MINT lernen

Typische Fehler

Zwölf Stolperfallen rund um Laborregeln, Gasbrenner, Stoffeigenschaften und die pH-Skala — und wie du sie vermeidest.

Hier sind die 12 häufigsten Fehler zum Kapitel Stoffeigenschaften — vom Laborverhalten über den Gasbrenner bis zur pH-Skala. Lies sie durch: Wer einen Fehler kennt, macht ihn seltener.

!

Die 12 häufigsten Fehler

1Lösen mit Schmelzen verwechseln

So wird es oft gemacht: „Der Zucker im Tee ist geschmolzen.“

Richtig ist: Der Zucker hat sich im Tee gelöst. Schmelzen würde er erst bei etwa 185 °C — so heiß ist kein Tee. Zum Lösen braucht man ein Lösungsmittel (Wasser), zum Schmelzen nur Wärme.

Lösen: Stoff + Wasser, unsichtbar verteilt. Schmelzen: fest → flüssig durch Wärme.

2Beobachtung und Deutung vermischen

So wird es oft gemacht: Unter „Beobachtung“ steht: „Die Lösung ist sauer.“

Richtig ist: Beobachtung: „Der Universalindikator färbt sich rot.“ Die Deutung „Die Lösung ist sauer“ gehört in die Auswertung — denn dass Rot „sauer“ bedeutet, sieht man nicht, man muss es wissen.

Beobachtung = was die Sinne oder ein Messgerät zeigen. Deutung = was es bedeutet.

3Direkt an der Flasche riechen

So wird es oft gemacht: Lea hält die Nase über das Reagenzglas und atmet tief ein.

Richtig ist: Den Geruch prüft man durch Zufächeln: Mit der Hand etwas Luft von der Öffnung zur Nase wedeln. So kommt nur wenig Dampf in die Nase — manche Dämpfe reizen oder schädigen die Atemwege.

Nie direkt riechen — immer zufächeln.

4Einen Stoff im Labor probieren

So wird es oft gemacht: „Das weiße Pulver ist bestimmt Zucker — ich probiere kurz mit der Zungenspitze.“

Richtig ist: Im Chemieraum wird nie geschmeckt, auch keine winzige Menge. Viele Stoffe sehen gleich aus; manche sind giftig oder ätzend. Zucker und Kochsalz unterscheidet man z. B. über die Brennbarkeit.

Geschmackssinn im Labor: verboten. Stoffe erkennt man an ungefährlich prüfbaren Eigenschaften.

5Körper und Stoff verwechseln

So wird es oft gemacht: Frage: „Aus welchem Stoff ist der Löffel?“ Antwort: „Aus Löffel.“ — oder: „Der Stoff heißt Nagel.“

Richtig ist: Der Löffel ist der Körper, das Material ist der Stoff: Edelstahl, Holz oder Kunststoff. Ein Nagel besteht aus dem Stoff Eisen.

Körper = Gegenstand mit Form. Stoff = Material, aus dem er besteht.

6Gas vor dem Streichholz aufdrehen

So wird es oft gemacht: Gashahn und Gasregler auf — dann erst nach den Streichhölzern suchen.

Richtig ist: Erst muss das Streichholz brennen, dann wird der Gasregler geöffnet. Sonst sammelt sich Gas über dem Tisch, und beim Anzünden gibt es eine Stichflamme. Die Luftzufuhr bleibt beim Anzünden geschlossen.

Gashahn auf → Streichholz an → Gasregler auf → Luft auf.

7Mit der leuchtenden Flamme erhitzen

ca.1500 °Cleuchtend, ca. 900 °Crauschend

So wird es oft gemacht: Das Becherglas wird über die gelbe Flamme gestellt — nach einer Weile ist es unten schwarz.

Richtig ist: Zum Erhitzen nimmt man die rauschende (blaue) Flamme: Sie ist heißer (bis etwa 1500 °C knapp über dem inneren Kegel) und rußt nicht. Die leuchtende Flamme (etwa 900 °C) dient nur als gut sichtbare Sparflamme.

Gelb = Luft zu, rußt. Blau = Luft auf, heiß, zum Erhitzen.

8Sieden und Verdunsten verwechseln

So wird es oft gemacht: „Wasser wird erst bei 100 °C gasförmig. Die Pfütze ist also weggelaufen.“

Richtig ist: Bei 100 °C siedet Wasser — mit Blasen in der ganzen Flüssigkeit. Gasförmig wird es aber auch schon vorher: Beim Verdunsten geht es langsam an der Oberfläche in die Luft über, bei jeder Temperatur.

Sieden: bei der Siedetemperatur, überall. Verdunsten: bei jeder Temperatur, nur an der Oberfläche.

9Den Zustand bei 20 °C falsch bestimmen

festflüssiggasförmig−218 °C−183 °C20 °CSauerstoff

So wird es oft gemacht: „Sauerstoff siedet bei −183 °C. Das ist eine sehr kalte Zahl, also ist Sauerstoff bei 20 °C fest.“

Richtig ist: 20 °C liegt weit über der Siedetemperatur von −183 °C. Sauerstoff ist bei Zimmertemperatur also gasförmig — wie wir ihn atmen.

Unter der Schmelztemperatur fest, dazwischen flüssig, über der Siedetemperatur gasförmig.

10Den Haltepunkt übersehen

So wird es oft gemacht: „Wenn man siedendes Wasser weiter erhitzt, wird es 110 °C, dann 120 °C heiß.“

Richtig ist: Solange Wasser siedet, bleibt seine Temperatur bei 100 °C stehen. Die zugeführte Wärme wird für das Verdampfen gebraucht. Genauso bleibt Eiswasser beim Schmelzen bei 0 °C, bis alles Eis weg ist.

Beim Schmelzen und Sieden bleibt die Temperatur stehen: Haltepunkt.

11Die pH-Skala falsch herum lesen

024678101214ZitronensaftKaffee← stärker sauerstärker alkalisch →

So wird es oft gemacht: „Zitronensaft hat pH 2, Kaffee pH 5. Also ist Kaffee saurer — 5 ist ja mehr.“

Richtig ist: Je kleiner der pH-Wert, desto stärker sauer. Zitronensaft (pH 2) ist also viel saurer als Kaffee (pH 5).

Unter 7 sauer: je näher an 0, desto saurer. Über 7 alkalisch: je näher an 14, desto stärker alkalisch.

12Alkalische Lösungen für harmlos halten

So wird es oft gemacht: „Nur Säuren sind gefährlich. Abflussreiniger ist ja alkalisch, den kann man ohne Handschuhe anfassen.“

Richtig ist: Abflussreiniger hat einen pH-Wert von 13 bis 14 und trägt das Piktogramm Ätzwirkung. Stark alkalische Lösungen verätzen Haut und Augen genauso wie starke Säuren.

Je weiter der pH-Wert von 7 entfernt ist, desto gefährlicher — in beide Richtungen.