Aufgabenblock — AFB III
Beurteilen, erklären, planen, Stellung nehmen: Formulieren Sie Ihre Antwort zuerst selbst, bevor Sie die Musterlösung aufklappen.
In einem Schülerprotokoll steht: „Ethanol \(\ce{C2H5OH}\) enthält eine OH-Gruppe und müsste deshalb wie Natronlauge alkalisch reagieren.“ Beurteilen Sie diese Aussage.
Hinweis: Vergleichen Sie die Bindung der OH-Gruppe im Ethanol mit dem Hydroxid-Ion in Natriumhydroxid.
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Musterlösung: Die Aussage ist falsch. Natriumhydroxid ist eine Ionenverbindung; beim Lösen werden Hydroxid-Ionen \(\ce{OH-}\) frei, die Lösung ist alkalisch.
Im Ethanol ist die Hydroxygruppe \(\ce{-OH}\) dagegen über eine Elektronenpaarbindung fest an ein C-Atom gebunden. Sie wird in Wasser nicht als \(\ce{OH-}\) abgespalten; eine Ethanol-Lösung ist neutral (Indikator-Test). Die gleiche Schreibweise „OH“ bedeutet also zwei verschiedene Teilchen: eine funktionelle Gruppe bzw. ein Ion. Richtig wäre: „Ethanol ist ein Alkanol; seine Hydroxygruppe macht es polar und wasserlöslich, aber nicht alkalisch.“
Propan (\(44{,}10\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\), \(-42\,{}^\circ\mathrm{C}\)), Ethanol (\(46{,}07\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\), \(78\,{}^\circ\mathrm{C}\)) und Chlorethan (\(64{,}51\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\), \(12\,{}^\circ\mathrm{C}\)) haben ähnliche molare Massen. Erklären Sie die Reihenfolge der Siedetemperaturen.
Hinweis: Überlegen Sie für jeden Stoff, welche zwischenmolekularen Kräfte zusätzlich zu den Van-der-Waals-Kräften wirken.
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Musterlösung: Propan ist unpolar; zwischen seinen Molekülen wirken nur schwache Van-der-Waals-Kräfte — es siedet bei \(-42\,{}^\circ\mathrm{C}\).
Chlorethan hat eine polare C–Cl-Bindung (Dipol-Dipol-Kräfte) und durch das große Cl-Atom mehr Elektronen (stärkere Van-der-Waals-Kräfte); es siedet deutlich höher (\(12\,{}^\circ\mathrm{C}\)).
Ethanol besitzt eine O–H-Gruppe und bildet Wasserstoffbrücken zwischen den Molekülen aus — die stärksten zwischenmolekularen Kräfte der drei Stoffe. Obwohl es leichter ist als Chlorethan, siedet es am höchsten (\(78\,{}^\circ\mathrm{C}\)). Fazit: Nicht die Masse, sondern die Art der Anziehung entscheidet.
Es gibt zwei verschiedene Butendisäuren \(\ce{HOOC-CH=CH-COOH}\) mit unterschiedlichen Schmelztemperaturen (Maleinsäure \(\approx135\,{}^\circ\mathrm{C}\), Fumarsäure \(\approx287\,{}^\circ\mathrm{C}\)), aber nur eine Butandisäure \(\ce{HOOC-CH2-CH2-COOH}\). Erläutern Sie diesen Befund.
Hinweis: Vergleichen Sie die Drehbarkeit der mittleren C–C-Bindung in beiden Molekülen.
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Musterlösung: Um die C=C-Doppelbindung der Butendisäure ist keine Drehung möglich; dafür müsste eine der beiden Bindungen gebrochen werden. Jedes der beiden C-Atome trägt zwei verschiedene Substituenten (H und COOH). Daher gibt es zwei Anordnungen: beide COOH-Gruppen auf derselben Seite (cis, Maleinsäure) oder gegenüber (trans, Fumarsäure). Es sind zwei verschiedene Stoffe mit eigenen Eigenschaften, z. B. Schmelztemperaturen.
In der Butandisäure sind die mittleren C-Atome einfach verbunden. Die Molekülhälften drehen sich ständig gegeneinander; jede Stellung geht in jede andere über. Es gibt deshalb nur einen Stoff.
Zwei unbeschriftete Flaschen enthalten farblose Flüssigkeiten der Summenformel \(\ce{C5H10}\): Cyclopentan und Pent-1-en. Planen Sie ein Experiment, mit dem Sie die Stoffe eindeutig zuordnen, und geben Sie die erwarteten Beobachtungen mit Reaktionsgleichung an.
Hinweis: Die Summenformel hilft nicht — einer der Stoffe ist gesättigt, obwohl er zwei H-Atome „zu wenig“ hat.
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Musterlösung: Je etwa \(1\,\mathrm{mL}\) beider Flüssigkeiten wird im Abzug in ein Reagenzglas gegeben, mit einigen Tropfen Bromwasser versetzt und geschüttelt — ohne helles Licht, damit keine langsame Substitution stört.
Pent-1-en entfärbt das Bromwasser sofort, denn Brom wird an die C=C-Doppelbindung addiert: \(\ce{CH2=CH-C3H7 + Br2}\) \(\ce{-> CH2Br-CHBr-C3H7}\) (1,2-Dibrompentan, farblos). Cyclopentan ist ein gesättigter Ring (das Fehlen zweier H-Atome liegt am Ringschluss): Das Brom bleibt erhalten und wandert in die obere, organische Phase, die orange gefärbt ist.
Eine Mitschülerin argumentiert: „Bei der Veresterung wird die OH-Gruppe der Carbonsäure durch die O–R-Gruppe des Alkohols ersetzt. Also ist sie eine Substitution und keine Kondensation.“ Nehmen Sie zu dieser Aussage Stellung.
Hinweis: Betrachten Sie die Reaktion einmal aus Sicht eines Moleküls und einmal als Bilanz aller Moleküle.
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Musterlösung: Die Beobachtung ist richtig: Am C-Atom der Carboxygruppe wird die OH-Gruppe gegen die O–R-Gruppe des Alkohols ausgetauscht; betrachtet man nur dieses Atom, sieht die Reaktion wie eine Substitution aus.
Der Begriff Kondensation beschreibt die Gesamtreaktion aber treffender: Zwei organische Moleküle (Säure und Alkohol) werden zu einem größeren Molekül verknüpft, und dabei wird ein kleines Molekül — Wasser — abgespalten (\(2\to1+1\)). Genau dieses Merkmal ist für Polykondensationen, z. B. bei Polyestern, entscheidend. Fazit: Die Veresterung lässt sich als Substitution an der Carboxygruppe deuten; als Reaktionstyp der Gesamtreaktion ist „Kondensation“ die übliche und aussagekräftigere Einordnung.
Ein Schüler gibt Brom zu Heptan und stellt das Glas auf die sonnige Fensterbank. Nach einigen Minuten ist die Lösung entfärbt; ein feuchtes Indikatorpapier über der Öffnung färbt sich rot. Er folgert: „Heptan enthält eine C=C-Doppelbindung.“ Beurteilen Sie die Folgerung und formulieren Sie den Mechanismus der ablaufenden Reaktion mit Start-, Ketten- und Abbruchschritten.
Hinweis: Welche Rolle spielen das Sonnenlicht, die Zeit bis zur Entfärbung und das rote Indikatorpapier?
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Musterlösung: Die Folgerung ist falsch. Die Entfärbung erfolgt nur im Licht und langsam; das rote Indikatorpapier zeigt Bromwasserstoff \(\ce{HBr}\) an. Bei einer Addition entstünde kein \(\ce{HBr}\). Es läuft eine radikalische Substitution ab: \(\ce{C7H16 + Br2}\) \(\ce{->[Licht] C7H15Br + HBr}\).
Start: \(\ce{Br2 ->[Licht] 2 Br^.}\) (Homolyse). Kette: \(\ce{Br^. + C7H16}\) \(\ce{-> HBr + C7H15^.}\); \(\ce{C7H15^. + Br2}\) \(\ce{-> C7H15Br + Br^.}\). Abbruch z. B.: \(\ce{Br^. + Br^. -> Br2}\), \(\ce{C7H15^. + Br^.}\) \(\ce{-> C7H15Br}\), \(\ce{2 C7H15^. -> C14H30}\).
Die Bromwasserprobe auf Doppelbindungen muss deshalb ohne helles Licht durchgeführt werden und gilt nur bei rascher Entfärbung.
Um bei der Herstellung von Ethansäureethylester mehr Produkt zu erhalten, schlägt eine Gruppe vor, die doppelte Menge konzentrierte Schwefelsäure einzusetzen. Bewerten Sie den Vorschlag und entwickeln Sie zwei wirksame Alternativen.
Hinweis: Unterscheiden Sie zwischen der Geschwindigkeit, mit der sich das Gleichgewicht einstellt, und seiner Lage (Kapitel 2).
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Musterlösung: Konzentrierte Schwefelsäure wirkt als Katalysator: Sie senkt die Aktivierungsenergie von Hin- und Rückreaktion gleichermaßen. Das Gleichgewicht stellt sich schneller ein, seine Lage — und damit die Ausbeute im Gleichgewicht — ändert sich dadurch nicht. Der Vorschlag ist deshalb für das Ziel kaum wirksam (die wasserbindende Wirkung konzentrierter Schwefelsäure hilft nur wenig und macht die Aufarbeitung aufwendiger).
Wirksam nach Le Chatelier: (1) ein Edukt im Überschuss einsetzen, z. B. das günstigere Ethanol — das Gleichgewicht verschiebt sich zum Ester; (2) ein Produkt ständig entfernen, z. B. den leicht flüchtigen Ester (\(77\,{}^\circ\mathrm{C}\)) abdestillieren oder das Wasser abtrennen — das System bildet Produkt nach.
Bei der Chlorierung von 2-Methylpropan im Licht (\(25\,{}^\circ\mathrm{C}\)) entstehen rund \(64\,\%\) 1-Chlor-2-methylpropan und \(36\,\%\) 2-Chlor-2-methylpropan. Deuten Sie dieses Ergebnis, indem Sie es mit der Erwartung nach dem statistischen Modell vergleichen.
Hinweis: Zählen Sie die H-Atome, die zu jedem Produkt führen (Abbildung), und vergleichen Sie „pro H-Atom“.
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Musterlösung: 2-Methylpropan hat neun gleichwertige H-Atome an den drei Methylgruppen und ein H-Atom am mittleren (tertiären) C-Atom. Wäre jedes H gleich reaktiv, entstünden \(90\,\%\) 1-Chlor-2-methylpropan und \(10\,\%\) 2-Chlor-2-methylpropan.
Gemessen werden aber \(36\,\%\) des tertiären Produkts. Pro H-Atom gerechnet: \(36\,\%:1=36\,\%\) gegenüber \(64\,\%:9\approx7{,}1\,\%\). Das tertiäre H-Atom wird also etwa fünfmal so schnell durch ein Chlorradikal abgespalten. Die Kettenschritte an den verschiedenen H-Atomen konkurrieren miteinander; wie viel von welchem Produkt entsteht, hängt von der Anzahl und der Reaktivität der H-Atome ab. Weil beide Produkte entstehen, muss das Gemisch anschließend getrennt werden.
August Kekulé schlug 1865 für Benzol einen Sechsring mit abwechselnden Einfach- und Doppelbindungen vor. Erläutern Sie drei experimentelle Befunde, die dieser Formel widersprechen, und beschreiben Sie das heutige Bindungsmodell.
Hinweis: Denken Sie an Bromwasser, an die Zahl der Dibrombenzole und an Messungen am Molekül.
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Musterlösung: (1) Mit drei C=C-Doppelbindungen müsste Benzol Bromwasser rasch entfärben; es tut es nicht. Mit Brom reagiert es nur mit Katalysator und durch Substitution: \(\ce{C6H6 + Br2}\) \(\ce{->[FeBr3] C6H5Br + HBr}\). (2) Nach Kekulé müsste es zwei 1,2-Dibrombenzole geben (Br-Atome an einer Einfach- bzw. an einer Doppelbindung); man findet nur eines. (3) Alle sechs C–C-Bindungen sind gleich lang (\(139\,\mathrm{pm}\)), zwischen Einfach- (\(154\,\mathrm{pm}\)) und Doppelbindung (\(134\,\mathrm{pm}\)).
Heutiges Modell: Benzol ist ein ebenes, regelmäßiges Sechseck (Winkel 120°). Die sechs Elektronen der drei „Doppelbindungen“ sind über den ganzen Ring delokalisiert. Die beiden Kekulé-Formeln sind nur Grenzformeln (verbunden durch ↔), die zusammen den einen wirklichen Zustand beschreiben; als Symbol dient das Sechseck mit Kreis.
Aus Propan soll im Labor Propan-2-ol \(\ce{CH3-CH(OH)-CH3}\) hergestellt werden. Zur Verfügung stehen Brom, Kalilauge in Ethanol, Wasser und Schwefelsäure als Katalysator. Entwickeln Sie einen Syntheseweg in drei Schritten; geben Sie jeweils die Reaktionsgleichung, den Reaktionstyp und mögliche Nebenprodukte an.
Hinweis: Der Weg führt über ein Bromalkan und ein Alken.
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Musterlösung: (1) Radikalische Substitution im Licht: \(\ce{CH3-CH2-CH3 + Br2}\) \(\ce{->[Licht] CH3-CHBr-CH3 + HBr}\). Nebenprodukte: 1-Brompropan (Konkurrenz der H-Atome) und mehrfach bromierte Propane; das Gemisch wird destillativ getrennt.
(2) Eliminierung durch Erhitzen mit Kalilauge in Ethanol: \(\ce{CH3-CHBr-CH3}\) \(\ce{-> CH2=CH-CH3 + HBr}\) (\(\ce{HBr}\) wird von der Lauge gebunden). Konkurrierend kann Br gegen OH ausgetauscht werden — dann entsteht direkt etwas Propan-2-ol.
(3) Addition von Wasser mit Schwefelsäure als Katalysator: \(\ce{CH2=CH-CH3 + H2O}\) \(\ce{->[H2SO4] CH3-CH(OH)-CH3}\). Nebenprodukt in geringer Menge: Propan-1-ol. Der Weg kombiniert drei Reaktionstypen: Substitution → Eliminierung → Addition.
