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Übung AFB III

Warum zehn Prozent Verlust pro Jahr nie bei null enden — zehn Aufgaben, bei denen Rechnen allein nicht reicht.

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Aufgabenblock — AFB III

Begründen statt nur rechnen: Aussagen widerlegen, Modelle beurteilen, Fehler finden und allgemein zeigen. Formuliere deine Antwort in ganzen Sätzen, bevor du die Musterlösung aufklappst.

A1
Nach zehn Jahren alles weg?
AFB III

Ein Mitschüler behauptet: „Ein Auto verliert jedes Jahr \(10\,\%\) seines Werts. Nach 10 Jahren ist es also nichts mehr wert.“ Widerlegen Sie die Aussage mit einer Rechnung.

Hinweis: Worauf beziehen sich die \(10\,\%\) in jedem neuen Jahr?

Strategie: Den jährlichen Wertverlust als Faktor schreiben und zehnmal anwenden.Warum so? Der Faktor zeigt sofort, welcher Anteil nach 10 Jahren übrig bleibt — unabhängig vom Neupreis.
Lösungsskizze: \(10\,\%\) Verlust → Faktor \(0{,}9\) · \(0{,}9^{10}\approx0{,}349\) · rund \(35\,\%\) Restwert · der Irrtum rechnet linear (\(10\cdot10\,\%\)).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Der Wert sinkt jedes Jahr auf das \(0{,}9\)-Fache des Vorjahreswerts, nicht um \(10\,\%\) des Neupreises. Nach 10 Jahren bleibt das \(0{,}9^{10}\approx0{,}349\)-Fache übrig. Ein Auto für \(20\,000\) € ist dann noch etwa \(6\,974\) € wert. Die Behauptung ist falsch: Sie addiert die Prozentsätze wie bei linearer Abnahme. Bei exponentieller Abnahme wird der Wert nie null, weil \(0{,}9^t>0\) für alle \(t\) gilt.

A2
Verdopplungszeit ohne Startwert
AFB III

Zeigen Sie allgemein: Bei \(f(t)=a\cdot b^t\) mit \(a>0\) und \(b>1\) hängt die Verdopplungszeit \(T_D\) weder vom Startwert \(a\) noch vom Zeitpunkt \(t\) ab.

Hinweis: Schreiben Sie „nach der Zeit \(T_D\) ist der Wert doppelt so groß“ als Gleichung.

Strategie: Die Bedingung \(f(t+T_D)=2\cdot f(t)\) aufstellen und vereinfachen.Warum so? Wenn nach dem Vereinfachen weder \(a\) noch \(t\) übrig ist, ist die Aussage gezeigt.
Lösungsskizze: \(a\cdot b^{t+T_D}=2\,a\cdot b^t\) · \(b^{t+T_D}=b^t\cdot b^{T_D}\) · durch \(a\cdot b^t\ne0\) teilen · \(b^{T_D}=2\) · \(T_D=\log_b(2)\).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Nach der Zeit \(T_D\) soll gelten: \(f(t+T_D)=2\cdot f(t)\), also \(a\cdot b^t\cdot b^{T_D}=2\cdot a\cdot b^t\). Da \(a\cdot b^t\) nie null ist, darf man dadurch teilen und erhält \(b^{T_D}=2\), also \(T_D=\log_b(2)\). In diesem Ergebnis kommen weder \(a\) noch \(t\) vor. Die Verdopplungszeit hängt nur vom Wachstumsfaktor ab — egal, ob man mit 10 oder 10 000 beginnt und zu welchem Zeitpunkt man startet.

A3
Erst rauf, dann runter
AFB III

Ein Fahrradladen erhöht einen Preis zwei Jahre nacheinander um je \(10\,\%\) und senkt ihn dann um \(20\,\%\). Der Chef sagt: „Damit sind wir wieder genau beim alten Preis.“ Beurteilen Sie die Aussage.

Hinweis: Prozentuale Änderungen wirken immer auf den jeweils aktuellen Preis.

Strategie: Jede Änderung als Faktor schreiben und die Faktoren multiplizieren.Warum so? Das Produkt der Faktoren ist die Gesamtänderung — ohne dass ein Preis bekannt sein muss.
Lösungsskizze: Faktoren \(1{,}1\), \(1{,}1\), \(0{,}8\) · \(1{,}1^2\cdot0{,}8=0{,}968\) · \(3{,}2\,\%\) unter dem alten Preis · Beispiel 1 000 € → 1 210 € → 968 €.
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Musterlösung: Die Aussage ist falsch. Die Gesamtänderung ist \(1{,}1\cdot1{,}1\cdot0{,}8=0{,}968\): Der Preis liegt am Ende \(3{,}2\,\%\) unter dem Ausgangspreis. Beispiel: Aus 1 000 € werden 1 100 €, dann 1 210 €, nach der Senkung 968 €. Der Chef hat die Prozentsätze addiert (\(+10+10-20=0\)); die Senkung um \(20\,\%\) bezieht sich aber auf den schon erhöhten Preis.

A4
Fehler in der Schülerlösung
AFB III

Mia löst \(3\cdot2^x=48\) so: „\(3\cdot2^x=6^x\), also \(6^x=48\) und \(x=\log_6(48)\approx2{,}16\).“ Überprüfen Sie Mias Lösung.

Hinweis: Eine Probe durch Einsetzen deckt den Fehler auf.

Strategie: Mias Ergebnis in die Ausgangsgleichung einsetzen, dann den fehlerhaften Schritt suchen.Warum so? Die Probe entscheidet ohne Diskussion, ob ein Ergebnis stimmt.
Lösungsskizze: Probe: \(3\cdot2^{2{,}16}\approx13{,}4\ne48\) · Fehler: \(3\cdot2^x\ne6^x\) (Potenz vor Punkt) · richtig: \(2^x=16=2^4\) · \(x=4\).
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Musterlösung: Die Probe zeigt, dass Mias Ergebnis falsch ist: \(3\cdot2^{2{,}16}\approx13{,}4\), nicht \(48\). Der Fehler steckt im ersten Schritt: \(3\cdot2^x\) ist nicht \(6^x\), weil die Potenz vor der Multiplikation ausgewertet wird (z. B. \(x=2\): \(3\cdot4=12\), aber \(6^2=36\)). Richtig: durch 3 teilen, \(2^x=16=2^4\), also \(x=4\). Probe: \(3\cdot16=48\) ✓.

A5
Welches Modell passt?
AFB III

Eine Flasche Saft mit \(22\) °C kommt in einen Kühlschrank, der auf \(2\) °C eingestellt ist.

\(t\) in min0204060
\(T\) in °C22149,26,32

Legen Sie sich begründet auf ein Modell fest: linear, exponentiell oder begrenzt.

Hinweis: Untersuchen Sie Differenzen, Quotienten — und den Abstand zur Kühlschranktemperatur.

Strategie: Nacheinander drei Tests machen: konstante Differenzen, konstante Quotienten, konstante Quotienten der Abstände zur Grenze.Warum so? Jedes Modell hat ein eigenes Erkennungsmerkmal in der Tabelle.
Lösungsskizze: Differenzen \(-8\); \(-4{,}8\); \(-2{,}88\) → nicht linear · Quotienten \(0{,}64\); \(0{,}66\); \(0{,}69\) → nicht exakt exponentiell · Abstände zu 2 °C: \(20\); \(12\); \(7{,}2\); \(4{,}32\) → Quotient jeweils \(0{,}6\) · begrenzte Abnahme.
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Musterlösung: Die Differenzen sind nicht konstant, ein lineares Modell scheidet aus. Die Quotienten der Temperaturen steigen (\(0{,}64\); \(0{,}66\); \(0{,}69\)), also ist auch rein exponentielle Abnahme ungeeignet — sie würde gegen 0 °C gehen, der Kühlschrank hat aber 2 °C. Die Abstände zur Grenze \(2\) °C schrumpfen dagegen alle 20 Minuten mit dem festen Faktor \(0{,}6\) (\(20\to12\to7{,}2\to4{,}32\)). Ich lege mich auf begrenzte Abnahme fest: \(T(t)=2+20\cdot0{,}6^{t/20}\).

A6
Papier bis zum Mond
AFB III

Ein Blatt Papier ist \(0{,}1\,\mathrm{mm}\) dick; bei jedem Falten verdoppelt sich die Dicke. Entwickeln Sie einen Lösungsweg, mit dem man herausfindet, nach wie vielen Faltungen der Stapel theoretisch bis zum Mond (\(384\,400\,\mathrm{km}\)) reicht, und führen Sie ihn aus.

Hinweis: Denken Sie zuerst an die Einheiten und an die Frage „ab welchem \(n\)?“.

Strategie: Modell aufstellen, Einheiten angleichen, Ungleichung mit dem Logarithmus lösen, auf eine ganze Zahl runden.Warum so? Die Zahl der Faltungen ist ganzzahlig — erst die exakte Lösung, dann sinnvoll aufrunden.
Lösungsskizze: \(d(n)=0{,}1\cdot2^n\) (mm) · \(384\,400\,\mathrm{km}=3{,}844\cdot10^{11}\,\mathrm{mm}\) · \(2^n\ge3{,}844\cdot10^{12}\) · \(n\ge\log_2(3{,}844\cdot10^{12})\approx41{,}8\) · 42 Faltungen.
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Musterlösung: Lösungsweg: (1) Modell \(d(n)=0{,}1\cdot2^n\) in mm. (2) Entfernung umrechnen: \(384\,400\,\mathrm{km}=3{,}844\cdot10^{8}\,\mathrm m=3{,}844\cdot10^{11}\,\mathrm{mm}\). (3) Bedingung \(0{,}1\cdot2^n\ge3{,}844\cdot10^{11}\), also \(2^n\ge3{,}844\cdot10^{12}\). (4) \(n\ge\log_2(3{,}844\cdot10^{12})\approx41{,}8\). (5) Weil nur ganze Faltungen möglich sind: nach 42 Faltungen. Kritik: Real lässt sich Papier nur etwa sieben- bis achtmal falten — das Modell zeigt nur, wie schnell Verdoppeln wächst.

A7
Eine App erobert die Schule
AFB III

An einer Schule mit \(1\,200\) Schülerinnen und Schülern nutzen am ersten Tag 30 eine neue Lern-App; die Nutzerzahl steigt täglich um \(40\,\%\). Diskutieren Sie, ob das Modell \(N(t)=30\cdot1{,}4^t\) für die nächsten zwei Wochen taugt.

Hinweis: Rechnen Sie das Modell bis zum Ende des Zeitraums durch und vergleichen Sie mit der Schülerzahl.

Strategie: Argumente für das Modell (Anfangsphase) und dagegen (natürliche Grenze) sammeln und abwägen.Warum so? Eine Diskussion braucht beide Seiten und ein begründetes Fazit.
Lösungsskizze: Pro: Mundpropaganda → anfangs etwa gleicher Faktor · Contra: \(N(14)\approx3\,334>1\,200\) · Grenze schon bei \(t=\log_{1{,}4}(40)\approx11\) überschritten · besser begrenztes Wachstum mit Schranke 1 200.
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Musterlösung: Für das Modell spricht die Anfangsphase: Jeder Nutzer wirbt weitere, der tägliche Faktor kann dann etwa konstant sein. Dagegen spricht die Rechnung: \(N(14)=30\cdot1{,}4^{14}\approx3\,334\) — mehr als die Schule Schülerinnen und Schüler hat. Schon nach \(t=\log_{1{,}4}(40)\approx11\) Tagen überschreitet das Modell die Grenze 1 200. Je mehr Schülerinnen und Schüler die App schon haben, desto weniger neue gibt es. Fazit: Für die ersten Tage ist das exponentielle Modell brauchbar, für zwei Wochen nicht; dafür passt ein begrenztes Modell mit der Schranke 1 200.

A8
Was ein Logarithmus bedeutet
AFB III

Formulieren Sie in Worten, was \(\log_2(0{,}125)\) bedeutet, welchen Wert dieser Logarithmus hat und warum \(\log_2(-8)\) nicht existiert.

Hinweis: Ein Logarithmus ist eine Hochzahl.

Strategie: Die Definition \(\log_b(a)=x\iff b^x=a\) in Worte fassen und auf beide Beispiele anwenden.Warum so? Mit der Definition wird aus der Logarithmusfrage eine Potenzfrage.
Lösungsskizze: \(\log_2(0{,}125)\) = Hochzahl, mit der man 2 potenzieren muss, um \(0{,}125\) zu erhalten · \(0{,}125=\tfrac18=2^{-3}\) → \(-3\) · \(2^x>0\) für alle \(x\) → \(-8\) nie erreichbar.
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Musterlösung: \(\log_2(0{,}125)\) ist die Hochzahl, mit der man die Basis 2 potenzieren muss, um \(0{,}125\) zu erhalten. Wegen \(0{,}125=\tfrac18=2^{-3}\) ist \(\log_2(0{,}125)=-3\). Dagegen gibt es keine Hochzahl \(x\) mit \(2^x=-8\): Jede Potenz einer positiven Basis ist positiv, der Graph von \(y=2^x\) verläuft vollständig oberhalb der \(x\)-Achse. Deshalb ist \(\log_2(-8)\) nicht definiert — Logarithmen gibt es nur von positiven Zahlen.

A9
Jährlich oder monatlich?
AFB III

Bank A zahlt \(2{,}4\,\%\) Zinsen pro Jahr. Bank B zahlt \(0{,}2\,\%\) Zinsen pro Monat, die jeden Monat gutgeschrieben und mitverzinst werden. Bewerten Sie die beiden Angebote für eine Anlage über ein Jahr.

Hinweis: \(12\cdot0{,}2\,\%=2{,}4\,\%\) — ist das schon die ganze Wahrheit?

Strategie: Beide Angebote auf denselben Zeitraum (ein Jahr) umrechnen und die Jahresfaktoren vergleichen.Warum so? Nur Faktoren über gleich lange Zeiträume sind vergleichbar.
Lösungsskizze: A: Faktor \(1{,}024\) · B: \(1{,}002^{12}\approx1{,}02427\) → effektiv \(\approx2{,}43\,\%\) · Unterschied bei 10 000 € etwa \(2{,}66\) € · Kriterien: Rendite, Verfügbarkeit, Kosten.
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Musterlösung: Bei Bank B wird zwölfmal mit dem Faktor \(1{,}002\) verzinst: \(1{,}002^{12}\approx1{,}02427\), effektiv also etwa \(2{,}43\,\%\) pro Jahr. Das ist mehr als bei A (\(2{,}4\,\%\)), weil die Zinsen schon während des Jahres mitverzinst werden. Bei \(10\,000\) € beträgt der Vorteil aber nur etwa \(2{,}66\) €. Bewertung: Rein rechnerisch ist B besser; der Unterschied ist so klein, dass Kontoführungskosten oder Kündigungsfristen die Entscheidung eher bestimmen sollten.

A10
Nur ein Schnittpunkt im Fenster
AFB III

Ben zeichnet am GTR \(y=2^x\) und \(y=x^2\) im Fenster \(0\le x\le3\), findet mit G-Solv → ISCT nur den Schnittpunkt bei \(x=2\) und schreibt: „Die Gleichung \(2^x=x^2\) hat genau eine Lösung.“ Nehmen Sie Stellung.

Hinweis: Probieren Sie ganzzahlige \(x\) außerhalb des Fensters, auch negative.

Strategie: Das Fenster gedanklich erweitern: Werte für negative \(x\) und für \(x>3\) vergleichen und nach Vorzeichenwechseln von \(2^x-x^2\) suchen.Warum so? Ein Vorzeichenwechsel verrät eine Lösung, auch wenn sie nicht im Bild ist.
Lösungsskizze: \(x=4\): \(2^4=16=4^2\) · \(x=-1\): \(0{,}5<1\), \(x=0\): \(1>0\) → Lösung dazwischen (\(x\approx-0{,}77\)) · insgesamt drei Lösungen · Fenster größer wählen, ISCT mehrfach.
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Musterlösung: Bens Aussage ist falsch; sein Vorgehen zeigt nur die Lösungen im gewählten Fenster. Außerhalb gibt es zwei weitere: \(x=4\), denn \(2^4=16=4^2\), und eine negative Lösung, weil \(2^x-x^2\) zwischen \(x=-1\) (\(0{,}5-1<0\)) und \(x=0\) (\(1-0>0\)) das Vorzeichen wechselt; mit dem GTR ergibt sich \(x\approx-0{,}77\). Die Gleichung hat also drei Lösungen. Fazit: Vor dem Schnittpunkt-Befehl das Fenster großzügig wählen (z. B. \(-3\le x\le6\)) und bei jedem Schnittpunkt ISCT erneut ausführen; Rechnerergebnisse gelten nur für das, was im Fenster sichtbar ist.

123123456789xyx²2ˣ
Bens Fenster: \(0\le x\le3\)