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Probeklausur

Drei Aufgaben mit Material zu Synthese, Substitution und Aromaten, 60 BE, 135 Minuten — die Generalprobe mit Notenpunkte-Schlüssel.

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Bearbeitungszeit135 Minuten

Drei Aufgaben mit Material, zusammen 60 Bewertungseinheiten (BE). Hilfsmittel: Taschenrechner, Periodensystem. Rechnen Sie auf Papier und tragen Sie nur die Ergebnisse ein; der Erwartungshorizont wird nach dem Auswerten freigeschaltet.

AFB I–III

Aufgabe 1: Ein Lösemittel aus Propen

20 BE
A1
Synthese und Veresterung
20 BE

Material 1: Propan-2-ylethanoat (Isopropylacetat) ist ein fruchtig riechendes Lösemittel. Ein Betrieb stellt es in zwei Stufen aus Propen her.

StufeReaktion und BedingungenAusbeute
1Propen + Wasser → Propan-2-ol
H₃PO₄-Katalysator, 300 °C
90 %
2Propan-2-ol + Ethansäure ⇌ Ester + Wasser
H₂SO₄ (katalytisch), Rückfluss
Gleichgewicht,
\(K_c = 2{,}3\)
StoffM in g/molϑb in °C
Propan-2-ol60,1082
Ethansäure60,05118
Propan-2-ylethanoat102,1389
Wasser18,02100

\(M(\text{Propen}) = 42{,}08\,\text{g/mol}\)

a) Geben Sie die zutreffende Beschreibung von Stufe 1 an. 3 BE
b) Ordnen Sie den Umsetzungen den Reaktionstyp zu. 4 BE
c) Berechnen Sie für Stufe 2 die Ausbeute an Ester (bezogen auf den Alkohol), wenn 1,0 mol Propan-2-ol mit 2,0 mol Ethansäure umgesetzt werden. 4 BE
%
d) Berechnen Sie die Masse Ester, die sich aus 100 g Propen über beide Stufen ergibt (Stufe 2 wie in c). 4 BE
g
e) Beurteilen Sie, welche Maßnahmen die Esterausbeute in Stufe 2 erhöhen. (mehrere Antworten richtig) 3 BE
f) Geben Sie an, wo sich ¹⁸O befindet, wenn Propan-2-ol mit ¹⁸O markiert ist. 2 BE
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont:

  • a) Die π-Elektronen greifen H⁺ an; H bindet an das CH₂-Ende, es entsteht das sekundäre Carbokation (zwei Alkylreste, +I), Wasser greift an, H⁺ wird zurückgebildet → Propan-2-ol (Markownikow). (3 BE)
  • b) Stufe 1 Addition, Stufe 2 Kondensation (Veresterung), Wasserabspaltung aus einem Molekül Eliminierung, Propan-2-ol → Propanon Oxidation (sekundärer Alkohol → Keton). (4 BE)
  • c) \(2{,}3 = \dfrac{x^2}{(1{,}0 - x)(2{,}0 - x)}\) → \(1{,}3x^2 - 6{,}9x + 4{,}6 = 0\) → \(x \approx 0{,}782\,\text{mol}\) (zweite Lösung 4,53 mol entfällt) → Ausbeute ≈ 78,2 %. (4 BE)
  • d) \(n(\text{Propen}) = 100 : 42{,}08 \approx 2{,}38\,\text{mol}\); \(\eta_\text{ges} = 0{,}90 \cdot 0{,}782 \approx 0{,}704\); \(m = 2{,}38 \cdot 0{,}704 \cdot 102{,}13\,\text{g} \approx 171\,\text{g}\). (4 BE)
  • e) Wasserentzug und Eduktüberschuss verschieben das Gleichgewicht (Le Chatelier). Der Katalysator beschleunigt nur die Einstellung, Kc bleibt; nach Erreichen des Gleichgewichts ändert Warten nichts. (3 BE)
  • f) Die Säure gibt die OH-Gruppe ab, der Alkohol nur das H-Atom → ¹⁸O bildet die Brücke C(=O)–¹⁸O–C im Ester; das Wasser ist unmarkiert. (2 BE)
AFB I–III

Aufgabe 2: Chlorbutane im Gaschromatogramm

20 BE
A2
Radikalische und nucleophile Substitution
20 BE

Material 2: Butan wird im Überschuss bei 25 °C belichtet, während langsam Chlor eingeleitet wird. Das Gemisch der Monochlorbutane wird gaschromatografisch untersucht (tR: Retentionszeit).

PeaktRStoff (ϑb)Fläche
13,6 min2-Chlorbutan (68 °C)3550
24,1 min1-Chlorbutan (78 °C)1450

Bindungsenthalpien (kJ/mol): C–H primär 423, C–H sekundär 413, H–Cl 431, Cl–Cl 242.

a) Geben Sie die zutreffende Folge aus Kettenstart und Kettenfortpflanzung an, die zu 2-Chlorbutan führt. 3 BE
b) Ermitteln Sie aus Material 2 den Anteil an 2-Chlorbutan in Prozent. 3 BE
%
c) Berechnen Sie die relative Reaktivität eines sekundären gegenüber einem primären H-Atom. 4 BE
: 1
d) Berechnen Sie die Reaktionsenthalpie der Abstraktion eines sekundären H-Atoms durch Cl• und vergleichen Sie mit einem primären H-Atom. 4 BE
kJ/mol
e) Beurteilen Sie die Vorhersage für die Bromierung von Butan bei gleicher Temperatur. 3 BE
f) Ordnen Sie den Umsetzungen von 2-Chlorbutan den überwiegenden Reaktionsweg zu. 3 BE
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont:

  • a) Start: Homolyse von Cl₂ im Licht. Fortpflanzung: Cl• holt ein H-Atom (es entstehen HCl und ein Alkyl-Radikal), das Radikal reagiert mit Cl₂ unter Rückbildung von Cl•. Ionen und H• treten nicht auf. (3 BE)
  • b) Anteil = 3550 : (3550 + 1450) = 71,0 %; die Fläche, nicht die Höhe ist maßgeblich. (3 BE)
  • c) Reaktivität pro H: sekundär 71,0 : 4 = 17,75; primär 29,0 : 6 = 4,83 → Verhältnis ≈ 3,67 : 1 (Literatur 3,8). (4 BE)
  • d) Sekundär: \(413 - 431 = -18\,\text{kJ/mol}\); primär: \(423 - 431 = -8\,\text{kJ/mol}\). Die sekundäre C–H-Bindung ist schwächer, weil das sekundäre Radikal (zwei Alkylreste, +I) stabiler ist → exothermer, kleinere Aktivierungsenergie, schneller. (4 BE)
  • e) Die H-Abstraktion durch Br• ist endotherm; der Übergangszustand ähnelt dem Radikal, die Stabilitätsunterschiede schlagen voll durch (prim. : sek. ≈ 1 : 80) → fast nur 2-Brombutan (Reaktivitäts-Selektivitäts-Prinzip). (3 BE)
  • f) Starkes Nucleophil in hoher Konzentration → SN2 mit Walden-Umkehr; polares protisches Wasser → Heterolyse, planares Carbokation → SN1, Racemat; starke Base bei hoher Temperatur → Eliminierung von HCl zu But-1-en/But-2-en. (3 BE)
AFB I–III

Aufgabe 3: Stabile Ringe, saure Phenole

20 BE
A3
Aromaten und Mesomerie
20 BE

Material 3a: Hydrierungsenthalpien zu Cyclohexan (kJ/mol)

EduktΔrH in kJ/mol
Cyclohexen−120
Cyclohexa-1,4-dien−240
Cyclohexa-1,3-dien−232
Benzol−208

Material 3b: Säure- und Basenkonstanten (25 °C)

SäurepKS
Ethanol≈ 16
Phenol10,0
3-Nitrophenol8,4
4-Nitrophenol7,2
BasepKB
Methylamin3,4
Anilin (Phenylamin)9,4
a) Berechnen Sie aus Material 3a die Mesomerieenergie von Benzol. 3 BE
kJ/mol
b) Beurteilen Sie die Aussagen zu Material 3a. (mehrere Antworten richtig) 3 BE
c) Begründen Sie, warum Benzol mit Brom (FeBr₃) substituiert und nicht addiert wird. 2 BE
d) Berechnen Sie, um welchen Faktor KS von 4-Nitrophenol größer ist als von Phenol. 3 BE
e) Ordnen Sie jedem Erstsubstituenten am Benzolring seine Wirkung bei der elektrophilen Zweitsubstitution zu. 4 BE
f) Beurteilen Sie die Aussagen zu Material 3b. (mehrere Antworten richtig) 3 BE
g) Geben Sie die Beschreibung an, die zu allen Befunden am Benzol passt. 2 BE
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont:

  • a) Erwartet 3 · 120 = 360 kJ/mol, gemessen 208 kJ/mol → \(E_\text{M} = 360 - 208 = 152\,\text{kJ/mol}\) (≈ 150). (3 BE)
  • b) 1,4-Dien: 2 · 120 = 240 → keine Konjugation, keine Stabilisierung; 1,3-Dien: 240 − 232 = 8 kJ/mol. Benzol ist energieärmer als Cyclohexatrien; EM ist eine Differenz, keine Reaktionsenthalpie. (3 BE)
  • c) Aromatisches Sextett bleibt nur bei Substitution erhalten; eine Addition kostete die ≈ 150 kJ/mol Mesomerieenergie. (2 BE)
  • d) \(10^{10{,}0 - 7{,}2} = 10^{2{,}8} \approx 631\). (3 BE)
  • e) –OH: freies Elektronenpaar, +M überwiegt → o/p, aktivierend. –NO₂: −M → m, desaktivierend. –Cl: −I überwiegt (langsamer), +M lenkt o/p. –CH₃: kein M-Effekt, +I → schwach aktivierend, o/p. (4 BE)
  • f) Richtig: Delokalisierung im Phenolat; zusätzliche Grenzstruktur mit Ladung an der NO₂-Gruppe nur aus p-Stellung (3-Nitrophenol: nur −I). Falsch: Das freie Elektronenpaar des Anilin-N ist in den Ring delokalisiert → schwächere Base (pKB 9,4); Säurestärke folgt aus der Stabilität des Anions, nicht aus der Zahl der O-Atome. (3 BE)
  • g) Gemessene Bindungslängen (139 pm), ein einziges 1,2-Dibrombenzol und die Mesomerieenergie belegen das delokalisierte Elektronensextett im ebenen Ring. (2 BE)

Ergebnis

Erreicht
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Prozent
0 %
Notenpunkte
—
AufgabeThemaPunkte

Notenpunkte-Schlüssel

BENPAnteil
57 – 60 BE15ab 95 %
54 – 56 BE14ab 90 %
51 – 53 BE13ab 85 %
48 – 50 BE12ab 80 %
45 – 47 BE11ab 75 %
42 – 44 BE10ab 70 %
39 – 41 BE9ab 65 %
36 – 38 BE8ab 60 %
33 – 35 BE7ab 55 %
30 – 32 BE6ab 50 %
27 – 29 BE5ab 45 %
24 – 26 BE4ab 40 %
20 – 23 BE3ab 33 %
17 – 19 BE2ab 27 %
12 – 16 BE1ab 20 %
0 – 11 BE0ab 0 %