Hier sind die 12 häufigsten Fehler aus Klausuren zu Säure-Base-Reaktionen — vom Proton bis zum Puffer. Lies sie durch: Wer einen Fehler kennt, macht ihn seltener.
Die 12 häufigsten Fehler
1Das Proton ist ein Wasserstoffatom
So wird oft gerechnet: „Bei \(\ce{HCl + H2O}\) geht ein Wasserstoffatom auf das Wasser über.“
Richtig ist: Übertragen wird ein Proton \(\ce{H+}\) — ohne Elektron. Das Bindungselektronenpaar bleibt beim Chlor (\(\ce{Cl-}\)), die Base braucht ein freies Elektronenpaar für die neue Bindung.
Merksatz: Proton = H ohne Elektron — deshalb entstehen Ionen.2Paare über Kreuz
So wird oft gerechnet: „In \(\ce{HCl + H2O -> Cl- + H3O+}\) bilden \(\ce{HCl}\) und \(\ce{H3O+}\) ein Säure-Base-Paar.“
Richtig ist: Beide sind Säuren. Ein Paar besteht aus einer Säure und ihrer eigenen korrespondierenden Base: \(\ce{HCl}/\ce{Cl-}\) und \(\ce{H3O+}/\ce{H2O}\).
Merksatz: Paare unterscheiden sich um genau ein H⁺ — nie zwei Säuren.3Jedes H-Atom ist sauer
So wird oft gerechnet: „Essigsäure \(\ce{CH3COOH}\) hat vier H-Atome und kann daher vier Protonen abgeben.“
Richtig ist: Sauer sind nur H-Atome an stark elektronegativen Atomen (polare O–H-Bindung). Die C–H-Bindungen sind kaum polar — Essigsäure ist einprotonig.
Merksatz: Nur das H an O zählt.4Neutral heißt ionenfrei
So wird oft gerechnet: „In neutralem Wasser gibt es keine Oxonium- und keine Hydroxid-Ionen; in Salzsäure gibt es keine \(\ce{OH-}\).“
Richtig ist: Durch die Autoprotolyse enthält jede wässrige Lösung beide Ionen: \(K_W=c(\ce{H3O+})\cdot c(\ce{OH-})=10^{-14}\,\mathrm{mol^2\,L^{-2}}\). Neutral heißt \(c(\ce{H3O+})=c(\ce{OH-})\).
Merksatz: Das Produkt bleibt konstant — keine der beiden Konzentrationen wird null.5pH-Werte linear vergleichen
So wird oft gerechnet: „pH 3 ist doppelt so sauer wie pH 6.“
Richtig ist: Der pH-Wert ist logarithmisch: Jede pH-Stufe entspricht dem Faktor 10. Zwischen pH 3 und pH 6 liegt der Faktor \(10^3=1000\).
Merksatz: Eine pH-Stufe = Faktor 10.6Großer pKₛ = starke Säure
So wird oft gerechnet: „Ammonium (\(\mathrm{p}K_S=9{,}25\)) ist eine stärkere Säure als Flusssäure (\(3{,}14\)), weil der Wert größer ist.“
Richtig ist: \(\mathrm{p}K_S=-\lg K_S\): Durch das Minus kehrt sich die Reihenfolge um. Kleiner \(\mathrm{p}K_S\) = großes \(K_S\) = starke Säure.
Merksatz: Beim pKₛ gilt: klein ist stark.7Stark = konzentriert
So wird oft gerechnet: „Verdünnte Salzsäure ist eine schwache Säure, konzentrierte Essigsäure eine starke.“
Richtig ist: „Stark“ beschreibt den Protolysegrad (Salzsäure: vollständig), „konzentriert“ die Menge pro Liter. Auch sehr verdünnte Salzsäure ist stark, auch konzentrierte Essigsäure ist schwach.
Merksatz: Stärke = Anteil protolysiert; Konzentration = Menge pro Liter.8Falsche pH-Formel
So wird oft gerechnet: „Salzsäure, \(c_0=0{,}010\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\): \(\mathrm{pH}=\tfrac12\,(-6-\lg0{,}010)=-2\).“
Richtig ist: Die Näherungsformel gilt nur für schwache Säuren. Starke Säuren protolysieren vollständig: \(\mathrm{pH}=-\lg c_0=2\). Ein negativer pH-Wert für eine verdünnte Säure ist unplausibel.
Merksatz: Erst einordnen (stark/schwach), dann die Formel wählen.9Endstand statt Verbrauch
So wird oft gerechnet: „Die Bürette zeigt am Ende \(18{,}20\,\mathrm{mL}\), also wurden \(18{,}20\,\mathrm{mL}\) Natronlauge verbraucht.“
Richtig ist: Der Verbrauch ist die Differenz \(V=V_{\text{Ende}}-V_{\text{Anfang}}\). Stand die Bürette anfangs bei \(1{,}40\,\mathrm{mL}\), wurden \(16{,}80\,\mathrm{mL}\) verbraucht.
Merksatz: Immer zweimal ablesen und subtrahieren.10Schwefelsäure wie Salzsäure
So wird oft gerechnet: „\(10\,\mathrm{mL}\) Schwefelsäure verbrauchen \(10\,\mathrm{mL}\) Natronlauge (\(0{,}1\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\)), also \(c(\ce{H2SO4})=0{,}1\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\).“
Richtig ist: Schwefelsäure ist zweiprotonig: \(\ce{H2SO4 + 2 OH-}\) \(\ce{-> SO4^2- + 2 H2O}\). Am ÄP gilt \(n(\ce{OH-})=2\cdot n(\ce{H2SO4})\), also \(c(\ce{H2SO4})=0{,}05\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\).
Merksatz: Stoffmengenverhältnis aus der Reaktionsgleichung nehmen.11Äquivalenzpunkt = pH 7
So wird oft gerechnet: „Am Äquivalenzpunkt ist die Lösung neutral, also liegt er immer bei pH 7.“
Richtig ist: Am ÄP sind gleiche Stoffmengen umgesetzt. Bei einer schwachen Säure liegt dort ihre korrespondierende Base vor — der ÄP ist basisch (bei schwachen Basen sauer). Nur bei stark/stark liegt er bei pH 7.
Merksatz: Äquivalenzpunkt ≠ Neutralpunkt.12Puffer = neutral
So wird oft gerechnet: „Ein Puffer hält den pH-Wert bei 7 — deshalb ist Acetatpuffer neutral.“
Richtig ist: Ein Puffer hält seinen pH-Wert nahezu konstant; bei \(n(\ce{HA})=n(\ce{A-})\) gilt \(\mathrm{pH}=\mathrm{p}K_S\): Acetatpuffer \(4{,}75\), Ammoniumpuffer \(9{,}25\).
Merksatz: Pufferwert = pKₛ der Puffersäure, nicht 7.