Die 12 häufigsten Fehler
1Minuszeichen vergessen
So wird es oft geschrieben: Edukt: \(\bar v = \Delta c : \Delta t = (0{,}6 - 1{,}0) : 20 = -0{,}02\,\text{mol/(L·s)}\).
Richtig ist: Für Edukte gilt \(\bar v = -\Delta c : \Delta t\); die Geschwindigkeit ist immer positiv: \(+0{,}02\,\text{mol/(L·s)}\) (2.1.1).
Edukte nehmen ab — das Minus macht v positiv.
2Sekante als Momentangeschwindigkeit
So wird es oft geschrieben: „Die Geschwindigkeit bei t = 30 s ist ΔV zwischen 0 und 60 s geteilt durch 60 s.“
Richtig ist: Das ist die Durchschnittsgeschwindigkeit im Intervall; die Momentangeschwindigkeit ist die Tangentensteigung im Punkt (2.1.1).
Sekante = Intervall, Tangente = Zeitpunkt.
3Temperatur = mehr Stöße
So wird es oft geschrieben: „Beim Erwärmen stoßen die Teilchen doppelt so oft, deshalb verdoppelt sich v.“
Richtig ist: Die Stoßzahl steigt nur um wenige Prozent; entscheidend ist der stark wachsende Anteil der Stöße mit E ≥ EA (2.1.3).
Temperatur wirkt über die Energie der Stöße, nicht über ihre Zahl.
4Gleichgewicht = Stillstand
So wird es oft geschrieben: „Im Gleichgewicht laufen keine Reaktionen mehr ab.“
Richtig ist: Hin- und Rückreaktion laufen weiter, nur gleich schnell: \(v_{\text{hin}} = v_{\text{rück}} \neq 0\) (2.2.2).
Dynamisch heißt: gleich schnell, nicht null.
5Gleiche Konzentrationen
So wird es oft geschrieben: „Im Gleichgewicht liegen Edukte und Produkte in gleicher Konzentration vor.“
Richtig ist: Konstant heißt nicht gleich — bei H₂ + I₂ ⇌ 2 HI liegt etwa siebenmal so viel HI wie H₂ vor (2.2.2).
Die Geschwindigkeiten sind gleich, nicht die Konzentrationen.
6Koeffizienten als Faktoren
So wird es oft geschrieben: \(K_c = \dfrac{2\,c(\ce{NH3})}{c(\ce{N2}) \cdot 3\,c(\ce{H2})}\)
Richtig ist: Koeffizienten werden Exponenten: \(K_c = \dfrac{c^2(\ce{NH3})}{c(\ce{N2}) \cdot c^3(\ce{H2})}\), Einheit \((\text{mol/L})^{-2}\) (2.2.3).
Koeffizient → Hochzahl, nie Vorfaktor.
7Anfangswerte ins MWG
So wird es oft geschrieben: \(K_c\) wird mit den eingesetzten Startkonzentrationen berechnet.
Richtig ist: Nur Gleichgewichtskonzentrationen gehören ins MWG; sie folgen aus Anfang − Änderung (Tabelle mit x) (2.2.5).
Erst die GG-Zeile, dann das MWG.
8Druck ändert K
So wird es oft geschrieben: „Bei höherem Druck wird K für die Ammoniaksynthese größer.“
Richtig ist: Druck ändert nur Q; das Gleichgewicht verschiebt sich, bis Q wieder gleich dem unveränderten K ist. Nur die Temperatur ändert K (2.3.1, 2.3.2).
K hängt nur von der Temperatur ab.
9Erwärmen verschiebt immer nach rechts
So wird es oft geschrieben: „Wärme beschleunigt die Reaktion, also entsteht mehr Produkt.“
Richtig ist: Erwärmen begünstigt die endotherme Richtung; bei exothermer Hinreaktion sinkt K, das Gleichgewicht verschiebt sich nach links (2.3.2).
Schneller heißt nicht mehr Produkt.
10Katalysator verschiebt das Gleichgewicht
So wird es oft geschrieben: „Mit Katalysator entsteht im Gleichgewicht mehr Ammoniak.“
Richtig ist: Der Katalysator beschleunigt Hin- und Rückreaktion gleichermaßen; K und Lage bleiben, das Gleichgewicht stellt sich nur schneller ein (2.3.3).
Katalysator: Tempo ja, Lage nein.
11Feststoff im MWG
So wird es oft geschrieben: \(K_c = \dfrac{c(\ce{CaO}) \cdot c(\ce{CO2})}{c(\ce{CaCO3})}\) — mehr Kalk ergibt mehr CO₂.
Richtig ist: Reine Feststoffe haben konstante „Konzentration“ und stecken in K: \(K_c = c(\ce{CO2})\), unabhängig von der Kalkmenge (2.4.1).
Reine Feststoffe und Flüssigkeiten fehlen im MWG.
12Faktor beim Löslichkeitsprodukt vergessen
So wird es oft geschrieben: \(\ce{PbI2}\): \(K_L = L \cdot L^2 = L^3\).
Richtig ist: Pro Formeleinheit zwei Iodid-Ionen: \(c(\ce{I-}) = 2L\), also \(K_L = L \cdot (2L)^2 = 4L^3\) (2.4.2).
Koeffizient in die Konzentration und in den Exponenten.
