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AbituraufgabenDie Redoxtitration

Wie viel Wasserstoffperoxid steckt im Bleichmittel, wie viel Oxalsäure im Rhabarber? Violett tropft die Antwort aus der Bürette.

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1

Wasserstoffperoxid im Bleichmittel

AFB I–II

Ein Haarbleichmittel trägt die Aufschrift „12 % Wasserstoffperoxid“. Zur Überprüfung werden \(2{,}00\,\mathrm{mL}\) des Mittels auf \(100{,}0\,\mathrm{mL}\) verdünnt (1 : 50). Je \(10{,}0\,\mathrm{mL}\) dieser Lösung werden mit verdünnter Schwefelsäure angesäuert und mit Kaliumpermanganat-Lösung (\(c = 0{,}0200\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\)) titriert (M1).

M1Messwerte
Titration123
Verbrauch \(V(\ce{MnO4-})\) in mL14,1514,0514,10
M2Daten
GrößeWert
\(M(\ce{H2O2})\)\(34{,}01\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\)
Dichte des Bleichmittels\(1{,}04\,\mathrm{g\,mL^{-1}}\)
  1. Beschreiben Sie, woran der Endpunkt dieser Titration erkannt wird und warum kein Indikator nötig ist.
  2. Formulieren Sie die Redoxgleichung der Titrationsreaktion mit Teilgleichungen.
  3. Berechnen Sie die Stoffmengenkonzentration und die Massenkonzentration \(\beta\) (in \(\mathrm{g\,L^{-1}}\)) an Wasserstoffperoxid im unverdünnten Bleichmittel.
  4. Überprüfen Sie die Angabe „12 %“ (Massenanteil) auf der Verpackung.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Vergleichen Sie die Farben von Permanganat- und Mangan(II)-Ionen.
Hinweis zu Aufgabe b)
O geht in \(\ce{H2O2}\) von −I auf 0; Permanganat nimmt 5 Elektronen auf.
Hinweis zu Aufgabe c)
Mittelwert bilden; \(n(\ce{H2O2}) = \tfrac{5}{2}\cdot n(\ce{MnO4-})\); Verdünnungsfaktor 50.
Hinweis zu Aufgabe d)
Massenanteil = Masse \(\ce{H2O2}\) / Masse Lösung; 1 L Lösung wiegt 1040 g.Überprüfen: Aussagen an Fakten oder innerer Logik messen und Widersprüche aufdecken.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Permanganat-Lösung ist violett, \(\ce{Mn^2+}\)-Ionen sind fast farblos. Solange noch \(\ce{H2O2}\) vorliegt, wird jeder Tropfen sofort entfärbt. Der erste Tropfen im Überschuss färbt die Lösung bleibend schwach rosa (etwa eine halbe Minute) — die Maßlösung zeigt ihren Endpunkt selbst an (Selbstindikation).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ox.: \(\ce{H2O2 + 2 H2O -> O2 + 2 H3O+ + 2 e-}\) \(|\cdot 5\); Red.: \(\ce{MnO4- + 8 H3O+ + 5 e- -> Mn^2+ + 12 H2O}\) \(|\cdot 2\)

\(\ce{2 MnO4- + 5 H2O2 + 6 H3O+}\) \(\ce{-> 2 Mn^2+ + 5 O2 + 14 H2O}\)

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(\bar V = 14{,}10\,\mathrm{mL}\); \(n(\ce{MnO4-}) = 0{,}0200\cdot 14{,}10 = 0{,}282\,\mathrm{mmol}\); \(n(\ce{H2O2}) = 0{,}705\,\mathrm{mmol}\) in 10,0 mL → \(c = 0{,}0705\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\) (verdünnt).

Unverdünnt: \(c = 50\cdot 0{,}0705 = 3{,}53\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\); \(\beta = 3{,}53\cdot 34{,}01 \approx 120\,\mathrm{g\,L^{-1}}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

\(w = 120\,\mathrm{g} / 1040\,\mathrm{g} \approx 0{,}115 = 11{,}5\,\%\). Die Abweichung zur Angabe 12 % beträgt etwa 4 % des Werts; sie liegt im Rahmen der Messgenauigkeit (Ablesen ±0,05 mL, Pipetten) bzw. lässt sich durch den langsamen Zerfall von \(\ce{H2O2}\) beim Lagern erklären. Die Angabe ist damit weitgehend bestätigt; verwechselt man Massen- und Massenkonzentration (120 g/L ≈ 12 %), ergibt sich scheinbar exakte Übereinstimmung.

2

Oxalsäure im Rhabarber

AFB II–III

Rhabarber enthält Oxalsäure \(\ce{H2C2O4}\). Aus \(50{,}0\,\mathrm{g}\) Rhabarberstielen wird das Oxalat als Calciumoxalat gefällt, abfiltriert, in verdünnter Schwefelsäure gelöst und auf \(100\,\mathrm{mL}\) aufgefüllt. \(20{,}0\,\mathrm{mL}\) davon werden auf etwa 60 °C erwärmt und mit Kaliumpermanganat-Lösung (\(c = 0{,}0200\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\)) titriert; Verbrauch: \(7{,}20\,\mathrm{mL}\). In einem Vorversuch wurde gemessen, wie lange es dauert, bis sich jeweils 1,0 mL Maßlösung entfärbt (M3). \(M(\ce{H2C2O4}) = 90{,}03\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\).

M3Entfärbungszeit aufeinanderfolgender Portionen (60 °C)
12345678010203040Portion Nr. (je 1,0 mL)Entfärbungszeit t in s
Jede Portion wird erst zugegeben, wenn die vorige entfärbt ist.
  1. Entwickeln Sie die Redoxgleichung für die Reaktion von Oxalsäure mit Permanganat-Ionen in saurer Lösung (Produkte: \(\ce{CO2}\), \(\ce{Mn^2+}\)).
  2. Interpretieren Sie den Verlauf in M3.
  3. Ermitteln Sie den Massenanteil an Oxalsäure im Rhabarber.
  4. Beurteilen Sie den Küchentipp, Rhabarberkuchen mit Sahne oder Quark zu essen, damit „weniger Oxalsäure in den Körper gelangt“.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
C: +III → +IV; kgV der Elektronenzahlen 2 und 5 ist 10.
Hinweis zu Aufgabe b)
Welcher Stoff entsteht während der Titration und könnte die Reaktion beschleunigen?Interpretieren: Phänomene, Zusammenhänge oder Daten deuten und in einen Zusammenhang stellen.
Hinweis zu Aufgabe c)
\(n(\ce{H2C2O4}) = \tfrac{5}{2}\cdot n(\ce{MnO4-})\); Aliquot 20 von 100 mL.
Hinweis zu Aufgabe d)
Milchprodukte enthalten viele Calcium-Ionen; Calciumoxalat ist schwer löslich.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ox.: \(\ce{H2C2O4 + 2 H2O -> 2 CO2 + 2 H3O+ + 2 e-}\) \(|\cdot 5\); Red.: \(\ce{MnO4- + 8 H3O+ + 5 e- -> Mn^2+ + 12 H2O}\) \(|\cdot 2\)

\(\ce{2 MnO4- + 5 H2C2O4 + 6 H3O+}\) \(\ce{-> 2 Mn^2+ + 10 CO2 + 14 H2O}\)

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die ersten Portionen brauchen trotz 60 °C lange (40 s, 26 s), ab der dritten bis vierten Portion entfärbt sich die Lösung fast sofort. Da sich Temperatur und Konzentrationen kaum ändern, muss ein entstehender Stoff die Reaktion beschleunigen: Die gebildeten \(\ce{Mn^2+}\)-Ionen wirken als Katalysator (Autokatalyse) — sie ermöglichen einen Reaktionsweg mit geringerer Aktivierungsenergie. Für die Titration heißt das: anfangs langsam zutropfen, am Ende auf bleibende Rosafärbung achten.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(n(\ce{MnO4-}) = 0{,}0200\cdot 7{,}20 = 0{,}144\,\mathrm{mmol}\); \(n(\ce{H2C2O4}) = 0{,}360\,\mathrm{mmol}\) in 20,0 mL → \(1{,}80\,\mathrm{mmol}\) in 100 mL (= in 50,0 g Rhabarber).

\(m = 1{,}80\,\mathrm{mmol}\cdot 90{,}03\,\mathrm{mg\,mmol^{-1}} = 162\,\mathrm{mg}\); \(w = 0{,}162\,\mathrm{g}/50{,}0\,\mathrm{g} \approx 0{,}32\,\%\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Calcium-Ionen aus Sahne/Quark bilden mit Oxalat schon im Verdauungstrakt schwer lösliches Calciumoxalat, das kaum aufgenommen und ausgeschieden wird. Der Tipp ist daher chemisch sinnvoll. Einschränkungen: Die Oxalsäuremenge im Kuchen ändert sich nicht, die Bindung ist nicht vollständig, und bei hohem Oxalatgehalt bleibt Zurückhaltung sinnvoll (z. B. bei Neigung zu Nierensteinen aus Calciumoxalat). Urteil: sinnvolle, aber keine vollständige Maßnahme.