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Probeklausur

Drei Aufgaben mit Material, 60 BE, 135 Minuten — die Generalprobe für die Klausur mit Notenpunkte-Schlüssel.

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Bearbeitungszeit135 Minuten

Drei Aufgaben mit Material, zusammen 60 Bewertungseinheiten (BE). Hilfsmittel: Taschenrechner, Periodensystem. Rechnen Sie auf Papier und tragen Sie nur die Ergebnisse ein; der Erwartungshorizont wird nach dem Auswerten freigeschaltet.

AFB I–III

Aufgabe 1: Kunststoffe für die Sportflasche

20 BE
A1
Kunststoffe
20 BE

Material 1: Ein Hersteller von Sportflaschen und Deckeln vergleicht Kunststoffe (Literaturwerte, gerundet).

KunststoffHauptketteTg in °CTm in °Cρ in g/cm³
PE-HDnur C–C≈ −110≈ 1300,95
PPnur C–C≈ −10≈ 1650,90
PA 6\(\ce{-CO-NH\bond{-}}\)≈ 50≈ 2201,13
PET\(\ce{-CO-O\bond{-}}\)≈ 78≈ 2551,38

Eine PA-6-Probe hat die mittlere molare Masse \(M = 33\,950\,\text{g/mol}\); die Wiederholeinheit \(\ce{-[NH-(CH2)5-CO]\bond{-}}\) hat \(M = 113{,}16\,\text{g/mol}\).

a) Ordnen Sie den Kunststoffen Familie und Bildungsreaktion zu. 3 BE
b) Berechnen Sie den mittleren Polymerisationsgrad der PA-6-Probe. 3 BE
c) Erklären Sie, warum PA 6 deutlich höher schmilzt als PE-HD. Wählen Sie die zutreffenden Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 4 BE
d) Ermitteln Sie mithilfe von Material 1, welche Kunststoffe im Schwimm-Sink-Becken (Wasser, 1,00 g/cm³) aufschwimmen. (mehrere Antworten richtig) 4 BE
e) Beurteilen Sie Verwertungswege für eine gebrauchte, sortenreine PET-Flasche mit PP-Deckel. (mehrere Antworten richtig) 6 BE
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont:

  • a) PP: Polyolefin (Polymerisation von Propen); PA 6: Polyamid (Polykondensation bzw. Ringöffnung, Amidgruppe); PET: Polyester (Polykondensation). (3 BE)
  • b) \(n = 33\,950 : 113{,}16 \approx 300\) (3 BE)
  • c) PA 6: Wasserstoffbrücken zwischen N–H und C=O benachbarter Ketten zusätzlich zu Van-der-Waals-Kräften; PE-HD: nur Van-der-Waals-Kräfte → zum Aufschmelzen der Kristallite ist bei PA mehr Energie nötig. Beide sind unvernetzte Thermoplaste. (4 BE)
  • d) ρ < 1 g/cm³: PE-HD und PP schwimmen, PA 6 und PET sinken. (4 BE)
  • e) Trennen per Schwimm-Sink; PET werkstofflich (Bottle-to-Bottle, Kettenabbau durch Nachkondensation ausgleichen) oder rohstofflich per Solvolyse; PP ist ein Thermoplast und ebenfalls werkstofflich verwertbar; Verbrennung ist Verwertung, kein Recycling. (6 BE)
AFB I–III

Aufgabe 2: Aminosäuren in der Elektrophorese

20 BE
A2
Aminosäuren und Proteine
20 BE

Material 2: \(\mathrm{p}K_\mathrm{S}\)-Werte ausgewählter Aminosäuren (25 °C).

Aminosäureα-COOHα-NH₃⁺SeitenketteM in g/mol
Glycin (Gly)2,349,60—75,07
Alanin (Ala)2,349,69—89,09
Glutaminsäure (Glu)2,199,674,25 (COOH)147,13
Lysin (Lys)2,188,9510,53 (NH₃⁺)146,19

Die vier Aminosäuren werden bei pH 6,0 auf einen Elektrophoresestreifen aufgetragen. \(M(\ce{H2O}) = 18{,}02\,\text{g/mol}\).

a) Berechnen Sie den isoelektrischen Punkt von Alanin. 3 BE
b) Berechnen Sie den isoelektrischen Punkt von Glutaminsäure. 3 BE
c) Sagen Sie die Wanderungsrichtung bei pH 6,0 begründet voraus. 4 BE
d) Berechnen Sie die molare Masse des Tripeptids Lys–Glu–Gly. 3 BE
g/mol
e) Bestimmen Sie, wie viele verschiedene Tripeptide sich aus diesen vier Aminosäuren bilden lassen, wenn jede beliebig oft vorkommen darf. 3 BE
f) Beurteilen Sie, welche Bindungen beim Erhitzen eines Proteins auf 90 °C erhalten bleiben. (mehrere Antworten richtig) 4 BE
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont:

  • a) \(\mathrm{pI} = (2{,}34 + 9{,}69) : 2 \approx 6{,}02\) (3 BE)
  • b) Neutralform zwischen den beiden sauren Gruppen: \(\mathrm{pI} = (2{,}19 + 4{,}25) : 2 = 3{,}22\) (3 BE)
  • c) pH 6,0 ≈ pI von Gly (5,97) und Ala (6,02): Nettoladung ≈ 0, bleiben am Start. Glu: pH > pI → Anion → Anode. Lys (pI 9,74): pH < pI → Kation → Kathode. (4 BE)
  • d) \(146{,}19 + 147{,}13 + 75{,}07 - 2 \cdot 18{,}02 \approx 332{,}4\,\text{g/mol}\) — zwei Peptidbindungen, zwei H₂O. (3 BE)
  • e) \(4^3 = 64\) Sequenzen; die Leserichtung N → C macht Lys–Glu–Gly und Gly–Glu–Lys verschieden. (3 BE)
  • f) Kovalente Bindungen bleiben: Peptidbindungen (Primärstruktur) und Disulfidbrücken. Wasserstoffbrücken und Ionenbindungen brechen — Sekundär- und Tertiärstruktur gehen verloren (Denaturierung). (4 BE)
AFB I–III

Aufgabe 3: Kohlenhydrate und Fette im Labor

20 BE
A3
Kohlenhydrate und Fette
20 BE

Material 3a: Fünf Proben (je 1 g Feststoff in Wasser bzw. aufgeschlämmt) werden untersucht. „+“ positiv, „−“ negativ.

ProbeFehlingIod-KIGOD-StreifenFehling nach Säurehydrolyse
A+−++
B−−−+
C−blauschwarz−+
D+−−+
E−−−− (unlöslich)

Material 3b: 5,00 g eines Speiseöls (mittlere molare Masse 884 g/mol) addieren im Versuch 4,40 g Iod; \(M(\ce{I2}) = 253{,}8\,\text{g/mol}\). Außerdem werden 8,10 g Stärke vollständig hydrolysiert; \(M(\ce{C6H10O5}) = 162{,}14\), \(M(\ce{C6H12O6}) = 180{,}16\,\text{g/mol}\).

a) Ordnen Sie den Proben A–E die Stoffe zu. 5 BE
b) Deuten Sie die Fehling-Probe als Redoxreaktion. Wählen Sie die korrekte Aussage. 3 BE
c) Berechnen Sie die Iodzahl des Öls und die mittlere Zahl der C=C-Bindungen je Triglycerid-Molekül. 4 BE
d) Erklären Sie, warum ein Öl mit hoher Iodzahl bei Raumtemperatur flüssig ist. Wählen Sie die zutreffenden Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 4 BE
e) Berechnen Sie die Stoffmenge und die Masse der Glucose, die aus 8,10 g Stärke entstehen. 4 BE
mol
g
Lösung anzeigen (nach Auswerten freigeschaltet)

Erwartungshorizont:

  • a) A Glucose (reduzierend, GOD +); D Fructose (reduziert Fehling über Endiol-Umlagerung, GOD −); B Saccharose (nicht reduzierend, nach Hydrolyse Invertzucker); C Stärke (Amylose-Helix, nach Hydrolyse Glucose); E Cellulose (unlöslich, β-glykosidisch, wird bei kurzer Säurebehandlung kaum gespalten). (5 BE)
  • b) \(\ce{R-CHO + 2 Cu^2+ + 5 OH-}\) \(\ce{-> R-COO- + Cu2O + 3 H2O}\): Oxidationszahl von C1 steigt von +I auf +III (Oxidation), Cu von +II auf +I (Reduktion, ziegelrotes Cu₂O). (3 BE)
  • c) Iodzahl = \(4{,}40 : 5{,}00 \cdot 100 = 88\). \(n(\ce{I2}) : n(\text{Fett})\) \(= (4{,}40 : 253{,}8) : (5{,}00 : 884)\) \(\approx 3{,}06\) — im Mittel drei C=C je Molekül (z. B. überwiegend Ölsäure). (4 BE)
  • d) Viele cis-Doppelbindungen → Knicke → lockere Packung → schwächere London-Kräfte → niedrige Schmelztemperatur. Fette sind keine Polymere. (4 BE)
  • e) \(\ce{(C6H10O5)_n + n H2O}\) \(\ce{-> n C6H12O6}\); \(n = 8{,}10 : 162{,}14 \approx 0{,}0500\,\text{mol}\); \(m = 0{,}0500 \cdot 180{,}16 \approx 9{,}00\,\text{g}\) — die Masse steigt um das eingebaute Wasser. (4 BE)

Ergebnis

Erreicht
0 / 60
Prozent
0 %
Notenpunkte
—
AufgabeThemaPunkte

Notenpunkte-Schlüssel

BENPAnteil
57 – 60 BE15ab 95 %
54 – 56 BE14ab 90 %
51 – 53 BE13ab 85 %
48 – 50 BE12ab 80 %
45 – 47 BE11ab 75 %
42 – 44 BE10ab 70 %
39 – 41 BE9ab 65 %
36 – 38 BE8ab 60 %
33 – 35 BE7ab 55 %
30 – 32 BE6ab 50 %
27 – 29 BE5ab 45 %
24 – 26 BE4ab 40 %
20 – 23 BE3ab 33 %
17 – 19 BE2ab 27 %
12 – 16 BE1ab 20 %
0 – 11 BE0ab 0 %