MINT lernen

AbituraufgabenDie Stoßtheorie

Warum ein Kohlenstoffmonoxid-Molekül genau richtig treffen muss und zehn Kelvin so viel ausmachen.

Dein Fortschritt:
0 / 0 Aufgaben
1

Der richtige Treffer

AFB I–II

In heißen Abgasen reagiert Kohlenstoffmonoxid mit Stickstoffdioxid: \(\ce{CO(g) + NO2(g) -> CO2(g) + NO(g)}\). Dabei wird ein Sauerstoffatom vom \(\ce{NO2}\)-Molekül auf das Kohlenstoffatom des \(\ce{CO}\)-Moleküls übertragen. Die Aktivierungsenergie beträgt \(E_A = 134\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\). M1 zeigt drei Stöße im Modell.

M1Drei Stöße zwischen \(\ce{CO}\) und \(\ce{NO2}\)
Stoß 1OCONOlangsamStoß 2CONOOschnellStoß 3OCONOschnellCKohlenstoffOSauerstoffNStickstoffPfeillänge ~ Geschwindigkeit
Nur die schnellen Teilchen haben eine Stoßenergie oberhalb der Aktivierungsenergie.
M2Standard-Bildungsenthalpien
Stoff\(\ce{CO(g)}\)\(\ce{NO2(g)}\)\(\ce{CO2(g)}\)\(\ce{NO(g)}\)
\(\Delta_f H^\circ\) in \(\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\)−110,5+33,2−393,5+91,3
  1. Nennen Sie die Bedingungen für einen wirksamen Stoß.
  2. Deuten Sie die drei Stoßsituationen in M1.
  3. Berechnen Sie die Standard-Reaktionsenthalpie mithilfe von M2.
  4. Skizzieren Sie ein beschriftetes Energiediagramm der Reaktion und geben Sie darin \(E_A\) der Hin- und der Rückreaktion an.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Es sind drei Bedingungen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Prüfen Sie für jeden Stoß Energie (Pfeillänge) und Orientierung (welches Atom trifft welches?).
Hinweis zu Aufgabe c)
\(\Delta_r H^\circ = \sum \Delta_f H^\circ(\text{Produkte}) - \sum \Delta_f H^\circ(\text{Edukte})\).
Hinweis zu Aufgabe d)
Die Rückreaktion startet auf dem Niveau der Produkte: \(E_{A,\text{rück}} = E_A - \Delta_r H\).Skizzieren: Die wesentlichen Eigenschaften eines Graphen (Nullstellen, Extrempunkte, Verlauf) in einer Zeichnung sichtbar machen – ohne Wertetabelle.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Teilchen müssen (1) zusammenstoßen, (2) mit einer Energie, die mindestens der Aktivierungsenergie entspricht, und (3) mit passender Orientierung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Stoß 1: passende Orientierung (C-Atom trifft O-Atom), aber die Teilchen sind langsam — die Stoßenergie reicht nicht, unwirksamer Stoß.

Stoß 2: genug Energie, aber das O-Atom des \(\ce{CO}\) trifft das N-Atom — die Übertragung eines O-Atoms auf das C-Atom ist so nicht möglich, unwirksamer Stoß.

Stoß 3: genug Energie und passende Orientierung — wirksamer Stoß, es entstehen \(\ce{CO2}\) und \(\ce{NO}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(\Delta_r H^\circ = (-393{,}5 + 91{,}3) - (-110{,}5 + 33{,}2)\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}} = -302{,}2 + 77{,}3 = -224{,}9\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) — die Reaktion ist stark exotherm.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

y-Achse Enthalpie, x-Achse Reaktionsverlauf; Edukt-Niveau (CO + NO₂), Gipfel (Übergangszustand) 134 kJ/mol darüber, Produkt-Niveau (CO₂ + NO) 224,9 kJ/mol unter dem Edukt-Niveau.

Pfeile: \(E_{A,\text{hin}} = 134\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) (Edukte → Gipfel), \(\Delta_r H = -224{,}9\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) (Edukte → Produkte), \(E_{A,\text{rück}} = 134 + 224{,}9 \approx 359\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) (Produkte → Gipfel).

2

Zehn Kelvin im Modell

AFB II–III

Aus der Energieverteilung der Teilchen (Kapitel 1.3.1) lässt sich berechnen, welcher Anteil der Stöße mindestens die Aktivierungsenergie aufbringt. M3 vergleicht zwei Gasreaktionen mit unterschiedlicher Aktivierungsenergie bei 300 K und 310 K. Die Zahl der Stöße pro Zeit steigt bei dieser Erwärmung nur um den Faktor 1,017.

M3Anteil der Stöße mit \(E \ge E_A\)
300 K310 K
Reaktion I: \(E_A = 50\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\)\(2{,}0\cdot10^{-9}\)\(3{,}8\cdot10^{-9}\)
Reaktion II: \(E_A = 100\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\)\(3{,}9\cdot10^{-18}\)\(1{,}4\cdot10^{-17}\)
  1. Ermitteln Sie für beide Reaktionen, um welchen Faktor der Anteil der Stöße mit ausreichender Energie beim Erwärmen steigt.
  2. Erklären Sie mithilfe der Stoßtheorie und M3 die RGT-Regel.
  3. Vergleichen Sie die Wirkung einer Erwärmung um 10 K mit der Wirkung einer Verdopplung der Konzentration eines Edukts.
  4. Beurteilen Sie die Aussage: „Reaktionen mit hoher Aktivierungsenergie reagieren besonders empfindlich auf Temperaturänderungen.“

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Teilen Sie jeweils den Wert bei 310 K durch den Wert bei 300 K.
Hinweis zu Aufgabe b)
Stellen Sie die Faktoren 1,017 (Stoßzahl) und Ihre Ergebnisse aus a) gegenüber.
Hinweis zu Aufgabe c)
Wie ändern sich Stoßzahl und Anteil wirksamer Stöße jeweils?
Hinweis zu Aufgabe d)
Nutzen Sie Ihre Faktoren für Reaktion I und II.Beurteilen: Zu einem Sachverhalt ein selbstständiges Urteil unter Verwendung von Fachwissen und Fachmethoden formulieren und begründen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Reaktion I: \(3{,}8\cdot10^{-9} / 2{,}0\cdot10^{-9} \approx 1{,}9\).

Reaktion II: \(1{,}4\cdot10^{-17} / 3{,}9\cdot10^{-18} \approx 3{,}6\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die Reaktionsgeschwindigkeit ist proportional zur Zahl der wirksamen Stöße pro Zeit = Stoßzahl · Anteil mit ausreichender Energie (· Orientierungsanteil). Beim Erwärmen um 10 K steigt die Stoßzahl nur um 1,7 %, der Anteil der energiereichen Stöße aber um den Faktor 1,9 bzw. 3,6. Die Zahl der wirksamen Stöße steigt damit etwa auf das Doppelte bis Vierfache — genau das besagt die RGT-Regel. Der Temperatureffekt beruht also fast vollständig auf dem größeren Anteil energiereicher Stöße.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Verdoppelte Konzentration eines Edukts: doppelt so viele Stöße pro Zeit, der Anteil der wirksamen Stöße bleibt gleich → Faktor 2.

Erwärmung um 10 K: Stoßzahl fast unverändert, Anteil der wirksamen Stöße ×1,9 bzw. ×3,6 → Faktor etwa 2 bzw. 3,6.

Beide Maßnahmen wirken in ähnlicher Größenordnung, aber über verschiedene Mechanismen: Die Konzentration ändert, wie oft Teilchen stoßen, die Temperatur, wie viele Stöße energiereich genug sind.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Die Aussage trifft zu: Bei Reaktion II (100 kJ/mol) steigt der Anteil der energiereichen Stöße beim Erwärmen um 10 K auf das 3,6-Fache, bei Reaktion I (50 kJ/mol) nur auf das 1,9-Fache. Je höher die Energiebarriere, desto kleiner ist der Anteil der Teilchen oberhalb der Barriere und desto stärker wächst er relativ, wenn sich die Energieverteilung zu höheren Energien verschiebt.

Einschränkung: Die Daten stammen aus einem Modell für einen engen Temperaturbereich; die RGT-Regel mit Faktor 2–4 gilt ohnehin nur als Faustregel für Reaktionen mit typischen Aktivierungsenergien um Raumtemperatur.