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AbituraufgabenDie Reaktionsgeschwindigkeit

Ein Leitfähigkeitsmessgerät und eine Waage verraten, wie schnell Ester und Brausetabletten reagieren.

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Ester und Natronlauge

AFB I–II

Ethansäureethylester reagiert mit Natronlauge: \(\ce{CH3COOC2H5 + OH- -> CH3COO- + C2H5OH}\). Bei 25 °C werden gleiche Volumina so gemischt, dass zu Beginn \(c(\text{Ester}) = c(\ce{OH-}) = 20{,}0\,\mathrm{mmol\,L^{-1}}\) gilt. Während der Reaktion wird die elektrische Leitfähigkeit gemessen und in die Konzentration der Hydroxid-Ionen umgerechnet (M1).

M1Konzentration der Hydroxid-Ionen
0150300450600750900048121620Zeit t in sc(OH⁻) in mmol/L
Messpunkte der Leitfähigkeitsmessung, verbunden durch Geradenstücke.
  1. Beschreiben Sie den Verlauf der Konzentration in M1.
  2. Berechnen Sie die mittlere Reaktionsgeschwindigkeit in den Intervallen 0 s bis 120 s und 480 s bis 600 s und vergleichen Sie die Werte.
  3. Bestimmen Sie grafisch die momentane Reaktionsgeschwindigkeit bei \(t = 240\,\mathrm{s}\).
  4. Erläutern Sie, warum sich diese Reaktion über die elektrische Leitfähigkeit verfolgen lässt.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Achten Sie auf Anfangswert, Krümmung und darauf, ob die Kurve bereits waagrecht wird.
Hinweis zu Aufgabe b)
\(\bar v = -\Delta c/\Delta t\); Werte aus M1 ablesen bzw. aus den Messpunkten nehmen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Legen Sie im Punkt (240 s | 13,1 mmol/L) eine Tangente an und lesen Sie ein großes Steigungsdreieck ab.
Hinweis zu Aufgabe d)
Die Zahl der Ionen ändert sich nicht — wohl aber ihre Art. Hydroxid-Ionen leiten besonders gut.Erläutern: Einen Sachverhalt so darstellen, dass Zusammenhänge und Bedingungen verständlich werden – mit Beispielen oder Belegen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Konzentration der Hydroxid-Ionen nimmt von 20,0 mmol/L ab, zuerst schnell, dann immer langsamer; die Kurve ist nach links gekrümmt (fallend und flacher werdend). Nach 900 s ist die Reaktion noch nicht beendet (6,7 mmol/L).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\bar v_{0-120} = (20{,}0 - 15{,}8)\,\mathrm{mmol\,L^{-1}}/120\,\mathrm{s} \approx 3{,}5\cdot10^{-5}\,\mathrm{mol\,L^{-1}\,s^{-1}}\).

\(\bar v_{480-600} = (9{,}73 - 8{,}62)\,\mathrm{mmol\,L^{-1}}/120\,\mathrm{s} \approx 9{,}3\cdot10^{-6}\,\mathrm{mol\,L^{-1}\,s^{-1}}\).

Im späteren Intervall ist die Reaktion knapp viermal langsamer, weil die Konzentrationen beider Edukte kleiner sind.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Tangente bei 240 s, z. B. durch (240 s | 13,1 mmol/L) und (600 s | 6,3 mmol/L): Steigung \(\approx -6{,}8\,\mathrm{mmol\,L^{-1}}/360\,\mathrm{s}\).

\(v(240\,\mathrm{s}) \approx 1{,}9\cdot10^{-5}\,\mathrm{mol\,L^{-1}\,s^{-1}}\) (Werte zwischen \(1{,}6\) und \(2{,}2\cdot10^{-5}\) sind je nach Zeichengenauigkeit zu akzeptieren).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Für jedes verbrauchte Hydroxid-Ion entsteht ein Acetat-Ion; die Natrium-Ionen bleiben unverändert. Die Zahl der Ionen bleibt also gleich, aber Hydroxid-Ionen leiten den Strom viel besser als Acetat-Ionen.

Deshalb sinkt die Leitfähigkeit in dem Maß, in dem \(c(\ce{OH-})\) abnimmt — aus der Leitfähigkeit lässt sich \(c(\ce{OH-})\) laufend berechnen, ohne der Lösung Proben zu entnehmen.

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Die Brausetablette auf der Waage

AFB II–III

Eine Brausetablette (4,0 g) wird in ein Becherglas mit 100 mL Wasser gegeben, das auf einer Waage steht. Beim Auflösen reagieren Citronensäure und Natriumhydrogencarbonat: \(\ce{C6H8O7 + 3 NaHCO3 -> Na3C6H5O7 + 3 H2O + 3 CO2}\). Das Kohlenstoffdioxid entweicht; die Waage zeigt den Massenverlust \(\Delta m\) (M2). \(M(\ce{CO2}) = 44{,}01\,\mathrm{g\,mol^{-1}}\), \(V_m = 24{,}5\,\mathrm{L\,mol^{-1}}\).

M2Massenverlust des Becherglases
\(t\) in s0102030456090120
\(\Delta m\) in g00,260,440,550,660,720,770,78
  1. Stellen Sie die Messwerte in einem \(\Delta m\)-\(t\)-Diagramm dar.
  2. Ermitteln Sie die mittlere Bildungsgeschwindigkeit von \(\ce{CO2}\) in \(\mathrm{mmol\,s^{-1}}\) für die Intervalle 0 s bis 10 s und 60 s bis 90 s.
  3. Erklären Sie den Verlauf der Messkurve.
  4. Beurteilen Sie die Messmethode im Hinblick auf mögliche systematische Fehler.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Wählen Sie die Achsen so, dass die Kurve das Diagramm gut ausfüllt; die Punkte werden durch eine glatte Kurve verbunden.
Hinweis zu Aufgabe b)
Massenverlust in Stoffmenge umrechnen: \(n = \Delta m/M\), dann durch \(\Delta t\) teilen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Was geschieht mit den Konzentrationen der Edukte im Laufe der Zeit?
Hinweis zu Aufgabe d)
Überlegen Sie, ob außer \(\ce{CO2}\) noch etwas das Glas verlässt — und ob alles \(\ce{CO2}\) das Glas verlässt.Beurteilen: Zu einem Sachverhalt ein selbstständiges Urteil unter Verwendung von Fachwissen und Fachmethoden formulieren und begründen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

x-Achse: Zeit \(t\) in s (0 bis 120 s), y-Achse: Massenverlust \(\Delta m\) in g (0 bis 0,8 g); Achsen beschriftet, Punkte eingetragen und durch eine glatte, zunächst steile und dann flacher werdende Kurve verbunden, die sich 0,78 g annähert.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

0 s bis 10 s: \(n(\ce{CO2}) = 0{,}26\,\mathrm{g}/44{,}01\,\mathrm{g\,mol^{-1}} = 5{,}9\,\mathrm{mmol}\); \(\bar v = 5{,}9\,\mathrm{mmol}/10\,\mathrm{s} \approx 0{,}59\,\mathrm{mmol\,s^{-1}}\) (entspricht etwa 14 mL Gas pro Sekunde).

60 s bis 90 s: \(n(\ce{CO2}) = 0{,}05\,\mathrm{g}/44{,}01\,\mathrm{g\,mol^{-1}} = 1{,}1\,\mathrm{mmol}\); \(\bar v = 1{,}1\,\mathrm{mmol}/30\,\mathrm{s} \approx 0{,}038\,\mathrm{mmol\,s^{-1}}\) — etwa fünfzehnmal langsamer.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Zu Beginn liegen Citronensäure und Hydrogencarbonat in hoher Konzentration vor; pro Zeit reagieren viele Teilchen, die Kurve steigt steil. Mit fortschreitender Reaktion werden die Edukte verbraucht, ihre Konzentrationen sinken und damit die Reaktionsgeschwindigkeit: Die Kurve wird flacher. Sobald ein Edukt aufgebraucht ist, entsteht kein Gas mehr — die Kurve verläuft waagrecht bei etwa 0,78 g.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Vorteile: einfache, kontinuierliche Messung ohne Probenahme; die Masse des entweichenden Gases wird direkt erfasst.

Systematische Fehler: Mit den Gasblasen entweichen Wassertröpfchen und Wasserdampf — der Massenverlust wird zu groß. Ein Teil des \(\ce{CO2}\) bleibt im Wasser gelöst — der Massenverlust ist zu klein. In der Anfangsphase ändert sich die Masse sehr schnell, Ablesefehler sind dort groß; die Auflösung der Waage (0,01 g) begrenzt die Genauigkeit bei kleinen Massenänderungen am Ende.

Urteil: Für den qualitativen Verlauf und die Größenordnung der Geschwindigkeit geeignet, für genaue Werte sollte das Gasvolumen gemessen oder der Wasserverlust in einem Blindversuch bestimmt werden.