Redoxreaktionen
Redoxreaktionen sind Elektronenübergänge; Oxidationszahlen machen sie sichtbar, Teilgleichungen machen sie rechenbar (4.1.1–4.1.4).
Oxidationszahlen (4.1.1)
Bindungselektronen gedanklich dem elektronegativeren Partner zuteilen; Summe aller OZ = Ladung des Teilchens. Oxidation = OZ steigt, Reduktion = OZ sinkt.
Redoxgleichungen (4.1.2)
OZ → Teilgleichungen → Elektronen → Ladung mit H₃O⁺ (sauer) bzw. OH⁻ (alkalisch) → Wasser → Elektronen ausgleichen und addieren.
Redoxtitration (4.1.3)
Permanganometrie in schwefelsaurer Lösung: selbstindizierend (bleibende Rosafärbung), autokatalytisch durch Mn²⁺. Iodometrie mit Stärke.
Donator-Akzeptor (4.1.4)
Reduktionsmittel = Elektronendonator (wird oxidiert), Oxidationsmittel = Akzeptor; zwei korrespondierende Redoxpaare Ox/Red — wie Säure/Base beim Protonenübergang.
Oxidationszahl ist keine Ladung
Mn in MnO₄⁻ hat die OZ +VII, trägt aber keine Ladung +7. Die OZ ist eine Rechengröße; die echte Ladung steht rechts oben am Teilchen.
Galvanische Zellen
Getrennte Halbzellen liefern Strom; die Standard-Wasserstoffelektrode setzt den Nullpunkt, die Nernst-Gleichung erfasst die Konzentration (4.2.1–4.2.7).
Doppelschicht (4.2.1)
Metall in eigener Ionenlösung: Lösen und Abscheiden im Gleichgewicht; unedle Metalle laden sich negativ, edle positiv auf. Einzelpotenzial nicht messbar.
Galvanische Zelle (4.2.2)
Zwei Halbzellen, Draht (Elektronen) und Salzbrücke (Ionen). Daniell: Zn Minuspol, Cu Pluspol, 1,10 V.
Elektrodenvorgänge (4.2.3)
Anode = Oxidation (hier Minuspol, Metall löst sich), Kathode = Reduktion (Pluspol, Metall scheidet sich ab); Platin/Graphit leiten nur.
Standard-Wasserstoffelektrode (4.2.4)
Platiniertes Pt, H₂ mit 1013 hPa, c(H₃O⁺) = 1 mol/L, 25 °C; E° = 0 V per Festlegung. Mit SHE am COM zeigt das Voltmeter E°.
Standardpotenziale (4.2.5)
Spannungsreihe: großes E° = starkes Oxidationsmittel, kleines E° = starkes Reduktionsmittel. E° nie mit Koeffizienten multiplizieren.
Nernst-Gleichung (4.2.6)
Mehr Ox → E steigt; Feststoffe, Wasser und Gase bei 1013 hPa fehlen im Term, Koeffizienten werden Exponenten; H₃O⁺ macht E pH-abhängig.
Konzentrationszellen (4.2.7)
Gleiches Paar, verschiedene c: verdünnte Seite ist Minuspol. Anwendung: Konzentrationsmessung, pH-Messung.
Anode über den Vorgang definieren
Anode ist der Ort der Oxidation — in der galvanischen Zelle Minuspol, bei der Elektrolyse Pluspol. Wer sich nur „Anode = minus“ merkt, verliert Punkte.
Elektrolyse
Eine äußere Spannung erzwingt die Umkehrung einer freiwilligen Redoxreaktion; Überspannungen entscheiden, was tatsächlich abgeschieden wird (4.3.1–4.3.3).
Prinzip (4.3.1)
Kationen wandern zum Minuspol (Kathode, Reduktion), Anionen zum Pluspol (Anode, Oxidation); elektrische → chemische Energie.
Umkehrung (4.3.2)
Gleiche Zelle, zwei Richtungen: Pole bleiben, Anode und Kathode tauschen. Mindestens die Energie der freiwilligen Reaktion muss zugeführt werden.
Zersetzungsspannung (4.3.3)
Aus der Strom-Spannungs-Kurve: Gerade bis zur U-Achse verlängern. Sie übersteigt ΔE um die Überspannungen — groß bei Gasen, klein bei Metallen.
Abgeschiedene Stoffmenge (4.5.3)
Ladung und Stoffmenge hängen über die Faraday-Konstante zusammen; gilt für Elektrolysen, Akkus und Opferanoden.
Mindestspannung ist nicht ΔE°
ΔE° gilt nur für Standardbedingungen ohne Hemmung. Die real nötige Spannung liegt immer darüber; die Differenz wird zu Wärme.
Mobile Energiequellen
Batterien, Akkus und Brennstoffzellen sind technische galvanische Zellen; Kapazität, Spannung und Wirkungsgrad lassen sich berechnen (4.4.1–4.4.3).
Batterien (4.4.1)
Primärzellen, nicht aufladbar. Alkali-Mangan: Zink innen (−), MnO₂ außen (+), KOH-Gel, 1,5 V. Kapazität Q = I · t in mAh.
Akkumulatoren (4.4.2)
Sekundärzellen: Laden = Elektrolyse. Bleiakku ≈ 2 V je Zelle, Säuredichte zeigt Ladezustand; Li-Ionen-Akku ≈ 3,7 V (Schaukelstuhl).
Brennstoffzellen (4.4.3)
Brennstoff und O₂ werden laufend zugeführt — Wandler, kein Speicher. PEM: H₃O⁺ wandert zur O₂-Seite; alkalisch: OH⁻ zur H₂-Seite.
Energie und Wirkungsgrad (4.4.1, 4.4.3)
Elektrische Energie aus Spannung und Ladung; der ideale Wirkungsgrad der Brennstoffzelle ist das Verhältnis von freier Enthalpie zu Enthalpie.
Spannung ≠ Kapazität
Die Spannung hängt nur von den Redoxpaaren ab, die Kapazität von der Stoffmenge. AAA-, AA- und D-Zelle liefern alle 1,5 V.
Korrosion und Korrosionsschutz
Korrosion läuft über kurzgeschlossene galvanische Zellen; der pH-Wert bestimmt das Oxidationsmittel, der Schutz schaltet eine Bedingung aus (4.5.1–4.5.3).
Lokalelemente (4.5.1)
Zwei Metalle in Kontakt im Elektrolyten: Das unedlere ist Anodenteil und löst sich; am edleren wird reduziert. Kleine Anode + große Kathode = schneller Angriff.
Säurekorrosion (4.5.2)
Saure Lösung (pH < 4): H₃O⁺ wird zu H₂ reduziert, Sauerstoff nicht nötig.
Sauerstoffkorrosion (4.5.2)
Neutral/basisch: gelöster O₂ wird zu OH⁻; Fe(OH)₂ wird zu FeO(OH) (Rost) oxidiert. Belüftungselement: sauerstoffarme Stelle ist Anode.
Korrosionsschutz (4.5.3)
Überzüge (Lack, Zinn, Zink), Passivierung, kathodischer Schutz: Opferanode (Mg, Al, Zn) oder Fremdstrom — das Werkstück wird Kathode.
Edle Schicht mit Loch
Ein verletzter Zinn- oder Kupferüberzug ist schlimmer als keiner: Eisen wird zur kleinen Anode neben einer großen Kathode. Eine Zinkschicht opfert sich dagegen.
