Diese 15 Fehler tauchen in Abiturklausuren immer wieder auf — quer durch alle sechs Kapitel. Jeder Fehler steht mit einer kleinen Skizze, der richtigen Begründung und einem Merksatz. Wer die Stolperfalle kennt, tritt seltener hinein.
Die 15 häufigsten Fehler
1Warm geworden = Energie aufgenommen Energetik
So wird oft argumentiert: „Die Lösung wird warm, also ist die Reaktion endotherm.“
Richtig ist: Das Thermometer misst die Umgebung. Wird sie warm, hat das System Wärme abgegeben: exotherm, \(\Delta_r H<0\).
Merksatz: Warm wird die Umgebung — das System verliert Energie.2Koeffizienten beim Satz von Hess vergessen Energetik
So wird oft argumentiert: Ethenverbrennung: \(\Delta_r H^\circ=-393{,}5-285{,}8-52{,}4=-731{,}7\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Richtig ist: Jeder Wert zählt mit seinem Koeffizienten: \(2\cdot(-393{,}5)+2\cdot(-285{,}8)-52{,}4-3\cdot0=-1411{,}0\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).
Merksatz: Erst Gleichung ausgleichen, dann jeden Tabellenwert mit dem Koeffizienten multiplizieren.3Aktivierungsenergie von den Produkten abgelesen Energetik
So wird oft argumentiert: Edukte 0, Maximum \(+80\), Produkte \(-60\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\): „\(E_A=140\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\).“
Richtig ist: \(E_A\) der Hinreaktion misst man vom Niveau der Edukte bis zum Maximum: \(80\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\). Die \(140\,\mathrm{kJ\,mol^{-1}}\) gehören zur Rückreaktion.
Merksatz: Hinreaktion: von den Edukten hoch; Rückreaktion: von den Produkten hoch.4Katalysator verschiebt das Gleichgewicht Kinetik und Gleichgewicht
So wird oft argumentiert: „Mit Katalysator entsteht beim Haber-Bosch-Verfahren mehr Ammoniak im Gleichgewicht.“
Richtig ist: Ein Katalysator beschleunigt Hin- und Rückreaktion gleichermaßen. Das Gleichgewicht stellt sich schneller ein, seine Lage und \(K\) bleiben gleich.
Merksatz: Katalysator: schneller am Ziel, gleiches Ziel.5K ändert sich bei Konzentrationsänderung Kinetik und Gleichgewicht
So wird oft argumentiert: „Gibt man Wasserstoff zu, wird \(K_c\) für \(\ce{H2 + I2 <=> 2 HI}\) größer.“
Richtig ist: Die Konzentrationen stellen sich neu ein, bis der Quotient wieder denselben Wert \(K_c\) hat. \(K\) ändert sich nur mit der Temperatur.
Merksatz: K ist eine Konstante — bei gleicher Temperatur.6Le Chatelier macht die Störung ganz rückgängig Kinetik und Gleichgewicht
So wird oft argumentiert: „Nach Zugabe von Edukt sinkt dessen Konzentration wieder auf den alten Wert.“
Richtig ist: Das System weicht der Störung nur teilweise aus: Die Edukt-Konzentration sinkt, bleibt aber höher als vorher; die Produkt-Konzentration steigt.
Merksatz: Ausweichen heißt verringern, nicht aufheben.7Schwache Säure wie starke Säure gerechnet Säure-Base-Reaktionen
So wird oft argumentiert: Essigsäure \(c_0=0{,}1\,\mathrm{mol\,L^{-1}}\): „\(\mathrm{pH}=-\lg0{,}1=1\).“
Richtig ist: Essigsäure protolysiert nur zu einem kleinen Teil: \(\mathrm{pH}=\tfrac12(\mathrm{p}K_S-\lg c_0)=\tfrac12(4{,}75+1)=2{,}88\).
Merksatz: Erst prüfen: stark oder schwach? Dann die passende Formel.8Äquivalenzpunkt = Neutralpunkt Säure-Base-Reaktionen
So wird oft argumentiert: „Am Äquivalenzpunkt ist die Lösung neutral, pH 7.“
Richtig ist: Nur bei starker Säure und starker Base. Bei Essigsäure liegt am ÄP Acetat vor, eine Base: pH ≈ 8,7. Am Halbäquivalenzpunkt gilt \(\mathrm{pH}=\mathrm{p}K_S\).
Merksatz: Äquivalent heißt „gleiche Stoffmenge“, nicht „neutral“.9Verdünnen teilt den pH-Wert Säure-Base-Reaktionen
So wird oft argumentiert: „Salzsäure mit pH 1 zehnfach verdünnt hat pH 0,1.“
Richtig ist: Verdünnt wird die Konzentration: \(c(\ce{H3O+})\) sinkt auf ein Zehntel, der pH-Wert steigt um 1 auf pH 2 (logarithmische Skala).
Merksatz: Faktor 10 in c = eine pH-Stufe.10Anode = Pluspol in der galvanischen Zelle Elektrochemie
So wird oft argumentiert: „Im Daniell-Element ist die Zinkelektrode als Anode der Pluspol.“
Richtig ist: Anode heißt Ort der Oxidation. Zink gibt Elektronen ab, sie sammeln sich dort: In der galvanischen Zelle ist die Anode der Minuspol.
Merksatz: Anode = Oxidation — der Pol hängt vom Zelltyp ab.11Pole der Elektrolyse wie bei der galvanischen Zelle Elektrochemie
So wird oft argumentiert: „Bei der Elektrolyse ist die Kathode der Pluspol.“
Richtig ist: Bei der Elektrolyse drückt die Spannungsquelle Elektronen in die Kathode: Kathode = Minuspol (Reduktion), Anode = Pluspol (Oxidation).
Merksatz: Elektrolyse: Minuspol = Kathode, Pluspol = Anode.12Zellspannung mit falschem Vorzeichen Elektrochemie
So wird oft argumentiert: Zn/Cu: „\(\Delta E=E^\circ(\ce{Zn})-E^\circ(\ce{Cu})=-0{,}76-0{,}34=-1{,}10\,\mathrm{V}\).“
Richtig ist: \(\Delta E=E^\circ(\text{Akzeptor})-E^\circ(\text{Donator})=0{,}34-(-0{,}76)=+1{,}10\,\mathrm{V}\). Eine freiwillig ablaufende Zellreaktion hat \(\Delta E>0\).
Merksatz: Oben minus unten: Akzeptor minus Donator.13Sauerstoff hat immer −II Elektrochemie
So wird oft argumentiert: „In \(\ce{H2O2}\) hat Sauerstoff die Oxidationszahl −II.“
Richtig ist: Dann ergäbe sich \(2\cdot(+\mathrm{I})+2\cdot(-\mathrm{II})=-2\neq0\). Zwischen den beiden O-Atomen werden die Elektronen geteilt: Sauerstoff hat hier −I.
Merksatz: Faustregeln prüfen: Summe der Oxidationszahlen = Ladung.14Benzol addiert Brom wie ein Alken Organische Reaktionen
So wird oft argumentiert: „Benzol hat drei Doppelbindungen, also entfärbt es Bromwasser.“
Richtig ist: Die sechs π-Elektronen sind über den Ring delokalisiert; eine Addition würde dieses stabile System zerstören. Benzol reagiert nur mit Katalysator — durch Substitution.
Merksatz: Aromaten substituieren, Alkene addieren.15Jede Kunststoffbildung ist eine Polymerisation Kunststoffe und Naturstoffe
So wird oft argumentiert: „PET entsteht wie Polyethen durch Polymerisation, dabei wird nichts abgespalten.“
Richtig ist: PET bildet sich aus einer Dicarbonsäure und einem Diol durch Polykondensation: Jede Esterbindung entsteht unter Abspaltung von Wasser. Polymerisation setzt C=C-Doppelbindungen voraus.
Merksatz: Monomer mit C=C → Polymerisation; zwei funktionelle Gruppen → Polykondensation.