Warum die Zahlbereiche wachsen
Jede Erweiterung der Zahlen beantwortet eine Frage, die im alten Bereich keine Lösung hatte.
- ℕ → ℤ:\(x+5=2\) hat in \(\mathbb N\) keine Lösung — erst mit negativen Zahlen: \(x=-3\).
- ℤ → ℚ:\(3x=2\) hat in \(\mathbb Z\) keine Lösung — erst mit Brüchen: \(x=\frac23\).
- ℚ → ℝ:\(x^2=2\) hat in \(\mathbb Q\) keine Lösung — die Diagonale im Einheitsquadrat ist aber \(\sqrt2\) lang.
- Kreis:Ein Kreis mit Durchmesser \(1\) hat den Umfang \(\pi\) — ebenfalls kein Bruch.
Ziehe den violetten Punkt (oder starte mit ▶): Die Diagonale des Einheitsquadrats klappt auf den Zahlenstrahl, der Kreis mit Durchmesser 1 rollt einmal ab. Die Lupe zeigt, welcher Bruch am nächsten liegt.
Halte fest: Die Punkte \(\sqrt2\) und \(\pi\) liegen auf dem Zahlenstrahl — aber kein Bruch trifft sie genau. Erst mit den irrationalen Zahlen ist die Zahlengerade lückenlos.
Die Menge ℝ
Rationale und irrationale Zahlen zusammen bilden die reellen Zahlen.
- Reelle Zahlen:\(\mathbb R\) = alle rationalen und alle irrationalen Zahlen.
- Zahlengerade:Zu jedem Punkt gehört genau eine reelle Zahl und umgekehrt — es gibt keine Lücken mehr.
- Dicht, aber lückenhaft:Zwischen zwei Brüchen liegen unendlich viele weitere Brüche. Trotzdem fehlen in \(\mathbb Q\) Punkte wie \(\sqrt2\).
- Rechenregeln:Kommutativ-, Assoziativ- und Distributivgesetz gelten in \(\mathbb R\) weiter.
- Grenze:\(x^2=-1\) hat auch in \(\mathbb R\) keine Lösung — kein Quadrat ist negativ.
Zahlbereiche: \(\mathbb N\subset\mathbb Z\subset\mathbb Q\subset\mathbb R\)
Allgemeine Hinweise
Dicht heißt nicht lückenlos
Auch wenn die Brüche überall dicht liegen: \(\sqrt2\) trifft keiner von ihnen. Die Lücken sieht man nur nicht.
Näherungen sind rational
Mit Brüchen wie \(\frac{99}{70}\) kommt man \(\sqrt2\) beliebig nahe. Wie man solche Näherungen findet, zeigt Abschnitt 5.2.
ℝ ist nicht „alle Zahlen“
Für \(\sqrt{-1}\) reichen auch die reellen Zahlen nicht. Solche Zahlen kommen erst in der Oberstufe vor.
