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Abituraufgaben: Donator-Akzeptor-Prinzip

Ein Rohrreiniger und ein geschwefelter Wein — in beiden laufen Protonen- und Elektronenübergänge nebeneinander ab.

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Granulat im Rohrreiniger

AFB I–II

Ein fester Rohrreiniger enthält Natriumhydroxid-Plätzchen und Aluminium-Körnchen. Mit Wasser in den Abfluss gegeben, sprudelt es kräftig; das Gas lockert Verstopfungen:

\(\ce{2 Al + 2 OH- + 6 H2O}\) \(\ce{-> 2 [Al(OH)4]- + 3 H2}\)

Trifft der Reiniger auf Urinstein-Reste mit Ammonium-Ionen, riecht es stechend nach Ammoniak. \(M(\ce{Al}) = 26{,}98\,\text{g/mol}\), \(V_m = 24\,\text{L/mol}\) (20 °C).

  1. Bestimmen Sie die Oxidationszahlen in der Gasbildungsreaktion und nennen Sie Elektronendonator und Elektronenakzeptor.
  2. Stellen Sie die Teilgleichungen für Oxidation und Reduktion in alkalischer Lösung auf.
  3. Berechnen Sie das Gasvolumen, das 1,35 g Aluminium bei 20 °C liefern.
  4. Erklären Sie den Ammoniakgeruch mit dem Donator-Akzeptor-Prinzip und vergleichen Sie mit der Gasbildung.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Welche Atome ändern ihre OZ?
Hinweis zu Aufgabe b)
Ladungsausgleich mit OH⁻, Stoffausgleich mit H₂O.
Hinweis zu Aufgabe c)
Stoffmengenverhältnis Al : H₂ = 2 : 3.
Hinweis zu Aufgabe d)
Welches Teilchen wandert beim Ammonium?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Al: 0 → +III (in [Al(OH)₄]⁻); H in H₂O: +I → 0 (in H₂); O bleibt −II. Elektronendonator (Reduktionsmittel): Aluminium; Elektronenakzeptor (Oxidationsmittel): Wasser bzw. dessen H-Atome.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Oxidation: \(\ce{Al + 4 OH- -> [Al(OH)4]- + 3 e-}\) (·2); Reduktion: \(\ce{2 H2O + 2 e- -> H2 + 2 OH-}\) (·3). Summe: \(\ce{2 Al + 8 OH- + 6 H2O}\) \(\ce{-> 2 [Al(OH)4]- + 3 H2 + 6 OH-}\), gekürzt zur gegebenen Gleichung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(n(\ce{Al}) = 1{,}35\,\text{g} : 26{,}98\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}} = 0{,}0500\,\text{mol}\); \(n(\ce{H2}) = \tfrac{3}{2} \cdot 0{,}0500\,\text{mol} = 0{,}0750\,\text{mol}\); \(V = 0{,}0750\,\text{mol} \cdot 24\,\tfrac{\text{L}}{\text{mol}} = 1{,}8\,\text{L}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

\(\ce{NH4+ + OH- -> NH3 + H2O}\): NH₄⁺ ist Protonendonator (Säure), OH⁻ Protonenakzeptor (Base); Paare NH₄⁺/NH₃ und H₂O/OH⁻, alle OZ bleiben gleich. Bei der Gasbildung werden dagegen Elektronen übertragen (Redoxreaktion). Beide Reaktionen folgen dem Donator-Akzeptor-Prinzip, unterscheiden sich aber im übertragenen Teilchen.

2

Schwefeldioxid im Wein

AFB II–III

Wein wird „geschwefelt“: Zugesetztes Schwefeldioxid (E 220) schützt vor Oxidation durch Luftsauerstoff. In Wasser bildet sich schweflige Säure, die in zwei Stufen protolysiert:

GrößeWert
pH-Wert des Weins3,5
pKs1 (H₂SO₃ / HSO₃⁻)1,81
pKs2 (HSO₃⁻ / SO₃²⁻)7,2
freies SO₂ (Grenzwert-Bereich)30–50 mg/L

Beim Schutz vor Sauerstoff wird Hydrogensulfit zu Sulfat oxidiert.

  1. Formulieren Sie die Gleichung der ersten Protolysestufe und geben Sie die korrespondierenden Säure-Base-Paare an.
  2. Berechnen Sie das Konzentrationsverhältnis \(c(\ce{HSO3-}) : c(\ce{H2SO3})\) im Wein und begründen Sie, welches Teilchen als Antioxidans wirkt.
  3. Stellen Sie die Redoxgleichung für die Oxidation von Hydrogensulfit durch Sauerstoff auf und nennen Sie die Redoxpaare.
  4. Beurteilen Sie die Aussage „Schwefeldioxid wirkt im Wein zugleich als Säure und als Antioxidans“ mithilfe des Donator-Akzeptor-Prinzips.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Wasser ist der Protonenakzeptor.
Hinweis zu Aufgabe b)
Henderson-Hasselbalch-Gleichung.
Hinweis zu Aufgabe c)
S: +IV → +VI; O₂ nimmt 4 e⁻ auf.
Hinweis zu Aufgabe d)
Welche Teilchen gibt Schwefel(IV) jeweils ab?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(\ce{H2SO3 + H2O}\) \(\ce{<=> HSO3- + H3O+}\); Paare: H₂SO₃/HSO₃⁻ und H₃O⁺/H₂O.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\lg\tfrac{c(\ce{HSO3-})}{c(\ce{H2SO3})} = \text{pH} - \text{p}K_{s1} = 3{,}5 - 1{,}81 = 1{,}69\) ⇒ Verhältnis ≈ 49 : 1. Da pH ≪ pKs2, liegt kaum SO₃²⁻ vor: Das wirksame Teilchen ist überwiegend HSO₃⁻.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Oxidation: \(\ce{HSO3- + H2O}\) \(\ce{-> SO4^2- + 3 H+ + 2 e-}\) (·2); Reduktion: \(\ce{O2 + 4 H+ + 4 e-}\) \(\ce{-> 2 H2O}\). Gesamt: \(\ce{2 HSO3- + O2 -> 2 SO4^2- + 2 H+}\). Redoxpaare: SO₄²⁻/HSO₃⁻ und O₂/H₂O.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Zutreffend: Als H₂SO₃/HSO₃⁻ ist es Protonendonator (Säure, senkt den pH), als HSO₃⁻ zugleich Elektronendonator (Reduktionsmittel), der O₂ abfängt, bevor Weininhaltsstoffe oxidiert werden. In beiden Rollen ist es Donator. Die Redoxreaktion setzt zusätzlich H⁺ frei — Oxidation und Säurewirkung sind hier gekoppelt; aufgebrauchtes SO₂ muss nachdosiert werden.