MINT lernen

Abituraufgaben: Die Lage des Gleichgewichts

Ein Enzym im Zuckersirup und das Ozon über unseren Köpfen — einmal Gleichgewicht, einmal weit davon entfernt.

Dein Fortschritt:
0 / 0 Aufgaben
1

Fructosesirup aus Maisstärke

AFB I–II

Für Softdrinks wird Glucose aus Maisstärke mit dem Enzym Glucose-Isomerase teilweise in die süßere Fructose umgewandelt: \(\ce{Glucose} \rightleftharpoons \ce{Fructose}\). In einem Laborversuch wurde eine Glucoselösung bei 60 °C mit dem Enzym versetzt und der Fructoseanteil verfolgt:

Zeit in h02482448
Anteil Fructose in %02538465151

Anteil Fructose an der Gesamtmenge Zucker (Glucose + Fructose) bei 60 °C.

  1. Stellen Sie das Massenwirkungsgesetz auf und bestimmen Sie \(K_c\) bei 60 °C.
  2. Beschreiben Sie die Lage dieses Gleichgewichts.
  3. Berechnen Sie \(Q\) nach 4 h und erläutern Sie, was der Vergleich mit \(K\) aussagt.
  4. Beurteilen Sie, warum Hersteller die Reaktion schon bei etwa 42 % Fructose abbrechen.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Im Gleichgewicht ändert sich der Anteil nicht mehr.
Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleichen Sie K mit 1.
Hinweis zu Aufgabe c)
Q mit den Anteilen nach 4 h bilden.
Hinweis zu Aufgabe d)
Wie verläuft die Annäherung an das Gleichgewicht?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(K_c = \dfrac{c(\text{Fructose})}{c(\text{Glucose})}\). Ab 24 h konstant: \(K_c = \dfrac{51}{49} \approx 1{,}0\) (Volumen kürzt sich, Anteile genügen).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Mit \(K \approx 1\) liegt das Gleichgewicht ausgeglichen: Glucose und Fructose liegen in vergleichbaren Mengen vor, keine Seite überwiegt deutlich.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(Q = 38/62 \approx 0{,}61 < K \approx 1{,}0\): Das Gemisch ist noch nicht im Gleichgewicht, die Hinreaktion (Bildung von Fructose) überwiegt weiter.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Je näher Q an K liegt, desto kleiner wird der Nettoumsatz pro Zeit (Hin- und Rückreaktion gleichen sich an). Die letzten Prozente kosten sehr viel Reaktorzeit und Enzym. Mehr als ~51 % sind im Gleichgewicht ohnehin nicht erreichbar; für höhere Anteile muss Fructose anschließend abgetrennt (angereichert) werden.

2

Ozon — gar nicht im Gleichgewicht

AFB II–III

Ozon entsteht aus Sauerstoff: \(\ce{3 O2} \rightleftharpoons \ce{2 O3}\). Aus thermodynamischen Tabellen folgt bei 25 °C \(K_c \approx 1{,}6 \cdot 10^{-56}\,\text{L/mol}\); bei tieferen Temperaturen ist der Wert noch kleiner. Gemessene Konzentrationen:

Ortc(O₂) in mol/Lc(O₃) in mol/L
Ozonschicht (25 km)2,9 · 10⁻⁴6,8 · 10⁻⁹
Bodennähe (Sommersmog)8,6 · 10⁻³2,1 · 10⁻⁹
  1. Stellen Sie das MWG auf und begründen Sie die Einheit von \(K_c\).
  2. Deuten Sie den Wert von \(K_c\) hinsichtlich der Lage des Gleichgewichts.
  3. Berechnen Sie \(Q\) für beide Orte und vergleichen Sie mit \(K_c\).
  4. Beurteilen Sie, warum trotzdem dauerhaft Ozon in der Atmosphäre vorhanden ist.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Δn aus den Koeffizienten.
Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleich mit 10⁻³.
Hinweis zu Aufgabe c)
Werte einsetzen, Zehnerpotenzen getrennt rechnen.
Hinweis zu Aufgabe d)
Woher kommt ständig neues Ozon?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(K_c = \dfrac{c^2(\ce{O3})}{c^3(\ce{O2})}\); \(\Delta n = 2 - 3 = -1\), also \((\text{mol/L})^{-1} = \text{L/mol}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(K_c \ll 10^{-3}\): Das Gleichgewicht liegt extrem weit links. Im Gleichgewicht wäre praktisch kein Ozon vorhanden — Ozon ist gegenüber Sauerstoff instabil.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Ozonschicht: \(Q = \dfrac{(6{,}8 \cdot 10^{-9})^2}{(2{,}9 \cdot 10^{-4})^3} \approx 1{,}9 \cdot 10^{-6}\,\text{L/mol}\); Boden: \(Q = \dfrac{(2{,}1 \cdot 10^{-9})^2}{(8{,}6 \cdot 10^{-3})^3} \approx 6{,}9 \cdot 10^{-12}\,\text{L/mol}\). Beide Werte sind rund \(10^{44}\)- bis \(10^{50}\)-mal größer als \(K_c\): \(Q \gg K\), die Rückreaktion (Zerfall von Ozon) müsste überwiegen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Die Atmosphäre ist kein abgeschlossenes System im Gleichgewicht: UV-Strahlung spaltet \(\ce{O2}\) (Ozonschicht) bzw. Stickoxide werden photolysiert (Sommersmog); so wird laufend Ozon nachgebildet. Gleichzeitig zerfällt Ozon ohne Katalysator nur langsam. Die gemessenen Konzentrationen sind ein Fließgleichgewicht aus Bildung und Abbau, kein chemisches Gleichgewicht — \(K\) beschreibt nur den Zustand ohne Energiezufuhr.