Die 12 häufigsten Fehler
1Biegsam = Elastomer
So wird es oft geschrieben: Ein Gartenschlauch aus Weich-PVC ist biegsam, also ein Elastomer.
Richtig ist: Weich-PVC ist unvernetzt; Weichmacher lockern nur die Ketten. Es lässt sich schmelzen → Thermoplast (6.1.1).
Klasse aus der Vernetzung bestimmen, nicht aus dem Gefühl.
2Tg als Schmelzpunkt
So wird es oft geschrieben: Bei Tg schmilzt der Kunststoff.
Richtig ist: Bei Tg werden nur Kettensegmente beweglich; erst ab Tf fließen ganze Ketten (6.1.2).
Glasübergang ≠ Schmelzen.
3Kristallit als Vernetzung
So wird es oft geschrieben: „PE-HD ist teilkristallin, also vernetzt.“
Richtig ist: Kristallite beruhen auf geordneter Packung und zwischenmolekularen Kräften; sie schmelzen. Vernetzung heißt Atombindungen zwischen Ketten.
Ordnung ist keine Bindung.
4C=C in der Wiederholeinheit
So wird es oft geschrieben: Polypropen: \(\ce{-[CH2=CH(CH3)]_{n}\bond{-}}\)
Richtig ist: Die Doppelbindung wird zur Einfachbindung: \(\ce{-[CH2-CH(CH3)]_{n}\bond{-}}\) (6.1.3).
Im Polymer gibt es keine C=C-Bindung der Monomere mehr.
5Initiator als Katalysator
So wird es oft geschrieben: „Das Peroxid katalysiert die Polymerisation.“
Richtig ist: Der Initiator wird verbraucht; seine Reste R sitzen als Endgruppen in den Ketten.
Verbraucht → Initiator, nicht Katalysator.
6Wasser vergessen
So wird es oft geschrieben: Polyester-Bildung: \(\ce{n HOOC-R-COOH}\) \(\ce{+ n HO-R'-OH}\) → Polymer (ohne Nebenprodukt).
Richtig ist: Pro Esterbindung entsteht ein H₂O; für lange Ketten „+ 2n H₂O“ (genau 2n − 1) (6.1.4).
Kondensation heißt: Wasser steht in der Gleichung.
7Urethan als Amid
So wird es oft geschrieben: Die Gruppe –NH–CO–O– wird als Amidgruppe bezeichnet; beim Aufbau entsteht Wasser.
Richtig ist: Das zusätzliche O-Atom macht daraus eine Urethangruppe; sie entsteht durch Polyaddition ohne Nebenprodukt (6.1.5).
Atome um das Carbonyl-C zählen.
8Verbrennen als Recycling
So wird es oft geschrieben: „Im Müllheizkraftwerk wird der Joghurtbecher recycelt.“
Richtig ist: Das ist energetische Verwertung; der Kohlenstoff verlässt als CO₂ den Stoffkreislauf (6.1.6).
Recycling erhält Moleküle oder Monomere.
9pI immer bei pH 7
So wird es oft geschrieben: „Am pI = 7 wandert jede Aminosäure nicht.“
Richtig ist: Neutrale Aminosäuren pI ≈ 6, saure ≈ 3, basische ≈ 10; der pI folgt aus den pKs-Werten (6.2.1).
pI = Mittelwert der passenden pKs-Werte.
10Denaturierung als Hydrolyse
So wird es oft geschrieben: „Beim Kochen werden die Peptidbindungen gespalten.“
Richtig ist: Hitze bricht H-Brücken, Ionen- und hydrophobe Wechselwirkungen; die Primärstruktur bleibt (6.2.2).
Entfalten ist nicht Spalten.
11α/β mit D/L verwechselt
So wird es oft geschrieben: „β-Glucose ist L-Glucose, weil die OH-Gruppe oben steht.“
Richtig ist: D/L beschreibt C5 und ändert sich beim Ringschluss nicht; α/β beschreibt nur das anomere C-Atom (6.2.3).
Zwei Stereozentren, zwei Begriffe.
12Fehling positiv = Glucose
So wird es oft geschrieben: „Ziegelroter Niederschlag, also enthält die Probe Glucose.“
Richtig ist: Auch Fructose, Maltose, Lactose und andere Reduktionsmittel reagieren; spezifisch für Glucose ist der GOD-Test (6.2.5).
Fehling zeigt reduzierende Stoffe, nicht einen bestimmten Zucker.
