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Übung AFB III

Zehn Aufgaben zum Begründen und Bewerten — hier zählt das Warum hinter Gruppen, Mechanismen und Produkten.

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Aufgabenblock — AFB III

Beurteilen, erklären, planen, Stellung nehmen: Formulieren Sie Ihre Antwort zuerst selbst, bevor Sie die Musterlösung aufklappen.

A1
Ist Ethanol eine Lauge?
AFB III

In einem Schülerprotokoll steht: „Ethanol \(\ce{C2H5OH}\) enthält eine OH-Gruppe und müsste deshalb wie Natronlauge alkalisch reagieren.“ Beurteilen Sie diese Aussage.

Hinweis: Vergleichen Sie die Bindung der OH-Gruppe im Ethanol mit dem Hydroxid-Ion in Natriumhydroxid.

Strategie: Bindungsart der OH-Gruppe in beiden Stoffen gegenüberstellen; prüfen, ob in Wasser Hydroxid-Ionen entstehen; Urteil formulieren.Warum so? Ein Urteil braucht ein Kriterium — hier: Entstehen in Wasser \(\ce{OH-}\)-Ionen?
Lösungsskizze: Ethanol: Hydroxygruppe kovalent an C gebunden, Lösung neutral; \(\ce{NaOH}\): Ionenverbindung aus \(\ce{Na+}\) und \(\ce{OH-}\) → alkalisch. Aussage falsch.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Aussage ist falsch. Natriumhydroxid ist eine Ionenverbindung; beim Lösen werden Hydroxid-Ionen \(\ce{OH-}\) frei, die Lösung ist alkalisch.

Im Ethanol ist die Hydroxygruppe \(\ce{-OH}\) dagegen über eine Elektronenpaarbindung fest an ein C-Atom gebunden. Sie wird in Wasser nicht als \(\ce{OH-}\) abgespalten; eine Ethanol-Lösung ist neutral (Indikator-Test). Die gleiche Schreibweise „OH“ bedeutet also zwei verschiedene Teilchen: eine funktionelle Gruppe bzw. ein Ion. Richtig wäre: „Ethanol ist ein Alkanol; seine Hydroxygruppe macht es polar und wasserlöslich, aber nicht alkalisch.“

A2
Drei Stoffe, drei Welten
AFB III

Propan (\(44{,}10\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\), \(-42\,{}^\circ\mathrm{C}\)), Ethanol (\(46{,}07\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\), \(78\,{}^\circ\mathrm{C}\)) und Chlorethan (\(64{,}51\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\), \(12\,{}^\circ\mathrm{C}\)) haben ähnliche molare Massen. Erklären Sie die Reihenfolge der Siedetemperaturen.

Hinweis: Überlegen Sie für jeden Stoff, welche zwischenmolekularen Kräfte zusätzlich zu den Van-der-Waals-Kräften wirken.

Strategie: Für jeden Stoff Bindungspolarität und O–H-Gruppe prüfen; die Kräfte nach Stärke ordnen; mit den Siedetemperaturen verknüpfen.Warum so? „Erklären“ heißt, eine Beobachtung auf Ursachen zurückzuführen — hier auf die Art der Anziehung zwischen den Molekülen.
Lösungsskizze: Propan: nur VdW; Chlorethan: VdW + Dipol-Dipol (polare C–Cl, mehr Elektronen); Ethanol: VdW + Wasserstoffbrücken (O–H).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Propan ist unpolar; zwischen seinen Molekülen wirken nur schwache Van-der-Waals-Kräfte — es siedet bei \(-42\,{}^\circ\mathrm{C}\).

Chlorethan hat eine polare C–Cl-Bindung (Dipol-Dipol-Kräfte) und durch das große Cl-Atom mehr Elektronen (stärkere Van-der-Waals-Kräfte); es siedet deutlich höher (\(12\,{}^\circ\mathrm{C}\)).

Ethanol besitzt eine O–H-Gruppe und bildet Wasserstoffbrücken zwischen den Molekülen aus — die stärksten zwischenmolekularen Kräfte der drei Stoffe. Obwohl es leichter ist als Chlorethan, siedet es am höchsten (\(78\,{}^\circ\mathrm{C}\)). Fazit: Nicht die Masse, sondern die Art der Anziehung entscheidet.

A3
Zwei Butendisäuren, eine Butandisäure
AFB III

Es gibt zwei verschiedene Butendisäuren \(\ce{HOOC-CH=CH-COOH}\) mit unterschiedlichen Schmelztemperaturen (Maleinsäure \(\approx135\,{}^\circ\mathrm{C}\), Fumarsäure \(\approx287\,{}^\circ\mathrm{C}\)), aber nur eine Butandisäure \(\ce{HOOC-CH2-CH2-COOH}\). Erläutern Sie diesen Befund.

Hinweis: Vergleichen Sie die Drehbarkeit der mittleren C–C-Bindung in beiden Molekülen.

Strategie: cis-trans-Begriff anwenden: Voraussetzungen (Starre, zwei verschiedene Substituenten je C-Atom) an beiden Stoffen prüfen.Warum so? „Erläutern“ verlangt, den Befund mit Fachbegriffen und Beispielen nachvollziehbar darzustellen.
Lösungsskizze: C=C starr → cis/trans = zwei Stoffe; jedes C trägt H und COOH; C–C in Butandisäure frei drehbar → nur Konformationen eines Stoffes.
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Musterlösung: Um die C=C-Doppelbindung der Butendisäure ist keine Drehung möglich; dafür müsste eine der beiden Bindungen gebrochen werden. Jedes der beiden C-Atome trägt zwei verschiedene Substituenten (H und COOH). Daher gibt es zwei Anordnungen: beide COOH-Gruppen auf derselben Seite (cis, Maleinsäure) oder gegenüber (trans, Fumarsäure). Es sind zwei verschiedene Stoffe mit eigenen Eigenschaften, z. B. Schmelztemperaturen.

In der Butandisäure sind die mittleren C-Atome einfach verbunden. Die Molekülhälften drehen sich ständig gegeneinander; jede Stellung geht in jede andere über. Es gibt deshalb nur einen Stoff.

CCHCOOHHCOOHCCHCOOHHCOOHcis (Maleinsäure)trans (Fumarsäure)
cis- und trans-Butendisäure
A4
Welche Flasche enthält das Alken?
AFB III

Zwei unbeschriftete Flaschen enthalten farblose Flüssigkeiten der Summenformel \(\ce{C5H10}\): Cyclopentan und Pent-1-en. Planen Sie ein Experiment, mit dem Sie die Stoffe eindeutig zuordnen, und geben Sie die erwarteten Beobachtungen mit Reaktionsgleichung an.

Hinweis: Die Summenformel hilft nicht — einer der Stoffe ist gesättigt, obwohl er zwei H-Atome „zu wenig“ hat.

Strategie: Nachweisreaktion für C=C wählen; Durchführung mit Sicherheitsaspekten (Abzug, kein helles Licht); Erwartung für beide Proben; Gleichung für das Alken.Warum so? Beim Planen muss klar sein, welches Ergebnis welche Zuordnung bedeutet — sonst ist der Versuch nicht aussagekräftig.
Lösungsskizze: Bromwasserprobe im Abzug, ohne helles Licht: Pent-1-en entfärbt rasch (Addition → 1,2-Dibrompentan); Cyclopentan: Farbe bleibt, obere Phase orange.
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Musterlösung: Je etwa \(1\,\mathrm{mL}\) beider Flüssigkeiten wird im Abzug in ein Reagenzglas gegeben, mit einigen Tropfen Bromwasser versetzt und geschüttelt — ohne helles Licht, damit keine langsame Substitution stört.

Pent-1-en entfärbt das Bromwasser sofort, denn Brom wird an die C=C-Doppelbindung addiert: \(\ce{CH2=CH-C3H7 + Br2}\) \(\ce{-> CH2Br-CHBr-C3H7}\) (1,2-Dibrompentan, farblos). Cyclopentan ist ein gesättigter Ring (das Fehlen zweier H-Atome liegt am Ringschluss): Das Brom bleibt erhalten und wandert in die obere, organische Phase, die orange gefärbt ist.

A5
Ist die Veresterung eine Substitution?
AFB III

Eine Mitschülerin argumentiert: „Bei der Veresterung wird die OH-Gruppe der Carbonsäure durch die O–R-Gruppe des Alkohols ersetzt. Also ist sie eine Substitution und keine Kondensation.“ Nehmen Sie zu dieser Aussage Stellung.

Hinweis: Betrachten Sie die Reaktion einmal aus Sicht eines Moleküls und einmal als Bilanz aller Moleküle.

Strategie: Argument prüfen (formal richtig an der Säure); Kriterien beider Typen gegenüberstellen; Gesamtbilanz 2 → 1 + H₂O; abgewogenes Fazit.Warum so? Bei einer Stellungnahme werden Argumente und Gegenargumente gewichtet und in einem begründeten Urteil zusammengeführt.
Lösungsskizze: Formal: –OH gegen –OR getauscht (Substitution am C-Atom der Säure). Aber: zwei organische Moleküle werden verknüpft, kleines Molekül H₂O abgespalten → Kondensation beschreibt das Ergebnis besser.
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Musterlösung: Die Beobachtung ist richtig: Am C-Atom der Carboxygruppe wird die OH-Gruppe gegen die O–R-Gruppe des Alkohols ausgetauscht; betrachtet man nur dieses Atom, sieht die Reaktion wie eine Substitution aus.

Der Begriff Kondensation beschreibt die Gesamtreaktion aber treffender: Zwei organische Moleküle (Säure und Alkohol) werden zu einem größeren Molekül verknüpft, und dabei wird ein kleines Molekül — Wasser — abgespalten (\(2\to1+1\)). Genau dieses Merkmal ist für Polykondensationen, z. B. bei Polyestern, entscheidend. Fazit: Die Veresterung lässt sich als Substitution an der Carboxygruppe deuten; als Reaktionstyp der Gesamtreaktion ist „Kondensation“ die übliche und aussagekräftigere Einordnung.

A6
Entfärbung heißt nicht immer Doppelbindung
AFB III

Ein Schüler gibt Brom zu Heptan und stellt das Glas auf die sonnige Fensterbank. Nach einigen Minuten ist die Lösung entfärbt; ein feuchtes Indikatorpapier über der Öffnung färbt sich rot. Er folgert: „Heptan enthält eine C=C-Doppelbindung.“ Beurteilen Sie die Folgerung und formulieren Sie den Mechanismus der ablaufenden Reaktion mit Start-, Ketten- und Abbruchschritten.

Hinweis: Welche Rolle spielen das Sonnenlicht, die Zeit bis zur Entfärbung und das rote Indikatorpapier?

Strategie: Beobachtungen einzeln auswerten (Licht, langsam, saures Gas); Reaktionstyp bestimmen; Mechanismus mit \(\ce{Br^.}\) und Heptylradikal \(\ce{C7H15^.}\) aufschreiben.Warum so? Beim Beurteilen wird eine Schlussfolgerung an allen Befunden geprüft — ein einziger passender Befund reicht nicht.
Lösungsskizze: Licht + langsam + \(\ce{HBr}\) → radikalische Substitution, keine Addition. Start \(\ce{Br2 -> 2 Br^.}\); Kette \(\ce{Br^. + C7H16}\) \(\ce{-> HBr + C7H15^.}\), \(\ce{C7H15^. + Br2}\) \(\ce{-> C7H15Br + Br^.}\); Abbruch zwei Radikale.
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Musterlösung: Die Folgerung ist falsch. Die Entfärbung erfolgt nur im Licht und langsam; das rote Indikatorpapier zeigt Bromwasserstoff \(\ce{HBr}\) an. Bei einer Addition entstünde kein \(\ce{HBr}\). Es läuft eine radikalische Substitution ab: \(\ce{C7H16 + Br2}\) \(\ce{->[Licht] C7H15Br + HBr}\).

Start: \(\ce{Br2 ->[Licht] 2 Br^.}\) (Homolyse). Kette: \(\ce{Br^. + C7H16}\) \(\ce{-> HBr + C7H15^.}\); \(\ce{C7H15^. + Br2}\) \(\ce{-> C7H15Br + Br^.}\). Abbruch z. B.: \(\ce{Br^. + Br^. -> Br2}\), \(\ce{C7H15^. + Br^.}\) \(\ce{-> C7H15Br}\), \(\ce{2 C7H15^. -> C14H30}\).

Die Bromwasserprobe auf Doppelbindungen muss deshalb ohne helles Licht durchgeführt werden und gilt nur bei rascher Entfärbung.

A7
Mehr Schwefelsäure, mehr Ester?
AFB III

Um bei der Herstellung von Ethansäureethylester mehr Produkt zu erhalten, schlägt eine Gruppe vor, die doppelte Menge konzentrierte Schwefelsäure einzusetzen. Bewerten Sie den Vorschlag und entwickeln Sie zwei wirksame Alternativen.

Hinweis: Unterscheiden Sie zwischen der Geschwindigkeit, mit der sich das Gleichgewicht einstellt, und seiner Lage (Kapitel 2).

Strategie: Rolle der Schwefelsäure als Katalysator klären; Prinzip von Le Chatelier auf Säure + Alkohol ⇌ Ester + Wasser anwenden.Warum so? Beim Bewerten werden Maßnahmen an einem Ziel — hier der Ausbeute — gemessen.
Lösungsskizze: Katalysator: nur schnellere Gleichgewichtseinstellung, gleiche Lage. Alternativen: Edukt im Überschuss (billiges Ethanol), Produkt entfernen (Ester abdestillieren oder Wasser binden).
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Musterlösung: Konzentrierte Schwefelsäure wirkt als Katalysator: Sie senkt die Aktivierungsenergie von Hin- und Rückreaktion gleichermaßen. Das Gleichgewicht stellt sich schneller ein, seine Lage — und damit die Ausbeute im Gleichgewicht — ändert sich dadurch nicht. Der Vorschlag ist deshalb für das Ziel kaum wirksam (die wasserbindende Wirkung konzentrierter Schwefelsäure hilft nur wenig und macht die Aufarbeitung aufwendiger).

Wirksam nach Le Chatelier: (1) ein Edukt im Überschuss einsetzen, z. B. das günstigere Ethanol — das Gleichgewicht verschiebt sich zum Ester; (2) ein Produkt ständig entfernen, z. B. den leicht flüchtigen Ester (\(77\,{}^\circ\mathrm{C}\)) abdestillieren oder das Wasser abtrennen — das System bildet Produkt nach.

A8
Statistik gegen Messung
AFB III

Bei der Chlorierung von 2-Methylpropan im Licht (\(25\,{}^\circ\mathrm{C}\)) entstehen rund \(64\,\%\) 1-Chlor-2-methylpropan und \(36\,\%\) 2-Chlor-2-methylpropan. Deuten Sie dieses Ergebnis, indem Sie es mit der Erwartung nach dem statistischen Modell vergleichen.

Hinweis: Zählen Sie die H-Atome, die zu jedem Produkt führen (Abbildung), und vergleichen Sie „pro H-Atom“.

Strategie: Statistische Erwartung aus 9 : 1 berechnen; Messung pro H-Atom umrechnen; Unterschied als unterschiedliche Reaktivität deuten; Konsequenz für die Praxis.Warum so? Beim Deuten wird ein Befund in einen Erklärungszusammenhang gestellt — hier: Konkurrenz zweier Kettenschritte mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.
Lösungsskizze: Statistisch 90 % : 10 %; gemessen 64 : 36; pro H: \(64/9\approx7{,}1\) vs. \(36/1=36\) → tertiäres H etwa 5-mal reaktiver; Ergebnis: Gemisch, Hauptprodukt trotzdem 1-Chlor-2-methylpropan.
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Musterlösung: 2-Methylpropan hat neun gleichwertige H-Atome an den drei Methylgruppen und ein H-Atom am mittleren (tertiären) C-Atom. Wäre jedes H gleich reaktiv, entstünden \(90\,\%\) 1-Chlor-2-methylpropan und \(10\,\%\) 2-Chlor-2-methylpropan.

Gemessen werden aber \(36\,\%\) des tertiären Produkts. Pro H-Atom gerechnet: \(36\,\%:1=36\,\%\) gegenüber \(64\,\%:9\approx7{,}1\,\%\). Das tertiäre H-Atom wird also etwa fünfmal so schnell durch ein Chlorradikal abgespalten. Die Kettenschritte an den verschiedenen H-Atomen konkurrieren miteinander; wie viel von welchem Produkt entsteht, hängt von der Anzahl und der Reaktivität der H-Atome ab. Weil beide Produkte entstehen, muss das Gemisch anschließend getrennt werden.

CHH₃CCH₃CH₃9 H (blau) · 1 H (orange)
2-Methylpropan: 9 H außen, 1 H am mittleren C-Atom
A9
Kekulé auf dem Prüfstand
AFB III

August Kekulé schlug 1865 für Benzol einen Sechsring mit abwechselnden Einfach- und Doppelbindungen vor. Erläutern Sie drei experimentelle Befunde, die dieser Formel widersprechen, und beschreiben Sie das heutige Bindungsmodell.

Hinweis: Denken Sie an Bromwasser, an die Zahl der Dibrombenzole und an Messungen am Molekül.

Strategie: Je Befund: Erwartung nach Kekulé → tatsächliche Beobachtung. Danach Modell: delokalisierte Elektronen, Grenzformeln, Symbol.Warum so? Ein Modell muss sich an Experimenten bewähren; ein einziger unerklärter Befund reicht, um es zu verwerfen.
Lösungsskizze: Keine Entfärbung von Bromwasser (keine Addition, sondern Substitution mit Katalysator); nur ein 1,2-Dibrombenzol; alle C–C-Bindungen 139 pm. Modell: sechs delokalisierte Elektronen, ebenes Sechseck, Kreis im Ring.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: (1) Mit drei C=C-Doppelbindungen müsste Benzol Bromwasser rasch entfärben; es tut es nicht. Mit Brom reagiert es nur mit Katalysator und durch Substitution: \(\ce{C6H6 + Br2}\) \(\ce{->[FeBr3] C6H5Br + HBr}\). (2) Nach Kekulé müsste es zwei 1,2-Dibrombenzole geben (Br-Atome an einer Einfach- bzw. an einer Doppelbindung); man findet nur eines. (3) Alle sechs C–C-Bindungen sind gleich lang (\(139\,\mathrm{pm}\)), zwischen Einfach- (\(154\,\mathrm{pm}\)) und Doppelbindung (\(134\,\mathrm{pm}\)).

Heutiges Modell: Benzol ist ein ebenes, regelmäßiges Sechseck (Winkel 120°). Die sechs Elektronen der drei „Doppelbindungen“ sind über den ganzen Ring delokalisiert. Die beiden Kekulé-Formeln sind nur Grenzformeln (verbunden durch ↔), die zusammen den einen wirklichen Zustand beschreiben; als Symbol dient das Sechseck mit Kreis.

A10
In drei Schritten zum Propan-2-ol
AFB III

Aus Propan soll im Labor Propan-2-ol \(\ce{CH3-CH(OH)-CH3}\) hergestellt werden. Zur Verfügung stehen Brom, Kalilauge in Ethanol, Wasser und Schwefelsäure als Katalysator. Entwickeln Sie einen Syntheseweg in drei Schritten; geben Sie jeweils die Reaktionsgleichung, den Reaktionstyp und mögliche Nebenprodukte an.

Hinweis: Der Weg führt über ein Bromalkan und ein Alken.

Strategie: Rückwärts denken: Propan-2-ol ← Addition von Wasser an Propen ← Eliminierung aus 2-Brompropan ← Substitution am Propan.Warum so? Beim Entwickeln einer Synthese verknüpft man bekannte Reaktionstypen so, dass jedes Produkt Edukt des nächsten Schrittes ist.
Lösungsskizze: (1) Propan + \(\ce{Br2}\) (Licht) → 2-Brompropan + HBr, Substitution, Nebenprodukt 1-Brompropan; (2) 2-Brompropan → Propen + HBr, Eliminierung; (3) Propen + \(\ce{H2O}\) → Propan-2-ol, Addition, Nebenprodukt Propan-1-ol.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: (1) Radikalische Substitution im Licht: \(\ce{CH3-CH2-CH3 + Br2}\) \(\ce{->[Licht] CH3-CHBr-CH3 + HBr}\). Nebenprodukte: 1-Brompropan (Konkurrenz der H-Atome) und mehrfach bromierte Propane; das Gemisch wird destillativ getrennt.

(2) Eliminierung durch Erhitzen mit Kalilauge in Ethanol: \(\ce{CH3-CHBr-CH3}\) \(\ce{-> CH2=CH-CH3 + HBr}\) (\(\ce{HBr}\) wird von der Lauge gebunden). Konkurrierend kann Br gegen OH ausgetauscht werden — dann entsteht direkt etwas Propan-2-ol.

(3) Addition von Wasser mit Schwefelsäure als Katalysator: \(\ce{CH2=CH-CH3 + H2O}\) \(\ce{->[H2SO4] CH3-CH(OH)-CH3}\). Nebenprodukt in geringer Menge: Propan-1-ol. Der Weg kombiniert drei Reaktionstypen: Substitution → Eliminierung → Addition.