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AbituraufgabenSäure- und Basenkonstante

Konservierungsstoff im Test und Vorhersagen aus der Säure-Base-Reihe: Was die pKS-Tabelle alles weiß.

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Benzoesäure im Gurkenglas

AFB I–II

Benzoesäure \(\ce{C6H5COOH}\) (E 210) wird als Konservierungsstoff in sauren Lebensmitteln wie Gurkenkonserven eingesetzt. Wirksam gegen Hefen und Schimmelpilze ist vor allem das nicht protolysierte Molekül. In einem Laborversuch wird eine Benzoesäure-Lösung mit \(c_0 = 0{,}010\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\) untersucht (M1).

M1Messwerte der Benzoesäure-Lösung
GrößeWert
Ausgangskonzentration \(c_0\)\(0{,}010\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\)
gemessene \(c(\ce{H3O+})\) im Gleichgewicht\(7{,}6\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\)
Temperatur25 °C
  1. Stellen Sie die Reaktionsgleichung der Protolyse von Benzoesäure (Kurzformel HBz) mit Wasser und den Ausdruck für \(K_S\) auf.
  2. Ermitteln Sie aus M1 die Säurekonstante \(K_S\) und den \(\mathrm{p}K_S\)-Wert der Benzoesäure.
  3. Berechnen Sie den Anteil der Benzoesäure-Moleküle, die in der Lösung aus M1 protolysiert vorliegen, in Prozent.
  4. Vergleichen Sie Benzoesäure mit Essigsäure (\(\mathrm{p}K_S = 4{,}75\)) hinsichtlich Säurestärke und der Basenstärke der korrespondierenden Basen.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Wasser steht nicht im \(K_S\)-Ausdruck.
Hinweis zu Aufgabe b)
\(c(\ce{Bz-}) = c(\ce{H3O+})\); \(c(\ce{HBz}) = c_0 - c(\ce{H3O+})\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Anteil = \(c(\ce{Bz-})/c_0\).
Hinweis zu Aufgabe d)
Nutzen Sie \(\mathrm{p}K_S + \mathrm{p}K_B = 14\).Vergleichen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(\ce{HBz + H2O <=> Bz- + H3O+}\); \(K_S = \dfrac{c(\ce{H3O+})\cdot c(\ce{Bz-})}{c(\ce{HBz})}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(c(\ce{Bz-}) = 7{,}6\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\), \(c(\ce{HBz}) = 0{,}010 - 0{,}00076 = 9{,}24\cdot10^{-3}\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\).

\(K_S = \dfrac{(7{,}6\cdot10^{-4})^2}{9{,}24\cdot10^{-3}}\,\mathrm{mol\,L^{-1}} = 6{,}3\cdot10^{-5}\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\); \(\mathrm{p}K_S = 4{,}20\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(7{,}6\cdot10^{-4}/0{,}010 = 0{,}076\), also rund 7,6 % der Moleküle sind protolysiert, gut 92 % liegen als wirksame HBz-Moleküle vor.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Benzoesäure (\(\mathrm{p}K_S = 4{,}20\)) ist etwas stärker als Essigsäure (4,75); ihr \(K_S\) ist \(10^{0{,}55} \approx 3{,}5\)-mal so groß. Beide sind schwache Säuren mit einer Carboxygruppe.

Die korrespondierenden Basen: Benzoat \(\mathrm{p}K_B = 9{,}80\), Acetat \(\mathrm{p}K_B = 9{,}25\). Acetat ist daher die etwas stärkere Base — die schwächere Säure hat die stärkere korrespondierende Base.

2

Vorhersagen mit der Säure-Base-Reihe

AFB II–III

Mit einer Säure-Base-Reihe lässt sich vorhersagen, ob zwei Teilchen merklich miteinander reagieren. M2 zeigt einen Ausschnitt. Für eine Reaktion \(\ce{HA + B- <=> A- + HB}\) gilt \(K = \dfrac{K_S(\ce{HA})}{K_S(\ce{HB})}\).

M2Ausschnitt aus der Säure-Base-Reihe (25 °C)
Säure\(\mathrm{p}K_S\)korrespondierende Base\(\mathrm{p}K_B\)
\(\ce{CH3COOH}\)4,75\(\ce{CH3COO-}\)9,25
\(\ce{H2CO3}\)6,52\(\ce{HCO3-}\)7,48
\(\ce{H2S}\)6,92\(\ce{HS-}\)7,08
\(\ce{HCO3-}\)10,40\(\ce{CO3^2-}\)3,60
  1. Leiten Sie für ein korrespondierendes Säure-Base-Paar die Beziehung \(K_S\cdot K_B = K_W\) her.
  2. Erläutern Sie am Beispiel Essigsäure/Hydrogencarbonat (Backpulver im Essigteig), wie man mit M2 vorhersagt, auf welcher Seite ein Säure-Base-Gleichgewicht liegt.
  3. Begründen Sie mit M2, dass Soda-Lösung (\(\ce{CO3^2-}\)) Schwefelwasserstoff aus Abgasen binden kann, und berechnen Sie dazu \(K\).
  4. Diskutieren Sie, ob eine Natriumhydrogencarbonat-Lösung sauer oder alkalisch reagiert.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Stellen Sie \(K_S\) für HA und \(K_B\) für \(\ce{A-}\) auf und multiplizieren Sie.
Hinweis zu Aufgabe b)
Das Gleichgewicht liegt auf der Seite der schwächeren Säure.
Hinweis zu Aufgabe c)
\(K = 10^{\mathrm{p}K_S(\ce{HB}) - \mathrm{p}K_S(\ce{HA})}\).
Hinweis zu Aufgabe d)
\(\ce{HCO3-}\) ist ein Ampholyt: Vergleichen Sie seinen \(\mathrm{p}K_S\)- und seinen \(\mathrm{p}K_B\)-Wert.Diskutieren: Argumente abwägen und zu einer begründeten Einschätzung kommen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(K_S = \dfrac{c(\ce{H3O+})\cdot c(\ce{A-})}{c(\ce{HA})}\), \(K_B = \dfrac{c(\ce{HA})\cdot c(\ce{OH-})}{c(\ce{A-})}\).

\(K_S\cdot K_B = c(\ce{H3O+})\cdot c(\ce{OH-}) = K_W\) — \(c(\ce{A-})\) und \(c(\ce{HA})\) kürzen sich. Logarithmiert: \(\mathrm{p}K_S + \mathrm{p}K_B = 14\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\ce{CH3COOH + HCO3- <=> CH3COO- + H2CO3}\). Beteiligt sind die Säuren \(\ce{CH3COOH}\) (4,75) und \(\ce{H2CO3}\) (6,52). Die Essigsäure ist die stärkere Säure und gibt ihr Proton ab; das Gleichgewicht liegt auf der Seite der schwächeren Säure \(\ce{H2CO3}\), also rechts (\(K = 10^{1{,}77} \approx 59\)). Die Kohlensäure zerfällt zu \(\ce{CO2}\) und Wasser, das Gas entweicht — der Teig wird gelockert.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(\ce{H2S + CO3^2- <=> HS- + HCO3-}\). \(\ce{H2S}\) (\(\mathrm{p}K_S = 6{,}92\)) ist eine viel stärkere Säure als \(\ce{HCO3-}\) (10,40); das Gleichgewicht liegt weit rechts.

\(K = 10^{10{,}40 - 6{,}92} = 10^{3{,}48} \approx 3\cdot10^3\). Der Schwefelwasserstoff wird als \(\ce{HS-}\) in der Lösung gebunden.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Als Säure: \(\ce{HCO3- + H2O <=> CO3^2- + H3O+}\), \(\mathrm{p}K_S = 10{,}40\). Als Base: \(\ce{HCO3- + H2O <=> H2CO3 + OH-}\), \(\mathrm{p}K_B = 7{,}48\).

Der \(\mathrm{p}K_B\)-Wert ist deutlich kleiner als der \(\mathrm{p}K_S\)-Wert: Die Basenreaktion läuft etwa \(10^{2{,}9}\)-mal stärker ab, es entstehen mehr Hydroxid- als Oxonium-Ionen. Die Lösung reagiert schwach alkalisch (gemessen pH ≈ 8,3). Einschränkung: Beide Reaktionen sind schwach; eine genaue pH-Berechnung für Ampholyte ist im Grundkurs nicht vorgesehen, die Richtung folgt aber eindeutig aus dem Vergleich.