdot x^{n}=x^{n}=f(x)$$

Damit ist \(f(-x)=f(x)\) für alle \(x\in D_{f}=\mathbb{R}\) gezeigt — der Graph ist achsensymmetrisch zur \(y\)-Achse. Entscheidend war allein, dass \((-1)\) in gerader Anzahl auftritt und sich die Minuszeichen paarweise aufheben.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Sei nun \(n=2k+1\) ungerade. Dann ist \((-1)^{2k+1}=(-1)^{2k}\cdot(-1)^{1}=1\cdot(-1)=-1\) und folglich

$$f(-x)=(-1)^{n}\cdot x^{n}=-x^{n}=-f(x).$$

Das ist genau die Bedingung für Punktsymmetrie zum Ursprung. Beide Fälle stammen also aus einer Quelle: dem Faktor \((-1)^{n}\). Er ist \(+1\) bei geradem und \(-1\) bei ungeradem Exponenten — mehr steckt hinter der Symmetrieregel nicht.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Aussage ist falsch. Gegenbeispiel: \(g(1)=1^{4}+1^{3}=2\), aber \(g(-1)=(-1)^{4}+(-1)^{3}=1-1=0\). Wegen \(g(-1)\neq g(1)\) ist der Graph nicht achsensymmetrisch; wegen \(g(-1)=0\neq -2=-g(1)\) auch nicht punktsymmetrisch.

Der Denkfehler liegt in der Begründung: Symmetrie hängt nicht davon ab, dass Potenzen auftreten, sondern davon, ob alle auftretenden Exponenten dieselbe Parität haben. Hier mischt \(g\) einen geraden und einen ungeraden Exponenten — die beiden Symmetrien heben einander auf, und es bleibt keine übrig.

A3Aussagen bewerten — mit Begründung im KopfAFB III

Fünf Aussagen zu Potenz-, Exponential- und Logarithmusfunktionen. Entscheide bei jeder, ob sie allgemein gilt.

Bewerte jede Aussage und lies danach die Begründung.

5 Aussagen nacheinander.
Aussage 1 von 5

Zwei der Aussagen sind falsch, und beide Male steckt derselbe Denkfehler dahinter: Eine Regel wird von einer Situation auf eine andere übertragen, ohne die Voraussetzung zu prüfen. Beim Logarithmus wird das Produktgesetz auf eine Summe angewendet, beim Sinus wird aus „steigt immer wieder“ ein „steigt überall“. Ein einziges Gegenbeispiel genügt, um eine Allaussage zu widerlegen.
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Winkelfunktionen — Herleitungen und Modellkritik

A4Der trigonometrische PythagorasAFB III

Am Einheitskreis (Radius \(1\), Mittelpunkt im Ursprung) gehört zu jedem Winkel \(x\) genau ein Punkt \(P\bigl(\cos(x)\,\big|\,\sin(x)\bigr)\) auf dem Kreis. Aus dieser Festlegung lassen sich mehrere Zusammenhänge herleiten, die man sonst nur auswendig lernt.

  1. Zeige mithilfe des Satzes des Pythagoras, dass \(\sin^{2}(x)+\cos^{2}(x)=1\) für jeden Winkel \(x\) gilt.
  2. Berechne daraus \(\cos(x)\) für einen spitzen Winkel mit \(\sin(x)=0{,}6\).
  3. Begründe anhand des Einheitskreises, warum \(\cos(x)=\sin\left(x+\frac{\pi}{2}\right)\) gilt, und was das für die beiden Graphen bedeutet.
Hinweis zu Aufgabe a)
Zeichne das rechtwinklige Dreieck aus Ursprung, Punkt \(P\) und dem Lotfußpunkt auf der \(x\)-Achse. Wie lang sind seine drei Seiten?„Zeige“ verlangt eine vollständige Herleitung, die für jeden Winkel gilt.
Hinweis zu Aufgabe b)
Stelle \(\sin^{2}(x)+\cos^{2}(x)=1\) nach \(\cos(x)\) um und überlege, welches Vorzeichen bei einem spitzen Winkel richtig ist.„Berechne“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis — hier auch die Vorzeichenentscheidung.
Hinweis zu Aufgabe c)
Eine Vergrößerung des Winkels um \(\frac{\pi}{2}\) entspricht einer Vierteldrehung gegen den Uhrzeigersinn. Was wird dabei aus der \(x\)-Koordinate?„Begründe“ verlangt ein Argument und die Übertragung auf die Graphen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Der Punkt \(P\bigl(\cos(x)\,\big|\,\sin(x)\bigr)\) liegt auf dem Einheitskreis. Zusammen mit dem Ursprung \(O\) und dem Lotfußpunkt \(F\bigl(\cos(x)\,\big|\,0\bigr)\) entsteht ein rechtwinkliges Dreieck mit den Katheten \(|\cos(x)|\) und \(|\sin(x)|\) sowie der Hypotenuse \(\overline{OP}=1\), denn \(\overline{OP}\) ist ein Radius.

Der Satz des Pythagoras liefert $$\cos^{2}(x)+\sin^{2}(x)=1^{2}=1.$$

Weil die Quadrate die Vorzeichen beseitigen, gilt die Gleichung in jedem Quadranten und damit für jeden Winkel \(x\) — auch für die Randfälle, in denen das Dreieck zu einer Strecke entartet, etwa \(x=0\) mit \(0+1=1\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(\cos^{2}(x)=1-\sin^{2}(x)=1-0{,}6^{2}=1-0{,}36=0{,}64\).

$$\cos(x)=\pm\sqrt{0{,}64}=\pm 0{,}8$$

Für einen spitzen Winkel (\(0

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Der Winkel \(x+\frac{\pi}{2}\) gehört zu dem Punkt, der aus \(P\) durch eine Vierteldrehung gegen den Uhrzeigersinn hervorgeht. Bei dieser Drehung wird aus \((a\,|\,b)\) der Punkt \((-b\,|\,a)\); die alte \(x\)-Koordinate \(\cos(x)\) wird also zur neuen \(y\)-Koordinate. Da die \(y\)-Koordinate gerade der Sinus des neuen Winkels ist, folgt $$\sin\left(x+\frac{\pi}{2}\right)=\cos(x).$$

Für die Graphen heißt das: Die Cosinuskurve ist die um \(\frac{\pi}{2}\) nach links verschobene Sinuskurve. Beide haben dieselbe Amplitude \(1\) und dieselbe Periode \(2\pi\) und unterscheiden sich ausschließlich durch diese Verschiebung. Deshalb genügt es, den Verlauf einer der beiden Kurven wirklich zu kennen.

A5Welcher Funktionstyp liegt vor?AFB III

Vier Funktionsklassen des Kapitels lassen sich an einer einzigen Frage unterscheiden: Wo steht die Variable \(x\)?

Arbeite dich durch den Entscheidungsbaum bis zum Blatt „Exponentialfunktion“.

Beantworte die Fragen mit Ja oder Nein und schau, wo du herauskommst.
    Die erste Frage ist die wichtigste des ganzen Kapitels: Bei \(f(x)=x^{3}\) steht \(x\) unten in der Basis (Potenzfunktion), bei \(g(x)=3^{x}\) oben im Exponenten (Exponentialfunktion). Die Terme sehen ähnlich aus, verhalten sich aber völlig verschieden: \(f(10)=1000\), aber \(g(10)=59\,049\). Der Sonderfall \(x^{x}\) fällt aus dem Schema heraus, weil \(x\) dort an beiden Stellen steht.
    A6Tageslänge über das Jahr modellierenAFB III

    In Hannover dauert der längste Tag des Jahres rund \(16{,}9\ \mathrm{h}\), der kürzeste rund \(7{,}6\ \mathrm{h}\). Die Tageslänge lässt sich näherungsweise durch eine allgemeine Sinusfunktion beschreiben: $$L(t)=a\cdot\sin\left(\frac{2\pi}{365}\,(t-d)\right)+c\qquad\text{mit}\quad [L]=\mathrm{h},$$ wobei \(t\) der Tag im Jahr ist (\(t=1\) entspricht dem 1. Januar) und \(d\) die waagerechte Verschiebung angibt.

    1. Bestimme die Parameter \(a\) und \(c\) aus der längsten und der kürzesten Tageslänge.
    2. Erläutere welche Bedeutung die Parameter \(a\), \(c\), \(d\) und der Faktor \(\frac{2\pi}{365}\) im Sachzusammenhang haben.
    3. Beurteile wie gut das Modell die Wirklichkeit beschreibt, und nenne mindestens zwei Grenzen.
    Hinweis zu Aufgabe a)
    Der Mittelwert aus größtem und kleinstem Wert ergibt die Mittellinie \(c\), die halbe Differenz die Amplitude \(a\).„Bestimme“ heißt: Lösungsweg darstellen und Ergebnis formulieren.
    Hinweis zu Aufgabe b)
    Gehe die vier Bestandteile einzeln durch und ordne jedem eine Größe der Wirklichkeit zu — Schwankungsbreite, Mittelwert, Zeitpunkt, Rhythmus.„Erläutere“ verlangt verständliche Zusammenhänge, hier mit Bezug auf Tage und Stunden.
    Hinweis zu Aufgabe c)
    Denke an die Voraussetzungen des Modells: exakt gleich lange Jahre, perfekte Symmetrie, ein einziger Ort.„Beurteile“ verlangt ein begründetes Urteil mit Argumenten für und gegen das Modell.
    Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

    Mittellinie: $$c=\frac{16{,}9+7{,}6}{2}=\frac{24{,}5}{2}=12{,}25$$ Amplitude: $$a=\frac{16{,}9-7{,}6}{2}=\frac{9{,}3}{2}=4{,}65$$

    Also \(a=4{,}65\) und \(c=12{,}25\), das heißt \(L(t)=4{,}65\cdot\sin\left(\frac{2\pi}{365}(t-d)\right)+12{,}25\). Kontrolle: \(12{,}25+4{,}65=16{,}9\) ✓ und \(12{,}25-4{,}65=7{,}6\) ✓.

    Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

    \(a=4{,}65\ \mathrm{h}\): die Amplitude — um so viele Stunden weicht die Tageslänge höchstens vom Jahresmittel ab.

    \(c=12{,}25\ \mathrm{h}\): die mittlere Tageslänge über das Jahr; um diesen Wert schwankt der Graph.

    \(d\): die Verschiebung entlang der Zeitachse. Sie legt fest, an welchem Tag der Sinus seinen Nulldurchgang nach oben hat — das ist der Tag mit mittlerer Tageslänge und steigender Tendenz, also etwa die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche um den 20. März (\(d\approx 79\)).

    \(\frac{2\pi}{365}\): der Faktor \(b\), der die Periode festlegt: \(p=\frac{2\pi}{b}=365\). Er sorgt dafür, dass sich der Verlauf nach genau einem Jahr wiederholt.

    Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

    Dafür spricht: Die Tageslänge ändert sich tatsächlich periodisch mit dem Jahr, verläuft glatt und ohne Sprünge und besitzt genau ein Maximum und ein Minimum pro Jahr. Ein Sinusmodell trifft diese Grundstruktur sehr gut; die Abweichungen liegen meist im Bereich weniger Minuten.

    Grenzen des Modells:

    (1) Die Periode ist nicht exakt \(365\) Tage — Schaltjahre verschieben den Verlauf, sodass das Modell über mehrere Jahre hinweg auseinanderläuft.

    (2) Die reale Kurve ist nicht perfekt symmetrisch: Wegen der elliptischen Erdbahn ist das Sommerhalbjahr etwas länger als das Winterhalbjahr, und die Tageslänge ändert sich um die Sonnenwenden langsamer, als ein Sinus es beschreibt.

    (3) Die Parameter gelten nur für einen Ort: Am Äquator wäre \(a\approx 0\), jenseits der Polarkreise versagt das Modell ganz, weil dort Tageslängen von \(0\ \mathrm{h}\) und \(24\ \mathrm{h}\) über längere Zeiträume auftreten.

    Urteil: Für Aussagen über den Jahresverlauf an einem festen Ort ist das Modell gut geeignet; für minutengenaue Vorhersagen oder für andere Breitengrade ist es zu grob.

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    Exponentialfunktionen — Wachstumsarten beurteilen

    A7Fehlerhafte Argumentation zum WachstumAFB III

    Ein Onlineforum diskutiert zwei Sparangebote: Bei A werden jedes Jahr \(200\ \text{€}\) auf das Startkapital \(2000\ \text{€}\) draufgelegt, bei B wächst dasselbe Startkapital jährlich um \(8\ \%\). Nils schreibt einen Kommentar dazu.

    Markiere genau die Zeilen, in denen er sachlich falsch argumentiert.

    In diesem Lösungsweg stecken Fehler. Klicke genau die falschen Zeilen an.
    Beide Fehler entstehen daraus, dass Nils den Zuwachs für konstant hält. Beim linearen Modell ist er es (immer \(200\ \text{€}\)), beim exponentiellen wächst er mit dem Bestand mit. Deshalb sagt ein Vergleich nach einem einzelnen Jahr nichts über den Langzeitverlauf. Rechnerisch: \(K_{B}(t)>K_{A}(t)\) ab \(t\approx 8{,}6\), also im neunten Jahr.
    A8Zwei Angebote im VergleichAFB III

    Zwei Streamingdienste geben ihre Nutzerzahlen (in Millionen) seit dem Start an: $$N_{1}(t)=2+0{,}9\,t\qquad\text{und}\qquad N_{2}(t)=1\cdot 1{,}35^{\,t},\qquad [t]=\mathrm{a}.$$ Dienst 1 wirbt damit, „von Anfang an klar vorn“ zu liegen; Dienst 2 wirbt mit „dem stärksten Wachstum der Branche“.

    1. Vergleiche die beiden Modelle für \(t=0\), \(t=5\) und \(t=10\) und stelle die Werte gegenüber.
    2. Bestimme mit dem GTR den Zeitpunkt, ab dem Dienst 2 mehr Nutzer hat als Dienst 1.
    3. Beurteile beide Werbeaussagen und diskutiere, ob sich das Modell von Dienst 2 beliebig lange fortschreiben lässt.
    Hinweis zu Aufgabe a)
    Lege eine kleine Tabelle an und rechne beide Terme für dieselben \(t\)-Werte aus.„Vergleiche“ verlangt die Gegenüberstellung, nicht nur zwei Einzelrechnungen.
    Hinweis zu Aufgabe b)
    Der Schnittpunkt lässt sich nicht durch Umformen bestimmen. Zeichne beide Graphen im GTR und nutze die Schnittpunktfunktion.„Bestimme“ erlaubt hier ausdrücklich den GTR als Werkzeug — der Weg gehört trotzdem dokumentiert.
    Hinweis zu Aufgabe c)
    Frage dich bei Dienst 2, wie viele Menschen es überhaupt gibt, und rechne den Wert für \(t=30\) aus.„Beurteile“ und „Diskutiere“ verlangen abwägende Argumente und ein klares Fazit.
    Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

    \(N_{1}(0)=2\) und \(N_{2}(0)=1\).

    \(N_{1}(5)=2+4{,}5=6{,}5\) und \(N_{2}(5)=1{,}35^{5}\approx 4{,}48\).

    \(N_{1}(10)=2+9=11\) und \(N_{2}(10)=1{,}35^{10}\approx 20{,}1\).

    Gegenüberstellung: Am Anfang und nach fünf Jahren liegt Dienst 1 vorn, nach zehn Jahren hat Dienst 2 ihn deutlich überholt — mit fast der doppelten Nutzerzahl. Der Vorsprung von Dienst 1 schrumpft also, obwohl seine Nutzerzahl weiter gleichmäßig steigt.

    Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

    Ansatz: \(2+0{,}9\,t=1{,}35^{\,t}\). Diese Gleichung enthält \(t\) sowohl linear als auch im Exponenten und lässt sich nicht algebraisch auflösen.

    Im GTR werden beide Terme als \(Y_{1}\) und \(Y_{2}\) eingegeben; die Schnittpunktfunktion liefert \(t\approx 7{,}3\).

    Ab dem achten Jahr hat Dienst 2 also mehr Nutzer. Kontrolle: \(N_{1}(7)=8{,}3\) gegenüber \(N_{2}(7)\approx 8{,}17\) — knapp Dienst 1; \(N_{1}(8)=9{,}2\) gegenüber \(N_{2}(8)\approx 11{,}03\) — Dienst 2 ✓.

    Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

    Aussage von Dienst 1: „Von Anfang an klar vorn“ ist für die ersten sieben Jahre zutreffend, aber irreführend, weil sie den Eindruck einer dauerhaften Überlegenheit erweckt. Ab \(t\approx 7{,}3\) stimmt sie nicht mehr.

    Aussage von Dienst 2: „Stärkstes Wachstum“ ist im Sinne der relativen Zunahme richtig — \(35\ \%\) pro Jahr sind mehr als bei jedem linearen Modell auf Dauer. In den ersten Jahren ist der absolute Zuwachs allerdings kleiner als bei Dienst 1 (\(0{,}35\) gegenüber \(0{,}9\) Millionen im ersten Jahr).

    Grenzen des Modells: Für \(t=30\) liefert \(N_{2}(30)=1{,}35^{30}\approx 8100\) Millionen Nutzer — das wäre etwa die gesamte Weltbevölkerung. Unbegrenztes exponentielles Wachstum ist daher unrealistisch: Jeder Markt ist gesättigt, sobald fast alle möglichen Kundinnen und Kunden erreicht sind. Realistischer wäre ein Modell mit Sättigungsgrenze, dessen Graph sich einer waagerechten Asymptote annähert.

    Fazit: Beide Werbeaussagen sind für sich genommen belegbar, aber jeweils nur für einen bestimmten Zeitraum bzw. eine bestimmte Lesart von „Wachstum“.

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    Logarithmusfunktionen — Umkehrung und Gesetze

    A9Umkehrfunktion und SpiegelungAFB III

    Exponential- und Logarithmusfunktion zur selben Basis gehören zusammen wie Hin- und Rückweg.

    Vervollständige den Text mit den passenden Bausteinen. Drei Bausteine bleiben übrig.

    Klicke ein Wort und danach die Lücke — oder umgekehrt. Ein Klick auf eine gefüllte Lücke legt das Wort zurück.

    Die Logarithmusfunktion \(f(x)=\log_{2}(x)\) ist die der Exponentialfunktion \(g(x)=2^{x}\). Ihr Graph entsteht daher durch Spiegelung des Graphen von \(g\) an der Geraden . Beim Spiegeln tauschen Definitions- und Wertemenge die Rollen: Der Definitionsbereich von \(f\) besteht aus , der Wertebereich aus . Aus dem gemeinsamen Punkt \((0\,|\,1)\) der Exponentialfunktionen wird beim Spiegeln der Punkt , durch den jede Logarithmusfunktion verläuft. Für Basen größer als 1 ist \(f\) auf ihrem gesamten Definitionsbereich .

    Spiegeln an \(y=x\) heißt: In jedem Punkt werden die beiden Koordinaten vertauscht. Deshalb wird aus \((0\,|\,1)\) der Punkt \((1\,|\,0)\), und deshalb wird aus dem Wertebereich der Exponentialfunktion (nur positive Zahlen) der Definitionsbereich des Logarithmus. Genau daraus folgt auch, dass \(\log_{a}(0)\) und \(\log_{a}(-3)\) nicht existieren: Keine Potenz von \(a\) ergibt null oder eine negative Zahl. Die Gerade \(y=0\) ist die Asymptote der Exponentialfunktion — nach dem Spiegeln wird daraus \(x=0\).
    A10Logarithmusgesetze begründenAFB III

    Die Logarithmusgesetze werden oft nur auswendig gelernt. Sie folgen aber vollständig aus den Potenzgesetzen und der Definition $$\log_{a}(b)=c\ \Longleftrightarrow\ a^{c}=b\qquad (a>0,\ a\neq 1,\ b>0).$$ In dieser Aufgabe leitest du zwei von ihnen selbst her.

    1. Zeige mithilfe der Definition und des Potenzgesetzes \(a^{r}\cdot a^{s}=a^{r+s}\), dass \(\log_{a}(u\cdot v)=\log_{a}(u)+\log_{a}(v)\) gilt.
    2. Zeige entsprechend, dass \(\log_{a}\left(u^{k}\right)=k\cdot\log_{a}(u)\) gilt.
    3. Entwickle aus den beiden Gesetzen die Basiswechselformel \(\log_{a}(b)=\frac{\log_{10}(b)}{\log_{10}(a)}\) und erkläre, wozu man sie am GTR braucht.
    Hinweis zu Aufgabe a)
    Setze \(r=\log_{a}(u)\) und \(s=\log_{a}(v)\). Schreibe beides in Potenzform um und multipliziere die beiden Gleichungen.„Zeige“ verlangt eine vollständige Herleitung — jede Umformung muss begründbar sein.
    Hinweis zu Aufgabe b)
    Setze wieder \(r=\log_{a}(u)\), also \(a^{r}=u\), und potenziere diese Gleichung mit \(k\). Nutze \(\left(a^{r}\right)^{k}=a^{r\cdot k}\).Am Ende steht wieder die Rückübersetzung in die Logarithmusschreibweise.
    Hinweis zu Aufgabe c)
    Beginne mit \(a^{\log_{a}(b)}=b\) und wende auf beiden Seiten den Zehnerlogarithmus an. Danach hilft das Gesetz aus Teilaufgabe b).„Entwickle“ verlangt eine eigenständig erarbeitete Herleitung und hier zusätzlich die Einordnung.
    Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

    Setze \(r=\log_{a}(u)\) und \(s=\log_{a}(v)\). Nach Definition bedeutet das \(a^{r}=u\) und \(a^{s}=v\).

    Multiplizieren beider Gleichungen und Anwenden des Potenzgesetzes liefert $$u\cdot v=a^{r}\cdot a^{s}=a^{r+s}.$$

    Die Rückübersetzung in die Logarithmusschreibweise ergibt \(\log_{a}(u\cdot v)=r+s=\log_{a}(u)+\log_{a}(v)\). Der Logarithmus macht also aus einem Produkt eine Summe — genau das war früher der Zweck der Rechenschieber und Logarithmentafeln.

    Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

    Sei erneut \(r=\log_{a}(u)\), also \(a^{r}=u\). Potenzieren mit \(k\) ergibt $$u^{k}=\left(a^{r}\right)^{k}=a^{r\cdot k}.$$

    Rückübersetzt heißt das \(\log_{a}\left(u^{k}\right)=r\cdot k=k\cdot\log_{a}(u)\).

    Der Exponent darf also vor den Logarithmus gezogen werden. Genau dieses Gesetz macht das Lösen von Exponentialgleichungen möglich: Aus \(2^{x}=50\) wird \(x\cdot\log(2)=\log(50)\).

    Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

    Nach Definition gilt \(a^{\log_{a}(b)}=b\). Anwenden des Zehnerlogarithmus auf beiden Seiten:

    $$\log_{10}\left(a^{\log_{a}(b)}\right)=\log_{10}(b)$$

    Mit dem Gesetz aus b) wandert der Exponent nach vorn: $$\log_{a}(b)\cdot\log_{10}(a)=\log_{10}(b)$$

    Division durch \(\log_{10}(a)\) — erlaubt, da \(a\neq 1\) und damit \(\log_{10}(a)\neq 0\) — liefert $$\log_{a}(b)=\frac{\log_{10}(b)}{\log_{10}(a)}.$$

    Wozu am GTR? Viele Rechner besitzen nur die Tasten \(\log\) (Basis 10) und \(\ln\) (Basis \(\mathrm{e}\)). Mit der Basiswechselformel lässt sich jeder Logarithmus auf diese beiden zurückführen, etwa \(\log_{3}(50)=\frac{\log(50)}{\log(3)}\approx 3{,}56\). Da die Formel mit jeder Hilfsbasis funktioniert, liefert auch \(\frac{\ln(50)}{\ln(3)}\) denselben Wert.