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Abituraufgaben: Die Doppelschicht

Metallbleche über Nacht und Kondensatoren im Stadtbus — beide Male entscheidet eine unsichtbare Ladungsschicht.

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Bleche über Nacht

AFB I–II

Im Schülerversuch werden Metallbleche gewogen, eine Nacht lang in Salzlösungen gestellt, abgespült, getrocknet und erneut gewogen:

VersuchBlechLösung (0,1 mol/L)Masse vorherMasse nachherBeobachtung
1NickelNiSO₄2,000 g2,000 gkeine Veränderung
2BleiPb(NO₃)₂3,512 g3,512 gkeine Veränderung
3NickelPb(NO₃)₂2,000 g2,300 ggrauer, schwammiger Belag
4BleiNiSO₄3,512 g3,512 gkeine Veränderung

\(M(\ce{Ni}) = 58{,}69\,\text{g/mol}\), \(M(\ce{Pb}) = 207{,}2\,\text{g/mol}\)

  1. Beschreiben Sie die Vorgänge an der Oberfläche in Versuch 1 mithilfe des Modells der Doppelschicht.
  2. Vergleichen Sie die Doppelschichten in Versuch 1 und 2 und begründen Sie, welches Blech stärker negativ geladen ist.
  3. Erklären Sie die Beobachtung in Versuch 3 und berechnen Sie die Masse des abgeschiedenen Bleis.
  4. Beurteilen Sie die Aussage: „In Versuch 1 und 4 passiert chemisch gar nichts.“

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Zwei Vorgänge, ein Gleichgewicht.
Hinweis zu Aufgabe b)
Welches Metall ist unedler?
Hinweis zu Aufgabe c)
Pro Ni-Atom, das sich löst, scheidet sich ein Pb-Atom ab.
Hinweis zu Aufgabe d)
Unterscheide die beiden Versuche.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ni-Atome gehen als Ni²⁺ in Lösung, Elektronen bleiben zurück; das Blech lädt sich negativ auf, Ni²⁺-Ionen sammeln sich davor. Gleichzeitig werden Ni²⁺-Ionen abgeschieden. Es stellt sich das dynamische Gleichgewicht \(\ce{Ni <=> Ni^2+ + 2 e-}\) ein; der Umsatz ist so klein, dass die Masse unverändert bleibt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Beide Metalle sind unedel und laden sich negativ auf. Nickel ist unedler als Blei (Versuch 3), seine Lösungstension ist größer: Das Nickelblech trägt bei gleicher Konzentration mehr Überschusselektronen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Nickel reduziert die Pb²⁺-Ionen der fremden Lösung: \(\ce{Ni + Pb^2+ -> Ni^2+ + Pb}\). Je Formelumsatz nimmt die Masse um \(207{,}2 - 58{,}69 = 148{,}5\,\text{g/mol}\) zu: \(n = 0{,}300\,\text{g} : 148{,}5\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}} = 2{,}02\,\text{mmol}\); \(m(\ce{Pb}) = 2{,}02\,\text{mmol} \cdot 207{,}2\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}} = 0{,}419\,\text{g}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Für Versuch 1 falsch: Dort laufen Lösen und Abscheiden ständig ab (dynamisches Gleichgewicht, Doppelschicht), nur ohne Nettoumsatz. Für Versuch 4 weitgehend zutreffend: Blei ist edler als Nickel und kann Ni²⁺ nicht reduzieren, eine Redoxreaktion findet nicht statt. Die Aussage verwechselt „kein Nettoumsatz“ mit „keine Reaktion“.

2

Superkondensatoren im Stadtbus

AFB II–III

Elektrobusse speichern Bremsenergie in Doppelschichtkondensatoren („Supercaps“). Ihre Elektroden bestehen aus Aktivkohle mit riesiger innerer Oberfläche, getränkt mit einer Elektrolytlösung. Beim Laden sammeln sich Anionen an der positiven und Kationen an der negativen Elektrode — eine Redoxreaktion findet nicht statt.

KenngrößeWert
innere Oberfläche der Aktivkohle1500 m²/g
flächenbezogene Kapazität der Doppelschicht10 µF/cm² = 0,10 F/m²
Aktivkohle je Elektrode1,0 g
maximale Zellspannung2,7 V
Ladezyklenüber 500 000

Zwei gleiche Elektroden bilden eine Zelle; ihre Kapazitäten sind in Reihe geschaltet: \(C_{\text{Zelle}} = C_{\text{Elektrode}}/2\). \(W = \tfrac{1}{2} C U^2\), \(F = 96\,485\,\text{C/mol}\).

  1. Erläutern Sie Gemeinsamkeit und Unterschied zwischen der Doppelschicht im Supercap und der an einem Zinkblech in Zinksulfat-Lösung.
  2. Berechnen Sie die Kapazität einer Elektrode und einer Zelle.
  3. Ermitteln Sie die gespeicherte Energie und die Stoffmenge einfach geladener Ionen, die sich bei 2,7 V an einer Elektrode anlagern.
  4. Bewerten Sie den Einsatz von Supercaps statt Akkumulatoren zum Speichern der Bremsenergie eines Stadtbusses.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Wie entsteht die Ladung jeweils?
Hinweis zu Aufgabe b)
Fläche · flächenbezogene Kapazität.
Hinweis zu Aufgabe c)
\(Q = C \cdot U\), dann \(n = Q/F\).
Hinweis zu Aufgabe d)
Laden in Sekunden, viele Zyklen — aber wie viel Energie?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Gemeinsam: Ladung im Festkörper und eine Schicht entgegengesetzt geladener Ionen in der Lösung davor. Unterschied: Am Zinkblech entsteht die Ladung selbst durch eine Redoxreaktion (\(\ce{Zn <=> Zn^2+ + 2 e-}\)); im Supercap wird sie von außen aufgeprägt, die Ionen lagern sich nur an — ohne Elektronenübergang.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(A = 1{,}0\,\text{g} \cdot 1500\,\tfrac{\text{m}^2}{\text{g}} = 1500\,\text{m}^2\); \(C_{\text{El}} = 0{,}10\,\tfrac{\text{F}}{\text{m}^2} \cdot 1500\,\text{m}^2 = 150\,\text{F}\); \(C_{\text{Zelle}} = 75\,\text{F}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(W = \tfrac{1}{2} \cdot 75\,\text{F} \cdot (2{,}7\,\text{V})^2 \approx 273\,\text{J}\); \(Q = 75\,\text{F} \cdot 2{,}7\,\text{V} = 202{,}5\,\text{C}\); \(n = 202{,}5\,\text{C} : 96\,485\,\tfrac{\text{C}}{\text{mol}} \approx 2{,}1\,\text{mmol}\) Ionen je Elektrode.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Vorteile: Laden und Entladen in Sekunden (nur Ionenbewegung, keine langsame chemische Reaktion), sehr hohe Zyklenzahl, passend für häufiges Bremsen und Anfahren an Haltestellen. Nachteil: geringe Energie pro Masse (hier nur ≈ 273 J je Zelle mit 2 g Kohle) — für lange Strecken ungeeignet. Sinnvoll als Kurzzeitspeicher, meist in Kombination mit einem Akku.