Die 12 häufigsten Fehler
1Jedes C=O als Keton gelesen
So wird es oft geschrieben: „Ethylethanoat enthält eine Ketogruppe, weil es eine C=O-Bindung hat.“
Richtig ist: Ketogruppe heißt C=O mit genau zwei C-Nachbarn. Hat das C-Atom zusätzlich ein O-Atom als Nachbarn, liegt eine Estergruppe vor (–COO–), bei –OH eine Carboxygruppe (5.1.1, 5.1.3).
Erst die Nachbarn der C=O-Gruppe prüfen.
2Esternamen vertauscht
So wird es oft geschrieben: Aus Methanol und Ethansäure entsteht „Ethylmethanoat“.
Richtig ist: Bei Alkyl-alkanoat steht der Alkoholrest vorn, der Säureteil hinten: Methylethanoat (= Ethansäuremethylester). Ethylmethanoat ist ein anderer Stoff aus Methansäure und Ethanol (5.1.3).
Alkohol → Alkyl-, Säure → -anoat.
3Anders gezeichnet = Isomer
So wird es oft geschrieben: Eine geknickt gezeichnete Butan-Kette wird als Isomer von Butan gezählt.
Richtig ist: Um C–C-Einfachbindungen ist freie Drehung möglich; entscheidend ist die Verknüpfung. Bei But-1-en gibt es kein cis-trans-Isomer, weil C1 zwei H-Atome trägt (5.1.4).
Im Zweifel beide Formeln nach IUPAC benennen.
4Orange Phase als positive Bromwasserprobe
So wird es oft geschrieben: „Hexan färbt sich mit Bromwasser orange — also enthält es eine Doppelbindung.“
Richtig ist: Brom löst sich besser im unpolaren Kohlenwasserstoff: Es wird nur extrahiert. Positiv ist allein die sofortige Entfärbung im Dunkeln (5.1.5).
Entfärbung, nicht Farbwechsel.
5Wasser raus = Kondensation
So wird es oft geschrieben: „Propan-1-ol → Propen + Wasser ist eine Kondensation.“
Richtig ist: Aus einem Molekül entstehen zwei, eine C=C-Bindung wird gebildet: Eliminierung. Kondensation verknüpft zwei Moleküle zu einem größeren (5.2.1).
Teilchen zählen: 1 → 2 heißt Eliminierung.
6H-Radikal im ersten Fortpflanzungsschritt
So wird es oft geschrieben: Cl• + CH₄ → CH₃Cl + H•
Richtig ist: Richtig: Cl• + CH₄ → HCl + •CH₃. Die Bildung der starken H–Cl-Bindung macht den Schritt günstig; der Weg über H• wäre stark endotherm (5.2.2).
Das Halogen-Radikal holt sich zuerst ein H-Atom.
7Die Alkohol-OH-Gruppe landet im Wasser
So wird es oft geschrieben: „Bei der Veresterung gibt der Alkohol die OH-Gruppe ab, die Säure das H⁺ — wie bei einer Neutralisation.“
Richtig ist: Isotopenmarkierung zeigt: ¹⁸O aus dem Alkohol landet im Ester. Die Säure verliert die OH-Gruppe, der Alkohol nur das H-Atom seiner Hydroxygruppe (5.2.3).
Säure gibt OH, Alkohol gibt H.
8Produktanteile nur nach Statistik
So wird es oft geschrieben: Propan + Cl₂: 6 : 2 primäre zu sekundäre H → 75 % 1-Chlorpropan.
Richtig ist: Anteil ∼ Zahl der H · relative Reaktivität: 6 · 1 : 2 · 3,8 → 44 % 1- und 56 % 2-Chlorpropan (5.2.4).
Immer mit der Reaktivität gewichten.
9SN1 heißt „ein Schritt“
So wird es oft geschrieben: „2-Brom-2-methylpropan reagiert nach SN1, also in einem Schritt; doppelte OH⁻-Konzentration verdoppelt die Geschwindigkeit.“
Richtig ist: SN1 hat zwei Schritte; die 1 bedeutet: nur ein Teilchen im geschwindigkeitsbestimmenden Schritt (Heterolyse). \(v = k \cdot c(\text{R–X})\) — c(OH⁻) ändert nichts (5.3.6).
Molekularität zählt Teilchen, nicht Schritte.
10Elektronenpfeil vom Elektrophil
So wird es oft geschrieben: Der Pfeil zeigt vom H⁺ zur Doppelbindung.
Richtig ist: Elektronenpfeile beginnen immer am Elektronenpaar (π-Bindung, freies Paar) und zeigen zum Elektrophil (5.3.1, 5.3.4).
Pfeile zeigen Elektronen, nicht Atome.
11Markownikow mit Halogen begründet
So wird es oft geschrieben: „Das Br geht an das C-Atom mit weniger H, weil Brom dort mehr Platz hat.“
Richtig ist: Zuerst addiert das Proton so, dass das stabilere (höher substituierte) Carbokation entsteht; erst dann bindet Br⁻. Mit Peroxiden kehrt sich das Ergebnis um (5.3.5).
Das stabilste Carbokation entscheidet.
12Mesomeriepfeil als Gleichgewicht
So wird es oft geschrieben: Ethanoat-Ion: \(\ce{H3C-C(=O)-O^-}\) ⇌ \(\ce{H3C-C(-O^-)=O}\)
Richtig ist: Grenzstrukturen werden mit ↔ verbunden; es gibt nur einen realen, delokalisierten Zustand (beide C–O 126 pm). (5.4.2).
↔ beschreibt ein Teilchen, ⇌ zwei Stoffe.
