Dipole für einen Augenblick
Auch unpolare Moleküle wie die Alkane ziehen sich gegenseitig an — sonst gäbe es kein flüssiges Pentan.
- Elektronenwolke:die Elektronen eines Moleküls sind ständig in Bewegung; für einen Augenblick sind sie ungleich verteilt.
- Temporärer Dipol:kurzzeitig trägt eine Seite des Moleküls eine negative Teilladung (δ−), die andere eine positive (δ+).
- Induzierter Dipol:der temporäre Dipol verschiebt die Elektronen im Nachbarmolekül — dort entsteht ein Dipol in passender Ausrichtung.
- Van-der-Waals-Kräfte:Anziehung zwischen temporären und induzierten Dipolen: schwach, nur auf kurze Entfernung wirksam, zwischen allen Molekülen.
Wähle einen Stoff und verändere die Temperatur (Tastatur: Tab zum Regler, dann ←/→). Beobachte, wann die Moleküle zusammenbleiben, und verfolge in der Lupe die Teilladungen (rot δ−, blau δ+).
Halte fest: Van-der-Waals-Kräfte halten unpolare Moleküle in der Flüssigkeit zusammen. Beim Sieden überwindet die Bewegungsenergie diese Kräfte — je größer die Kontaktfläche der Moleküle, desto höher muss die Temperatur dafür sein.
Was die Kräfte stärker macht
Wie stark die Van-der-Waals-Kräfte sind, hängt von Größe und Form der Moleküle ab.
- Kontaktfläche:je größer die Fläche, mit der sich zwei Moleküle berühren, desto mehr Dipol-Paare wirken, desto stärker die Anziehung.
- Kettenlänge:längere Kette → mehr Elektronen und größere Oberfläche → höhere Siedetemperatur (Methan −162 °C, Octan 126 °C).
- Verzweigung:bei gleicher Summenformel macht sie das Molekül kompakter: Pentan 36 °C, 2-Methylbutan 28 °C, 2,2-Dimethylpropan 9,5 °C.
- Sieden:die Van-der-Waals-Kräfte zwischen den Molekülen werden überwunden; die Bindungen in den Molekülen bleiben erhalten.
Van-der-Waals-Kräfte: Je größer die Moleküloberfläche (lange, unverzweigte Kette), desto stärker die Van-der-Waals-Kräfte und desto höher die Siedetemperatur.
Allgemeine Hinweise
Kräfte, keine Bindungen
Van-der-Waals-Kräfte wirken zwischen Molekülen. Beim Sieden von Pentan bleiben alle C–C- und C–H-Bindungen erhalten — es entsteht gasförmiges Pentan, kein Kohlenstoff.
Fair vergleichen
Den Einfluss der Verzweigung nur bei Isomeren (gleiche Summenformel) vergleichen. Sonst überdeckt die unterschiedliche Kettenlänge alles.
Kein dauerhafter Dipol
Alkan-Moleküle haben keine festen Teilladungen. δ+ und δ− wechseln ständig ihre Lage — die Anziehung bleibt, weil sich die Elektronen des Nachbarn jedes Mal mitverschieben.
