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Übung AFB III

Zehn Aufgaben zum Begründen und Bewerten — hier zählt das Warum hinter Elektronen, Potenzialen und Energiespeichern.

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Aufgabenblock — AFB III

Beurteilen, erklären, Stellung nehmen: Formulieren Sie Ihre Antwort zuerst selbst, bevor Sie die Musterlösung aufklappen.

A1
Oxidation ohne Sauerstoff?
AFB III

Im Heft einer Mitschülerin steht: „Oxidation ist eine Reaktion mit Sauerstoff. Bei der Reaktion von Natrium mit Chlor zu Natriumchlorid findet daher keine Oxidation statt.“ Beurteilen Sie diese Aussage.

Hinweis: Vergleichen Sie, was mit dem Natriumatom bei der Reaktion mit Sauerstoff und bei der Reaktion mit Chlor geschieht.

Strategie: Erweiterten Redoxbegriff (Elektronenübergang, OZ) als Kriterium nehmen; Teilgleichungen für Na mit \(\ce{Cl2}\) formulieren; historischen und erweiterten Begriff abgrenzen.Warum so? Ein Urteil braucht ein fachliches Kriterium — hier die Definition über Elektronenabgabe bzw. Oxidationszahlen.
Lösungsskizze: \(\ce{2 Na + Cl2 -> 2 NaCl}\): Na \(0\to+\mathrm{I}\) (Oxidation), Cl \(0\to-\mathrm{I}\) (Reduktion) → Redoxreaktion ohne Sauerstoff; Aussage nur für den alten Begriff richtig.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Aussage verwendet den historischen Oxidationsbegriff („Vereinigung mit Sauerstoff“). Nach dem erweiterten Redoxbegriff ist eine Oxidation eine Elektronenabgabe, erkennbar an steigender Oxidationszahl.

Bei \(\ce{2 Na + Cl2 -> 2 NaCl}\) gibt jedes Natriumatom ein Elektron ab (\(\ce{Na -> Na+ + e-}\), OZ \(0\to+\mathrm{I}\)), Chlor nimmt es auf (\(\ce{Cl2 + 2 e- -> 2 Cl-}\)). Genau dasselbe passiert mit Natrium bei der Reaktion mit Sauerstoff (\(\ce{Na2O}\)). Die Reaktion ist also eine Redoxreaktion, die Aussage ist falsch: Chlor ist hier das Oxidationsmittel.

A2
Schwefeldioxid — Donator oder Akzeptor?
AFB III

Schwefeldioxid entfärbt Iodlösung (\(\ce{SO2}\to\ce{SO4^2-}\)), reagiert aber mit Schwefelwasserstoff zu gelbem Schwefel (\(\ce{SO2 + 2 H2S}\) \(\ce{-> 3 S + 2 H2O}\)). Erklären Sie mithilfe von Oxidationszahlen, warum \(\ce{SO2}\) je nach Partner als Reduktionsmittel oder als Oxidationsmittel reagiert.

Hinweis: Schwefel kommt mit den Oxidationszahlen \(-\mathrm{II}\), \(0\), \(+\mathrm{IV}\) und \(+\mathrm{VI}\) vor.

Strategie: OZ des S in \(\ce{SO2}\), \(\ce{SO4^2-}\), \(\ce{H2S}\) und \(\ce{S}\) bestimmen; Lage von \(+\mathrm{IV}\) zwischen höchster und tiefster OZ deuten; Analogie zum Ampholyten ziehen.Warum so? „Erklären“ heißt, das Verhalten auf ein Prinzip zurückzuführen — hier: Ein Atom kann nur Elektronen abgeben, wenn seine OZ noch steigen kann, und nur aufnehmen, wenn sie noch sinken kann.
Lösungsskizze: S in \(\ce{SO2}\): \(+\mathrm{IV}\); mit Iod → \(+\mathrm{VI}\) (Oxidation, \(\ce{SO2}\) ist Donator); mit \(\ce{H2S}\) → \(0\) (Reduktion, Akzeptor).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Im \(\ce{SO2}\) hat Schwefel die OZ \(+\mathrm{IV}\) — mitten zwischen der höchsten (\(+\mathrm{VI}\), \(\ce{SO4^2-}\)) und der tiefsten (\(-\mathrm{II}\), \(\ce{H2S}\)). Er kann daher Elektronen abgeben und aufnehmen.

Gegenüber Iod, einem stärkeren Oxidationsmittel, gibt \(\ce{SO2}\) zwei Elektronen ab (\(+\mathrm{IV}\to+\mathrm{VI}\)) und ist Reduktionsmittel; Iod wird zu Iodid reduziert. Gegenüber \(\ce{H2S}\) (S: \(-\mathrm{II}\), starkes Reduktionsmittel) nimmt es vier Elektronen auf (\(+\mathrm{IV}\to0\)) und ist Oxidationsmittel. Wie ein Ampholyt bei Protonen entscheidet also erst der Reaktionspartner über die Rolle.

A3
Protonen und Elektronen im Vergleich
AFB III

Vergleichen Sie Säure-Base-Reaktionen nach Brönsted (Kapitel 3) mit Redoxreaktionen. Gehen Sie auf das übertragene Teilchen, die Begriffe Donator/Akzeptor, korrespondierende Paare und auf die Stärke-Reihen (\(\mathrm{p}K_S\)-Tabelle bzw. Spannungsreihe) ein.

Hinweis: Gute Vergleiche nennen Gemeinsamkeiten und Unterschiede — am besten als Gegenüberstellung.

Strategie: Kriterien festlegen (Teilchen, Donator, Akzeptor, Paar, Maß für die Stärke, Richtung freiwilliger Reaktionen) und für beide Reaktionstypen ausfüllen.Warum so? Beim Vergleichen zählt, dass die Kriterien für beide Seiten gleich angewendet werden.
Lösungsskizze: Proton vs. Elektron; Säure/Base vs. Reduktionsmittel/Oxidationsmittel; \(\ce{HA}/\ce{A-}\) vs. \(\ce{Ox}/\ce{Red}\); \(\mathrm{p}K_S\) vs. \(E^\circ\); jeweils reagiert der stärkere Donator mit dem stärkeren Akzeptor.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Gemeinsamkeiten: Beide sind Donator-Akzeptor-Reaktionen: Ein Teilchen gibt ab, ein anderes nimmt auf; beide Teilreaktionen laufen gekoppelt ab. Donator und Akzeptor bilden korrespondierende Paare (\(\ce{CH3COOH}/\ce{CH3COO-}\) bzw. \(\ce{Cu^2+}/\ce{Cu}\)); jede Reaktion verknüpft zwei Paare. Beide Paar-Arten lassen sich nach ihrer Stärke ordnen, und freiwillig reagiert der stärkere Donator mit dem stärkeren Akzeptor.

Unterschiede: Übertragen wird ein Proton bzw. Elektronen (bei Redox auch mehrere pro Teilchen). Das Maß der Stärke ist \(\mathrm{p}K_S\) (klein = starke Säure) bzw. \(E^\circ\) (groß = starkes Oxidationsmittel). Bei Redoxreaktionen ändern sich Oxidationszahlen, bei Protolysen nicht; Redoxreaktionen lassen sich räumlich trennen (galvanische Zelle), Protolysen nicht.

A4
Titration ohne Säure
AFB III

Ein Schüler vergisst bei der Bestimmung einer Eisen(II)-Lösung, die Probe anzusäuern. Nach wenigen Tropfen Permanganat-Lösung wird die Probe braun trüb (\(\ce{MnO4- + 2 H2O + 3 e-}\) \(\ce{-> MnO2 + 4 OH-}\)); er titriert trotzdem weiter und rechnet mit dem Verhältnis \(n(\ce{Fe^2+})=5\cdot n(\ce{MnO4-})\). Bewerten Sie sein Ergebnis.

Hinweis: Vergleichen Sie die Zahl der Elektronen, die ein Permanganat-Ion in saurer und in neutraler Lösung aufnimmt.

Strategie: Zwei Fehlerquellen trennen: Stöchiometrie (5 bzw. 3 Elektronen) und Endpunkterkennung (braune Trübung überdeckt das Rosa); Richtung des Fehlers ableiten.Warum so? Bewerten heißt: Fehler benennen, seine Auswirkung abschätzen und ein begründetes Urteil über die Brauchbarkeit fällen.
Lösungsskizze: Neutral: je \(\ce{MnO4-}\) nur 3 Elektronen → Verbrauch \(\tfrac53\)-fach; mit Faktor 5 gerechnet → \(c\) zu groß; Endpunkt nicht erkennbar → Ergebnis unbrauchbar.
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Musterlösung: In saurer Lösung nimmt ein Permanganat-Ion 5 Elektronen auf (\(+\mathrm{VII}\to+\mathrm{II}\)), in neutraler nur 3 (\(+\mathrm{VII}\to+\mathrm{IV}\), Braunstein). Für dieselbe Menge \(\ce{Fe^2+}\) braucht man ohne Säure also \(\tfrac53\)-mal so viel Maßlösung. Rechnet der Schüler trotzdem mit dem Faktor 5, erhält er eine um etwa 67 % zu große Konzentration.

Zusätzlich verdeckt die braune Trübung die schwache Rosafärbung, sodass der Endpunkt gar nicht sicher zu erkennen ist. Das Ergebnis ist deshalb unbrauchbar; die Titration muss mit angesäuerter Probe (verdünnte Schwefelsäure) wiederholt werden.

A5
Kupfer in Salpetersäure — doch unedel?
AFB III

Kupfer löst sich nicht in Salzsäure, aber in Salpetersäure. Ein Schüler folgert: „In Salpetersäure verhält sich Kupfer wie ein unedles Metall.“ Widerlegen Sie diese Folgerung (\(E^\circ(\ce{NO3-}/\ce{NO})=+0{,}96\,\mathrm{V}\)).

Hinweis: Fragen Sie sich, welches Teilchen in der jeweiligen Säure als Elektronenakzeptor zur Verfügung steht.

Strategie: Mögliche Akzeptoren in beiden Säuren identifizieren; \(E^\circ\)-Werte mit \(\ce{Cu^2+}/\ce{Cu}\) vergleichen; zeigen, dass sich nicht das Kupfer, sondern der Partner ändert.Warum so? Trickaufgabe: Die Aufgabe ist eine Falle: Die Beobachtung stimmt, aber die Erklärung schreibt die Eigenschaft dem falschen Stoff zu.
Lösungsskizze: Salzsäure: nur \(\ce{H3O+}\) (0,00 V) < 0,34 V → keine Reaktion. Salpetersäure: \(\ce{NO3-}\) (0,96 V) > 0,34 V → Kupfer wird oxidiert. Kupfer bleibt edel.
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Musterlösung: Die Folgerung ist falsch. „Edel“ bedeutet \(E^\circ>0\): Kupfer (\(+0{,}34\,\mathrm{V}\)) kann von Oxonium-Ionen (\(0{,}00\,\mathrm{V}\)) nicht oxidiert werden — deshalb keine Reaktion mit Salzsäure; das Chlorid-Ion ist kein Oxidationsmittel.

In Salpetersäure steht mit dem Nitrat-Ion zusätzlich ein stärkeres Oxidationsmittel (\(+0{,}96\,\mathrm{V}\)) bereit. Nitrat, nicht \(\ce{H3O+}\), ist hier der Akzeptor: \(\ce{3 Cu + 2 NO3- + 8 H3O+}\) \(\ce{-> 3 Cu^2+ + 2 NO + 12 H2O}\); es entsteht kein Wasserstoff. Kupfer bleibt also edel — die Salpetersäure ist ein stärkeres Oxidationsmittel als die Salzsäure. Gold (\(+1{,}50\,\mathrm{V}\)) löst sich deshalb auch in Salpetersäure nicht.

A6
Der Bleibaum
AFB III

Ein Zinkstab in Blei(II)-nitrat-Lösung überzieht sich mit glitzernden Bleikristallen („Bleibaum“), ein Bleistab in Zinknitrat-Lösung bleibt unverändert. Deuten Sie beide Beobachtungen mithilfe der Spannungsreihe und formulieren Sie die Redoxgleichung.

Hinweis: \(E^\circ(\ce{Zn^2+}/\ce{Zn})=-0{,}76\,\mathrm{V}\), \(E^\circ(\ce{Pb^2+}/\ce{Pb})=-0{,}13\,\mathrm{V}\).

Strategie: Donator und Akzeptor in beiden Ansätzen benennen; prüfen, ob der Akzeptor das größere \(E^\circ\) hat; Teilgleichungen und Gesamtgleichung aufstellen.Warum so? Eine Vorhersage mit der Spannungsreihe gelingt immer nach demselben Muster: Akzeptor „oben“, Donator „unten“ → freiwillig.
Lösungsskizze: Ansatz 1: Akzeptor \(\ce{Pb^2+}\) (−0,13 V) über Donator Zn (−0,76 V) → Reaktion, \(\Delta E=0{,}63\,\mathrm{V}\). Ansatz 2: Akzeptor \(\ce{Zn^2+}\) unter Donator Pb → keine Reaktion.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Zink ist unedler als Blei. Im ersten Ansatz sind \(\ce{Pb^2+}\)-Ionen der Akzeptor mit dem größeren Standardpotenzial, Zink der Donator: \(\ce{Zn -> Zn^2+ + 2 e-}\), \(\ce{Pb^2+ + 2 e- -> Pb}\), gesamt \(\ce{Zn + Pb^2+}\) \(\ce{-> Zn^2+ + Pb}\) (\(\Delta E=0{,}63\,\mathrm{V}>0\), freiwillig). Blei scheidet sich als Kristalle am Zink ab.

Im zweiten Ansatz müsste Blei Elektronen an \(\ce{Zn^2+}\) abgeben; der Akzeptor hätte aber das kleinere Potenzial (\(\Delta E=-0{,}63\,\mathrm{V}\)). Diese Reaktion ist die Umkehrung und läuft nicht freiwillig ab — sie ließe sich nur durch Elektrolyse erzwingen.

Zink in Pb(NO₃)₂„Bleibaum“ ✓Blei in Zn(NO₃)₂keine Reaktion ✗
Zwei Ansätze — nur einer reagiert
A7
Potenzial direkt messen?
AFB III

Ein Schüler will das Elektrodenpotenzial einer Zink-Halbzelle bestimmen: Er klemmt ein Kabel des Voltmeters an das Zinkblech und hängt das andere Kabel in die Zinksulfat-Lösung. Überprüfen Sie, ob das Vorhaben gelingen kann, und nennen Sie ein geeignetes Vorgehen.

Hinweis: Überlegen Sie, was an der Stelle geschieht, an der das zweite Kabel (ein Metall!) die Lösung berührt.

Strategie: Doppelschicht als Gleichgewicht (Kapitel 2) beschreiben; zeigen, dass jedes eingetauchte Metall eine neue Halbzelle bildet; Bezugselektrode als Lösung nennen.Warum so? Hier zählt die Einsicht, dass nur Potenzialdifferenzen messbar sind — deshalb braucht man einen gemeinsamen Nullpunkt.
Lösungsskizze: Kabelende in Lösung = zweite Halbzelle (Kupfer in \(\ce{Zn^2+}\)-Lösung) → gemessen wird eine undefinierte Differenz; Lösung: gegen Standard-Wasserstoffelektrode messen → \(E^\circ=-0{,}76\,\mathrm{V}\).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Am Zinkblech stellt sich ein dynamisches Gleichgewicht \(\ce{Zn <=> Zn^2+ + 2 e-}\) ein (Lösen und Abscheiden gleich schnell), es entsteht eine Doppelschicht. Das Potenzial dieser einzelnen Halbzelle ist grundsätzlich nicht messbar.

Taucht der Schüler das Kabel ein, bildet dessen Metall (meist Kupfer) mit der Lösung eine zweite, undefinierte Halbzelle; das Voltmeter zeigt eine zufällige Differenz. Das Vorhaben ist deshalb ungeeignet. Richtig ist, die Zinkhalbzelle unter Standardbedingungen über eine Salzbrücke mit der Standard-Wasserstoffelektrode zu verbinden: Die gemessene Spannung mit Vorzeichen (Zink ist Minuspol) ist das Standardpotenzial \(E^\circ=-0{,}76\,\mathrm{V}\).

A8
Draht statt Salzbrücke
AFB III

In einem Daniell-Element ersetzt eine Schülerin die Salzbrücke durch einen Kupferdraht, weil „Metall besser leitet“. Das Voltmeter zeigt danach praktisch keine sinnvolle Zellspannung mehr, und es fließt kein Strom über einen angeschlossenen Motor. Erläutern Sie die Aufgabe der Salzbrücke und das Versagen des Drahts.

Hinweis: Unterscheiden Sie Elektronenleiter und Ionenleiter.

Strategie: Ladungsbilanz beider Lösungen während des Betriebs aufstellen; Ionenwanderung in der Salzbrücke beschreiben; Draht als zusätzliche Elektroden deuten.Warum so? „Erläutern“ heißt: den Zusammenhang mit Fachwissen nachvollziehbar machen — hier über die Elektroneutralität der Lösungen.
Lösungsskizze: Anode: \(\ce{Zn^2+}\) entsteht → Lösung positiv; Kathode: \(\ce{Cu^2+}\) verschwindet → Lösung negativ; Salzbrücke gleicht durch Ionenwanderung aus; Draht leitet nur Elektronen, bildet an den Enden neue Halbzellen.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Im Betrieb entstehen an der Anode \(\ce{Zn^2+}\)-Ionen, an der Kathode werden \(\ce{Cu^2+}\)-Ionen entladen. Ohne Ausgleich würde sich die Zinksulfat-Lösung positiv, die Kupfersulfat-Lösung negativ aufladen und der Elektronenfluss sofort stoppen. In der Salzbrücke wandern Anionen (z. B. \(\ce{NO3-}\)) zur Anode und Kationen (\(\ce{K+}\)) zur Kathode; sie schließt den Stromkreis als Ionenleiter, ohne dass sich die Lösungen mischen.

Ein Metalldraht leitet nur Elektronen, keine Ionen. Seine Enden tauchen zudem in die Lösungen und bilden dort zwei zusätzliche Halbzellen (Kupfer in Zinksulfat-, Kupfer in Kupfersulfat-Lösung) — es entstehen zwei gegeneinander geschaltete Zellen statt eines geschlossenen Ionenkreises.

KupferdrahtV? VZn | Zn²⁺Cu²⁺ | Cu
Leitet der Draht auch Ionen?
A9
Verzinkt oder verzinnt?
AFB III

Stahl (Eisen) wird gegen Rost entweder verzinkt (Leitplanken) oder verzinnt (Konservendosen, Weißblech). Wird die Schicht bis aufs Eisen verkratzt, bildet sich mit Wasser an der Kratzstelle eine kleine galvanische Zelle. Entscheiden Sie begründet, welcher Überzug das Eisen nach einer Beschädigung besser schützt.

Hinweis: Nutzen Sie die in der Abbildung genannten Standardpotenziale.

Strategie: In beiden Fällen Minuspol (Donator) der Kratzstellen-Zelle bestimmen; Folgen für das Eisen ableiten; Urteil mit Einschränkung (unbeschädigte Schicht) formulieren.Warum so? Auch Korrosion ist eine galvanische Zelle: Das unedlere Metall wird oxidiert.
Lösungsskizze: Zink unedler als Eisen → Zink Minuspol, wird oxidiert, Eisen geschützt (Opferanode). Zinn edler → Eisen Minuspol, rostet an der Kratzstelle sogar schneller.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: An der Kratzstelle berühren sich zwei Metalle und ein Elektrolyt. Bei verzinktem Eisen ist Zink (\(-0{,}76\,\mathrm{V}\)) unedler als Eisen (\(-0{,}44\,\mathrm{V}\)): Zink wird zum Minuspol und oxidiert (\(\ce{Zn -> Zn^2+ + 2 e-}\)), das Eisen erhält Elektronen und bleibt erhalten — Zink „opfert“ sich.

Bei verzinntem Eisen ist Zinn (\(-0{,}14\,\mathrm{V}\)) edler; jetzt ist Eisen der Minuspol und wird an der Kratzstelle oxidiert — schneller als ohne Überzug. Nach einer Beschädigung schützt daher die Zinkschicht besser. Zinn ist nur geeignet, solange die Schicht dicht ist (und ungiftig für Lebensmittel) — deshalb Weißblech für Dosen, Zink für Leitplanken.

verzinktverzinnt (Weißblech)ZnSnFeFeKratzer: Zn oder Fe— wer gibt e⁻ ab?Kratzer: Sn oder Fe— wer gibt e⁻ ab?E°: Zn −0,76 V · Fe −0,44 VE°: Sn −0,14 V · Fe −0,44 V
Kratzer bis aufs Eisen — wer wird oxidiert?
A10
Wasserstoff-Bus oder Batterie-Bus?
AFB III

Eine Stadt will ihre Busflotte umstellen. Zur Wahl stehen Brennstoffzellen-Busse (Wasserstoff aus Elektrolyse mit Ökostrom) und Busse mit Lithium-Ionen-Akku. Richtwerte der Energiekette: Elektrolyse etwa 70 %, Brennstoffzelle etwa 50 %, Laden und Entladen eines Akkus zusammen etwa 90 %. Diskutieren Sie, welcher Antrieb sinnvoller ist.

Hinweis: Berücksichtigen Sie neben dem Wirkungsgrad auch Reichweite, Tankdauer und die Rolle von Elektrolyse und galvanischer Zelle.

Strategie: Energiekette beider Wege abschätzen (\(0{,}7\cdot0{,}5\) vs. \(0{,}9\)); chemische Grundlage (Elektrolyse → Brennstoffzelle bzw. Laden → Entladen) benennen; weitere Kriterien abwägen; eigenes, begründetes Urteil.Warum so? Diskutieren heißt: Pro und Contra abwägen und zu einem begründeten eigenen Urteil kommen — es gibt nicht nur eine richtige Antwort.
Lösungsskizze: Wasserstoff: \(0{,}7\cdot0{,}5\approx35\,\%\) des Ökostroms kommen am Motor an, Akku: \(\approx90\,\%\). Pro Wasserstoff: schnelles Tanken, große Reichweite; pro Akku: Effizienz, Infrastruktur. Urteil z. B.: Stadtbus mit Akku, lange Überlandlinien eher Wasserstoff.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Beide Wege speichern Ökostrom chemisch. Beim Wasserstoffbus erzwingt eine Elektrolyse \(\ce{2 H2O -> 2 H2 + O2}\), die Brennstoffzelle kehrt sie als galvanische Zelle um. Beim Akku ist Laden eine Elektrolyse, Entladen die galvanische Zelle — im selben Gerät. Energiekette: Wasserstoff \(0{,}7\cdot0{,}5\approx0{,}35\), also nur gut ein Drittel des Stroms wird genutzt; Akku etwa \(0{,}9\) — fast dreimal so effizient.

Für Wasserstoff sprechen kurze Tankzeiten, große Reichweite und geringere Fahrzeugmasse; dagegen die Energieverluste und die aufwendige Tank-Infrastruktur. Für Akkus sprechen Effizienz und einfache Ladeinfrastruktur im Depot, dagegen Ladezeit und Rohstoffbedarf (Lithium, Cobalt). Mögliches Urteil: Für Stadtbusse mit planbaren Tagesstrecken ist der Akku-Bus sinnvoller; Wasserstoff lohnt sich eher bei langen Strecken ohne Lademöglichkeit.