Hier sind die 12 häufigsten Fehler aus Klausuren zur Energetik — vom Vorzeichen im ersten Hauptsatz bis zum Katalysator. Lies sie durch: Wer einen Fehler kennt, macht ihn seltener.
Die 12 häufigsten Fehler
1Warm geworden = Energie aufgenommen
So wird oft gerechnet: „Die Lösung wird warm, also nimmt die Reaktion Wärme auf und ist endotherm (\(\Delta_r H>0\)).“
Richtig ist: Die Reaktion (das System) gibt Wärme an ihre Umgebung — Wasser, Glas, Thermometer — ab. Das Thermometer steigt, weil die Umgebung Energie erhält: exotherm, \(\Delta_r H<0\).
Merksatz: Das Thermometer misst die Umgebung: wird es warm, hat das System Energie abgegeben.2Vorzeichen von Q und W aus Sicht der Umgebung
So wird oft gerechnet: Ein Gas gibt \(150\,\mathrm{kJ}\) Wärme ab, an ihm werden \(20\,\mathrm{kJ}\) Arbeit verrichtet: \(\Delta U=150-20=130\,\mathrm{kJ}\).
Richtig ist: Aus Sicht des Systems: \(Q=-150\,\mathrm{kJ}\), \(W=+20\,\mathrm{kJ}\), also \(\Delta U=Q+W=-130\,\mathrm{kJ}\).
Merksatz: Immer aus dem System heraus denken: hinein = plus, hinaus = minus.3Falsche Masse in Q = c · m · ΔT
So wird oft gerechnet: Spiritusbrenner-Versuch: \(Q=4{,}19\cdot0{,}92\cdot25{,}0\,\mathrm{J}=96\,\mathrm{J}\) — mit der Masse des verbrannten Ethanols.
Richtig ist: Die Wärme nimmt das Wasser auf: \(Q=4{,}19\cdot200\cdot25{,}0\,\mathrm{J}=20\,950\,\mathrm{J}\approx21{,}0\,\mathrm{kJ}\). Die Ethanolmasse dient nur zur Stoffmenge \(n=m/M\).
Merksatz: c, m und ΔT gehören zu demselben Stoff — dem, der sich erwärmt.4Vorzeichen bei ΔrH = −Q/n vergessen
So wird oft gerechnet: Das Wasser nimmt \(5{,}61\,\mathrm{kJ}\) auf, \(n=0{,}100\,\mathrm{mol}\): \(\Delta_r H=+56{,}1\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Richtig ist: Was das Wasser aufnimmt, hat die Reaktion abgegeben: \(\Delta_r H=-\frac{Q}{n}=-56{,}1\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Merksatz: Temperatur der Umgebung steigt → ΔrH negativ.5Elemente immer mit ΔfH° = 0
So wird oft gerechnet: \(\ce{3 O2 -> 2 O3}\): „Beide Stoffe sind Elemente, also \(\Delta_r H^\circ=0\).“
Richtig ist: Null gilt nur für die stabilste Form im Standardzustand (\(\ce{O2}\), Graphit). \(\Delta_f H^\circ(\ce{O3})=+142{,}7\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\), also \(\Delta_r H^\circ=2\cdot142{,}7=+285{,}4\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Merksatz: Null nur für den Standardzustand — Ozon und Diamant zählen nicht.6Edukte minus Produkte gerechnet
So wird oft gerechnet: Ethen-Verbrennung: \(\Delta_r H^\circ=52{,}4-[2\cdot(-393{,}5)+2\cdot(-285{,}8)]=+1411{,}0\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Richtig ist: \(\Delta_r H^\circ=\sum\Delta_f H^\circ(\text{Produkte})-\sum\Delta_f H^\circ(\text{Edukte})=-1358{,}6-52{,}4=-1411{,}0\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Merksatz: Produkte minus Edukte — wie „nachher minus vorher“.7Koeffizienten vergessen
So wird oft gerechnet: Ethen-Verbrennung: \(\Delta_r H^\circ=(-393{,}5)+(-285{,}8)-52{,}4=-731{,}7\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Richtig ist: Laut Gleichung entstehen je \(2\,\mathrm{mol}\) \(\ce{CO2}\) und \(\ce{H2O}\): \(2\cdot(-393{,}5)+2\cdot(-285{,}8)-52{,}4=-1411{,}0\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Merksatz: Jeder Tabellenwert wird mit seinem Koeffizienten multipliziert.8Beim Umkehren das Vorzeichen behalten
So wird oft gerechnet: \(\ce{C + 1/2 O2 -> CO}\) aus \(-393{,}5\) und \(\ce{CO + 1/2 O2 -> CO2}\) (\(-283{,}0\)): \(-393{,}5+(-283{,}0)=-676{,}5\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Richtig ist: Die zweite Gleichung muss umgekehrt werden (\(\ce{CO2 -> CO + 1/2 O2}\): \(+283{,}0\)): \(-393{,}5+283{,}0=-110{,}5\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Merksatz: Gleichung umdrehen heißt Vorzeichen umdrehen; verdoppeln heißt Wert verdoppeln.9Gitter- und Hydratationsenthalpie falsch verrechnet
So wird oft gerechnet: NaCl: \(\Delta_L H=787+783=+1570\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) — beide Beträge addiert.
Richtig ist: Gitter zerlegen kostet Energie (\(+787\)), Hydratation setzt Energie frei (\(-783\)): \(\Delta_L H=+787-783=+4\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) (gerundete Werte).
Merksatz: Hoch mit dem Gitter, runter mit der Hydratation — erst dann addieren.10Heizwert statt Brennwert berechnet
So wird oft gerechnet: Brennwert Methan mit \(\Delta_f H^\circ(\ce{H2O(g)})=-241{,}8\): \(\Delta_c H=-802{,}5\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\), also \(50{,}0\,\mathrm{MJ\,kg^{-1}}\).
Richtig ist: Der Brennwert bezieht sich auf flüssiges Wasser: \(\Delta_c H=-890{,}5\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\), \(890{,}5:16{,}04=55{,}5\,\mathrm{MJ\,kg^{-1}}\). Mit Wasserdampf erhält man den (kleineren) Heizwert.
Merksatz: Brennwert: Wasser flüssig. Heizwert: Wasser gasförmig.11Aktivierungsenergie von den Produkten aus abgelesen
So wird oft gerechnet: Im Diagramm (Edukte 0, Maximum \(+80\), Produkte \(-60\)): \(E_A=80-(-60)=140\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Richtig ist: \(E_A\) der Hinreaktion beginnt beim Niveau der Edukte: \(E_A=80\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\). Die \(140\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) sind die Aktivierungsenergie der Rückreaktion.
Merksatz: Hinreaktion: von den Edukten hoch. Rückreaktion: von den Produkten hoch.12Katalysator verändert ΔrH
So wird oft gerechnet: „Mit Katalysator ist \(E_A\) um \(50\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) kleiner, also wird auch \(\Delta_r H\) um \(50\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) negativer.“
Richtig ist: Edukte und Produkte bleiben dieselben, also bleibt \(\Delta_r H\) gleich (Satz von Hess). Der Katalysator senkt nur die Aktivierungsenergie — für Hin- und Rückreaktion gleichermaßen — und wird nicht verbraucht.
Merksatz: Katalysator: anderer Weg, gleiches Ziel — gleiches ΔrH.