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Übung AFB III

Zehn Aufgaben zum Beurteilen und Begründen — hier zählt das Warum, nicht nur das Ergebnis.

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Aufgabenblock — AFB III

Begründen statt nur zählen: Modelle beurteilen, Aussagen widerlegen, Versuche entwickeln und Trends fortsetzen. Formuliere deine Antwort zuerst selbst, bevor du die Musterlösung aufklappst.

A1
Rosinenkuchen oder Kern?
AFB III

Nach Thomson ist die positive Ladung gleichmäßig über das ganze Atom verteilt, die Elektronen stecken darin wie Rosinen im Kuchen. Beurteile, ob dieses Modell Rutherfords Beobachtung erklären kann, dass einzelne α-Teilchen von der Goldfolie zurückgeworfen werden.

Hinweis: Ein α-Teilchen ist positiv geladen und etwa 7000-mal so schwer wie ein Elektron.

Strategie: Überlege, wo im jeweiligen Modell eine starke abstoßende Kraft auf das α-Teilchen wirken könnte.Warum so? Ein Rückprall braucht eine große, auf engem Raum konzentrierte Ladung und Masse.
Lösungsskizze: Thomson: Ladung verteilt → nur schwache Kräfte → kaum Ablenkung. Rückstreuung → Ladung und Masse im winzigen Kern.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Das Thomson-Modell kann die Rückstreuung nicht erklären. Weil die positive Ladung dort über das ganze Atom verschmiert ist, wirkt auf ein durchfliegendes α-Teilchen nirgends eine große Kraft; die leichten Elektronen können das schwere α-Teilchen nicht umlenken. Alle Teilchen müssten fast geradeaus fliegen. Dass einige zurückprallen, zeigt: Positive Ladung und fast die gesamte Masse sind in einem winzigen Kern konzentriert. Das Modell ist damit widerlegt; Rutherfords Kern-Hülle-Modell erklärt beide Beobachtungen (fast alle fliegen durch, wenige prallen zurück).

Thomson (1904)Rutherford (1911)
Zwei Atommodelle im Vergleich (nicht maßstäblich).
A2
Mix: Gibt es Atome mit 35,5 u?
AFB III

Lea sagt: „Die molare Masse von Chlor ist 35,5 g/mol. Also wiegt jedes Chlor-Atom 35,5 u.“ Nimm Stellung zu Leas Aussage.

Hinweis: Verbinde die molare Masse aus Kapitel 1 mit den Isotopen aus 2.1.3.

Strategie: Prüfe, welche Chlor-Atome es tatsächlich gibt, und woher der Wert 35,5 kommt.Warum so? Die molare Masse beschreibt eine riesige Zahl von Atomen, also einen Mittelwert.
Lösungsskizze: Isotope ³⁵Cl (≈ 76 %) und ³⁷Cl (≈ 24 %) → gewichteter Mittelwert 35,5 u → kein Einzelatom hat 35,5 u.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Lea hat nur teilweise recht. Der Zahlenwert stimmt: 1 mol Chlor-Atome hat die Masse 35,5 g, und die mittlere Atommasse ist 35,5 u. Aber kein einzelnes Chlor-Atom wiegt 35,5 u. Natürliches Chlor ist ein Isotopengemisch aus etwa 76 % ³⁵Cl (≈ 35 u) und 24 % ³⁷Cl (≈ 37 u). Der Wert 35,5 u ist der gewichtete Mittelwert dieser Mischung — so wie ein Klassendurchschnitt von 2,4 keine Note ist, die jemand bekommen hat.

A3
Wächst die Masse mit der Ordnungszahl?
AFB III

Im PSE steigt die Atommasse meistens mit der Ordnungszahl. Tim folgert: „Je größer die Ordnungszahl, desto größer die Atommasse — immer.“ Widerlege Tims Aussage mit einem Beispiel aus den ersten 20 Elementen und erkläre die Ursache.

Hinweis: Vergleiche Argon (Z = 18) und Kalium (Z = 19).

Strategie: Suche im PSE zwei benachbarte Elemente, bei denen die Reihenfolge der Atommassen „falsch herum“ ist.Warum so? Ein einziges Gegenbeispiel genügt, um eine „immer“-Aussage zu widerlegen.
Lösungsskizze: Ar: 40 u, K: 39 u. Grund: Ar enthält vor allem ⁴⁰Ar (22 Neutronen), K vor allem ³⁹K (20 Neutronen).
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Argon hat Z = 18 und die Atommasse 39,9 u, Kalium hat Z = 19, aber nur 39,1 u. Die Atommasse sinkt hier also, obwohl die Ordnungszahl steigt. Ursache: Die Masse hängt auch von den Neutronen ab. Natürliches Argon besteht fast nur aus ⁴⁰Ar mit 22 Neutronen, Kalium vor allem aus ³⁹K mit 20 Neutronen. Deshalb ordnet man das PSE nach der Ordnungszahl (Protonenzahl), nicht nach der Masse — sonst stünde das Edelgas Argon bei den Alkalimetallen.

A4
Ist das Schalenmodell wahr?
AFB III

Im Schalenmodell kreisen Elektronen auf Schalen um den Kern. Diskutiere, ob das Schalenmodell die „wahre“ Gestalt eines Atoms zeigt.

Hinweis: Denke an die Aufgabe von Modellen und daran, welche Beobachtungen das Modell erklärt.

Strategie: Sammle ein Argument dafür (was erklärt das Modell?) und ein Argument dagegen (was ist vereinfacht?). Ziehe dann ein Fazit.Warum so? Modelle sind Denkwerkzeuge: Sie werden nach ihrem Nutzen beurteilt, nicht nach „wahr“ oder „falsch“.
Lösungsskizze: Pro: erklärt Sprünge der Ionisierungsenergien, PSE-Aufbau, Valenzelektronen. Contra: Bahnen nicht beobachtbar, Elektronen keine Kügelchen. Fazit: nützliches Modell.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Für das Schalenmodell spricht, dass es viele Beobachtungen erklärt: die Sprünge in den Ionisierungsenergien, die Anordnung der Elemente in Perioden und Gruppen und die Zahl der Valenzelektronen, die die Reaktionen bestimmt. Dagegen spricht, dass niemand Elektronen auf festen Kreisbahnen beobachtet hat; Elektronen sind keine kleinen Kugeln, und die Schalen sind nur ein Bild für Energiestufen. Fazit: Das Schalenmodell ist kein Foto des Atoms, sondern ein vereinfachtes Modell. Es ist für die Chemie der Klasse 9 sehr nützlich, stößt aber an Grenzen — deshalb gibt es genauere Modelle.

A5
Reaktivität der Alkalimetalle zeigen
AFB III

Entwickle einen Demonstrationsversuch, mit dem man zeigen kann, dass die Reaktivität von Lithium über Natrium zu Kalium zunimmt. Gib Durchführung, erwartete Beobachtungen und Sicherheitsmaßnahmen an.

Hinweis: Alle drei Metalle reagieren mit Wasser. Denke an einen Indikator.

Strategie: Plane einen fairen Vergleich: gleiche Bedingungen, nur das Metall wird verändert.Warum so? Nur wenn alle anderen Größen gleich bleiben, lässt sich der Unterschied dem Metall zuschreiben.
Lösungsskizze: Gleich große Stücke (linsengroß) in Wasser mit Phenolphthalein, Schutzscheibe, Lehrerversuch; Heftigkeit und Dauer vergleichen.
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Musterlösung: Durchführung (Lehrerversuch): Drei gleich große Glaswannen mit gleich viel Wasser und einigen Tropfen Phenolphthalein. Nacheinander je ein linsengroßes, frisch geschnittenes Stück Li, Na und K auflegen. Beobachtungen: Li reagiert ruhig und bleibt lange erhalten; Na schmilzt zur Kugel und flitzt zischend umher; K reagiert heftig, das Gas entzündet sich mit violetter Flamme. In allen Wannen färbt sich das Wasser pink (alkalische Lösung). Je kürzer die Reaktionsdauer und je heftiger die Reaktion, desto reaktiver das Metall. Sicherheit: Schutzbrille, Schutzscheibe, nur sehr kleine Stücke, Metalle mit der Pinzette anfassen und vorher Paraffinöl abtupfen, Abstand halten.

A6
Natrium richtig aufbewahren
AFB III

Ein Schüler schlägt vor, Natrium in einem Glas mit Wasser aufzubewahren, „damit keine Luft herankommt“. Bewerte den Vorschlag und nenne eine bessere Lösung.

Hinweis: Überlege, womit Natrium reagiert.

Strategie: Prüfe den Vorschlag gegen zwei Kriterien: Schutz vor Luft und Schutz vor Wasser.Warum so? Ein Aufbewahrungsmittel muss selbst reaktionsträge gegenüber dem Metall sein.
Lösungsskizze: Wasser reagiert heftig mit Na → gefährlich. Besser: Paraffinöl oder Petroleum, luftdicht verschlossen.
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Musterlösung: Der Vorschlag ist gefährlich und deshalb abzulehnen. Er erfüllt zwar das Kriterium „keine Luft“, aber Natrium reagiert heftig mit Wasser: Es entstehen Natronlauge und brennbarer Wasserstoff, der sich entzünden kann. Richtig ist die Aufbewahrung unter Paraffinöl (oder Petroleum): Es hält Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit fern und reagiert selbst nicht mit dem Metall.

A7
Helium — ein Sonderfall?
AFB III

Regel: „Die Nummer der Hauptgruppe ist gleich der Anzahl der Valenzelektronen.“ Helium hat 2 Valenzelektronen, steht aber in der VIII. Hauptgruppe. Überprüfe, ob die Stellung von Helium im PSE trotzdem sinnvoll ist.

Hinweis: Vergleiche Helium mit Beryllium (2 Valenzelektronen) und mit Neon.

Strategie: Prüfe, welche Eigenschaften und welche Elektronenkonfiguration Helium mit den anderen Edelgasen gemeinsam hat.Warum so? Das PSE ordnet Elemente mit ähnlichem Verhalten untereinander — die Zählregel ist nur eine Folge davon.
Lösungsskizze: He: 1. Schale voll (2 = Maximum) → wie Edelgase reaktionsträge, einatomiges Gas. Be ist ein Metall. → Stellung sinnvoll, Regel mit Ausnahme.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Zählregel gilt für Helium nicht, trotzdem ist die Stellung sinnvoll. Die erste Schale fasst höchstens 2 Elektronen — bei Helium ist die Außenschale also voll besetzt, genau wie bei Neon (8) und Argon (8). Deshalb verhält sich Helium wie ein Edelgas: einatomig, farblos, extrem reaktionsträge. Mit Beryllium, das ebenfalls 2 Valenzelektronen hat, hat es nichts gemein; Beryllium ist ein reaktionsfähiges Metall. Entscheidend für die Gruppe ist die voll besetzte Außenschale, nicht die bloße Anzahl.

A8
Caesium oder Lithium, Fluor oder Iod?
AFB III

Lege jeweils begründet fest, welches Element reaktiver ist: a) Lithium oder Caesium, b) Fluor oder Iod. Nutze dazu den Atombau.

Hinweis: Alkalimetalle geben bei Reaktionen ein Elektron ab, Halogene nehmen eines auf.

Strategie: Überlege, wie groß das Atom ist und wie stark der Kern die Außenelektronen bzw. ein zusätzliches Elektron anzieht.Warum so? Je weiter die Außenschale vom Kern entfernt ist, desto schwächer ist die Anziehung durch den Kern.
Lösungsskizze: a) Cs: viele Schalen, Außenelektron weit weg → leicht abzugeben → reaktiver. b) F: kleines Atom, Kern zieht fremdes Elektron stark an → reaktiver.
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Musterlösung: a) Caesium ist reaktiver. Sein Außenelektron sitzt auf der 6. Schale, weit vom Kern entfernt und durch viele innere Elektronen abgeschirmt; es lässt sich sehr leicht abgeben (niedrige Ionisierungsenergie). b) Fluor ist reaktiver. Das Fluor-Atom ist sehr klein; ein aufzunehmendes Elektron kommt dem Kern sehr nahe und wird stark angezogen. Beim großen Iod-Atom ist diese Anziehung viel schwächer. Deshalb verlaufen die Trends gegenläufig: Alkalimetalle werden nach unten reaktiver, Halogene nach unten reaktionsträger.

A9
Eine Regel für die Ionisierungsenergie
AFB III

Die Tabellen zeigen erste Ionisierungsenergien:

Erste Ionisierungsenergien
ElementLiNaKRb
1. IE
kJ/mol
520496419403
Erste Ionisierungsenergien der 2. Periode
ElementLiBeBCNOFNe
1. IE
kJ/mol
52090080110861402131416812081

Formuliere je eine Regel für den Verlauf innerhalb einer Hauptgruppe und innerhalb einer Periode und benenne die Abweichungen.

Hinweis: Achte in der zweiten Tabelle auf Stellen, an denen der Wert kurz sinkt.

Strategie: Beschreibe zuerst die allgemeine Richtung, dann die Ausnahmen (Be → B und N → O).Warum so? Eine gute Regel nennt den Trend und die Bedingung, unter der er gilt.
Lösungsskizze: Gruppe: nach unten sinkt die IE. Periode: nach rechts steigt sie insgesamt, mit kleinen Rücksprüngen bei B und O. Edelgas am Periodenende am höchsten.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Innerhalb einer Hauptgruppe nimmt die erste Ionisierungsenergie von oben nach unten ab (Li 520 kJ/mol bis Rb 403 kJ/mol), weil das Außenelektron auf einer immer weiter außen liegenden Schale sitzt. Innerhalb einer Periode nimmt sie von links nach rechts im Großen und Ganzen zu (Li 520 kJ/mol bis Ne 2081 kJ/mol), weil die Kernladung bei gleicher Schalenzahl steigt; das Edelgas hat den höchsten Wert. Abweichungen: Von Be zu B und von N zu O sinkt der Wert kurz. Die einfache Regel beschreibt also den Trend, nicht jeden Einzelwert.

A10
Trick: Ist Astat ein Gas?
AFB III

Astat (At) steht in der VII. Hauptgruppe unter Iod; es ist so selten, dass kaum jemand es je gesehen hat. Ein Schüler vermutet: „Astat ist wie Fluor und Chlor ein Gas.“ Zeige mit den Trends der Halogengruppe, welcher Aggregatzustand für Astat bei Raumtemperatur zu erwarten ist.

Hinweis: Siedetemperaturen: F₂ −188 °C, Cl₂ −34 °C, Br₂ 59 °C, I₂ 184 °C; Schmelztemperatur von I₂: 114 °C.

Strategie: Führe den Trend der Siede- und Schmelztemperaturen nach unten fort.Warum so? Elemente einer Gruppe ändern ihre Eigenschaften schrittweise — daraus lassen sich unbekannte Werte vorhersagen.
Lösungsskizze: Siede- und Schmelztemperaturen steigen nach unten an; schon Iod ist fest (114 °C) → Astat erst recht fest.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Von Fluor zu Iod steigen die Siedetemperaturen stark an (−188 °C → 184 °C), und auch die Schmelztemperaturen nehmen zu; Iod ist bei Raumtemperatur bereits fest (Schmelztemperatur 114 °C). Setzt man den Trend fort, muss Astat noch höher schmelzen und sieden. Also ist Astat bei Raumtemperatur ein Feststoff, kein Gas. Die Vermutung des Schülers ist falsch: Er hat von den obersten Gruppenmitgliedern auf das unterste geschlossen, statt dem Trend zu folgen.