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Mesomerie und Grenzstrukturen

Zwei Formeln für ein Teilchen — und keine davon stimmt allein. Wie beschreibt man Elektronen, die sich nicht festlegen?

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Eine Formel reicht nicht

Das delokalisierte π-Elektronensextett des Benzols (5.4.1) lässt sich mit einer einzigen Lewis-Formel nicht darstellen. Man zeichnet deshalb mehrere Formeln, die zusammen das reale Teilchen beschreiben.

  • Grenzstrukturen:Lewis-Formeln mit gleicher Lage aller Atome, die sich nur in der Verteilung von π-Elektronen und freien Elektronenpaaren unterscheiden.
  • Mesomeriepfeil ↔:verbindet die Grenzstrukturen. Keine davon existiert für sich; das reale Teilchen ist ein Zwischenzustand (mesomerer Zustand).
  • Elektronenpfeil:gebogener Pfeil vom Elektronenpaar zu der Stelle, an der es danach sitzt (neue Bindung oder freies Elektronenpaar).
Merke

Mesomerie im Ethanoat-Ion: \(\ce{H3C-C(=O)-O^-}\ \longleftrightarrow\ \ce{H3C-C(-O^-)=O}\)

Verschiebe Elektronenpaare: Ziehe ein freies Elektronenpaar oder den zweiten Strich einer Doppelbindung auf ein markiertes Ziel (Tastatur: Tab zum Paar, Enter, Pfeiltasten zum Ziel, Enter). Die Leiste rechts zählt die Valenzelektronen jedes Atoms. Finde alle wichtigen Grenzstrukturen.

Elektronenpaare verschieben

Halte fest: Wandert ein Elektronenpaar in eine Bindung, muss meist ein zweites Paar weichen — sonst hätte ein Atom zehn Valenzelektronen. Das Ethanoat-Ion und Benzol haben je zwei gleichwertige Grenzstrukturen; Grenzstrukturen mit Elektronensextett oder zusätzlichen Ladungen tragen wenig bei.

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Regeln für Grenzstrukturen

  • Unverändert:Lage der Atomkerne, Anzahl der Elektronen, Gesamtladung.
  • Oktettregel:C, N und O haben in keiner Grenzstruktur mehr als acht Valenzelektronen.
  • Voraussetzung:konjugiertes System — π-Bindungen und freie Elektronenpaare an benachbarten sp²-Atomen, deren p-Orbitale in einer Ebene überlappen.
  • Gewichtung:Eine Grenzstruktur trägt stärker bei, wenn alle Atome ein Oktett haben, wenige Formalladungen auftreten und negative Ladungen am elektronegativeren Atom sitzen.
Merke

Mesomeriestabilisierung: Je mehr gleichwertige Grenzstrukturen ein Teilchen hat, desto stärker sind Elektronen und Ladung delokalisiert — und desto stabiler ist es.

  • Befund:Im Ethanoat-Ion sind beide C–O-Bindungen gleich lang (ca. 126 pm), in Ethansäure dagegen C=O ca. 121 pm und C–O ca. 136 pm.
  • Folge:Die delokalisierte Ladung stabilisiert das Carboxylat-Ion; Carbonsäuren sind deshalb viel saurer als Alkohole (pKs 4,8 statt ca. 16; vgl. 5.3.7).
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Allgemeine Hinweise

Kein Gleichgewicht

Der Mesomeriepfeil ↔ ist kein Gleichgewichtspfeil ⇌: Das Teilchen springt nicht zwischen den Grenzstrukturen hin und her — es gibt nur den einen realen Zustand.

Atome wandern nie

Ändert sich die Lage eines Atoms (etwa eines H-Atoms), liegen zwei verschiedene Stoffe vor (Isomere) — keine Grenzstrukturen.

Pfeil am Elektronenpaar ansetzen

Elektronenpfeile beginnen immer an einem Elektronenpaar (Bindungsstrich oder freies Paar), nie an einem Atom. Nach jedem Pfeil die Oktettregel prüfen.

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