Drei Kunststoffklassen
Kunststoffe bestehen aus Riesenmolekülen. Wie diese miteinander verknüpft sind, bestimmt ihr Verhalten beim Erhitzen.
- Makromolekül:Riesenmolekül aus Tausenden gleicher Bausteine (Monomere); der Stoff heißt Polymer.
- Thermoplaste:lange, unvernetzte Ketten, nur durch zwischenmolekulare Kräfte zusammengehalten → beim Erwärmen weich, schmelzbar, neu formbar.
- Duroplaste:Ketten engmaschig durch Atombindungen vernetzt → hart, spröde, nicht schmelzbar.
- Elastomere:Ketten weitmaschig vernetzt → gummielastisch: dehnbar, springen zurück; nicht schmelzbar.
- Zersetzung:bei starker Hitze brechen Atombindungen in den Ketten — vernetzte Kunststoffe verkohlen, statt zu schmelzen.
Kunststoffklassen: Thermoplaste (unvernetzt) schmelzen beim Erhitzen, Elastomere (weitmaschig vernetzt) und Duroplaste (engmaschig vernetzt) schmelzen nicht.
Wähle eine Probe und sage voraus, was beim Erhitzen auf 220 °C passiert. Dann mit ▶ erhitzen — zum Schluss drückt ein Stempel auf die Probe. Rechts siehst du die Ketten im Teilchenmodell. Alles geht auch mit Tab und Enter.
Halte fest: Ob ein Kunststoff schmilzt, verrät nicht sein Aussehen, sondern der Bau seiner Ketten — nur unvernetzte Ketten können aneinander vorbeigleiten.
Struktur bestimmt Eigenschaften
Auch innerhalb einer Klasse steuern Kettenbau und Anziehungskräfte die Eigenschaften.
- Kettenlänge:längere Ketten → mehr Van-der-Waals-Kräfte je Kette → fester, höhere Erweichungstemperatur.
- Verzweigung:unverzweigte Ketten lagern sich dicht und geordnet (kristallin); Seitenketten stören die Ordnung (amorph) → weicher, geringere Dichte.
- Beispiel PE:PE-HD: kaum verzweigt, \(0{,}94\text{–}0{,}97\ \mathrm{g\,cm^{-3}}\), steife Flaschen · PE-LD: stark verzweigt, \(0{,}91\text{–}0{,}93\ \mathrm{g\,cm^{-3}}\), weiche Folien.
- Polare Gruppen:z. B. C–Cl in PVC → zusätzlich Dipol-Dipol-Kräfte → härter als PE.
- Vernetzungsgrad:je dichter vernetzt, desto härter und weniger dehnbar — vom Elastomer zum Duroplast.
Allgemeine Hinweise
Weich heißt nicht Elastomer
Eine weiche PE-LD-Folie ist trotzdem ein Thermoplast. Elastomere erkennst du daran, dass sie nach dem Dehnen zurückspringen und nicht schmelzen.
Erst nach Vernetzung fragen
Zwischen den Ketten eines Thermoplasten wirken nur zwischenmolekulare Kräfte; bei Elastomeren und Duroplasten verbinden Atombindungen die Ketten.
Zersetzen ist nicht Schmelzen
Duroplaste werden beim Erhitzen nie flüssig — sie verkohlen, weil Atombindungen brechen. Einschmelzen und neu formen ist unmöglich.
