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Abituraufgaben: Automatisierte Datenanalyse

Zwei Abituraufgaben zu Fehlerquoten, Profilbildung und automatisierten Entscheidungen.

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Eine App erkennt Risiken

AFB I–II

Eine Krankenkasse testet eine App, die aus Schrittzahl, Schlafdauer und Herzfrequenz einer Smartwatch ein Risiko für eine Herzerkrankung berechnet. In der Testphase wurden 5 000 Personen untersucht (Material 1).

Material 1: Ergebnis der Testphase
Auswertung der App (Testphase, 5 000 Personen)
App meldet „Risiko“App meldet „kein Risiko“Summe
tatsächlich erkrankt8020100
nicht erkrankt49044104900
Summe57044305000
  1. Beschreiben Sie, wie die App aus den Sensordaten automatisiert eine Risikobewertung erzeugt. 3 BE
  2. Ermitteln Sie aus Material 1, wie viele Personen eine falsche Meldung erhalten, und wie groß der Anteil tatsächlich Erkrankter unter den „Risiko“-Meldungen ist. 4 BE
  3. Interpretieren Sie das Ergebnis aus b) für eine Person, die die Meldung „Risiko“ erhält. 3 BE

Insgesamt 10 BE

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Daten sammeln, Muster aus Vergleichsdaten, Score, Schwelle.
Hinweis zu Aufgabe b)
Falsche Meldungen: erkrankt ohne Warnung plus gesund mit Warnung.
Hinweis zu Aufgabe c)
Wie sicher ist die Meldung für den Einzelnen?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Smartwatch liefert laufend Messwerte. Diese werden mit Mustern aus Daten vieler Personen verglichen, deren Gesundheitszustand bekannt ist. Daraus berechnet ein Programm einen Risikowert; liegt er über einer Schwelle, meldet die App „Risiko“.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Falsch: 20 + 490 = 510 Personen. Unter 570 Risikomeldungen sind 80 Erkrankte: 80 : 570 ≈ 14 %.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Meldung ist ein Hinweis, keine Diagnose: Nur etwa jede siebte gewarnte Person ist tatsächlich erkrankt. Eine ärztliche Untersuchung muss folgen; Panik oder Folgen ohne Prüfung wären unangemessen.

2

Tarif nach Datenlage?

AFB II–III

Die Krankenkasse erwägt, Mitgliedern mit niedrigem App-Risiko einen günstigeren Tarif anzubieten. Die Teilnahme soll freiwillig sein; die Entscheidung über den Tarif trifft ein Programm automatisch.

  1. Erklären Sie, inwiefern Art. 22 DSGVO für dieses Vorhaben bedeutsam ist. 3 BE
  2. Schätzen Sie ab, welche Gruppen durch das Tarifmodell benachteiligt werden könnten, auch wenn sie gesund sind. 4 BE
  3. Erörtern Sie, ob die Krankenkasse das Tarifmodell einführen sollte. 6 BE

Insgesamt 13 BE

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Wird die Entscheidung ausschließlich automatisiert getroffen? Hat sie erhebliche Wirkung?
Hinweis zu Aufgabe b)
Wer hat aus anderen Gründen niedrige Schrittzahlen oder schlechten Schlaf?
Hinweis zu Aufgabe c)
Stelle Chancen und Risiken gegenüber und komme zu einem Urteil.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Art. 22 gibt das Recht, keiner ausschließlich automatisierten Entscheidung mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung unterworfen zu werden. Ein Tarif betrifft Kosten erheblich; die rein automatische Entscheidung ist nur mit Ausnahmen (z. B. ausdrückliche Einwilligung) zulässig, und Betroffene können das Eingreifen eines Menschen verlangen. Gesundheitsdaten sind zudem besonders geschützt (Art. 9).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

z. B. Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, Schichtarbeiter (Schlaf), Eltern kleiner Kinder, Menschen ohne Smartwatch (Einkommen). Die Merkmale wirken als Stellvertreter; die Fehlerquote aus Aufgabe 1 zeigt, dass viele falsch eingestuft werden.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Pro: Anreiz für Bewegung, Prävention, freiwillige Teilnahme, günstigere Beiträge für manche. Contra: Gesundheitsdaten sehr sensibel, hohe Fehlerquote, Druck zur Teilnahme („freiwillig“ wird faktisch verpflichtend), Benachteiligung bestimmter Gruppen, Solidarprinzip der Krankenversicherung wird ausgehöhlt, rein automatische Entscheidung problematisch. Erwartet wird eine abgewogene, begründete Schlussfolgerung.