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Abituraufgaben: Das Prinzip von Le Chatelier

Ein roter Komplex im Reagenzglas und ein giftiges Gas im Blut — zweimal hilft der kleinste Zwang beim Verstehen.

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Rote Farbe unter Zwang

AFB I–II

Eisen(III)-Ionen bilden mit Thiocyanat-Ionen ein tiefrotes Komplex-Ion: \(\ce{Fe^3+ + SCN-} \rightleftharpoons \ce{[Fe(SCN)]^2+}\). Eine verdünnte, orangerote Gleichgewichtslösung wird auf fünf Reagenzgläser verteilt:

GlasZugabe zu 5 mL LösungBeobachtung
1—orangerot (Vergleich)
22 Tropfen FeCl₃-Lösungtiefrot
32 Tropfen KSCN-Lösungtiefrot
4eine Spatelspitze NaFfast farblos
55 mL Wasserdeutlich heller, auch im Vergleich zu einer 1 : 1 verdünnten Farbstofflösung

Fluorid-Ionen bilden mit Fe³⁺ das farblose Komplex-Ion [FeF₆]³⁻.

  1. Formulieren Sie das MWG und geben Sie die Einheit von \(K_c\) an.
  2. Erklären Sie die Beobachtungen in Glas 2 und 3.
  3. Deuten Sie die Beobachtung in Glas 4.
  4. Begründen Sie, warum Glas 5 heller ist, als es allein durch das Verdünnen zu erwarten wäre.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Δn = 1 − 2.
Hinweis zu Aufgabe b)
Wie ändert die Zugabe Q?
Hinweis zu Aufgabe c)
Was geschieht mit Fe³⁺?
Hinweis zu Aufgabe d)
Alle Konzentrationen halbieren, dann Q bilden.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(K_c = \dfrac{c(\ce{[Fe(SCN)]^2+})}{c(\ce{Fe^3+}) \cdot c(\ce{SCN-})}\), Einheit L/mol.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Zugabe von Fe³⁺ bzw. SCN⁻ vergrößert den Nenner: \(Q < K\). Die Hinreaktion überwiegt, es bildet sich mehr roter Komplex, bis wieder \(Q = K\) — die Lösung wird tiefrot.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

F⁻ bindet Fe³⁺ zu farblosem [FeF₆]³⁻ und entzieht es dem Gleichgewicht: \(Q > K\), die Rückreaktion überwiegt, der rote Komplex zerfällt fast vollständig.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Halbieren aller Konzentrationen: \(Q = \dfrac{c/2}{(c/2)(c/2)} = 2 K\), also \(Q > K\). Die Rückreaktion überwiegt, zusätzlich zerfällt Komplex — die Farbe nimmt stärker ab als durch den Verdünnungsfaktor 2 allein (Seite mit mehr gelösten Teilchen wird begünstigt).

2

Kohlenstoffmonoxid im Blut

AFB II–III

Kohlenstoffmonoxid verdrängt Sauerstoff vom Hämoglobin: \(\ce{HbO2 + CO} \rightleftharpoons \ce{HbCO + O2}\). Bezogen auf die Volumenanteile in der Atemluft gilt \(K \approx 210\). Ab etwa 50 % HbCO besteht Lebensgefahr. Luft enthält 21 % O₂; Rettungskräfte beatmen mit reinem Sauerstoff, in Spezialzentren sogar in Druckkammern (Sauerstoff mit 3 bar, entspricht einem O₂-Anteil von „300 %“ bei Normaldruck).

  1. Stellen Sie das MWG auf und deuten Sie den Wert von \(K\).
  2. Berechnen Sie das Verhältnis HbCO : HbO₂ in Luft mit 0,10 % CO.
  3. Erläutern Sie mit dem Prinzip von Le Chatelier, warum reiner Sauerstoff hilft, und berechnen Sie den HbCO-Anteil bei einem Rest von 0,010 % CO in Luft bzw. in reinem O₂.
  4. Beurteilen Sie den Nutzen der Druckkammer gegenüber reinem Sauerstoff bei Normaldruck.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Produkte oben — und was heißt K ≈ 210?
Hinweis zu Aufgabe b)
Nach c(HbCO)/c(HbO₂) auflösen.
Hinweis zu Aufgabe c)
O₂ steht im Zähler; Anteil = r/(1 + r).
Hinweis zu Aufgabe d)
O₂-„Anteil“ 300 % einsetzen und abwägen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(K = \dfrac{c(\ce{HbCO}) \cdot c(\ce{O2})}{c(\ce{HbO2}) \cdot c(\ce{CO})} \approx 210\): Das Gleichgewicht liegt rechts — Hämoglobin bindet CO rund 210-mal stärker als O₂.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\dfrac{c(\ce{HbCO})}{c(\ce{HbO2})} = K \cdot \dfrac{c(\ce{CO})}{c(\ce{O2})} = 210 \cdot \dfrac{0{,}10\,\%}{21\,\%} = 1{,}0\) — die Hälfte des Hämoglobins ist blockiert: Lebensgefahr.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Mehr O₂ vergrößert den Zähler: \(Q > K\), die Rückreaktion überwiegt, CO wird freigesetzt und abgeatmet. Luft: \(r = 210 \cdot 0{,}010/21 = 0{,}10\) ⇒ ≈ 9 % HbCO; reiner O₂: \(r = 210 \cdot 0{,}010/100 = 0{,}021\) ⇒ ≈ 2 % HbCO.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

In der Druckkammer: \(r = 210 \cdot 0{,}010/300 = 0{,}007\) ⇒ ≈ 0,7 % HbCO; der Zwang ist dreimal so groß, CO wird schneller und vollständiger verdrängt, zudem löst sich mehr O₂ direkt im Blut. Nachteile: Aufwand, wenige Zentren, Transportzeit, Risiken des Überdrucks. Sinnvoll bei schweren Vergiftungen; für leichte Fälle reicht reiner O₂ bei Normaldruck.