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Textaufgaben: Social-Media-Plattformen

Ein Fahrradladen vergleicht Zeitungsanzeige und Targeting, und ein Kurzvideo-Feed verengt sich innerhalb von sechs Tagen auf ein einziges Streitthema.

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Werbung für den Fahrradladen

AFB I–II

Ein Fahrradladen möchte im Frühjahr für seine Werkstatt werben und hat zwei Angebote vorliegen. Die Lokalzeitung verlangt für eine Anzeige 800 € und erreicht damit 40 000 Leserinnen und Leser. Aus Umfragen weiß die Zeitung, dass sich etwa 4 % davon für Fahrräder interessieren.

Eine Social-Media-Plattform bietet 10 000 Einblendungen im Feed für 600 € an. Die Anzeige wird nur Menschen gezeigt, die im Umkreis von 20 km wohnen und deren Profil ein Interesse an Radfahren erkennen lässt. Nach Angaben der Plattform interessieren sich davon 60 % tatsächlich für Fahrräder.

Die beiden Angebote im Überblick
ZeitungFeed-AnzeigePreisErreichte Personendavon interessiert800 €600 €40 00010 0004 %60 %
Angaben der Anbieter; bei der Feed-Anzeige zählt jede Einblendung als eine erreichte Person.
  1. Nennen Sie die vier Stationen des Kreislaufs, mit dem sich die Plattform über Werbung finanziert.
  2. Berechnen Sie für beide Angebote, wie viel der Laden für jede erreichte Person bezahlt, die sich für Fahrräder interessiert.
  3. Erklären Sie, warum die Plattform für 1 000 Einblendungen dreimal so viel verlangen kann wie die Zeitung für 1 000 Leserinnen und Leser.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Der Kreislauf beginnt bei dir und endet wieder bei dir. Dazwischen stehen die Plattform und die Werbekunden.„Nennen“ heißt: die Stationen aufzählen, ohne sie ausführlich zu erläutern.
Hinweis zu Aufgabe b)
Bestimme zuerst die Anzahl der interessierten Personen (Prozent von der Gesamtzahl) und teile dann den Preis durch diese Anzahl.
Hinweis zu Aufgabe c)
Rechne die Preise auf 1 000 erreichte Personen um. Überlege dann, was der Laden bei der Zeitung für die 96 % bezahlt, die sich gar nicht für Fahrräder interessieren. Der Fachbegriff dafür steht im Abschnitt über Targeting.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

(1) Nutzerinnen und Nutzer geben Zeit — beim Benutzen entstehen Daten. (2) Die Plattform lernt daraus ein Interessenprofil. (3) Werbekunden bezahlen für den Zugang zu Zielgruppen. (4) Die Nutzer sehen passende Werbung zwischen den Beiträgen. Die Reihenfolge muss erkennbar sein; die Stationen dürfen mit eigenen Worten benannt werden.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Zeitung: 4 % · 40 000 = 1 600 interessierte Personen; 800 € : 1 600 = 0,50 € je interessierte Person.

Feed-Anzeige: 60 % · 10 000 = 6 000 interessierte Personen; 600 € : 6 000 = 0,10 € je interessierte Person.

Antwortsatz: Bei der Feed-Anzeige kostet eine interessierte Person nur ein Fünftel des Zeitungspreises.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Pro 1 000 erreichte Personen kostet die Zeitung 800 € : 40 = 20 €, die Plattform 600 € : 10 = 60 € — also das Dreifache.

Ursache ist das Targeting: Die Plattform verkauft keine Fläche, sondern eine Zielgruppe, die sie aus den Profilen ihrer Nutzer kennt (Wohnort, Interessen). Dadurch ist der Streuverlust klein: Nur 40 % der Einblendungen gehen an Uninteressierte, bei der Zeitung 96 %. Für den Laden zählt der Preis je interessierter Person, und der ist trotz des höheren Preises je 1 000 Einblendungen niedriger. Vollständig ist die Antwort, wenn Rechnung, der Begriff Targeting bzw. Streuverlust und der Bezug zu den Profildaten genannt werden.

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Sechs Tage Kurzvideo

AFB II–III

Jonas hat sich eine neue Kurzvideo-App installiert. Am ersten Abend sieht er zwei Videos, in denen sich Autofahrer und Radfahrer lautstark streiten, bis zum Ende an und schreibt unter eines einen wütenden Kommentar. Danach notiert er sechs Tage lang, wie viele der ersten 100 Videos im Feed „Für dich“ zu diesem Streitthema gehören.

Zum Vergleich schaltet er jeden Abend auch auf die Ansicht „Folge ich“ um, in der nur Beiträge der 40 Konten erscheinen, denen er folgt — neueste zuerst. Seine Ergebnisse zeigt das Diagramm. Am sechsten Tag schreibt Jonas in den Klassenchat: „Das beweist: Ich stecke in einer Filterblase, und allen anderen geht es genauso.“

Anteil der Videos zum Streitthema
0 %20 %40 %60 %123456Tag4917294152„Für dich“„Folge ich“ (etwa 3 %)
Jonas' eigene Zählung: Anteil der Videos zum Streitthema unter den ersten 100 Videos des jeweiligen Abends.
  1. Interpretieren Sie den Verlauf der Kurve „Für dich“ mithilfe der Begriffe Signal und Rückkopplung.
  2. Vergleichen Sie die beiden Feed-Ansichten nach den Kriterien Sortierung, Rolle von Jonas' Verhalten und rechtlicher Hintergrund.
  3. Beurteilen Sie Jonas' Aussage im Klassenchat.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Welche Signale hat Jonas am ersten Abend gesendet — und wie stark zählen sie laut Signaltabelle? Überlege dann, was an Tag 2, 3, 4 … jeweils wieder passiert.
Hinweis zu Aufgabe b)
Die Ansicht „Folge ich“ ist kein Zufall der App. Denke an die Pflichten, die der Digital Services Act großen Plattformen auferlegt.
Hinweis zu Aufgabe c)
Trenne die Aussage in zwei Teile: „Ich stecke in einer Filterblase“ und „allen anderen geht es genauso“. Prüfe für jeden Teil, was Jonas' Daten hergeben — und was nicht. Denke daran, was im Erklärtext über den Forschungsstand zur Filterblase steht.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Der Anteil steigt von 4 % auf 52 %, also auf etwa das Dreizehnfache; der Anstieg wird von Tag zu Tag größer (+5, +8, +12, +12, +11 Prozentpunkte).

Deutung: Am ersten Abend hat Jonas zwei starke Signale gesendet — lange Verweildauer (Videos bis zum Ende) und einen Kommentar. Der Algorithmus bewertet ähnliche Videos daraufhin höher und zeigt mehr davon. Schaut Jonas auch diese lange an, entstehen neue Signale in dieselbe Richtung: Das ist die Rückkopplung. Dass der Kommentar wütend war, spielt keine Rolle — gemessen wird Beschäftigung, nicht Zustimmung. Vollständig ist die Antwort mit Beschreibung des Verlaufs, mindestens zwei benannten Signalen und der Erklärung des Kreislaufs.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Sortierung: „Für dich“ wird bei jedem Aufruf nach einer Punktzahl aus Signalen neu berechnet (Personalisierung); „Folge ich“ zeigt nur Beiträge abonnierter Konten, chronologisch.

Rolle des Verhaltens: In „Für dich“ bestimmt Jonas' Verhalten (Verweildauer, Kommentare) den Inhalt; in „Folge ich“ bestimmt nur seine Abo-Liste, was erscheint — daher bleibt der Anteil konstant bei etwa 3 %.

Rechtlicher Hintergrund: Der Digital Services Act verpflichtet große Plattformen seit 2024, mindestens eine Feed-Variante ohne Personalisierung anzubieten und ihre Sortierkriterien offenzulegen. Gemeinsam ist beiden Ansichten: dieselbe App, dieselbe Datenbank, dieselben Konten.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Teil 1 („Ich stecke in einer Filterblase“): Die Daten zeigen eine deutliche Verengung seines „Für dich“-Feeds auf ein Thema — das passt zur These der Filterblase. Einschränkungen: Nach sechs Tagen gehören noch 48 % der Videos zu anderen Themen; Jonas kennt über „Folge ich“ und außerhalb der App weitere Sichtweisen; gezählt wurde nur ein Thema und nur eine Person.

Teil 2 („allen anderen geht es genauso“): Diese Verallgemeinerung ist nicht gedeckt. Eine einzelne Beobachtung ist kein Beweis; die Filterblase ist eine These, deren Stärke laut Forschung von Plattform, Thema und Nutzungsweise abhängt (bei Kurzvideo-Feeds deutlich, bei Nachrichtenseiten oft kaum).

Mögliches Urteil: Jonas beobachtet zu Recht eine starke Verengung, seine Folgerung ist aber in beiden Teilen zu weit gehend. Auch ein anderes Urteil ist möglich, wenn es begründet ist. Vollständig ist die Antwort, wenn beide Teile getrennt geprüft, Daten aus dem Diagramm herangezogen und ein eigenes, begründetes Urteil formuliert werden.