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Abituraufgaben: Das Haber-Bosch-Verfahren

Ammoniak als Treibstoff und Methanol aus Synthesegas — der Kompromiss aus Lage und Tempo wiederholt sich.

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Ammoniak als Schiffstreibstoff

AFB I–II

Reedereien testen Ammoniak als kohlenstofffreien Treibstoff. Er lässt sich bei −33 °C oder bei Raumtemperatur unter etwa 9 bar flüssig lagern (\(\rho \approx 0{,}68\,\text{kg/L}\)). Für Brennstoffzellen wird Ammoniak an Bord wieder in Stickstoff und Wasserstoff gespalten („Cracken“, Ru- oder Ni-Katalysator). Flüssiger Wasserstoff hat bei −253 °C eine Dichte von 0,071 kg/L.

  1. Formulieren Sie die Reaktionsgleichung für das Cracken mit Angabe der Reaktionsenthalpie.
  2. Erläutern Sie, welche Bedingungen das Cracken begünstigen.
  3. Berechnen Sie den Massenanteil des Wasserstoffs in Ammoniak und die Masse Wasserstoff in 1,0 L flüssigem Ammoniak. Vergleichen Sie mit flüssigem Wasserstoff.
  4. Beurteilen Sie Ammoniak als Schiffstreibstoff.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Umkehrung der Ammoniaksynthese.
Hinweis zu Aufgabe b)
Le Chatelier für die Rückreaktion der Synthese.
Hinweis zu Aufgabe c)
3 · M(H) / M(NH₃).
Hinweis zu Aufgabe d)
Herstellung, Nutzung, Risiken.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(\ce{2 NH3(g)} \rightleftharpoons \ce{N2(g) + 3 H2(g)}\); \(\Delta_r H^\circ = +92\,\text{kJ/mol}\) (endotherm, Umkehrung der Synthese).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Endotherm: hohe Temperatur vergrößert K. Aus 2 werden 4 Gasteilchen: niedriger Druck begünstigt die Spaltung. Der Katalysator ändert die Lage nicht, macht die Spaltung aber schnell genug (ca. 500–700 °C, wenige bar).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(w(\ce{H}) = 3 \cdot 1{,}008 / 17{,}03 = 17{,}8\,\%\). 1,0 L NH₃(l): \(680\,\text{g} \cdot 0{,}178 \approx 121\,\text{g}\) H₂ — mehr als in 1,0 L flüssigem Wasserstoff (71 g), und das ohne Kühlung auf −253 °C.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Pro: kein CO₂ bei der Nutzung (\(\ce{4 NH3 + 3 O2 -> 2 N2 + 6 H2O}\)), gut speicherbar, Infrastruktur aus dem Düngerhandel vorhanden. Contra: giftig und ätzend, Bildung von NOx und N₂O möglich, Energieverluste durch Synthese und Cracken. Klimavorteil nur, wenn der Wasserstoff für das Haber-Bosch-Verfahren aus Elektrolyse mit Ökostrom stammt („grüner Ammoniak“) statt aus Erdgas.

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Methanol aus Synthesegas

AFB II–III

Methanol ist Grundstoff für Formaldehyd, Kunststoffe und Kraftstoffe. Es wird aus Synthesegas hergestellt: \(\ce{CO(g) + 2 H2(g)} \rightleftharpoons \ce{CH3OH(g)}\), \(\Delta_r H^\circ = -91\,\text{kJ/mol}\). Moderne Anlagen arbeiten mit einem Kupfer-Zinkoxid-Katalysator bei 220–280 °C und 50–100 bar; pro Durchgang wird nur ein Teil umgesetzt, Methanol wird auskondensiert, das Restgas im Kreislauf geführt.

ϑ in °Cp = 50 barp = 100 bar
20055,8 %69,9 %
25024,9 %43,2 %
3006,7 %18,1 %

Stoffmengenanteil Methanol im Gleichgewicht, Einsatzgemisch CO : H₂ = 1 : 2 (berechnet für ideale Gase).

  1. Begründen Sie mit dem Prinzip von Le Chatelier, welche Bedingungen die Lage des Gleichgewichts begünstigen.
  2. Werten Sie die Tabelle im Hinblick auf Ihre Vorhersage aus.
  3. Berechnen \(K_p\) bei 250 °C aus dem Wert für 50 bar. Im Gleichgewicht betragen die Anteile von CO 25,0 % und von H₂ 50,1 %.
  4. Beurteilen Sie die technischen Bedingungen im Vergleich zum Haber-Bosch-Verfahren.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Vorzeichen von ΔrH und Zahl der Gasteilchen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Zeilen und Spalten getrennt vergleichen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Partialdruck = Anteil · Gesamtdruck.
Hinweis zu Aufgabe d)
Lage, Geschwindigkeit, Kosten, Nebenreaktionen.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Exotherm: niedrige Temperatur vergrößert K. Aus 3 Gasteilchen wird eines: hoher Druck verschiebt zum Methanol.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Bei gleichem Druck sinkt der Methanolanteil mit steigender Temperatur stark (bei 50 bar von 55,8 % auf 6,7 %). Bei gleicher Temperatur steigt er mit dem Druck (bei 250 °C von 24,9 % auf 43,2 %). Beides bestätigt die Vorhersage; der Druckeinfluss ist bei hoher Temperatur relativ am größten.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(K_p = \dfrac{p(\ce{CH3OH})}{p(\ce{CO}) \cdot p^2(\ce{H2})} = \dfrac{0{,}249 \cdot 50}{(0{,}250 \cdot 50) \cdot (0{,}501 \cdot 50)^2}\,\text{bar}^{-2} = \dfrac{12{,}45}{12{,}5 \cdot 627{,}5}\,\text{bar}^{-2} \approx 1{,}6 \cdot 10^{-3}\,\text{bar}^{-2}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Wie bei Haber-Bosch ein Kompromiss: Die Lage wäre bei 200 °C besser, doch der Cu/ZnO-Katalysator arbeitet erst ab etwa 220 °C schnell genug. Er ist aktiver als der Eisenkontakt, daher reichen niedrigere Temperaturen als bei der NH₃-Synthese; das verbessert die Lage so weit, dass 50–100 bar genügen (geringere Verdichterkosten). Höhere Temperaturen würden zudem Nebenreaktionen (Methan, höhere Alkohole) und die Alterung des Kupferkatalysators fördern. Wie bei Haber-Bosch gleicht der Kreislauf mit Auskondensieren den geringen Umsatz pro Durchgang aus.