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AbituraufgabenDer erste Hauptsatz

Ein Airbag bläht sich in Millisekunden auf, und Ethanol verbrennt einmal im offenen Gefäß und einmal in der Stahlbombe.

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1

Der Airbag

AFB I–II

In vielen Airbags entsteht das Füllgas durch die Zersetzung von Natriumazid: \(\ce{2 NaN3(s) -> 2 Na(s) + 3 N2(g)}\). Ein Zündsignal löst die Reaktion aus; innerhalb von etwa 30 ms füllt der Stickstoff den Luftsack. Das entstehende Natrium wird durch Zusätze gebunden. Für die Rechnung wird angenommen, dass das Gas nach dem Befüllen 25 °C hat und gegen den äußeren Luftdruck von 1013 hPa expandiert.

M1Daten zur Airbag-Füllung
GrößeWert
Masse Natriumazid65,0 g
molare Masse \(M(\ce{NaN3})\)\(65{,}01\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\)
abgegebene Wärme je Mol \(\ce{NaN3}\)21,7 kJ
molares Gasvolumen (25 °C, 1013 hPa)\(24{,}5\,\mathrm{L\,mol^{-1}}\)
  1. Geben Sie für die Zersetzung die Vorzeichen von \(Q\) und \(W\) aus Sicht des Systems an.
  2. Berechnen Sie das Volumen des entstehenden Stickstoffs.
  3. Ermitteln Sie die Volumenarbeit \(W\) und die Änderung der inneren Energie \(\Delta U\) des Systems.
  4. Erläutern Sie, warum die innere Energie des Systems stärker abnimmt, als es die abgegebene Wärme allein anzeigt.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Wärme verlässt das System; das Gas schiebt die Luft beiseite.
Hinweis zu Aufgabe b)
Aus 2 mol \(\ce{NaN3}\) entstehen 3 mol \(\ce{N2}\).
Hinweis zu Aufgabe c)
\(W = -p\cdot\Delta V\) (Pa und m³), dann \(\Delta U = Q + W\).Ermitteln: Lösungsweg angeben und Ergebnis formulieren.
Hinweis zu Aufgabe d)
Beide Energieströme haben dieselbe Richtung.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Reaktion ist exotherm: \(Q < 0\). Das entstehende Gas dehnt sich gegen den Luftdruck aus und verrichtet Arbeit: \(W < 0\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(n(\ce{NaN3}) = 65{,}0\,\mathrm{g} / 65{,}01\,\mathrm{g\,mol^{-1}} = 1{,}00\,\mathrm{mol}\); \(n(\ce{N2}) = \tfrac32\cdot1{,}00\,\mathrm{mol} = 1{,}50\,\mathrm{mol}\); \(V = 1{,}50\,\mathrm{mol}\cdot24{,}5\,\mathrm{L\,mol^{-1}} \approx 36{,}8\,\mathrm{L}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(W = -p\cdot\Delta V = -101\,300\,\mathrm{Pa}\cdot 0{,}0368\,\mathrm{m^3} \approx -3{,}7\,\mathrm{kJ}\) (Volumen der Feststoffe vernachlässigt).

\(Q = -21{,}7\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\cdot1{,}00\,\mathrm{mol} = -21{,}7\,\mathrm{kJ}\); \(\Delta U = Q + W = -21{,}7\,\mathrm{kJ} - 3{,}7\,\mathrm{kJ} \approx -25{,}4\,\mathrm{kJ}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Das System gibt Energie auf zwei Wegen ab: als Wärme und zusätzlich als Volumenarbeit, weil der entstehende Stickstoff die umgebende Luft wegschiebt. Nach dem ersten Hauptsatz addieren sich beide Beiträge: \(|\Delta U| = |Q| + |W|\). Die Wärme allein erfasst den Energieverlust deshalb nur unvollständig (hier fehlen rund 15 %).

2

Stahlbombe oder offenes Gefäß?

AFB II–III

Die Verbrennung von flüssigem Ethanol, \(\ce{C2H5OH(l) + 3 O2(g) -> 2 CO2(g) + 3 H2O(l)}\), wird auf zwei Arten untersucht: Versuch 1 in einer verschlossenen Stahlbombe mit konstantem Volumen, Versuch 2 in einem offenen Gefäß bei konstantem Druck von 1013 hPa. In Versuch 1 werden je Formelumsatz 1364,2 kJ Wärme abgegeben. Die Temperatur der Produkte ist nach der Messung wieder 25 °C.

M2Zwei Versuchsbedingungen
Versuch 1: StahlbombeVersuch 2: offenes Gefäß
Volumenkonstantveränderlich
Druckveränderlichkonstant 1013 hPa
abgegebene Wärme je Formelumsatz1364,2 kJ?
  1. Begründen Sie, dass in Versuch 1 die gemessene Wärme gleich der Änderung der inneren Energie ist.
  2. Zeigen Sie, dass das System in Versuch 2 je Formelumsatz eine Volumenarbeit von etwa +2,5 kJ austauscht, und deuten Sie das Vorzeichen.
  3. Bestimmen Sie die Wärme, die in Versuch 2 je Formelumsatz abgegeben wird.
  4. Beurteilen Sie die Aussage: „Für Verbrennungen ist es gleichgültig, ob man in der Stahlbombe oder im offenen Gefäß misst.“

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Welchen Wert hat \(W\), wenn \(\Delta V = 0\) ist?
Hinweis zu Aufgabe b)
Gase links: 3 mol, Gase rechts: 2 mol. Ein Mol Gas entspricht bei 25 °C etwa 24,5 L.
Hinweis zu Aufgabe c)
\(\Delta U\) ist in beiden Versuchen gleich (gleicher Anfangs- und Endzustand). Stellen Sie \(\Delta U = Q + W\) nach \(Q\) um.
Hinweis zu Aufgabe d)
Vergleichen Sie den Unterschied mit der Messgenauigkeit — und überlegen Sie, bei welchen Reaktionen er größer wäre.Beurteilen: eigenes Urteil mit Fachwissen begründen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

In der Stahlbombe ändert sich das Volumen nicht: \(\Delta V = 0 \Rightarrow W = -p\cdot\Delta V = 0\). Nach dem ersten Hauptsatz gilt dann \(\Delta U = Q_V\) — die gemessene Wärme entspricht vollständig der Änderung der inneren Energie: \(\Delta U = -1364{,}2\,\mathrm{kJ}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\Delta n(g) = 2 - 3 = -1\,\mathrm{mol}\), also \(\Delta V \approx -24{,}5\,\mathrm{L}\).

\(W = -p\cdot\Delta V = -101\,300\,\mathrm{Pa}\cdot(-0{,}0245\,\mathrm{m^3}) \approx +2{,}48\,\mathrm{kJ}\).

Das positive Vorzeichen bedeutet: Das Gasvolumen schrumpft, die Atmosphäre verrichtet Arbeit am System.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(Q_p = \Delta U - W = -1364{,}2\,\mathrm{kJ} - 2{,}5\,\mathrm{kJ} = -1366{,}7\,\mathrm{kJ}\). Im offenen Gefäß werden je Formelumsatz etwa 1366,7 kJ abgegeben.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Der Unterschied beträgt nur 2,5 kJ von rund 1366 kJ, also etwa 0,2 % — kleiner als die typische Messunsicherheit eines Schulkalorimeters. Für diese Reaktion ist die Aussage daher praktisch zutreffend.

Streng genommen ist sie falsch: Die beiden Messungen liefern verschiedene Größen (\(Q_V = \Delta U\), \(Q_p\) enthält die Volumenarbeit). Der Unterschied wächst mit \(|\Delta n(g)|\); bei Reaktionen, bei denen viel Gas entsteht oder verschwindet und \(|Q|\) klein ist, wird er deutlich. Ein begründetes Urteil wägt beides ab.