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AbituraufgabenTitrationskurven

Eine unbekannte Säure aus der Molkerei und ein Glasreiniger unter der pH-Elektrode.

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1

Eine Säure aus der Molkerei

AFB I–II

Aus einem Sauermilchprodukt wird eine einprotonige organische Säure isoliert. 20,0 mL ihrer wässrigen Lösung werden mit Natronlauge (\(c = 0{,}100\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\)) titriert, der pH-Wert wird mit einer Elektrode gemessen (M1). Infrage kommen die Säuren in M2.

M1Titrationskurve der unbekannten Säure
0481216202401234567891011121314V(Maßlösung) in mLpH
M2Mögliche Säuren
Säure\(\mathrm{p}K_S\)
Flusssäure3,14
Milchsäure3,90
Propansäure4,87
  1. Entnehmen Sie M1 das Volumen am Äquivalenzpunkt und den pH-Wert am Halbäquivalenzpunkt.
  2. Berechnen Sie die Konzentration der Säure.
  3. Ordnen Sie die Säure begründet einer Säure aus M2 zu.
  4. Erläutern Sie, warum der Äquivalenzpunkt nicht bei pH 7 liegt.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Der ÄP liegt in der Mitte des steilen Anstiegs.
Hinweis zu Aufgabe b)
\(c(\text{Säure}) = c(\ce{OH-})\cdot V(\ce{OH-})/V(\text{Säure})\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Am HÄP gilt pH = \(\mathrm{p}K_S\).
Hinweis zu Aufgabe d)
Welches Teilchen liegt am ÄP vor und wie reagiert es mit Wasser?Erläutern: Zusammenhänge verständlich machen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

ÄP bei 16,0 mL (Mitte des Sprungs, pH ≈ 8,3). HÄP bei 8,0 mL; dort pH ≈ 3,9.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(c = 0{,}100\cdot16{,}0/20{,}0\,\mathrm{mol\,L^{-1}} = 0{,}080\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Am HÄP gilt \(\mathrm{pH} = \mathrm{p}K_S \approx 3{,}9\). Das passt zu Milchsäure (3,90); Flusssäure (3,14) und Propansäure (4,87) weichen um fast eine pH-Einheit ab. Passend ist auch die Herkunft aus einem Sauermilchprodukt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Am ÄP ist die Milchsäure vollständig zu Lactat-Ionen umgesetzt. Lactat ist die korrespondierende Base einer schwachen Säure (\(\mathrm{p}K_B = 10{,}10\)) und reagiert mit Wasser: \(\ce{Lac- + H2O <=> HLac + OH-}\). Es entstehen Hydroxid-Ionen, der pH-Wert am ÄP liegt über 7 (hier etwa 8,3).

2

Ammoniak im Glasreiniger

AFB II–III

Ein Glasreiniger enthält Ammoniak. 25,0 mL einer verdünnten Probe werden mit Salzsäure (\(c = 0{,}100\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\)) titriert; M3 zeigt die gemessene Kurve.

M3Titration des Glasreinigers mit Salzsäure
04812162001234567891011121314V(Maßlösung) in mLpH
  1. Beschreiben Sie den Verlauf der Titrationskurve und nennen Sie die Lage des Äquivalenzpunkts.
  2. Bestimmen Sie aus M3 die Ammoniak-Konzentration der Probe und den \(\mathrm{p}K_B\)-Wert von Ammoniak.
  3. Leiten Sie her, dass bei der halben Salzsäuremenge \(\mathrm{pH} = \mathrm{p}K_S(\ce{NH4+})\) gilt.
  4. Skizzieren Sie in M3 den Verlauf, der sich für eine Natronlauge gleicher Konzentration ergäbe, und begründen Sie die Unterschiede.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Die Kurve fällt, weil eine Base mit einer Säure titriert wird.
Hinweis zu Aufgabe b)
Lesen Sie den pH-Wert bei der Hälfte des ÄP-Volumens ab; \(\mathrm{p}K_B = 14 - \mathrm{p}K_S\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Stellen Sie \(K_S\) für \(\ce{NH4+}\) auf; was gilt für \(c(\ce{NH4+})\) und \(c(\ce{NH3})\)?
Hinweis zu Aufgabe d)
Natronlauge ist eine starke Base: Start-pH, Anfangsverlauf und ÄP ändern sich.Skizzieren: die wesentlichen Eigenschaften grafisch darstellen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Kurve beginnt bei pH ≈ 11 und fällt zunächst flach, um 6 mL besonders flach (pH ≈ 9,3). Kurz vor 12,5 mL fällt sie steil von etwa 8 auf 3 (pH-Sprung), danach flacht sie bei pH ≈ 2 ab. Der ÄP liegt bei 12,5 mL im sauren Bereich (pH ≈ 5,4), weil dort nur \(\ce{NH4+}\) als schwache Säure vorliegt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(n(\ce{NH3}) = 0{,}100\cdot12{,}5\,\mathrm{mmol} = 1{,}25\,\mathrm{mmol}\); \(c = 1{,}25/25{,}0\,\mathrm{mol\,L^{-1}} = 0{,}050\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\).

Bei 6,25 mL: pH ≈ 9,25 = \(\mathrm{p}K_S(\ce{NH4+})\); \(\mathrm{p}K_B(\ce{NH3}) = 14 - 9{,}25 = 4{,}75\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(\ce{NH3 + H3O+ -> NH4+ + H2O}\). Nach Zugabe der halben ÄP-Menge ist die Hälfte des Ammoniaks umgesetzt: \(c(\ce{NH4+}) = c(\ce{NH3})\).

\(K_S(\ce{NH4+}) = \dfrac{c(\ce{H3O+})\cdot c(\ce{NH3})}{c(\ce{NH4+})} = c(\ce{H3O+})\) → \(-\lg\): \(\mathrm{pH} = \mathrm{p}K_S(\ce{NH4+})\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Skizze: Natronlauge 0,05 mol/L startet bei pH 12,7, bleibt fast waagerecht und fällt erst kurz vor 12,5 mL steil; der Sprung ist größer (etwa pH 10 bis 4) und symmetrisch um den ÄP bei pH 7; nach dem ÄP deckt sich die Kurve mit M3.

Begründung: Natronlauge ist vollständig protolysiert (höherer Start-pH, kein flacher Bereich mit \(\mathrm{pH} = \mathrm{p}K_S\)); am ÄP liegen nur \(\ce{Na+}\) und \(\ce{Cl-}\) vor, die nicht mit Wasser reagieren (pH 7). Das ÄP-Volumen ist gleich, da gleiche Stoffmengen vorliegen.