Hier sind die 12 häufigsten Fehler aus Klausuren zu Kunststoffen und Naturstoffen — von der Vernetzung bis zur Fehling-Probe. Lies sie durch: Wer einen Fehler kennt, macht ihn seltener.
Die 12 häufigsten Fehler
1Weich mit gummielastisch verwechselt
So wird oft geschrieben: „Die PE-LD-Folie ist weich und dehnbar, also ist sie ein Elastomer.“
Richtig ist: Über die Klasse entscheidet die Vernetzung. PE-LD-Ketten sind unvernetzt (weich wegen der Verzweigungen) — ein Thermoplast, der schmilzt. Elastomere sind weitmaschig vernetzt, springen nach dem Dehnen zurück und schmelzen nicht.
Merksatz: Erst nach der Vernetzung fragen, dann nach dem Gefühl.2Duroplaste sollen schmelzen
So wird oft geschrieben: „Beim Erhitzen schmilzt der Duroplast bei sehr hoher Temperatur.“
Richtig ist: Duroplaste werden nie flüssig: Ihre Ketten sind engmaschig durch Atombindungen verknüpft. Bei starker Hitze brechen Atombindungen — der Stoff zersetzt sich und verkohlt.
Merksatz: Nur unvernetzte Ketten können aneinander vorbeigleiten.3Doppelbindung in der Repetiereinheit
So wird oft geschrieben: Repetiereinheit von PTFE: \(\ce{[-CF2=CF2\bond{-}]_{n}}\)
Richtig ist: Bei der Polymerisation wird die C=C-Doppelbindung zur Einfachbindung; ihr zweites Elektronenpaar bildet die Bindung zum nächsten Monomer: \(\ce{[-CF2-CF2\bond{-}]_{n}}\). Jedes C-Atom hat so wieder vier Bindungen.
Merksatz: Polymerisat: Seitengruppen wie im Monomer, Kette nur mit Einfachbindungen.4Gleicher Baustein, gleiche Eigenschaften?
So wird oft geschrieben: „Stärke und Cellulose bestehen beide aus Glucose, also kann der Mensch auch Cellulose verdauen und Iod färbt beide blau.“
Richtig ist: Stärke (Amylose) ist α-1,4-verknüpft und windet sich zur Helix; Cellulose ist β-1,4-verknüpft, gestreckt und über H-Brücken zu Fasern gebündelt. Unsere Enzyme spalten nur α-1,4-Bindungen; Iod lagert sich nur in die Helix ein.
Merksatz: Nicht der Baustein, die Verknüpfung entscheidet.5Monofunktionelle Monomere
So wird oft geschrieben: „Aus Ethansäure und Ethanol entsteht durch Polykondensation ein Polyester.“
Richtig ist: Beide Moleküle haben nur eine funktionelle Gruppe; nach einer Veresterung sind beide Enden verbraucht — es entsteht nur ein kleiner Ester. Für Ketten braucht jedes Monomer zwei Gruppen (Diol + Disäure, Diamin + Disäure oder eine Hydroxy-/Aminocarbonsäure).
Merksatz: Polykondensation: bifunktionelle Monomere, sonst Kettenabbruch.6Klasse aus der Bildungsreaktion geschlossen
So wird oft geschrieben: „PA 6.10 ist ein Polykondensat, also ein Duroplast.“
Richtig ist: Bildungsreaktion und Klasse sind unabhängig. Polykondensate können Thermoplaste (PET, Polyamide), Elastomere (Silikonkautschuk) oder Duroplaste (Phenol-, Harnstoffharz) sein. Die Klasse folgt allein aus der Vernetzung.
Merksatz: Zwei getrennte Fragen: Wie gebildet? Wie vernetzt?7Verbrennen als Recycling
So wird oft geschrieben: „Unser Kunststoffabfall wird zu fast 100 % recycelt — er wird ja verwertet.“
Richtig ist: „Verwertung“ umfasst auch die energetische Verwertung (Verbrennung), 2023 in Deutschland 61,1 %. Dabei wird nur die Wärme genutzt, der Kohlenstoff entweicht als \(\ce{CO2}\). Recycling im engeren Sinn ist nur die stoffliche Verwertung (werkstofflich, rohstofflich).
Merksatz: Stofflich hält den Kohlenstoff im Kreislauf, energetisch nicht.8Zwitterion als geladenes Ion
So wird oft geschrieben: „Im Zwitterion ist die Aminosäure positiv geladen, darum wandert sie im elektrischen Feld zum Minuspol.“
Richtig ist: Das Zwitterion \(\ce{H3N^+-CHR-COO^-}\) trägt eine positive und eine negative Ladung — insgesamt ist es ungeladen und wandert nicht. Erst in saurer Lösung entsteht ein Kation, in basischer ein Anion.
Merksatz: Zwei Ladungen, Summe null.9Peptide ohne Richtung
So wird oft geschrieben: „Val-Thr und Thr-Val sind dasselbe Dipeptid, es sind ja dieselben Bausteine.“
Richtig ist: Die Peptidbindung verbindet die Carboxygruppe der ersten mit der Aminogruppe der zweiten Aminosäure. Val-Thr hat die freie Aminogruppe am Valin, Thr-Val am Threonin — verschiedene Stoffe. Sequenzen werden stets vom N- zum C-Terminus geschrieben.
Merksatz: Die Primärstruktur hat eine Leserichtung.10Fett und Fettsäure verwechselt
So wird oft geschrieben: „Fette sind sauer, weil sie Carboxygruppen enthalten.“
Richtig ist: Im Fett sind alle drei Carboxygruppen der Fettsäuren mit dem Glycerin verestert — ein Fettmolekül hat keine freie Carboxygruppe und reagiert neutral. Erst die Hydrolyse (z. B. beim Ranzigwerden) setzt Fettsäuren frei.
Merksatz: Fett = Ester; Fettsäuren erst nach Hydrolyse.11α- und β-Glucose als getrennte Stoffe
So wird oft geschrieben: „α-Glucose und β-Glucose sind zwei verschiedene Zucker, die sich nicht ineinander umwandeln.“
Richtig ist: Beide sind Ringformen derselben Glucose; in Wasser öffnet sich der Ring immer wieder zur Kette und schließt sich neu — mit der OH-Gruppe an C1 unten (α) oder oben (β). Es stellt sich ein Gleichgewicht ein (36 % α, 64 % β, unter 1 % Kette).
Merksatz: α, β und Kette: ein Stoff, drei Formen im Gleichgewicht.12Jeder Zucker ist Fehling-positiv
So wird oft geschrieben: „Die Fehling-Probe ist negativ, also enthält die Lösung keinen Zucker.“
Richtig ist: Fehling zeigt nur reduzierende Zucker an — mit freier Halbacetal-Gruppe, deren Ring sich zur Aldehydgruppe öffnet. In Saccharose sind beide Halbacetal-Gruppen gebunden; eine Saccharose-Lösung bleibt blau, obwohl sie viel Zucker enthält. Erst nach Hydrolyse fällt die Probe positiv aus.
Merksatz: Negativ heißt nur: kein reduzierender Zucker.