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Übung — AFB III (Verallgemeinern und Reflektieren)

Ist das sicher? Zehn Aufgaben, in denen du Verfahren beurteilst, Behauptungen widerlegst und eigene Protokolle entwirfst.

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Aufgabenblock — AFB III

Begründen statt nur rechnen: Verfahren beurteilen, Behauptungen widerlegen, ein eigenes Protokoll entwerfen und in Python umsetzen. Formuliere deine Antwort in ganzen Sätzen, bevor du die Musterlösung aufklappst.

A1
Die Protokolle der Schach-AG
AFB III

Die Schach-AG verschlüsselt ihre Sitzungsprotokolle (je etwa 3 000 Buchstaben) seit drei Jahren mit dem Vigenère-Verfahren und immer demselben Schlüsselwort ZUG. Beurteilen Sie die Sicherheit dieses Vorgehens.

Hinweis: Betrachte Schlüssellänge, Textlänge, Wiederverwendung und mögliche Angriffe.

Strategie: Gehe die bekannten Angriffe der Reihe nach durch: Brute Force, Kasiski-Test, Häufigkeitsanalyse der Teiltexte.Warum so? Ein Urteil braucht Kriterien — und für jedes Kriterium eine Begründung am konkreten Fall.
Lösungsskizze: \(26^{3}=17\,576\) Schlüssel · je Teiltext ≈ 1 000 Buchstaben · viele Protokolle mit demselben Schlüssel.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Das Verfahren ist unsicher. Mit nur \(26^{3}=17\,576\) möglichen Schlüsselwörtern ist schon Brute Force in Sekundenbruchteilen erledigt. Außerdem wiederholen sich in 3 000 Buchstaben Folgen wie „DER“ oder „UND“ oft an Stellen mit gleichem Schlüsselbuchstaben; der Kasiski-Test liefert die Länge 3. Jeder der drei Teiltexte hat dann etwa 1 000 Buchstaben — genug für eine sichere Häufigkeitsanalyse, die jeden Schlüsselbuchstaben einzeln liefert. Da der Schlüssel seit Jahren gleich ist, knackt ein einziger Angriff alle Protokolle. Sicher wäre ein modernes symmetrisches Verfahren (z. B. AES) mit zufälligem, langem Schlüssel.

A2
Mix: Riesiger Schlüsselraum
AFB III

Mix aus 6.1 und 6.2. Jan behauptet: „Vigenère mit einem Schlüsselwort aus 20 Buchstaben hat \(26^{20}\approx2{,}0\cdot10^{28}\) Schlüssel — mehr als ein modernes Verfahren mit 80-Bit-Schlüssel (\(2^{80}\approx1{,}2\cdot10^{24}\)). Also ist es sicherer.“ Widerlegen Sie Jans Behauptung.

Strategie: Frage nicht nur „Wie viele Schlüssel gibt es?“, sondern „Muss der Angreifer sie überhaupt alle durchprobieren?“Warum so? Ein Verfahren ist nur so sicher wie der schnellste bekannte Angriff — nicht wie der langsamste.
Lösungsskizze: Kasiski → Länge 20 · 20 Teiltexte · je höchstens 26 Caesar-Schlüssel · \(20\cdot26=520\) Versuche.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Zahlen stimmen, der Schluss nicht. Ein großer Schlüsselraum schützt nur vor Brute Force. Bei Vigenère findet der Kasiski-Test die Schlüssellänge 20; danach zerfällt der Geheimtext in 20 Caesar-verschlüsselte Teiltexte, die man einzeln per Häufigkeitsanalyse knackt — höchstens \(20\cdot26=520\) Versuche statt \(26^{20}\). Voraussetzung ist nur ein ausreichend langer Text (z. B. 2 000 Buchstaben, also 100 je Teiltext). Gegen moderne Verfahren ist dagegen kein Angriff bekannt, der wesentlich schneller ist als das Durchprobieren. Also ist Vigenère trotz größerem Schlüsselraum deutlich unsicherer.

A3
Trick: Doppelt verschlüsselt
AFB III

Mia verschlüsselt einen Text mit Vigenère und dem Schlüsselwort LAND, anschließend das Ergebnis noch einmal mit WASSER. Sie meint: „Das wirkt wie ein Schlüssel der Länge \(4+6=10\).“ Überprüfen Sie Mias Aussage und tragen Sie die tatsächlich wirksame Schlüssellänge ein.

Strategie: Die Verschiebungen beider Schlüssel addieren sich an jeder Position. Wann stehen beide Schlüssel gleichzeitig wieder am Anfang?Warum so? Die Folge der Gesamtverschiebungen wiederholt sich erst, wenn sich beide Schlüsselfolgen gleichzeitig wiederholen.
Lösungsskizze: Vielfache von 4: 4, 8, 12, … · Vielfache von 6: 6, 12, … · kgV\((4,6)=12\).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Mias Aussage ist falsch. An jeder Position addieren sich die Verschiebungen beider Schlüsselbuchstaben. Das Muster wiederholt sich erst, wenn beide Schlüssel gleichzeitig wieder am Anfang stehen — nach kgV\((4,6)=12\) Buchstaben. Die doppelte Verschlüsselung ist also eine einzige Vigenère-Verschlüsselung mit dem Schlüsselwort HAFVPRJDDSRU (L + W = H, A + A = A, N + S = F, …). Sie bleibt mit Kasiski-Test und Häufigkeitsanalyse angreifbar; der Gewinn an Sicherheit ist gering.

A4
Ein Einmal-Schlüssel, zweimal benutzt
AFB III

Ein Verein verschlüsselt mit einem One-Time-Pad: Der Schlüssel ist eine zufällige Buchstabenfolge, so lang wie die Nachricht. Um Aufwand zu sparen, verwendet der Kassenwart denselben Schlüssel für zwei verschiedene Nachrichten. Nehmen Sie Stellung zu diesem Vorgehen.

Strategie: Schreibe beide Verschlüsselungen buchstabenweise auf und ziehe die Geheimtexte voneinander ab.Warum so? Beim One-Time-Pad hängt die Sicherheit an allen drei Bedingungen gleichzeitig: zufällig, so lang wie der Text, nur einmal verwendet.
Lösungsskizze: \(g_1=p_1+s\), \(g_2=p_2+s\) · \(g_1-g_2=p_1-p_2\) · Schlüssel fällt heraus.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Das Vorgehen ist abzulehnen. Mit einmal verwendetem, zufälligem Schlüssel ist das One-Time-Pad nicht zu knacken, weil jeder Klartext gleicher Länge gleich wahrscheinlich ist. Bei zweifacher Verwendung gilt aber buchstabenweise \(g_1-g_2=(p_1+s)-(p_2+s)=p_1-p_2\) (mod 26): Der Schlüssel fällt heraus. Aus der Differenz zweier sinnvoller deutscher Texte lassen sich mit häufigen Wörtern beide Klartexte schrittweise erraten; kennt der Angreifer eine Nachricht (z. B. eine Standardeinladung), erhält er sofort den Schlüssel und damit die zweite. Die Einsparung wiegt den Verlust der Sicherheit nicht auf.

A5
Nur noch asymmetrisch?
AFB III

Lina schlägt für eine Messenger-App vor, alle Nachrichten, Fotos und Videos nur noch asymmetrisch zu verschlüsseln, „weil es dann das Schlüsselaustauschproblem nicht gibt“. Erörtern Sie Linas Vorschlag.

Strategie: Sammle Argumente dafür und dagegen und wäge sie am Beispiel großer Videodateien ab.Warum so? Eine Erörterung endet mit einem begründeten Ergebnis — hier mit einem besseren Vorschlag.
Lösungsskizze: Pro: kein geheimer Vorab-Austausch · Contra: deutlich langsamer · Ergebnis: hybrides Verfahren.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Für Linas Vorschlag spricht, dass nur öffentliche Schlüssel übertragen werden müssen; ein geheimer Vorab-Austausch entfällt, und pro Person genügt ein Schlüsselpaar. Dagegen spricht, dass asymmetrische Verfahren um Größenordnungen langsamer sind als symmetrische — bei Fotos und Videos würde das Ver- und Entschlüsseln spürbar dauern und den Akku belasten. Außerdem bleibt das Echtheitsproblem der öffentlichen Schlüssel bestehen. Ergebnis: Ein hybrides Verfahren verbindet beide Vorteile — die Daten werden symmetrisch mit einem zufälligen Sitzungsschlüssel verschlüsselt, nur dieser kurze Schlüssel asymmetrisch mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers.

A6
Zeugnisnoten per E-Mail
AFB III

Eine Schule will Zeugnisnoten per E-Mail an Eltern senden. Niemand anderes soll mitlesen können, und die Eltern sollen prüfen können, dass die E-Mail wirklich von der Schule stammt und unverändert ist. Entwerfen Sie mit den Bausteinen des Kapitels ein Verfahren für Schule und Eltern.

Strategie: Trenne die beiden Ziele: Echtheit (Signatur) und Vertraulichkeit (Verschlüsselung). Kläre für jeden Schritt, wessen Schlüssel benutzt wird.Warum so? Signieren geschieht immer mit dem eigenen privaten Schlüssel, Verschlüsseln mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers.
Lösungsskizze: Zertifikate beschaffen · Hash + privater Schlüssel der Schule · Sitzungsschlüssel + öffentlicher Schlüssel der Eltern · Eltern: auspacken, Hash vergleichen.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
  1. Schule und Eltern besitzen Schlüsselpaare; ihre öffentlichen Schlüssel sind durch Zertifikate einer Zertifizierungsstelle bestätigt.
  2. Die Schule bildet den Hashwert der E-Mail und verschlüsselt ihn mit ihrem privaten Schlüssel — das ist die Signatur.
  3. Die Schule erzeugt einen zufälligen Sitzungsschlüssel, verschlüsselt E-Mail und Signatur damit symmetrisch und den Sitzungsschlüssel mit dem öffentlichen Schlüssel der Eltern (hybrid).
  4. Die Eltern entschlüsseln den Sitzungsschlüssel mit ihrem privaten Schlüssel, damit E-Mail und Signatur.
  5. Sie entschlüsseln die Signatur mit dem öffentlichen Schlüssel der Schule (aus deren Zertifikat), berechnen selbst den Hashwert der E-Mail und vergleichen. Gleich → echt und unverändert.
A7
Vigenère in Python
AFB III

Eine Funktion vigenere(text, schluessel, richtung) soll Texte aus Großbuchstaben ver- (richtung = 1) und entschlüsseln (richtung = -1). Zeichen außer A–Z bleiben unverändert, und der Schlüssel rückt nur bei Buchstaben weiter. Implementieren Sie die Funktion in Python.

Strategie: Buchstaben mit ord(...) - ord("A") in Zahlen 0–25 umwandeln, rechnen, mit % 26 zurück ins Alphabet, mit chr wieder zum Buchstaben.Warum so? Der Schlüsselindex darf nur bei Buchstaben weiterzählen — sonst verschiebt jedes Leerzeichen die Zuordnung.
Lösungsskizze: Zähler i · k = ord(schluessel[i % len(schluessel)]) - 65 · (p + richtung * k) % 26.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
def vigenere(text, schluessel, richtung=1):
    ergebnis = ""
    i = 0                                   # Position im Schlüssel
    for zeichen in text:
        if "A" <= zeichen <= "Z":
            k = ord(schluessel[i % len(schluessel)]) - ord("A")
            neu = (ord(zeichen) - ord("A") + richtung * k) % 26
            ergebnis += chr(neu + ord("A"))
            i += 1                          # nur bei Buchstaben weiter
        else:
            ergebnis += zeichen             # Leerzeichen, Ziffern bleiben
    return ergebnis

print(vigenere("ABI 2027", "KEY"))          # KFG 2027
print(vigenere("KFG 2027", "KEY", -1))      # ABI 2027

Da Python bei % auch für negative Zahlen ein Ergebnis zwischen 0 und 25 liefert, funktioniert das Entschlüsseln mit richtung = -1 ohne Sonderfall.

A8
Jemand in der Mitte
AFB III

Alice fragt Bob über einen unverschlüsselten Chat nach seinem öffentlichen Schlüssel. Mallory sitzt im selben WLAN und kann Nachrichten abfangen und austauschen. Analysieren Sie, wie Mallory alle Nachrichten mitlesen kann, ohne dass Alice und Bob es bemerken, und welche Gegenmaßnahme hilft.

Strategie: Verfolge, welchen öffentlichen Schlüssel Alice tatsächlich erhält und was Mallory mit Alices Nachrichten machen kann.Warum so? Asymmetrische Verschlüsselung ist nur so sicher wie die Gewissheit, den richtigen öffentlichen Schlüssel zu benutzen.
Lösungsskizze: Schlüssel austauschen · entschlüsseln, lesen, mit Bobs echtem Schlüssel neu verschlüsseln · Zertifikat.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Mallory fängt Bobs Antwort ab und schickt Alice stattdessen ihren eigenen öffentlichen Schlüssel. Alice verschlüsselt nun mit Mallorys Schlüssel. Mallory entschlüsselt mit ihrem privaten Schlüssel, liest (oder ändert) die Nachricht, verschlüsselt sie mit Bobs echtem öffentlichem Schlüssel und leitet sie weiter. Bob kann normal entschlüsseln — niemand bemerkt etwas (Man-in-the-Middle-Angriff). Gegenmaßnahme: Alice muss prüfen, dass der Schlüssel wirklich Bob gehört, z. B. über ein Zertifikat einer vertrauenswürdigen Zertifizierungsstelle, die Bobs Identität und Schlüssel mit ihrer Signatur bestätigt, oder durch persönlichen Vergleich des Schlüssel-Fingerabdrucks.

A9
Eine verkehrte Signatur
AFB III

Tom will eine Nachricht an Bob „signieren“: Er bildet den Hashwert der Nachricht und verschlüsselt ihn mit Bobs öffentlichem Schlüssel. Bewerten Sie Toms Vorgehen.

Strategie: Prüfe, wer die „Signatur“ erzeugen könnte und wer sie prüfen könnte.Warum so? Eine Signatur ist nur dann ein Beweis, wenn ausschließlich der Absender sie erzeugen kann.
Lösungsskizze: Bobs öffentlicher Schlüssel ist für alle zugänglich · also kann jeder so „signieren“ · richtig: Toms privater Schlüssel.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Toms Vorgehen ist wertlos. Bobs öffentlicher Schlüssel steht jedem zur Verfügung; jeder Angreifer kann eine geänderte Nachricht hashen und ebenfalls mit Bobs öffentlichem Schlüssel verschlüsseln. Bob kann also nicht erkennen, ob die Nachricht von Tom stammt — weder Authentizität noch Nichtabstreitbarkeit sind gegeben. Richtig ist: Tom verschlüsselt den Hashwert mit seinem privaten Schlüssel, den nur er besitzt; Bob prüft mit Toms öffentlichem Schlüssel.

A10
Wie lange hält der Schlüssel?
AFB III

Ein älteres symmetrisches Verfahren arbeitet mit 64-Bit-Schlüsseln. Ein Rechencluster testet \(10^{11}\) Schlüssel pro Sekunde. Schätzen Sie ab, wie lange das Durchprobieren aller Schlüssel höchstens dauert, und ordnen Sie das Ergebnis für ein Verfahren mit 128-Bit-Schlüssel ein.

Jahre (eine Nachkommastelle)
Strategie: Schlüsselanzahl \(2^{64}\) durch die Prüfrate teilen und in Jahre umrechnen. Für 128 Bit: Um welchen Faktor wächst der Schlüsselraum?Warum so? Jedes zusätzliche Bit verdoppelt die Anzahl der Schlüssel.
Lösungsskizze: \(2^{64}\approx1{,}84\cdot10^{19}\) · \(1{,}84\cdot10^{8}\) s · 1 Jahr ≈ \(3{,}16\cdot10^{7}\) s · 128 Bit: Faktor \(2^{64}\).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: \(t=\frac{2^{64}}{10^{11}\,/\text{s}}\approx1{,}84\cdot10^{8}\text{ s}\approx5{,}8\text{ Jahre}\), im Mittel etwa die Hälfte. Mit mehr Rechnern oder schnellerer Technik schrumpft das auf Monate — 64 Bit sind nicht mehr ausreichend. Bei 128 Bit wächst der Schlüsselraum um den Faktor \(2^{64}\approx1{,}8\cdot10^{19}\): rund \(10^{20}\) Jahre, weit mehr als das Alter des Universums (etwa \(1{,}4\cdot10^{10}\) Jahre). Brute Force ist dann aussichtslos.